Objektivität? Gibt`s nicht!

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SpookyNooky
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von SpookyNooky » 09.07.2019 20:35

Ein interessantes Thema, zu dem ich mich gerne mal mit Jörg vis-à-vis unterhalten würde.
Ich würde mir als Spielejournalie niemals das Attribut "Subjektiv" geben.

Die Definition zeigt ja schon, wohin die Reise geht:
von persönlichen Gefühlen, Interessen, von Vorurteilen bestimmt; voreingenommen, befangen, unsachlich
Wollt ihr hierfür als Spielemagazin stehen?

Ich möchte ein Test, der das Spiel gerne im Zeitgeist und im kulturellen Kontext bewertet (objektiv).
Ich möchte keinen Test, der davon abhängt, ob der Tester letzte Nacht gut geschlafen hat (subjektiv).

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Rabidgames
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Rabidgames » 09.07.2019 21:46

SpookyNooky hat geschrieben:
09.07.2019 20:35
Ein interessantes Thema, zu dem ich mich gerne mal mit Jörg vis-à-vis unterhalten würde.
Ich würde mir als Spielejournalie niemals das Attribut "Subjektiv" geben.

Die Definition zeigt ja schon, wohin die Reise geht:
von persönlichen Gefühlen, Interessen, von Vorurteilen bestimmt; voreingenommen, befangen, unsachlich
Wollt ihr hierfür als Spielemagazin stehen?

Ich möchte ein Test, der das Spiel gerne im Zeitgeist und im kulturellen Kontext bewertet (objektiv).
Ich möchte keinen Test, der davon abhängt, ob der Tester letzte Nacht gut geschlafen hat (subjektiv).
Das wollte ich sinngemäß ebenfalls schreiben.

Es ist ja auch ein Unterschied, ob man objektiv Fakten aufzählt, die man dann subjektiv kommentiert und bewertet, oder ob man schon nach 2 Zeilen sich die vor Subjektivität triefenden Augen reiben muss.

Es gibt genug Tests, in denen Nebensächlichkeiten gehypt oder verteufelt werden, die nur den Tester und vielleicht noch einige 4player-Nerds wirklich interessieren (upps, da ist die Subjektivität mit mir durchgegangen), Tests, in denen alles vergöttert wird und man philosophisch daherkauderwelscht, weil Skyrim ja das Ambrosia der Spielewelt ist (dass es in vielerlei Hinsicht auch ist), und alles negative wird ausgeklammert oder in einem Nebensatz erwähnt.

Es ist legitim, dass 4players Kontroversen nutzt, um Klicks zu erzielen, und bewusst mit der Subjektivität kokettiert, um sich damit zu profilieren. Solche Kommentare zu schreiben ist dann aber doch eher billige Selbstbeweihräucherung auf dem Level der Onkelz - kann man besoffen mal hören und mitmachen, ist aber nüchtern gerne mal ein bisschen peinlich.

Dennis4022
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Dennis4022 » 09.07.2019 22:26

SpookyNooky hat geschrieben:
09.07.2019 20:35
Ich würde mir als Spielejournalie niemals das Attribut "Subjektiv" geben.
Du kannst ja mal versuchen eine objektive Meinung zu einem Thema zu formulieren, alles war über mess- und zählbare Faktoren hinausgeht wird bei jedem subjektiv. Und selbst dort gibt es Einschränkungen, während mir immer wieder Menschen erzählen, sie brauchen unbedingt 60FPS um ein Spiel zu genießen, 30 FPS reichen einfach nicht, merke ich nicht einmal den Unterschied.

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monkeybrain
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von monkeybrain » 09.07.2019 23:24

Schöne Ausrede sich als Kritiker von jeglicher Verantwortung zu befreien. Genau das ist aber der Unterschied von einem professionellen Journalisten und einem Blogger/Influencer/etc. Sicher ist jeder anderen Einflüssen und Erfahrungen ausgesetzt, die Kunst ist sich in seiner Kritik davon nicht beeinflussen zu lassen.

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Rabidgames
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Rabidgames » 09.07.2019 23:29

Dennis4022 hat geschrieben:
09.07.2019 22:26
SpookyNooky hat geschrieben:
09.07.2019 20:35
Ich würde mir als Spielejournalie niemals das Attribut "Subjektiv" geben.
Du kannst ja mal versuchen eine objektive Meinung zu einem Thema zu formulieren, alles war über mess- und zählbare Faktoren hinausgeht wird bei jedem subjektiv. Und selbst dort gibt es Einschränkungen, während mir immer wieder Menschen erzählen, sie brauchen unbedingt 60FPS um ein Spiel zu genießen, 30 FPS reichen einfach nicht, merke ich nicht einmal den Unterschied.
Objektiv wären dann zwei Meinungen zum Thema - ich als Leser könnte mir dann beide Gesichtspunkte anhören. Könnte man generell mal öfter machen - so kann eine gewisse Objektivität halt auch entstehen. ;)

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neogil
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Doch, natürlich

Beitrag von neogil » 10.07.2019 00:42

Selbstverständlich könnte eine „Rezension“ Objektiv sein, also rein faktenbezogen.

„Das Spiel X gehört zur Gattung der JumpNRuns. Es beinhaltet 23 Level, wobei 3 unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Verfügung stehen. Im Menü gibt es folgende Auswahlmöglichkeiten...dazu der erzählerische Plot der Geschichte...“

Würde halt nur niemand lesen, da jedwede Meinung rein persönlich ist.

Am liebsten sind mir Personen, die über sich als „objektiven Faktor“ schreiben.

99% kennen, analog zu selbe/gleiche, halt nicht den grammatikalischen Unterschied. Brave New Speach.
Mit dem gleichen Respekt zu antworten, den ich erwies.
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Rabidgames
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Re: Doch, natürlich

Beitrag von Rabidgames » 10.07.2019 08:00

neogil hat geschrieben:
10.07.2019 00:42
Selbstverständlich könnte eine „Rezension“ Objektiv sein, also rein faktenbezogen.

„Das Spiel X gehört zur Gattung der JumpNRuns. Es beinhaltet 23 Level, wobei 3 unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Verfügung stehen. Im Menü gibt es folgende Auswahlmöglichkeiten...dazu der erzählerische Plot der Geschichte...“

Würde halt nur niemand lesen, da jedwede Meinung rein persönlich ist.

Am liebsten sind mir Personen, die über sich als „objektiven Faktor“ schreiben.

99% kennen, analog zu selbe/gleiche, halt nicht den grammatikalischen Unterschied. Brave New Speach.
Speach???
Entweder speech oder speak, aber speach gibt es nicht.
Soviel zum Thema "grammatikalische Unterschiede" ... :mrgreen:

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Onekles
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Onekles » 10.07.2019 08:05

„Objectivity is a subject's delusion that observing can be done without him. Involving objectivity is abrogating responsibility – hence its popularity.“

- Heinz von Förster

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MrLetiso
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von MrLetiso » 10.07.2019 08:42

C64Delta hat geschrieben:
09.07.2019 19:27
Aus diesem Grund gibt es Metacritic und Userreviews...
Gibt es heutzutage überhaupt noch jemanden, der sich nur auf den Test eines einzelnen Magazins verlassen würde?
Metacritic? Du meinst die Seite, die willkürlich verschiedenen Magazinen andere Gewichtungen für ihren "Durchschnitt" beimisst? Die versucht, mit Hilfe eines "Durchschnitts" eine "richtige" Wertung abzubilden, was aber nichts anderes ist, als Döner und Hummer in einen Mixer zu werfen in der Hoffnung, dass dabei etwas herauskommt, das den Gourmet und den Fastfoodliebhaber gleichermaßen zufrieden stellt?

Gewagte These.

godsinhisheaven
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von godsinhisheaven » 10.07.2019 08:43

Vielen lieben Dank für das Rauskramen der Kolumne. Ich hatte das vor 20 Jahren in der Schule und muss immer schmunzeln wenn mal wieder nach Objektivität geschrien wird, die es ja nicht gibt.
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Freya Nakamichi-47
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Freya Nakamichi-47 » 10.07.2019 08:52

godsinhisheaven hat geschrieben:
10.07.2019 08:43
Vielen lieben Dank für das Rauskramen der Kolumne. Ich hatte das vor 20 Jahren in der Schule und muss immer schmunzeln wenn mal wieder nach Objektivität geschrien wird, die es ja nicht gibt.
Merke: Ein Test ist dann "objektiv", wenn die abschließende Meinung mit der eigenen übereinstimmt. Dann ist es ein guter, eben ein "objektiver" Test. Steht da aber eine 50, wo man selber mindestens eine 80 vergeben hätte, dann war der Test eben nur subjektiver Mist und der Tester ist wahrscheinlich mit dem falschen Bein aus dem Bett gestiegen oder hatte zum Frühstück Rattengift in seinen Corn flakes.

Wobei 4P, dieser Haufen von abgehobenen Akademikern, eher analytisch-intersubjektivistisch schreibt. Da wird's dann spannend ...

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Grunz Grunz
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Grunz Grunz » 10.07.2019 09:30

Ein guter Spieletest sollte ähnlich verfaßt sein, wie die Besprechung einer Waschmaschine bei der Stiftung Warentest: nüchtern, Fakten (Spielmechaniken und -ziele, Steuerung, technische Umsetzung) erklärend, mit anderen Produkten der gleichen Kategorie vergleichend, in jeder Hinsicht um größtmögliche Objektivität bemüht.

Und genau deswegen bin ich mit der Art, wie Spiele auf 4P besprochen werden, nicht wirklich glücklich. Da wird typischerweise erstmal in epischer Breite das Gefühlsleben des Rezensenten präsentiert, bevor weiter hinten in wenigen Sätzen das eigentliche Spiel erklärt wird. Es wird also der Tester in den Vordergrund gerückt, und nicht das Spiel. Ich will aber ggf. das Spiel kaufen, und nicht den Tester, und deswegen taugt dieser Ansatz für mich nicht.

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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von Freya Nakamichi-47 » 10.07.2019 09:44

Grunz Grunz hat geschrieben:
10.07.2019 09:30
Ein guter Spieletest sollte ähnlich verfaßt sein, wie die Besprechung einer Waschmaschine bei der Stiftung Warentest: nüchtern, Fakten (Spielmechaniken und -ziele, Steuerung, technische Umsetzung) erklärend, mit anderen Produkten der gleichen Kategorie vergleichend, in jeder Hinsicht um größtmögliche Objektivität bemüht.
Du kannst ein Kunstwerk aber nicht besprechen und bewerten wie eine Waschmaschine. Dann versuch doch mal, eine "objektive Rezension" eines Stephen-King-Romans zu verfasssen. Geht nicht. Höchstens vielleicht so: "Dieses Buch, obschon nur ein Taschenbuch, ist erstaunlich gut verklebt und wertig verarbeitet, sodaß die Seiten nicht allzu schnell beim Umblättern abreißen. Der beschichtete Umschlag weiß sogar leichten Regen abzuweisen und verrmag geringerer Wasserzufuhr durchaus standzuhalten. Alles in allem liegt dieses Fabrikat gut in der Hand, es ist auch nicht zu groß und läßt sich trefflich in einem Reiserucksack verstauen. Allein die Buchstaben sind eventuell etwas klein geraten, was einige Leser zur Brille greifen lassen mag. Die Geschichte beginnt mit dem ersten und endet einwandfrei mit dem letzten Satz."

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drfontaine92
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von drfontaine92 » 10.07.2019 09:52

Hallo Jörg,

Ich finde euren Ansatz der analytischen Subjektivität sehr begrüßenswert, weil es der Kritik Herz und Seele verleiht und man sich als Leser mit dem Tester und letztendlich auch mit dem Spiel besser identifizieren kann.

Allerdings würde ich mir tatsächlich des öfteren etwas mehr Zahlen, Daten, Fakten wünschen. Dabei meine ich weniger den Preis, Kopierschutz, etc., sondern zur Art des Spiels. Solche Rahmendaten könnte man zumindest zu Beginn einer Kritik bzw. Tests erwähnen, bevor man im zweiten Teil des Tests die subjektive Einschätzung anführt.

Als negatives Beispiel hierfür fällt mir der Test von Demon's Souls aus dem Jahr 2010 ein. Auch wenn sich der Test sehr gut liest, habe ich nach 10 Seiten immer noch keine Ahnung gehabt um welche Art Spiel es sich denn handelt, da du ausführlich deine Eindrücke geschildert und auch nachvollziehbar belegt hast, aber nicht wirklich auf das Gameplay eingegangen bist. Gerade bei einem Spiel mit neuartigen Mechaniken leidet die ausschließliche analytische Subjektivität, weil dem Leser die dafür notwendige Erfahrung fehlt, die du als Redakteur beim Testen eines solchen Spiels auch erst machst und erhälst.

Solche "objektiven" Rahmendaten wünsche ich mir öfter, um das Spiel aus der "Vogelperspektive" betrachten zu können und es vorab zuordnen zu können. Anschließend gerne eine Kritik im Stile der analytischen Subjektivität.

Cheers
drfontaine

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drfontaine92
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Re: Objektivität? Gibt`s nicht!

Beitrag von drfontaine92 » 10.07.2019 09:59

Freya Nakamichi-47 hat geschrieben:
10.07.2019 09:44
Grunz Grunz hat geschrieben:
10.07.2019 09:30
Ein guter Spieletest sollte ähnlich verfaßt sein, wie die Besprechung einer Waschmaschine bei der Stiftung Warentest: nüchtern, Fakten (Spielmechaniken und -ziele, Steuerung, technische Umsetzung) erklärend, mit anderen Produkten der gleichen Kategorie vergleichend, in jeder Hinsicht um größtmögliche Objektivität bemüht.
Du kannst ein Kunstwerk aber nicht besprechen und bewerten wie eine Waschmaschine. Dann versuch doch mal, eine "objektive Rezension" eines Stephen-King-Romans zu verfasssen. Geht nicht. Höchstens vielleicht so: "Dieses Buch, obschon nur ein Taschenbuch, ist erstaunlich gut verklebt und wertig verarbeitet, sodaß die Seiten nicht allzu schnell beim Umblättern abreißen. Der beschichtete Umschlag weiß sogar leichten Regen abzuweisen und verrmag geringerer Wasserzufuhr durchaus standzuhalten. Alles in allem liegt dieses Fabrikat gut in der Hand, es ist auch nicht zu groß und läßt sich trefflich in einem Reiserucksack verstauen. Allein die Buchstaben sind eventuell etwas klein geraten, was einige Leser zur Brille greifen lassen mag. Die Geschichte beginnt mit dem ersten und endet einwandfrei mit dem letzten Satz."
Treffender Vergleich :lol:

Ein Spiel (und auch ein Buch) ist außerdem mehr als die Summe seiner Einzelteile. Bei manchen Werken entsteht eine gewisse Magie, die nicht ausschließlich durch objektive Ursachen erklärt werden kann. Wie auch Jörg schon erwähnt hat, spielt hier die Erfahrung und die Vergangenheit des Testers eine entscheidende Rolle. Und es gibt ja tatsächlich viele Zocker, die in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht haben und bei denen eben diese Magie auch entsteht. Es wäre schade, diese subjektive Einschätzung aufgrund mangelnder Objektivität nicht mit dem Publikum zu teilen.

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