Der Zeitgeist hat geschrieben:Interessante Diskussion hier.
Ich hab mir gestern mal ausführlich den Videobeitrag von Totalbiscuit zu dem Thema angeschaut, in dem er über Gewalt in Spielen und den narrativen Kontext von Gewalt spricht:
https://www.youtube.com/watch?v=HXsE-Zwb_j4
Er hat dabei eine ähnliche Argumentation, die auch viele hier zum Ausdruck bringen.
Im Grunde haben die beiden Seiten der Diskussion hier ja eine grundsätzlich andere Perspektive darauf, was ein Videospiel eigentlich ausmacht. Die eine Seite hat eine sehr strukturell gefärbte Sichtweise, in der die Gewalt in einem Spiel eigentlich nur als mechanisches Gameplay-Element begriffen wird, das kontextunabhängig sein kann (und vielleicht auch sein soll), und deshalb auch meist als harmlos gesehen wird, da die getöteten Charaktere ja lediglich namenlose Pixelfiguren sind.
Die andere Seite zieht das Thema breiter auf, und sieht auch den Kontext der Gewalt (der in diesem Fall nicht vorhanden ist) als Bewertungskriterium für ein Spiel. Dazu kommt noch der ganze Hintergrund der Spielentwickler und deren Äußerungen, die einiges über die Intentionen durchblicken lassen, die bei der Entwicklung eine Rolle gespielt haben.
Was ich nur nicht verstehe ist folgendes: Man kann über die Bewertung von Gewalt in Spielen ja grundsätzlich anderer Meinung sein, aber warum ist es so schwer zu begreifen, dass viele Leute ein Spiel, dass Gewalt in dieser Form darstellt, ohne Kontext, ohne dass darin irgendeine Message steckt, ablehnen? Das ist ja der Kern des Spruches "von Arschlöchern für Arschlöcher". Für mich ist die Ansicht, Hatred wäre im Grunde das "reinere", "ehrlichere" Spiel, da man ja diesen ganzen Story- und Satirequatsch einfach weglässt und direkt zur Sache kommt, zutiefst beunruhigend.
Was ist daran so schwer zu verstehen, wenn jemand aus dieser Perspektive zu dem Schluss kommt, dass Spieler, die so etwas toll finden, nach seinen Bewertungskriterien Arschlöcher sind?
Erst einmal vorweg: Ich kann es gut verstehen, dass man ein Spiel wie Hatred ablehnt. Ich habe selbst in Hitman: Absolution , als ich die Mission mit dem Alu-Hut-Typen im Gerichtssal verkackt habe und aufgeflogen bin, einfach mal nicht wie üblich die Mission neu gestartet sondern habe begonnen, mich durchzuballern. Als keine Polizisten mehr nachkamen, habe ich mich mal einfach so "testweise" an die Zivilisten gemacht. Ich habe es nach kurzer Zeit abgebrochen, weil es mir nur ein sehr flaues Gefühl im Magen einbrachte, mich bei jedem Mann und jeder Frau, die um ihr Leben flehend vor mir kauerten, zu einer solchen Tat "durchzuringen". Es war für mich die Probe aufs Exempel und es hat mich davon überzeugt, dass ich schon für meinen Teil immer richtig gefahren bin, selbst in einem Spiel, in dem man einen Auftragskiller verkörpert, soweit es das Spiel erlaubte, den Guten raushängen zu lassen, der immer nur das tut, was zwingend nötig ist und nie einem Unbeteiligten oder einem Wachmann / Polizisten ein Haar krümmen würde.
Nun aber zum Rest: In dem auf den zitierten Post nachgeschobenen Kommentar beschwerst du dich, dass man dich und andere immer wieder als "SJWs", "White Knights" oder ähnliches beschimpft. Dann frag dich aber mal, ob das per Definition derlei, wie ich finde, in einer Diskussion auch nicht besonders förderlichen Begrifflichkeiten, nicht tatsächlich ein Stück weit hinkommt.
Hinterfragt euch doch mal selbst ein Wenig! In diesem Thread werden pauschal Leute, nur weil ihnen
ein Videospiel gefällt, oder sie es einfach nur spielen (das eine muss ja nicht zwingend zum anderen führen) als Arschlöcher bezeichnet und ihnen werden seelische Störungen angedichtet.
Und das zum nicht unerheblichen Teil von Leuten, die mit Ansage in jedem Anita-Thread die ersten sind, die auf jeden Pups, der gegen sie gelassen wird, und sei es nur ein bloßes "wann hält die Alte mal ihre Klappe", sofort anspringen, die große Empörungsbombe platzen lassen, ihre "intellektuelle Überlegenheit" durch den inflationären Gebrauch des Begriffes "ad hominem" zu demonstrieren suchen und, selbst in vorwiegend sachlichen Diskussionen, jede Entgleisung auf "oppositioneller Seite" dankend aufgreifen, um sie als Beleg für die Verdorbenheit eben jener Seite zu nutzen, um sich so selbst von der Richtigkeit der Seite, auf welcher man selber vermeintlich steht, zu überzeugen.
Hierbei zeigt sich lediglich das selbstgerechte Herumreiten auf aktuell als politisch korrekt eingestuften und vor allen Dingen von den Medien als das verkauften Strömungen einerseits und anmaßender, herablassender Ignoranz abseits solchen Mainstreams andererseits. Ich bin ja ach so liberal und progressiv, aber jeder der etwas tut, was mir nicht passt, ist ein Arschloch oder schlicht psychisch gestört; oh Mann...
Sind Leute, die sich so verhalten Arschlöcher? Nun, ich will mich nicht auf das Niveau herabbegeben, so zu urteilen, aber meines Erachtens wäre ein solcher Vorwurf angesichts dieses Verhaltens um einiges nachvollziehbarer und stichhaltiger, als auf Basis derlei Oberflächlichkeiten, auf denen eben diese User ihre Einschätzung ihnen wildfremder Menschen zu stützen versuchen.
Ich gehe ungern so weit, derlei vernichtende Grundsatzurteile über andere Menschen, die ich nicht persönlich kenne, zu verhängen. Ich nehme mir aber sehr wohl heraus, ihnen auf Basis ihrer hier getätigten Darstellungen eine, zumindest diesbezüglich, sehr oberflächliche und unreflektierte Denkstruktur nachsagen zu können und auf Basis eben von mir dargestellter Verhaltensweisen, wenn es mal um andere Themen geht, auch eine doch nicht gerade wenig ausgeprägte heuchlerische Doppelmoral und Selbstgefälligkeit.