Wir haben dieses Format "Feuilleton für Gamer" lange Zeit angeboten - mit interessanten Themen abseits des schnöden Tests. Und da forderte ein Feuilleton-Forscher hinsichtlich der Spielwelt übrigens "Mut zum Feuilleton". Hier findet man sie alle:
http://www.4players.de/4players.php/spi ... rchiv.html
Dass Spiele im qualitativen Vergleich "grottenschlecht" sind, sich deshalb nicht mit anderen Medien messen könnten und daher ungeeignet für den Kulturteil einer Zeitung wären, ist leider typisch deutscher Kulturpessimismus - die Japaner, Amerikaner und Skandinavier sind da viel weiter.
Es gibt so viele wertvolle Themen abseits der schnöden Spielmechanik, die man aufgreifen könnte. Ob sich dafür viele Leute interessieren würden, ist eine andere Frage. Hier bei 4Players war der Zuspruch damals sehr gering, daher haben wir das Format vorerst eingestellt. Der Rechercheaufwand war einfach zu groß. Vielleicht wärmen wir das bald wieder auf.
Im Feuilleton der Tageszeitungen wird aber oft und gerne über wenig Substanz palavert, wenn es um Bücher oder Filme geht. Da wird eine intellektuell aufgepanschte Kritik über irgendeinen Alien vs. Predator-Nachfolger veröffentlicht, der erzählerisch vielleicht so viel Substanz hat wie das Intro von MGS4. :wink: Inhaltlichen Dünnpfiff gibt es also auch im Theater, im Kino oder der Spiegel-Bestseller-Liste.
Und dass vor allem in Deutschland noch wenig Spielerelevantes im Feuilleton erscheint, liegt auch am Willen der Redaktionen und der eher spieleskeptischen Stimmung in diesem Land. Das ist ein Defizit, denn Spiele sind mittlerweile ein prägendes Phänomen für zwei Generationen. Deutschland tut sich schwer mit ihnen, Deutschland ist medienkonservativ und bedient lieber die intellektuellen Rentner mit der 356. Ringaufführung - Wotan in Gummistiefeln, Siegfried im Sandkasten, Walküren mit Lutscher. Die Ausschlachtung gesellschaftlich abgesegneter Stoffe hat auch auf den Bühnen zur geistigen Add-On-Stagnation geführt. Dagegen wirkt ein Shadow of the Colossus wie eine kreative Explosion.
Dass Spiele-Journalisten durchaus in der Lage sind, über den beschränkten Prozentrand zu blicken und interessante Berichte abseits der Tests abzuliefern, haben sie schon zu Genüge bewiesen - es gibt sehr viele gute Artikel, die locker im Stern oder im Spiegel erscheinen könnten.
Man sollte Spiele nur weniger hochtrabend als "Kunst", sondern eher als "Kulturgut" betrachten - und das sind sie zweifellos, zumal sie unsere Gegenwart beeinflussen. Kunst entsteht meist erst durch großen Abstand in der kulturellen Retrospektive, ihr bester Richter ist die Zeit: Van Gogh und Ibsen wurden zu Lebzeiten ausgebuht und von der Kritik im eigenen Lande niedergemacht, Museen verweigerten die Ausstellung, Theater ihre Aufführung. Erst viel später waren Holländer und Norweger plötzlich stolz auf sie - und dann waren sie "Künstler".
Warten wir mal ab, was man in 50 Jahren über Metal Gear, Zelda & Co sagt. Kommt Zeit, kommt Kunst.