soul-stylez hat geschrieben:
Bezahlte Positive Berichterstattung nennt sich auch Marketing. Viele gute Produkte sind schon wegen fehlendem Marketing in der Versenkung gelandet, viele gute Firmen wegen fehlendem Marketing in der Insolvenz. Gute Produktqualität reicht heute nicht mehr, dafür gibt es viel zu viel und viel zu gute Konkurrenz.
Dass es selbst für ein gutes Produkt wichtig ist, Marketing zu betreiben, steht ausser Frage. Natürlich fällt bezahlte, positive Berichterstattung auch darein. Allerdings ist irgendwo die Grenze zwischen "gute Selbstdarstellung" und "Betrug am Verbraucher" überschritten. Um es zu verdeutlichen: Wenn ich ein Online-mag bezahle Tests meiner Spielehighlights besonders hervorzuheben (hier z.B. nicht nur an der Seite unter "Neuem", sondern mit Bildchen gut ersichtlich) ist das vollkommen legitim. Wenn ich in einer TV-Sendung dafür sorge, dass die Hauptfiguren X-Box zocken und Spass dran haben (ich sag nur Halo Night bei Big Bang Theory, ohne behaupten zu wollen, dass MS zwangsläufig Geld dafür ausgegeben hat [wäre eher dumm von den Produzenten da nicht ein bisschen was für verlangt zu haben]) -> alles tutti. Wenn ich, als objektiv wahrgenommene, Berichterstatter aber explizit darum bitte, nichts negatives/nur positives zu sagen, dann ist das eine Art der Beeinflussung, die selbstredend als "Werbung" durchgeht, aber auf einer ganz anderen Ebene schlichtweg Betrug ist. Gerade wenn kein Hinweis vorkommt, dass MS diesen Bericht gesponsort hat.
soul-stylez hat geschrieben:
Habt ihr noch nie den Fernseher angemacht? Da preist ein Zahnarzt eine Zahnpasta an, da preist ein Modedesigner Joghurtdrinks an, Michael Ballack steht auf Pauschalreisen, Kevin Großkreutz auf frischen Atem, und Jürgen Klopp auf ein Rasierer den er nie benutzt. Finde ich das gut? Nein. Aber es ist nunmal so. Menschen werden bezahlt um gut über ein Produkt zu reden. Ist das Produkt deshalb gleich schlecht? Nein. Es kann sogar das Beste sein.
Der Unterschied sollte aber klar sein: Sehe ich einen Werbespot, in dem Thomas Müller Müllermilch preist, dann weiss ich, dass das nicht unabhängig ist, sondern ein von der Firma in Auftrag gegebener Werbespot. Werbung (übrigens nur ein Anteil des Marketings, da zählt noch sehr viel mehr dazu) funktioniert nunmal so. Ich brauche Humor, "Sex", eine Geschichte, ein prominentes Gesicht, irgendwas damit diese 30 Sekunden (oder ein kürzerer Reminder-Spot später) im Gedächtnis bleiben oder im Falle der Prominenten der Eindruck entsteht "selbst der benutzt das". Sehe ich dann Müllermilch im Regal stehen und habe den Werbespot irgendwo in meinem Gehirn abgespeichert, dann macht es "klick". Aber auch hier ist der Unterschied: Nirgendwo wird behauptet, dass Müller unabhängig ist. Es ist klar, dass er bezahlt wurde, um das zu sagen. Bei einem youtuber, der bisher auch mal kritisch war, kann der Durchschnittsverbraucher nicht davon ausgehen, dass er bezahlt wurde, um da über z.B. "Ryse" abzujubeln.
Das ist natürlich ein recht theoretischer Unterschied, gerade da einige hier (mich eingeschlossen) nicht auf youtuber vertrauen, da ihre "Unabhängigkeit" eh oft fragwürdig ist, aber genug Menschen da draussen sehen das halt anders.
Im Endeffekt hat MS eh ein unerwünschtes Ergebnis: Zwar haben sie wieder einmal Aufmerksamkeit erregt (was ja erstmal, in sehr vielen Fällen, sehr gut ist), aber wieder einmal negativ. Bei so viel negativen Reaktionen (denn auch wenn andere das ebenfalls machen, bei MS ist es nunmal wieder herausgekommen und fällt negativ auf), die sich kumuliert haben (erst vorm Release der ganze Kram, bei dem MS zurückgerudert ist, dann die vielen Mikrotransaktionen, nun das Bezahlen für rein positive, unkritische Berichte), bestärken sie doch genau das, was sie nicht wollen: Dass sie halt M$ sind und ihnen das wichtigste ist, Geld zu machen, egal wie der Gegenwert lautet.
Es geht mir nicht per se darum, MS das vorzuwerfen, aber sie tun alles, dass sich dieses Image in den Köpfen vieler manifestiert. Wohingegen Nintendo, deren Marketing Kampagne wirklich ein großer Flop war (in vielerlei Hinsicht auch in den unzähligen Bereichen des Marketing, die nicht konkret mit Werbung zu tun haben), momentan immer noch von ihrem Image zehrt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Dass sich daraus so ein kleiner Skandal entwickelt hat, zeigt, dass MS' Strategie bei nicht wenigen als "betrügerisch" aufgenommen wird. Und die wahrgenommene Realität (MS will auf Biegen und Brechen versuchen, ihre Konsole an den Mann zu bringen, und will dafür sorgen, dass selbst Mittelmaß und Schrott gut bewertet wird) zählt in den Köpfen der Verbraucher mehr, als die eigentliche.