ChrisJumper hat geschrieben:Wie erkläre ich es am besten? Hm. Nehmen wir mal eine Gruppe von Menschen die kein Papier hat, die noch nicht schreiben kann und die nur Akustisch kommuniziert, oder stelle dir vor du hast den Sprung von Zeit ohne eine Mechanische Uhr und Zeit nach der Einführung einer Uhr auf dem Marktplatz. Beides verändert den Alltag der Menschen und wie sie Handeln, Wirtschaften oder forschen so stark das Aussagen und Erfahrungen zum Thema Arbeit oder Kapital ganz unterschiedlich ausfallen. Die Grundzüge bleiben natürlich gleich, daher verfehlt Marx nicht sein Kernthema. Aber versuche sein Werk mal mit dem aktuellen Finanzkapitalmarkt in Einklang zu bringen und dem Konstrukt von dort Gehandelten Gütern, Werten oder Waren.
Stimmt, das ist unbestreitbar: Die Mittel, mit denen die Produktion in der Gesellschaft läuft, ändern sich ständig. Elektrisches Licht, Computer, selbstlaufende Fabriken - all das gibt es ja tatsächlich als Fortschritt in der Konkurrenz. Aber die Mittel bestimmen doch nicht den
Zweck, für den sie eingesetzt werden. Sie können unzureichend oder ungeeignet sein, klar. Wenn du aber selber schon sagst: Die Grundzüge, das
Prinzip nach dem die Gesellschaft funktioniert, gelten tatsächlich noch heute: Gewinnbringendes Produzieren in der Konkurrenz ist hier Dreh- und Angelpunkt in der Gesellschaft. Und wenn das nach wie vor gilt, dann ist es doch wirklich egal, wie alt die Kritik an diesem Zweck ist - denn dann gilt ja auch sie nach wie vor - oder wie sich die Mittel dafür verändert haben.
Mal so: Was hat sich denn
wirklich an dem, wie die Gesellschaft grundsätzlich eingerichtet ist, geändert seit Dem Kapital? Die ganzen Sachen, die das Leben der Leute hier bestimmen, Lohnarbeit, Schule usw. sind ja nach wie vor da und haben sich in ihrer Funktion auch nicht verändert.
ChrisJumper hat geschrieben:Wie Absurd das ist zeigt das man ein Glasfaserkabel zwischen New York und London legt um 6ms zu sparen und dadurch Jährlich einen höheren Profit von 100 Millionen Dollar (festhalte!), je Millisekunde. Natürlich gab es das schon immer, das man durch einen Wissensvorsprung (damals halt per Pferd oder Kurier) bessere Chancen beim Spekulieren hat. In einer Welt wo Mikrotransaktionen die größte "Wertsteigerung ausmachen", ich greife einfach mal einen Wert aus der Luft um eine theoretische Position zu erschaffen "wenn 90% des Geldes einer Nation aus solchen Geschäften entsteht.." wo liegt da jetzt die Erkenntnis aus Wert- und Geldtheorie?
Die Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses ist Beispielsweise nicht der Sinn und Zweck eines Multinationalen Uternehmens das mit seinem Geld vielleicht Meilensteine in Forschung, oder der Erschließung neuer wirtschaftlichen Bereiche etablieren möchte. Ein Unternehmen, nur von einem Algorithmus gesteuert das selbständig kauft und Verkauft, oder ein neuronales Netzwerk welches automatisch Sportnews erstellt und per Webseite verkauft kann per Definition schon nicht arbeiten, erschafft aber trotzdem einen Wert.
Eines lässt sich da schon festhalten: Sinn und Zweck (und Bedürfnis von denjenigen, die ihn wollen) ist es gerade, den Gewinn zu machen.
Der Unterschied, den du da aufmachst, ist vielen ja erst gar nicht bekannt: Es wird
für den Zweck, Geld zu machen produziert,
nicht für den, Bedürfnisse zu befriedigen. Damit ist aber auch klar, dass die Bedürfnisse nicht Grund für die Produktion hier sind, sondern Mittel für den Zweck,
an ihnen Geld zu machen.
Ich tue mich aber ein wenig schwer mit deinem Beispiel. Was stellst du dir denn unter dem Wert vor, der da erschaffen werden soll?