SZ: Kommentar zum Verbot von Gewaltspielen

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
Max Headroom
Beiträge: 1856
Registriert: 05.08.2002 13:11
Persönliche Nachricht:

THX

Beitrag von Max Headroom »

Danke, ich habe es auch geschafft was zu werden ... ich bin Student ;)
Aber mal im ernst, Ernst... wenn zu jedem Popelstext gleich 200 Counter-Striker ihre Tagesabläufe niederschreiben, erreicht man leider selten das gewünschte. Die sagen dann nur: \"Noch so ein Spieler\" und gehen über zum nächstem Artikel.
Man muss die Redaktion wirklich zum grübeln bringen. Ihre Köpfe sollen Rauchen und regelrecht kochen (vor Wut ? ;)).
Ich hoffe, das irgendwann eine Redaktion (im TV oder Paper) wieder mal eine Aktion wie \"Games Odyssey\" macht. Diese 4-teilige Serie (habe leider nur 3 davon :() war fantastisch. Wäre diese Ausführlichkeit mit dem Thema \"Indizierung\" fortegestzt worden, hätte ich glatt vor dem TV-Sender übernachtet um ihnen den GRUND von \"Gewaltspielen\" zu zeigen ;)

-=MAX HEADROOM=- - Der Virus der Gesellschaft
Benutzeravatar
Scharfnase
Beiträge: 55
Registriert: 27.10.2002 08:50
Persönliche Nachricht:

Es geht um Freiheit der Kunst

Beitrag von Scharfnase »

Lieber Max Headroom,

genau darum geht es.;-)

Ich habe den Kommentar aus der SZ deshalb hier als Meldung gepostet, weil es mir vor allem darum ging. Der Kommentator maßt sich nämlich an zu entscheiden, was Kunst ist und was nicht. Diese Arroganz hat mich so gestört an dem Kommentar, der ganz nebenbei natürlich auch sprachlich daneben ist.

Freilich ist Kunst Geschmacksache, zu entscheiden was Kunst ist und wie weit die Kunstfreiheit geht, darf keine Frage des persönlichen Geschmacks sein. Da ist die Madonna in Öl genauso geschützt wie der Zombie aus Pixeln, denn beides kann schließlich Kunst sein.:-)

Gruß,
4P|Bodo
Benutzeravatar
Jörg Luibl
Beiträge: 9619
Registriert: 08.08.2002 15:17
Persönliche Nachricht:

Kunst-Debatte

Beitrag von Jörg Luibl »

Hallo Freunde,

endlich mal eine Kunst-Debatte!

Aber zunächst kann ich Max und Scharfnase nur beipflichten, dass das einzig Kritikwürdige am Text des SZ-Kommentators sein überhebliches Urteil war.

Allerdings muss ich die SZ ein wenig in Schutz nehmen: Erstens ist sie die einzige Tageszeitung, die ab und an über unser Hobby im Feuilleton berichtet. Und zweitens handelte es sich bei dem Kommentar, ähnlich wie bei unseren Kolumnen, nicht um die Redaktionsmeinung der SZ, sondern um die eines einzelnen Autors - in diesem Fall jene von Joachim Käppner. Er hat übrigens Politikwissenschaft studiert, promoviert und den Theodor-Wolff-Preis für eine historische Reportage bekommen. Was ihn nicht vor seiner schlechten Recherche und der unqualifizierten Verdammung der ganzen Spielewelt bewahrte...als Akademiker hat er hier ein ganz schlechtes Bild hinterlassen.

In der Kunst ist es nämlich vollkommen egal, WAS dargestellt wird (Gewalt, Sex, Stofftiere). Es kommt darauf an, WIE es dargestellt wird, und ob es etwas NEUES, nicht Erlebtes bzw. Erspieltes vermittelt. Daher ist es eigentlich keine "Geschmackssache", denn mittels des Geschmacks kann ich zwar genießen, aber nicht qualifizieren. Sonst müsste man auch Moorhuhn als Kunstwerk bezeichnen, weil es eben vielen Leuten gefällt.

Ich würde Max Payne z.B. in die Kategorie kleines Kunstwerk packen, weil es Schießereien -wie nie zuvor- auf höchstem optischen Niveau zelebrierte; ja, es war gewalttätig, aber es war grandios inszeniert! Marquis de Sade, Baudelaire und Lautréamont hätten es sicher gern gespielt. Trotzdem: Die Masse der Shooter und Spiele gehört in die Kitsch-Tonne - aber genau so, wie die Masse der Bücher und Filme.

Und eines muss man der Spielebranche lassen: Sie hat, vor allem in Japan, in Sachen künstlerische Qualität mit den anderen Medien gleichgezogen. Dramaturgen, Grafik-Designer und Programmierer zaubern Spielwelten, die in sich stimmig sind und, wie im Fall von Silent Hill oder Eternal Darkness, nie erlebte Spielerfahrungen vermitteln. Diese Perlen sind sicher eher Kunstwerke, als so mancher Spiegel-Bestseller.

Bis denne
4P|Jörg
Benutzeravatar
ich2000
Beiträge: 65
Registriert: 05.08.2002 13:01
Persönliche Nachricht:

Beitrag von ich2000 »

Genau meine Rede.
Benutzeravatar
Max Headroom
Beiträge: 1856
Registriert: 05.08.2002 13:11
Persönliche Nachricht:

Da ist ja alles klar ;)

Beitrag von Max Headroom »

Hallöchen alle zusammen ;)
Ich kann Bodo und Jörg ebenfalls zustimmen. Die SZ an sich wird ja gar nicht angegriffen. Aber es soll auch nicht dabei enden, dass ein promovierter Akademiker die Kunst nach _seinem_ Bilde definiert und dabei sich einen (kleinen) Teil des grossen Spielekuchens nimmt um mit ihm ein geschriebenes Exempel zu statuieren.
Klar, es gibt hier und da einige Perlen, die wahrlich als Kunst zu bezeichnen sind. Mein Namensvetter Mr. Payne z.Bsp. würde ich ohne Probleme mit Hong Kong Filme wie die von John Woo gleichsetzen. Obwohl ziemlich deftige Schusswechsel stattfinden und bei Treffern keine Rauchwölkchen sondern ganze Blutfontänen zu sehen sind, ist alles wie in einem Comic stillisiert und per Slow-Motion und Kameraführung völlig anders dargestellt als ein echter Strassenkampf in der Bronx.
Anderseits existieren auch viele \"Plastikspiele\", also Spiele aus der Retorte, die eher zum Kurzspektakel reichen. Im Film-Business existiert ja auch Trash-Video Releases a la \"Navi-Seals\" oder die unzähligen Chuck Norris & Steven Segall Produkte. Die sollen weniger eine Kunstform repräsentieren als eher den Appettit auf akrobatische Kickbox- und Actioneinlagen sättigen.
Aber weder Missing in Action, Alarmstufe Rot oder im künstlerischem Stile Matrix sind dazu \"erschaffen\" worden um als Trainingvideo für Massenschlachten zu dienen. Würde man nun ein Gewaltfilm generell verbieten weil dessen Szenen für kindliche Gemüter zu brutal sind - ganz ohne \"Umweg\" über Altersfreigabe - dann fragt man sich ob überhaupt noch Filme gedreht werden dürfte. Denn das Videoband als Ausdrucksmittel würde dann komplett nur noch dem \"Kunstgeschmack\" einer obrigen Organisation unterliegen. Nur das, was \"die da oben\" als \"Kunst\" durchgehen lassen, wäre dann als \"künstlerische Freiheit\" anerkannt und damit frei erhältlich.
Oder gibt es gar Kunst, welche man erst ab einem bestimmten Alter begreifen kann ? Dies vielleicht sogar wissenschaftlich deklariert ? Das wäre eine kleine Revolution! Wäre so cool wie Intelligenz in Tuben zu verpacken ;)
Aber (leider ?) unterliegt der persönliche Geschmack in Sachen Kunst genauso wie die individuelle Interpretation eines \"Kunstwerkes\" keineswegs einer DIN-Norm sondern kann von jedem selbst bewertet werden. Der eine findet Rembrandt fantastisch und meidet Picasso wie die Pest, der andere sammelt dafür eher Warhols Pop-Art Werke und macht einen Bogen um die Mona Lisa. ;)
Aber wenn man nun sagt, dass jemand der sich ein Bild ausdenkt, zeichnet und per Photoshop verewigt nun als \"Produzent\" statt als \"Künstler\" durchzugehen MUSS, der schränkt damit nun wirklich ein bisserl die Kunstfreiheit an sich ein. Insbesondere wenn er einen solch globalen Satz wie im SZ-Kommentar abgibt, der absolut keine Unterscheidung zwischen Pixelblut oder Pixelpicasso erlaubt.
Ich habe auf Parties Leute gesehen, die Pixel für Pixel ein Bild gezeichnet haben um es zeitlich noch in der Competition abzugeben. Ich habe auch Spiele gesehen, dessen Sprites ebenfalls Pixel für Pixel handgezeichnet wurden. Und ich habe im Museum Bilder gesehen, die Tropfen für Tropfen verewigt wurden. Und in unserer modernen Welt hat sich eine neue Kunstform etabliert, in der Künstler die Elektronik mit einbeziehen. Videokunst kann man z.Bsp. bei der \"Art Prix Electronica\" gleich Stundenweise geniessen. Von Special Effects in Kinofilmen bis hin zu digitalen Kollagen von alten Werken, diesmal als 3D-rotierender Würfel auf dem Screen. Solche Werke sind eigentlich ohne Zweifel als Kunstwerk anerkannt.
Das Computerspiel gilt eigentlich genauso wie die Tafel Schokolade nicht gerade als Kunstwerk. Klar, die meisten haben noch Pac-Man vor den Augen und zuletzt die Blutsfontänen von den gefaketen Counter-Strike Bild-Bilder (die ja eher Soldier of Fortune US waren ;)). Das aber hinter solchen \"Killerspiele\" Pac-Man ..äh.. Team Factor & Co. kein Roboter steht der am laufenden Meter Blutsfontänen programmiert, sondern eine GRUPPE von denkenden MENSCHEN, die sich sichtlich Mühe geben aus leeren Festplatten ein lauffähiges Spiel zu machen, dies ist wohl unwichtig geworden. Man sieht eher das Produkt und weniger die Arbeit dahinter.
John Romero schnippt auch nicht mit den Fingern und zaubert damit die Doom-3 Engine zusammen. Genausowenig werden aus Bauklötze per Zauberspruch Schrotflinten. Und wenn ein Team eine Idee hat und sie von der Geistform in einen dicken Haufen von Bits und Bytes packt, dazu Grafiker anheuert um z.Bsp. in Silent Hill eine richtig blutige Umgebung zu schaffen und noch ein Orchester mit der Musikuntermalung beauftragt, dann frage ich mich wirklich wo noch der Unterschied zwischen \"Kinofilm\" und interaktiver \"Computerfilm\" besteht, wenn der Aufwand bei (einigen) Produkten so immens wird. Klar, ein Moorhuhn ist vielleicht ein bisserl entfern davon als Kunstwerk anerkannt zu werden. Ich würde es ebenfalls zu der Tafel Schokolade einordnen (lecker, aber man wird nicht satt ;)), doch dies trifft auf jegliche \"Kunstform\" zu ! Im Musikbusiness existiert ja auch One-Hit Bands und Plastikpop in Hülle und Fülle die nur dazu dient, die Kassen ein bisschen voller zu kriegen. Im Bildhauer-Bereich habe ich Skulpturen gesehen, da kräuselten sich mir die Haare auf den Zähnen zusammen ;) Da klebt jemand eine Zahnpastatube mitten auf einem Toilettendecken dran, schraubt das ganze auf einem Badezimmerspiegel ran und nennt es \"die tägliche Toilettenkunst\". Und sowas geht als \"Kunst\" durch :-)
Also, wie man am Ende des ganzen geschriebenen Schwachsinns von mir erkennen kann: Kunst ist keineswegs per Masseinheit definierbar. Und wieso sollte dann ein Mensch, der sichtlich viel Mühe, Zeit und Arbeit investiert hat um ein Bild voll mit Zombies zu malen nicht genauso als Künstler anerkannt werden wie jemand der ein Feld voll mit Blumen malt ?
Letztenendes gilt es ja darum, die Atmosphäre am besten einzufangen und möglichst auf den Spieler, Zuschauer oder Kunstkritiker zu übertragen.

Naja, vielleicht brauchte Herr Käppner bloß ein dickes Gesprächsthema, bevor die ganze Thematik ins Nirvana verschwindet. Denn, wie man neuerdings merkt, wird der Mensch von Natur aus immer fauler. In den ersten Wochen nach dem 9/11 Anschlag war jede Handtasche bei den Linienflügen sofort als potenzielle Atombombe klassifiziert. Heute checkt man genauso (lasch) durch wie vor dem Anschlag. Beunruhigend, ja, und vielleicht wollte die SZ mit dem Kommentar die Brisanz wieder vor Augen führen. Aber dies ist nun wahrlich geschmacklos geschehen und war nun wirklich eher ein Schnellschuss der nach hinten losging.

-=MAX HEADROOM=- - Der Virus der Gesellschaft
Benutzeravatar
Jörg Luibl
Beiträge: 9619
Registriert: 08.08.2002 15:17
Persönliche Nachricht:

Pixelkunst

Beitrag von Jörg Luibl »

Hi Max,

Du hast da eine schöne Parallele zwischen der Pixelkunst und der klassischen Malerei gezogen. Man denke nur an den Impressionismus, der in vielen Formen einem schwach aufgelösten Bild entspricht, wo man nur die wesentlichen Eindrücke von Licht und Kontur einfängt - nach dem Motto: mit wenigen Mitteln viel ausdrücken. Vor allem "Outcast" hat mich mit seiner Voxel-Grafik an diese Atmosphäre erinnert.

Mittlerweile geht es eher um Naturalismus; alles möglichst realistisch und naturgetreu abbilden. Vieles hat dabei allerdings nur den Charakter einer billigen Kopie. Nur aus Japan kam mit dem Cel Shading mal wieder etwas optisch Innovatives. Auch ICO hat eine ganz eigene Stimmung durch Licht und Architektur geschaffen, die ich ohne zu zögern mit den größten Kunstwerken der klassischen Malerei gleichsetzen würde.

Jedenfalls ist die Spielebranche in Sachen Kunst noch ein sehr junges Medium, das sicher noch einige
spannende Entwicklungen mitmachen wird.

Bis denne
4P|Jörg
johndoe-freename-2289
Beiträge: 1623
Registriert: 08.08.2002 16:02
Persönliche Nachricht:

Beitrag von johndoe-freename-2289 »

Ich würde Max Payne z.B. in die Kategorie kleines Kunstwerk packen, weil es Schießereien -wie nie zuvor- auf höchstem optischen Niveau zelebrierte; ja, es war gewalttätig, aber es war grandios inszeniert! Marquis de Sade, Baudelaire und Lautréamont hätten es sicher gern gespielt. Trotzdem: Die Masse der Shooter und Spiele gehört in die Kitsch-Tonne - aber genau so, wie die Masse der Bücher und Filme.
oberflächlich betrachtet kann ich dem durchaus zustimmen, jedoch gewalt bleibt gewalt. egal ob sie nun künstlerisch wertvoll dargestellt wird, oder nicht. im richtigen leben schwebt auch keien kamera um einen drumherum, die das ganze dann cool aussehen lässt, nein, man drückt ab und das wars. denn entweder ist der andere tot, oder man wird selber getroffen und das tut dann bestimmt sehr weh, bzw. spätestens dann sollte man merken, das schießereine doch nicht cool oder gar künstlerisch wertvoll sind, sondern nur einfach der angeblich leichte weg probleme zu lösen mit verheerenden konsequenzen.
Benutzeravatar
Jörg Luibl
Beiträge: 9619
Registriert: 08.08.2002 15:17
Persönliche Nachricht:

Oh doch: Gewaltdarstellung kann Kunst sein!

Beitrag von Jörg Luibl »

Hi worldeater,

ich muss vehement widersprechen! Natürlich sind echte Schießereien nicht "cool" oder "künstlerisch wertvoll". Aber in Film, Literatur und Spiel geht es um Fantasie, Kreativität und vorgestellte Welten. Moralische Bedenken, Alltagssorgen oder gar ideologische Vorbehalte haben in der Beurteilung von Kunst nichts zu suchen.

Ein paar Beispiele:

Kann man einem Bild die künstlerische Qualität absprechen, nur weil es eine brutale Verstümmelung zeigt? Kann man einem Text seine literarische Qualität absprechen, nur weil er von
einem Terroristen, Faschisten oder Christen stammt?

Nein, denn es zählt nicht WAS Thema einer Darstellung ist, sondern nur, WIE etwas kreiert wird.
Das verlangt allerdings reife Betrachter, die abseits von der eigenen Ideologie nur das "fachliche Werk" an sich beurteilen können. Das notorische Argument "Das ist doch alles Geschmackssache!" ist nämlich vollkommen ungeeignet, weil es zur Beliebigkeit verleitet.

Ich müsste z.B. als überzeugter Atheist zähneknirschend eingestehen, wenn ein Erzbischof eine stilistisch gute Kurzgeschichte zum Besten gibt - auch wenn ich rein thematisch den Brechreiz
verspüre. Zum Glück gehört beides meist höchst selten zusammen.

Und ich muss als Shooter-Noob und notorischer US-Patriotismus-Hasser eingestehen, dass ein Spiel wie Medal of Honor klasse inszeniert ist - rein technisch. Leider gehört das recht häufig zusammen.

Mein Geschmack urteilt natürlich anders. Aber es gibt eben auch in der Kunst objektive Kriterien, die abseits von aller Ideologie wichtig sind: Maltechniken, Schreibstil, Kameraführung, Dramaturgie, Charakterentwicklung etc.

Bis denne
4P|Jörg
johndoe-freename-2289
Beiträge: 1623
Registriert: 08.08.2002 16:02
Persönliche Nachricht:

Beitrag von johndoe-freename-2289 »

Nein, denn es zählt nicht WAS Thema einer Darstellung ist, sondern nur, WIE etwas kreiert wird.
Das verlangt allerdings reife Betrachter, die abseits von der eigenen Ideologie nur das "fachliche Werk" an sich beurteilen können. Das notorische Argument "Das ist doch alles Geschmackssache!" ist nämlich vollkommen ungeeignet, weil es zur Beliebigkeit verleitet.
klar hast du damit sicherlich recht, allerdings hängt das WIE mit dem WAS praktisch immer zusammen. somit ist eine 100% trennung nie möglich. schließlich kann man zum beispiel leni riefenstahls sportfilmwerke der nazizeit auch nicht wirklich als kunst ansehen, objektivität hin wie her, da es eine verherlichung und schönredung der greuel des dritten reiches ganauso wiedergibt, wie kameraperspektiven, bildqualität und so weiter.
Und ich muss als Shooter-Noob und notorischer US-Patriotismus-Hasser eingestehen, dass ein Spiel wie Medal of Honor klasse inszeniert ist - rein technisch. Leider gehört das recht häufig zusammen.
da gebe ich dir auch volkommen recht, aber gerade dadurch, weil es den krieg nicht verherlicht ist es künstlerisch gesehen wertvoll, genauso wie die ersten zehn minuten von soldat james ryan.......max payne dagegen verherlicht in gewissen maße gewalt, da sie als was schönes, wervolles festgehalten wird, aber genau das gegenteil ist der fall.
Benutzeravatar
Max Headroom
Beiträge: 1856
Registriert: 05.08.2002 13:11
Persönliche Nachricht:

Gewaltdarstellung und/ist Kunst ?

Beitrag von Max Headroom »

@worldeater:
im richtigen leben (..) man drückt ab und das wars. denn entweder ist der andere tot, oder man wird selber getroffen und das tut dann bestimmt sehr weh, bzw. spätestens dann sollte man merken, das schießereine doch nicht cool oder gar künstlerisch wertvoll sind, sondern nur einfach der angeblich leichte weg probleme zu lösen mit verheerenden konsequenzen.
Ja glaubst Du, dass die Programmierer von Spielen wie Quake, Doom, Max Payne & Co. gar nicht wissen wie der Tod aussieht ?
Ist da ein Problem der Kunst ? Oder eher ein individuelles Problem der Unterscheidung zwischen Realität und Spiel.
Es gibt z.Bsp. zwei Arten von Gewalt. Die reale und die \"virtuelle\" - dargestellte - Gewalt.
In der realen Gewalt durchdringt die Kugel die Hautschichten, bricht noch auf dem Wege ein paar Rippenknochen und zerfetzt die Innereien. Der Körper scheidet Hormone aus, das Blut fliesst aus der Öffnung ungehemmt raus. Der Mensch stirbt an der \"Verletzung\". Und dies ist noch nicht mal brutal genug beschrieben ! Insbesondere im Krieg gibt da keine \"Öffnung\", da sind getrennte Körperteile und zerfetzte Menschen durch Splittergranaten und Druckwellen gang und gebe :( Da sollte man sich z.Bsp. Save Private Ryan ansehen... unzensiert !

In der dargestellten Gewalt dient der Schuss nur zur Behinderung des Helden. Er springt zur Seite, kriegt nur eine Fleischwunde und kann trotz neuer Körperöffnung so plötzlich ohne Blutverlust von Hochhaus zu Hochhaus springen, ohne Verblutung. Kein Wunder, der Arzt verbindet seine Wunde mit Tesafilm und Kaugummi, das reicht meistens völlig aus ;)
In Hongkong-Action erliegt der Held der Behinderung wesentlich öfter. Liegt vielleicht an der Religion, da unsere Christliche ein \"wenig\" anders ist ;)
Aber da die reale Brutalität einer Schiesserei kaum als Hindernis in einem Liebesfilm benutzt werden kann, übertreibt / untertreibt man das ganze. Und dies gibt dem Film eine andere Note. Autos explodieren sowieso nie in der Realität. Im Film reicht ein Schuss aus der Wasserpistole um einen Panzer in die Luft zu jagen.

Kein Wunder, Du hast Recht wenn Du schreibst, dass es eine \"Hau drauf und weg\"-Methode ist. Aber so ist unsere Zivilisation aufgebaut. Jeglicher Einwohner ist ein Individuum und du kannst einen Einzelnen am besten schaden, wenn Du ihm das wichtigste nimmst: das Leben. Also ist die Pistole, am Kopf gerichtet, die höchste Darstellung der drohenden Gewalt. Und ein Schusswechsel stellt damit eine personele Gefahrensituation \"auf Leben und Tod\" dar. In einer Welt, in der die größte Gefahr ein Furtz wäre, würde ein Duell mit Ärschen eben das gefählichste sein und jeder wäre sein Leben sowieso schnuppe. ;)

Die Kunst hierbei besteht weniger auf die Darstellung der Todeszene, sondern auf die Stilisierung der Schusswechsel. Wenn eine Kugel a la Matrix in Slow Motion (Bullet Time) am Helden vorbeifliegt, kann die Spannung in der Luft regelrecht mit dem Schwert getrennt werden ! Man sieht hierbei regelrecht auf Film gebannt, wie der Tod (die Kugel) haarscharf am Leben (der Held) vorbeifliegt.
In anderen Filmen \"frisst\" der Held den Kugelhagel und kommt (meist schwer verletzt) lebend aus der Gefahrensituation herraus. In Die Hard zum Beispiel ist John McLaine zwar mit dem berühmten Hemd schwer verletzt, doch er nimmt Molly in den Arm und reiten dem Sonnenuntergang entg... up sorry ... entkommen der Todeszone Hochhaus. Das Leben hat gesiegt. Der \"künstlerische Aspekt\" im Film liegt eher an die verschiedenen Möglichkeiten, der drohenden Gefahr zu entkommen. Mal durch den Fahrstuhlschacht, mal unter\'m Tisch. Der Schuss ist wie gesagt eher ein kleiner Bremsblock statt eine Todesmöglichkeit.

In meinen Augen sind eher die \"Marines/Army\" Filmen so richtig grottenschlecht. Natürlich mit grosser Ausnahme von der Full Metal Jacket/Platoon/4th Joly Trilogie ! Die orientiert sich eher an der Realität und konzentriert sich nicht auf die Darstellung von Gewalt als \"Hindernis des Helden\".

Doch dieser Unterschied hat auch nur bedingt mit Kunst zu tun. Eher ist es dem Spieler bzw. Zuschauer überlassen, ob er die dargestellte Gewalt von der Realität unterscheiden kann ! Der Filmemacher bzw. der Programmierer kann hierbei nur bedingt eingreifen. Ob Du die Schmerzen regelrecht spürst, wenn jemand dir eine Splittergranate entgegenwirft, oder ob Du danach lässig ein Medipack nimmst und weiter \"fraggst\", ist vom Programmierer nicht gewollt oder beabsichtigt - Deine Gefühle unterliegen (meist?) deiner Kontrolle. Das Spiel sollte von DIR richtig ausgesucht werden. Ich z.Bsp. stehe überhaupt nicht auf Fussball-Games, deshalb habe ich allerhöchstens die Speedball-Reihe auf dem Amiga drinne. Egal wie kompliziert, real oder sonst ein anderes Spiel aussieht. Und falls ein Spieler eben mit Horrorspielen besser umgehen kann, dann sollte er sich beim Horrorgenre umschauen, *was* ihm gefällt. Rätsel lösen wie in PArasite Eve/Silent Hill ? Pure Splatteraction ? 1st oder 3rd Person ? Die Auswahl ist ja reichlich vorhanden ;)
Und wenn in Resident Evil Zero die blutigen Innereien \"mit viel Liebe zum Detail\" gezeichnet wurden, dann frage ich mich nochmals: Ist der Grafiker nur ein Arbeiter, oder etwa schon ein Künstler ?
... nur um mal wieder On-Topic zu bleiben ... ;)

-=MAX HEADROOM=- - Der Virus der Gesellschaft
TheWinnerTakesItAll
Beiträge: 1461
Registriert: 05.08.2002 13:10
Persönliche Nachricht:

Re: THX

Beitrag von TheWinnerTakesItAll »

Max_Headroom hat geschrieben:Ich hoffe, das irgendwann eine Redaktion (im TV oder Paper) wieder mal eine Aktion wie "Games Odyssey" macht. Diese 4-teilige Serie (habe leider nur 3 davon :() war fantastisch.
Es gab auch nur 3 Teile.
Und schicke Comments die du hier schreibst...