SethSteiner hat geschrieben:Highnrich hat geschrieben:SethSteiner hat geschrieben:Es gibt keine Quote, es gibt keine Liste. Diese Dinge sind normal, ob du das glaubst oder nicht. Schlimm ist es, wenn Menschen die Implementation von Homosexuellen verurteilen, nicht wenn Homosexuelle Implementiert werden.. oder Frauen.
Wenn es einen einzigen schwulen Elf in Dragon Age gibt ist es eben nicht - normal - es wirkt aufgesetzt
Kapierst du das nicht?
Ich soll es kapieren, dass ein schwuler Elf aufgesetzt wirkt? Das ist tatsächlich ziemlich schwierig.
Hmmm… lässt sich eigentlich recht leicht erläutern: Also erst einmal ist es mit Sicherheit keine Homophobie, die Highnrich dort antreibt. Wenn ich ihn richtig verstehe, betrachtet er das eher von einem „erzählerischen“ Standpunkt aus. Das hat mit irgendeinem hehren Ziel der einfach korrekten Abbildung irgendwelcher Gesellschaftlichen Realitäten, die du öfters anführst, erst einmal nix zu tun.
Sag mal dem Autor eines Romans oder Drehbuchs, in dessen Handlung es in keiner Weise um Sex oder tiefere zwischenmenschliche Beziehungen geht, in dem per se auch nicht der geringste Hinweis überhaupt auf die sexuelle Orientierung seiner Figuren gegeben wird, weil es für den Fortlauf der Geschichte schlicht keine Relevanz hat, dass es dich stört, dass er irgendwie nur heterosexuelle Charaktere hat und du fändest es besser, mal ein paar Homosexuelle Figuren in der Geschichte zu sehen. Der wird dir sein Skript aber so was von um die Ohren hauen.
Als erstes muss zumindest so etwas wie eine Relevanz für die Darstellung einer sexuellen Ausrichtung vorhanden sein. Es sollte bestenfalls irgendwo im Verlauf der Geschichte eine plausible Begründung für die Thematisierung vorliegen. Ist dies nicht der Fall, gebe ich Hignrich Recht, wirkt es aufgesetzt und hat tatsächlich so etwas von einem Quotenschwulen oder, in meinen Augen noch schlimmer, etwas von einem selbstzweckhaften Sidekick-Klischee. Irgendwer meint, die Geschichte käme zu staubtrocken rüber. Kein Problem, bauen wir halt die typische Fummeltrine ein, die ist immer gut für den einen oder anderen Lacher.
Das bringt mich zum nächsten, ganz entscheidenden Punkt: wie willst du es in einer Geschichte, in der die sexuelle Orientierung der Charaktere gar keine Relevanz hat (was auf die erdrückende Mehrheit der Videospielgeschichten zutrifft), dem Spieler / Zuschauer / Leser überhaupt verkaufen, dass jetzt eben dieser oder jene Charakter homosexuell ist? In Form aufgesetzter Liebesszenen, die die Geschichte nicht ein Stück voranbringen und auch, weil sie meist schlecht eingebaut sind, für die Charakterentwicklung so irgendwie gar keinen Mehrwert haben. Bitte nein. Das geht mir schon in vielen Hollywoodfilmen auf den Sack: die schon fast obligatorische, stets züchtig inszenierte Liebesszene, die im Gesamtkontext meist den Eindruck zurücklässt, dass sie entweder Teil einer abzuhakenden Liste war und / oder einfach nur die Laufzeit des Films nochmal um ein paar Minuten strecken sollte.
Aber wie soll es anders gehen? Klar, auf subtilem Wege, durch kleinste Andeutungen am Rande. Wie etwa Bill in TLOU. Aber, und das ist wichtig, da hatte das alles in dem Part, in dem man mit ihm unterwegs war, hinten raus sogar auch eine erzählerische Relevanz. Ansonsten bliebe da nur noch der Holzhammer. Das heißt wir greifen wieder tief in die Klischee-Mottenkiste und holen sie wieder raus: die quietschige, überkandidelte Tunte und das fette, hässliche Mannsweib in Holzfällerhemd und Schlabberjeans. Aber ich glaube, das will auch keiner von uns so wirklich.
Etwas doppelbödiger stellt sich vielmehr eine Frage: Ehrlich gesagt wüsste ich jetzt von, mal so geschätzt, mindestens 90 % der Hauptcharaktere und 100 % der Nebencharaktere nicht zweifelsfrei deren sexuelle Orientierung anhand von Hinweisen aus der Geschichte oder aus ihrem Verhalten heraus zu bestimmen; weil es halt in der Regel auch völlig irrelevant für die Story ist. Und ich hab mir da auch nie wirklich Gedanken drüber gemacht. Ich zerbrech mir ja schon nicht ständig meinen Kopf über die realen Personen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, da interessiert mich so etwas völlig abstraktes wie die Sexualität einer Spielfigur noch viel weniger.
Aber, vor eben diesem Hintergrund: Warum gehst du scheinbar pauschal davon aus, dass ein Charakter, dessen Sexualität nicht näher definiert wird, heterosexuell ist? Du sagst ja selbst völlig richtig, dass Homosexualität ebenso normal ist, wie Heterosexualität. Aber woher kommt dann diese scheinbare Annahme im Falle der Unkenntnis über die sexuelle Orientierung eines Charakters, dieser sei heterosexuell, wenn nicht letztlich aus der Grundhaltung, dies sei nun mal doch irgendwie die Norm? Was biologisch ja eigentlich noch nicht einmal stimmt, denn so gesehen ist die Norm bei uns Säugetieren die Bisexualität.
Wer sagt uns nicht, dass wir schon hunderte, vielleicht tausende von schwulen und lesbischen Charakteren in Spielen getroffen haben? Solange uns die Geschichte dies nicht erläutert, bleibt es uns überlassen, uns das auszumalen, sofern es uns denn wirklich so wichtig erscheint. Und wer dann meint, es immer nur mit Heten zu tun gehabt zu haben, sollte sich so eventuell auch mal selbst hinterfragen, ob denn seine Weltanschauung wirklich so aufgeklärt ist, wie er sie sich selber „vorgaukelt“.
Damit wollte ich dich jetzt aber keinesfalls hinterhältig anpflaumen oder deine Weltsicht in Frage stellen. Es waren wirklich nur so Gedanken, die mir bei diesem Thema gekommen sind.
PS: Es gibt auf Basis des ersten Endgegners in SH3 (dieser komische Wurm) mehrere Theorien, die aufgrund der leicht phallischen Gestalt des Monsters Rückschlüsse auf Heather Masons Sexualität ziehen. Eine davon lautet: sie ist lesbisch!