keiner einer hat geschrieben:Die Wahrnehmung von Medien hat sich aber sehr wohl weiter entwickelt und damit auch unsere Kompetenzen was Medien anbelangt. Habe neulich noch einen Beitrag gehört, dass die Leute sich früher einfach ein Fahrrad nicht erklären konnten. Warum man damit nicht einfach um kippte. Sie hielten es quasi für hokuspokus und kein "vernünftiger Mensch" hätte sich auf sowas gesetzt. Das machen Kleinkinder heute ohne weiter darüber nach zu denken. Doch wieder haben uns weiter entwickelt.
Ich denke wir können uns aber darauf einigen, dass der Duke schon vor 15 Jahren von 18 Jährigen hätte konsumiert werden können, ohne das dieser bleibende Schäden davon getragen hätte.
Allerdings möchte ich die ständigen "mir hats nicht geschadet"- Schreier auch darauf hinweisen, dass der Gesetzgeber darauf angewiesen ist ALLE Individuen zu schützen und nicht nur den Durchschnittsbürger.
Was ich prinzipiell für richtig halte.
Du hast also einen Beitrag gehört, in dem Leute sich früher kein Fahrrad erklären können, daher haben wir uns weiterentwickelt? Also abgesehen davon, dass wir allgemein nur von hörensagen sprechen (und zwar ziemlich konsequent), ist selbst wenn dein Beispiel zutrifft das gar kein Beleg für eine Entwicklung des Menschen, sondern allenfalls eine kulturelle Entwicklung und die findet nicht statt weil sich unser Gehirn oder Körper entwickelt, sondern unsere Gesellschaft. Das ist ein Unterschied. Menschen waren gestern wie heute fähig zu verstehen was ein Fahrrad ist und wie es funktioniert. Man könnte auch in die Zeit zurückreisen, ein Kind entführen und mit ein wenig Talent könnte es Raketenforscher werden, einfach weil der Mensch sich in dieser Zeit nicht nennenswert evolutionär entwickelt hat.
Der Gesetzgeber ist übrigens nicht darauf angewiesen ALLE Individuen vor ALLEM zu schützen, sondern im Gegenteil ein System zu etablieren, dass die meisten Individuen vor Gefahren schützt. Auch ein einfacher Radiergummi kann eine solche Gefahr sein, sicher ist schon mal jemand daran erstickt, trotzdem können alle Kinder ihn benutzen. Das geht auch noch über die Erdnuss hinaus, denn dort wo Kleinteile eine realere Gefahr sind - bei Spielzeug nämlich, da reicht auch ein einfacher Hinweis auf die Möglichkeit des Verschluckens hinaus. Man käme nicht auf die Idee Ü-Eier zu verbieten und das obwohl das Verschlucken von Kleinteilen vermutlich mehr Kinder in einem einzigen Monat des Jahres schädigt als es Medien in 100 Jahren je geschafft haben dürften, falls sie das überhaupt taten. Hier kommt dann auch ein sehr wichtiges Prinzip ins Spiel: Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Und genau das wurde niemals beim Jugendmedienschutz beachtet.
@Jim Panse
Du solltest dir denke ich durchlesen, was ich geschrieben habe. Es ging nicht um kulturelle, gesellschaftliche Entwicklungen, die ich nicht abstreite, sondern es ging mir um evolutionäre Änderungen, die damit auch die Psyche beeinflußen. Psyche ist verbunden mit unserem Körper und besonders dem Gehirn. Die Psyche der Spezies Mensch kann sich nicht ändern, wenn sich nicht auch das Gehirn verändert. Alles was wir an psychologischen Wirkungen kennen, gab es genauso schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden. Siehe auch der Hinweis auf PTSD. Wenn du nun sagst, Pornographie und Gewalt ist wesentlich offener zugänglich, dann... jein. Ja wir haben Smartphones und bestimmt wir auf dem Schulhof auch schon mal Gewalt und Pornographie auf dem Schulhof ausgestrahlt aber heisst das auch, dass man damit früher und schneller in Kontakt kommt? Also ich erinnere mich noch an meine Jugend in den 90ern, weil das ja gerade Thema is tund man o man, von beidem gab es jetzt auch nicht zu wenig. Klar, Zensur war damals noch heftiger als heute aber ich weiß noch wie auf der vorletzten Seite jeder SuperIllu eine nackte Frau ihre Titten vorgezeigt hat und bestimmt nicht um über Brustkrebs zu informieren. Und auch im Fernsehen lief schon eine Menge auch blutiger Gewalt, die Schnitte haben zwar einiges weggenommen aber unbekannt war mir das als Kind auch nicht gewesen. Dass nun aber die Hemmschwelle gesenkt wird, wohlbemerkt nicht die Verträglichkeit sondern Hemmschwelle, halte ich für Unsinn. Verträglichkeit ist was anderes, das geht sicher bis zu einem gewissen Grad aber das funktioniert auch nur, wenn man mehr und mehr sieht. Dass "wir" quasi weniger Probleme mit dem Betrachten von Gewalt haben, liegt daran dass wir schon in unserer Jugend damit in Kontakt kamen. Doom, Braindead und Co. waren quasi wie eine Impfung, genauso wie das womit die Jugend heute so in Kontakt kommt. Die Hemmschwelle dagegen dürfte eher sinken, wenn man gerade keinen Schimmer der Wirkung hat. Wir reden hier immer noch nicht von Zahlen aber nehmen wir ein historisches Beispiel. Den ersten Weltkrieg. Im Kaiserreich herrschte über Jahrzehnte Frieden, zwar gab es natürlich Greuel und Aggressivitäten aber die waren weit. Man könnte nun vermuten, der Erste Weltkrieg war besonders brutal mit Erfindungen und Einsatz von Giftgas, einfach weil man gesellschaftlich zu naiv geworden war und Krieg romantisiert hatte. Entsprechend sah dann die Reaktion nach dem ersten Weltkrieg aus, mit einem sichtlichen Trauma, deutlich in der Kunst wiedergegeben.
@ShadowXX
Wei die wahren Motive der Indizierung und Beschlagnahmung schon immer andere waren. Ist ging noch nie um Jugendmedienschutz sondern der Formung der Gesellschaft nach dem Bild konservativer Machtgruppen, die damit u.A. ihre Macht auch sicherstellen wollen. Deswegen gibt es das Ganze ja auch schon seit der Kirche, wenn nicht sogar den Pharaonen (siehe Echnaton).