Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anita Sarkeesian nie meine sein wird

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mr archer
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von mr archer » 04.09.2014 19:21

stefan251 hat geschrieben:
Dennoch bleib ich bei dem Punkt, den, so denke ich, bisher keiner verstanden hat oder verstehen wollte: Eine Diskussion kann sich nicht nur um "abstrakte Themen und Thesen" drehen, sondern auch um jemanden persönlich, weil derjenige um das mal so salopp zu formulieren "jemanden nicht zu Gesicht steht", wegen seiner Ansichten und Meinungen, die ja per se schon mal subjektiv sind - und damit der gewünschten Objektivität einer (wissenschaftlichen) Debatte im Weg stehen.
Ich bin da gar nicht so weit weg von Dir. Für mich sind die Sozial- und Geisteswissenschaften nicht objektiv im naturwissenschaftlichen Paradigma. Können sie gar nicht sein. Einer meiner Profs bei den Europäischen Ethnologen ging mal so weit, zu postulieren, dass vernünftiger Journalismus bereits Kulturwissenschaft sei und vice versa. Objektivität bedeutet hier dann schlicht: nachvollziehbarer, quellenkritischer Argumentationsaufbau unter Einbeziehung gegenläufiger Interpretationsansätze des herangezogenen Materials (aufgrund des Fehlens des letzten Faktors ist Sarkeesian dann auch in diesem Paradigma nicht wissenschaftlich). Hier wird also auch eine subjektive Meinung vertreten. Nur kann jeder/jede Außenstehende nachvollziehen, wie sie entstanden ist. Und bekommt genug Informationen, um auch eine Gegenposition einnehmen zu können.

Mehr geht hier gar nicht. Und das man sich in Foren ruhig auch ein bisschen anrempeln kann - na klar. Volle Kanne.
Zuletzt geändert von mr archer am 04.09.2014 20:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von LePie » 04.09.2014 20:15

Ich schalt' mich jetzt ein, bevor noch ein Quadrapost draus wird.
Ansonsten muss auch ich sagen, schöne sachliche Diskussion.
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Crypo » 04.09.2014 20:25

Gibt es bei dem Thema denn rein sachlich tatsächlich so viel zu diskutieren? Rein sachlich kommt man doch wirklich kaum auf 50 Posts und wird sich im großen und ganzen einig, dass es in Spielen Klischees gibt und manche sich daran mehr stören und manche weniger. Oder anders gesagt: die direkten Reaktionen auf den Kommentar von Alice spiegeln doch eigentlich auch schon das ganze Spektrum wieder.

Die übrigen geschätzt 2000 Posts allein in diesem Forum waren mehr oder weniger offensichtlich Streitereien und persönliche Beleidigungen, bzw. Ergüsse über alles mögliche. Die spannende Frage scheint mir wie diese extreme Diskrepanz zustande kommt.

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mr archer
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von mr archer » 04.09.2014 20:30

Crypo hat geschrieben: Rein sachlich kommt man doch wirklich kaum auf 50 Posts ...
Aber das ist doch ein ganz ordentlicher Schnitt, findest Du nicht? Ich meine, es gibt bei 4players Threads wie diesen hier. Und dann gibt es die Threads zum Kaufverhalten von Japanern bezüglich Horst :Häschen: :Blauesauge:
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von LePie » 04.09.2014 20:40

mr archer hat geschrieben:
Crypo hat geschrieben: Rein sachlich kommt man doch wirklich kaum auf 50 Posts ...
Aber das ist doch ein ganz ordentlicher Schnitt, findest Du nicht? Ich meine, es gibt bei 4players Threads wie diesen hier. Und dann gibt es die Threads zum Kaufverhalten von Japanern bezüglich Horst :Häschen: :Blauesauge:
Und dann gibt es Threads wie diesen hier.
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mr archer
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von mr archer » 04.09.2014 20:45

LePie hat geschrieben: Und dann gibt es Threads wie diesen hier.
Oh nein! Sprich nicht den Namen dessen, der nicht genannt werden darf, aus!
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Crypo » 04.09.2014 20:55

Hat diese Geschichte mit den Sims auch weltweit gleichzeitig in sämtlichen Spieleforen für so viel Aufsehen gesorgt? Ich hoffe mal nicht...

Ich glaube eigentlich immer noch, dass niemand bisher die Zocker so in Aufruhr versetzt hat wie Anita. Vielleicht noch die Killerspieldebatte?

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mr archer
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von mr archer » 04.09.2014 21:14

Crypo hat geschrieben:
Ich glaube eigentlich immer noch, dass niemand bisher die Zocker so in Aufruhr versetzt hat wie Anita.
Ja, das kann schon sein. Einerseits ist da das Kanonen und Spatzen - Gefälle. Gender Studies versus killorLord360. Ein bisschen over the top - aber beträchtlich Gedärm-gegen die Wand-Geschmodder. Wer´s mag.

Andererseits sind die Vorlagen aus der Industrie und ihrem Publikum auch derart steil, dass sich gerade sicher eine Horde von Kolleg*Innen fragt, wieso sie verf*** nochmal nicht selbst auf die Idee gekommen sind. Was man da für schöne Drittmittelprojekte ...

So gesehen und bei aller Zustimmung in vielen wenn auch nicht allen Punkten - clever, Anita. Meinen Glückwunsch.
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von unknown_18 » 04.09.2014 22:03

Irgendwie hege ich nur Zweifel, dass das von ihr so in der Form geplant war. ;)

Schöner Artikel, als Mann geht mir die Darstellung von Frauen in Videospielen selbst schon länger auf den Zeiger, oftmals so etwas von unrealistisch. Bei männlichen Charakteren erlebt man so etwas eher seltener.

Und als MMO Fan nervt es auch tierisch... früher konnte man die Oberweite wenigstens noch einstellen... heute gibt es entweder direkt riesig oder wenn man es einstellen kann zwischen zu groß und gigantisch.

Ich glaube die Probleme kommen da auch wieder von der Casualisierung oder besser gesagt: Spiele mit allen Mitteln einem möglichst breiten Kreis an Spielern verkaufen. Wie gut würde sich wohl ein Action Spiel verkaufen, wenn der Hauptcharakter vollschlank und schwerfällig wäre? (Geschlecht hier völlig unerheblich) Genauso gut wie wenn der Hauptcharakter dünn und sportlich wäre? Unsere Gesellschaft hat nun mal gewisse Wertevorstellungen und die werden dann gezielt bedient, denn das bringt richtig viel Kohle. Also ganz plumpt gesagt: es geht wie immer nur um die Kohle in der Spielebranche, um nichts anderes.

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Phips7 » 04.09.2014 22:16

Balmung hat geschrieben:Schöner Artikel, als Mann geht mir die Darstellung von Frauen in Videospielen selbst schon länger auf den Zeiger, oftmals so etwas von unrealistisch. Bei männlichen Charakteren erlebt man so etwas eher seltener.
unrealistisch? Kannst du realität von videospiel nicht mehr unterscheiden? vorallem männliche charaktere bekommen am meisten fett weg. am besten wenn das spiel ne story hat und er niemals spricht weil ein mann ja nix zu sagen hat und einfach nur headshots zu verteilen hat.
Alles was Ich schreibe ist IMHO. Rechtschreibung kümmert mich ned.

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Tapasa » 04.09.2014 23:00

Was mir an diesem gelungenen Artikel gefällt ist, dass sich mal eine Journalistin einer namhaften Redaktion (zumindest im deutschsprachigen Nerd-Raum..) drübertraut und Sarkeesians oftmals schwach recherchierten Brei analytisch in die Einzelteile zerlegt. Wie Alice ja schreibt schadet diese mittlerweile der Diskussion mit ihren "Es-ist-alles-schlecht" einseitigen Bla-bla-Episoden und wie einige hier ja schon feststellten dient dies wohl vor allem der Popularitätskeilerei.

Des weiteren gefiel mir, dass Frau Wilzy... (spielt sie beim BVB?) zu jenem Fazit kam, dass vor allem interessante Charaktere und generell bessere Drehbücher viel mehr Sog entwickeln als bloße Schauwerte. Aber da spiegelt die Games Industrie halt jene von Hollywood fast 1:1 wieder.

Nichtsdestotrotz,

Liebe Grüße an die vllt. beste, deutschsprachige Spieleredaktion!

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Crypo » 04.09.2014 23:40

mr archer hat geschrieben: So gesehen und bei aller Zustimmung in vielen wenn auch nicht allen Punkten - clever, Anita. Meinen Glückwunsch.
Weiß gar nicht ob ich sie da beglückwünschen würde. Ich glaube man muss schon extrem idealistisch bzw. fanatisch sein um das trotz der harschen Kritik so knallhart durchzuziehen. Finde es irgendwie strange, dass ihr bspw. noch Geldgier vorgeworfen wird. Geld kann man definitiv leichter verdienen. Also leichter im Sinne von: fast jeder verdient sein Geld leichter mMn. Ich persönlich könnte das nicht...

Ein Teil der Resonanz kommt sicher daher, dass etliche Gamer noch in der Pubertät sind. Andererseits muss ich ganz persönlich zugeben, dass ich nicht gedacht hätte, dass mich eine Diskussion rund um Spiele so mitnehmen könnte. Und ich bin durchaus ein Stückchen weg von der Pubertät :lol:

Manche Entgleisungen und auch manche nicht einmal so heftige Kritik an Anita und am Feminismus hat mich richtig auf die Palme gebracht. Ich möchte sagen: so kenne ich mich gar nicht :wink:

Bspw. diese Drohungen über Twitter: meine erste Reaktion war blankes Entsetzen. Mit ein paar Tagen Abstand sehe ich aber schon, dass man da eventuell leichte Zweifel an der Echtheit haben kann.

Wenn Anitas nächstes Video rauskommt gehe ich eine Woche offline. Ist ja schrecklich diese Aufregung :lol:

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von mr archer » 04.09.2014 23:56

Crypo hat geschrieben:
Weiß gar nicht ob ich sie da beglückwünschen würde.
Doch, auf jeden Fall. Ich spreche da quasi als Fachkollege. Mit nix kann man den Rest des Kollegenpacks im Fach mehr beeindrucken als mit einer Erzählung über die Gefahren und Untiefen der eigenen empirischen Feldforschung, über die man am Ende obsiegt hat. Nicht wenige Kulturwissenschaftler haben nämlich eigentlich Schiss vor den Leuten da draußen und trauen denen alles Schlechte der Welt zu, weswegen sie Feldforschungen versuchen, möglichst aus dem Weg zu gehen oder sie, wenn es schon unbedingt sein muss, nur unter ihresgleichen im selben kulturellen Milieu abzuhalten. Wenn dann doch einer/eine lebend aus der Nicht-Universitären Welt zurück kommt, kann man in den Kolloquien Verhaltensmuster beobachten, die so ähnlich wahrscheinlich schon bei den Jägerstämmen der Steinzeit abliefen, wenn einer mit heiler Haut und Beute über der Schulter den Weg zurück zwischen die Hütten fand.

Anita ist mit der Nummer im Fach eine gemachte Frau, trotz offensichtlicher handwerklicher Fehler in der Methodik. Ich sage das übrigens durchaus anerkennend. Das Feld lag analytisch weitestgehend brach. Sie hat das registriert und nun ihr Revier abgesteckt. So macht man das.
Zuletzt geändert von mr archer am 05.09.2014 00:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von OiOlli » 04.09.2014 23:59

Crypo hat geschrieben:Auf den nachdenkseiten werden auch SPD und Grüne mitunter im rechten Lager verortet :lol:

Ihr habt irgendwie das Thema gewechselt... Das heißt vermutlich, dass ich gewonnen habe :Hüpf:

Sind sie auch. :lol:

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Sharkie » 05.09.2014 00:21

LePie hat geschrieben: Und dann gibt es Threads wie diesen hier.
Ein Klassiker unter Klassikern. :Vaterschlumpf:

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