4P|T@xtchef hat geschrieben:Moin Leute,
reden wir mal über die Potenziale des Spieldesigns: Das Faszinierende an der Technik ist u.a., dass sie auch das Genre der Shooter entschleunigen und damit situativ bereichern kann. Alles, was man so selbstverständlich auf Knopfdruck erledigte, wie das Nachladen oder der Waffenwechsel, kann jetzt zum Teil einer Dramaturgie werden, in der schon die eigene fehlerbehaftete Haptik für mehr Spannung sorgt - nicht mehr der Bodycount und Explosionsorgien auf lange Levelstrecke sind dann wichtig, sondern schon der KNIFFLIGE WEG zu einem Schuss in einem Raum. Alles, was ich gleich stichpunktartig beschreibe ist in einem nomalen Ego-Shooter zwar auch möglich, aber würde wesentlicher flüssiger und damit sicherer ablaufen. Wenn ich nervös bin, kann ich immer noch sehr simpel auf einen Button klicken, aber wenn ich meine beiden Händen bei jeder dieser Aktionen unter Kontrolle haben muss:
- jemand bricht ein, will mich umbringen, ich fliehe in einen Raum, schließe ich die Tür, dreht der Schlüssel?
- ich muss die Schublade mit der Pistole öffnen, sie kann klemmen, irgendwo klirrt Glas
- ich muss nach der Pistole unter den Handtüchern/Büchern kramen, es poltert
- ich finde sie, greife sie, aber sie ist nicht geladen, wo ist das Magazin?, Schritte auf der Treppe
- ich finde es und muss kontrollieren, ob auch Patronen drin sind, shit - sie fehlen!
- ich stecke die Patronen einzeln in das Magazin, reichen drei, vier, bin ich zu hibbelig?
- ich stopfe das Magazin in die Pistole, schaff ich das auf Anhieb?
- die Tür kracht auf, Pikachu grinst...
+++ UND ERST JETZT BEGINNT DER "NORMALE" SHOOTER +++
- ich drehe mich, visiere an, schieße....
Es sind diese dramaturgischen Potenziale, die HTC Vive & Co bieten. Wir werden im ersten und zweiten Jahr mehr Fingerübungen wie diesen Schießstand als komplett filmisch inszenierte Spiele erleben. Aber gerade diese Experimente sind als Fundamente schon sehr überzeugend. Die alte Spielkultur wird in den nächsten Jahren natürlich nicht ersetzt, weil immer noch vieles gegen VR spricht und weil VR für manche Genre komplett untauglich ist. Und es gibt Spiele, die will ich einfach am Bildschirm erleben, weil es entspannter ist. Aber die Spielkultur wird definitiv um neue Facetten bereichert und auf lange Sicht vertieft. Dass bei Erscheinen eines neuen Mediums auch immer moralisiert und verängstigt wird, ist aus historischer Sicht nur ein chronisches Nebengeräusch. Viel spannender ist, was die Kreativköpfe in den Studios in den nächsten Jahren VR veranstalten!
Es wäre mal interessant zu wissen, was in unserem Gehirn in dem Moment abgeht. Gibt es dazu bereits irgendwelche Erkenntnisse? Es gibt Studien, bezogen auf Filme und Videospiele, die deutlich machen, dass unser Hirn in einer virtuellen Stresssituation, fast genauso reagiert, als wäre diese Situation real. Sprich unser Körper macht mitunter den gleichen Stress durch, wie in einer realen Situation. Sei es Kriegsfilm oder Spiel. Wir gucken ein Szenario, als Aussenstehender, es wirkt auf unserern Körper aber als Realität aus.
Das geht doch mit VR noch einen Schritt weiter. Ich zumindest steht VR noch sehr kritisch gegenüber und sehe für mich auch keinen Grund, an eine Anschaffung zu denken.
Ich verweile in sicherer Distanz und schaue mit den Kram erstmal an.
Ich spiele ja auch Shooter und gucke Kriegsfilme, trotz dieser Studien. Ich glaube aber VR geht da noch einen Schritt weiter und kann evtl temporär zu einem Realitätsverlust führen. Wenn ich alleine höre, dass Nutzer von VR, nach Abnhemen der Brille, denken sie bewegen sich zu langsam, weil das Spiel ihnen andere Werte von Bewegung vermittelt, finde ich das gruselig.
