SpookyNooky hat geschrieben:Nanimonai hat geschrieben:Diese Form der VR ist ja quasi das Gegenteil der sensorischen Deprivation, also so etwas wie eine gezielte Reizüberflutung und beides kann durchaus Störungen (in erster Linie psychische) hervorrufen.
Das ist zwar ein drastisches Beispiel und auch wenn dies alles mit der Rift freiwillig geschieht, kann ich mir durchaus vorstellen, dass bei (zu) intensiver Inanspruchnahme kurzzeitige (eventuell auch langzeitige) Schäden verursacht werden können.
Nein, es ist
nicht das Gegenteil sensorischer Deprivation.
Wie ich schon sagte, das Gehirn bekommt durch VR-Systeme wenige Reize, weil nur der sensorische Input angesprochen wird.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?ter ... al+reality
Kannst dich ja mal durch ein paar Paper durcharbeiten, wenn du dich wirklich fundiert informieren willst.
Ich denke schon, dass ich bereits entwarnen kann.
Ein paar davon habe ich mir angeschaut, kenne selbst aber auch einige Studien.
Ich habe das Gegenteil der sensorischen Deprivation ja als ein "quasi" gesehen und nicht als das faktische Gegenteil und ich denke, dass das durchaus legitim ist.
Es sind verwandte Szenarien, in denen es in erster Linie um Isolation geht. Bei dem einen geht es eben darum, die Sensorik vollkommen abzuschalten, was sicherlich sehr viel schlimmer und gravierender für den Menschen ist; Bei dem anderen geht es um Reizüberflutung in Isolation. Natürlich werden dabei (noch) nicht alle Sinne angesprochen, doch die intensive Stimulation besonders unseres wichtigsten Wahrnehmungsorgans (80% der Wahrnehmung unserer Umwelt geschieht über das Sehorgan) ist doch nicht gleichzusetzen mit "das Gehirn bekommt wenig Reize, weil nur der sensorische Input angesprochen wird".
Ich sprach von in erster Linie psychischen Schäden und diese sind faktisch einfach noch nicht ausreichend untersucht worden, da befindet sich die Forschung immer noch in der Theorie, da keine Langzeitstudien vorliegen.
Wir sind uns vermutlich beide einig, dass eine virtuelle Realität einen sehr großen Einfluss auf die menschliche Psyche haben kann. Nicht umsonst gibt es Versuchsreihen, in denen Angstpatienten in der VR ihren Ängsten ausgesetzt werden. Also so etwas wie eine Expositionstherapie im virtuellen Raum. Und es funktioniert. Virtuelle Realität kann nachweislich effektiv therapeutisch eingesetzt werden, aber eben nur, weil virtuelle Reize reale (!) Ängste auslösen können.
Was letztendlich doch nur beweist, welchen großen Effekt die virtuelle Realität auf den Menschen und vor allem seine Psyche haben kann.
Im therapeutischen Kontext eingesetzt gibt es also ganz klar wissenschaftlich nachgewiesene Ergebnisse, dass es funktioniert.
Woher nimmst Du also die Gewissheit, dass eine nicht therapeutisch eingesetzte virtuelle Realität nicht auch ebenso negative Ergebnisse haben kann?
Was mich im virtuellen Raum Ängste bekämpfen lässt, muss im Umkehrschluß auch in der Lage dazu sein, Ängste auszulösen und zu verstärken.
Edit: Ach ja, als Stichpunkte, welche psychischen Risiken zumindest erst mal bestehen und näher untersucht werden müssen: Realtitäsverlust, Fragmentierung, Dekontextualisierung, Eskapismus, Sekundarisierung.
Das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und ich sage auch nicht, dass eine Exposition virtueller Realitäten zwangsläufig dazu führt, ich sage aber dennoch, dass es Gegenstände sind, die bedacht werden müssen.