...tja, das ist wohl genau die Krux an der Sache. Was ist denn ein gutes Rollenspiel? Gut geschriebene Kolumne, gute Argumente.
Ich bin der Meinung, dass ein Video-Rollenspiel mit Abstrichen einerseits, mit Vorteilen andererseits leben muss.
Es fehlt schlichtweg die absolute Handlungsfreiheit und die ständig aktive "Reaktionsintelligenz" in Form des Spielleiters, der permanent und logisch im Kontext auf die Spieler reagieren kann. Das kann kein Videospiel, das wird ein Videospiel niemals können - es sei denn, die NPCs werden von echten Spielern gesteuert. Multiplayer-Reallife-Simulation-RPG sozusagen.
Auf der anderen Seite nimmt einem das Videospiel manche Dinge ab, die bei einem Pen&Paper-Spiel zu kurz kommen, wie beispielsweise zufallsgenerierte Items, Dungeons oder die automatische Auswertung eines ansonsten sehr komplexen Regelwerks. Ob das alles gut oder schlecht ist, bleibt dahingestellt.
Wenn ich so zurückdenke, war das für mich beste RPG (Videospiel) Arena, the Elder Scrolls. (der erste Teil!). Wow! Nachts mit einem Streithammer durch die Gassen zu schleichen, sich ein luxuriöses Haus ausgucken, nach Wachen ausschau halten und dann mit 2,3 polternden Schlägen die Haustüre einschlagen, in der Hoffnung, dass es niemand gehört hat!! (sonst war man unweigerlich tot, gegen die Stadtwachen hatte man nie eine Chance). Super! Oder Baldur´s Gate... die Story rund um die Vampire... oder den Zirkus, der eigentlich der Eingang zum Unterschlupf eines Zauberers in einer Dimension voller Werwölfe und Monster war... oder Ultima Underworld mit seinen schier endlosen aber spannenden Gängen, in denen ein Stück Brot oder ein Apfel noch richtig wertvoll waren!
Das kann heute kein Spiel mehr. So gut Demon´s Souls auch war, gegen die Urgesteine des RPG kann auch das nichts ausrichten, auch wenn es wieder ein großer Schritt in die richtige Richtung war.
Das ultimative Rollenspiel wird das sein, das genau wie damals von Menschen gestaltet wird, die darauf Lust haben. Die sich einen Charakter ausdenken, diesen erstellen, diesen spielen... und sich gemeinsam in einer Kneipe abends treffen, unterhalten und vielleicht gemeinsam losziehen um eine handgescriptete Quest vom schwarzen Brett zu pflücken und vielleicht selbst irgendwann Spielleiter werden können (die im Prinzip Monster steuern können, andere Figuren, Quests erstellen oder einfach nur für Regen, Sonne oder Schneesturm sorgen).
Bis dahin muss man sich mit dem anfreunden, was es derzeit eben gibt und das sind unvollkommende RPG-Hüllen, die vieles richtig machen aber niemals alles. Dass im Lauf der Jahre die Wut darauf wächst, ist klar, sollte man sich aber auch mal bewusst machen
Setze 100 Rollenspielveteranen an einen Tisch und fragt jeden, was man an Dragon Age, Oblivion, Witcher, Demon´s Souls etc. etc. etc. hätte besser machen können und man wird 100 verschiedene Antworten erhalten. Und das werden mit Sicherheit Dinge sein, über die man sich in einem Pen&Paper RPG noch nie Gedanken machen musste...
Videospiele sind eben unvollkommende Abbildungen der Realität und eine eierlegende Wollmilchsau gibt es - zumindest momentan - noch nicht.
Ich freue mich am meisten auf Skyrim, da ich in Oblivion doch die besten Ansätze und die komplexesten Mechanismen erkennen konnte - wenn auch hier oft ungläubiges Staunen ob der Blödheit der KI angesagt war.