Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Viel Spaß beim Diskutieren unserer Kolumnen und Kommentare!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
Ash2X
Beiträge: 1182
Registriert: 10.01.2009 11:58
Persönliche Nachricht:

Kommentar

Beitrag von Ash2X »

Ich denke BioWare hat es recht clever gelöst: Sie verändern das Ende nicht,sondern sie erweitern es um einige Erklährungen und zeigen etwas mehr - das kann absolut nicht schaden,denn es ist wirklich arg kurz geraten.
Das Problem mit Kickstarter ist eigentlich das die Spieler jetzt Spiele ohne jegliche Konzeptarbeit,Screenshots und nicht gefüttert mit versprechungen vorfinanzieren.Das ist auch das Verhalten das sich Publisher von Kunden wünschen aber so ist es anscheinend viel einfacher.Eine art Qualitätskontrolle wird es auch nicht geben: Sie bekommen irgendwann ein Spiel aufgetischt welches sie schon bezahlt haben ob es ihnen gefällt oder nicht.
Die Ironie daran: Es wird nichtmal abgewartet was die ersten 2 oder 3 Projekte bringen,es wird munter in die hahnebüchensten Ideen investiert.
Benutzeravatar
Dafuh
Beiträge: 1055
Registriert: 29.01.2012 12:27
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von Dafuh »

Hier wird brav zurückgehalten und abgewartet. So sieht es aber leider nicht überall aus! In amerikanischen Foren quellen die Threads über mit "Vorschlägen" für die Entwickler, was nicht unbedingt den Anschein erweckt als würden die Entwickler volles Vertrauen genießen...man kann es so oder so sehen ich halte es immer noch für ein zweischneidiges Schwert und es wird sich zeigen welche Früchte das alles trägt!
Benutzeravatar
alex9k
Beiträge: 188
Registriert: 05.01.2009 16:29
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von alex9k »

Den Artikel könnte man auch viel allgemeiner fassen: User, bleib bei deinen Leisten.
Das Problem, dass hier angesprochen wird, kommt vor allem in IT-Sparten äußerst häufig vor.
Ein Beispiel, dass mir da spontan in den Sinn kam: http://www.useit.com/alertbox/20010805.html
Darauf aufbauend: http://www.codinghorror.com/blog/2008/0 ... users.html

(Auch wenns eig. übers Thema hinausgeht, ists doch vlt. ganz nett: http://ideadayblog.ideaday.netdna-cdn.c ... ined-1.gif)

Inwiefern das Prinzip allg. korrekt ist, kann man sich auch im Bereich Videospiele leicht überlegen:
Schaut mal in die Foren, was die Gamer von den Hardware-Gerüchten der PS4 halten und was diese glauben, was da eigentliche für Hardware rein müsste. Und dann ratet mal, wieviele dass dann tatsächlich kaufen würden :D

Kleiner Tipp: Die PS3 ist technisch relativ zum jeweils aktuellen Stand immer schlechter geworden (klar, Hardware ist immer die gleiche geblieben, obwohl das neuste vom neusten immer schneller wird), der Preis ging aber ebenso runter. Ob jetzt die Leistungs- oder Preiswünsche wichtiger sind, beantworten die Verkaufszahlen über die Zeiträume vor und nach Preissenkungen.

-

Mass Effect 3 fällt aber nicht unter dieses Problem! Mit dem Ende waren viele unzufrieden, aber das ist wohl nicht der Grund für den großen Shitstorm. Vielmehr hatte BioWare viele unterschiedliche Enden angekündigt, auf die man großen Einfluss nehmen könne. Letzten Endes hat man dann aber doch nur die Explosionsfarbe bestimmen können (vorrausgesetzt, man hat entsprechend erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf genommen :P). Ich mein, nur weil jemand das Ende einer Story nicht mag, wird sich wohl kaum der Verbraucherschutz einschalten: http://www.pcgames.de/Mass-Effect-3-PC- ... ne-877659/
Zuletzt geändert von alex9k am 13.04.2012 11:25, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
4P|Benjamin
Beiträge: 1659
Registriert: 20.06.2005 13:45
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von 4P|Benjamin »

Kajetan hat geschrieben:
Sicherlich kann man das bei vielen, aber gewiss nicht pauschal bei allen.
Doch. Bei allen Blockbustern.
Sehe ich anders. Auch erhoffte Blockbuster (das Wort beschreibt übrigens ein erzieltes Ergebnis, nicht die Absicht vor der Produktion) werden zwar oft von Geldgebern angekurbelt - aber von kreativen Leuten (Regisseuren, Musikern u.a.) umgesetzt. Es gibt immer ein Zusammenspiel, weil die einen die anderen brauchen und umgekehrt. Und weil kreative Leute dran beteiligt sind, kann eben auch - großer Begriff - Kunst entstehen.

Da es mehrfach angesprochen wurde: Ich prohpezeie nicht den Untergang der Schwarmfinanzierung, das wäre natürlich Unsinn. Es geht nur um einen Aspekt des Prinzips: den Einfluss der Spieler. Darum, dass er in diesem Schwarm durchaus vorhanden ist, und dass er hoffentlich nicht zu weit geht. Wir wissen, wie Kickstarter & Co. funktionieren - wissen das auch alle, die sich daran beteiligen?

Ben
Benutzeravatar
Eich
Beiträge: 165
Registriert: 11.06.2009 11:15
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von Eich »

Ash2X hat geschrieben: Das Problem mit Kickstarter ist eigentlich das die Spieler jetzt Spiele ohne jegliche Konzeptarbeit,Screenshots und nicht gefüttert mit versprechungen vorfinanzieren.Das ist auch das Verhalten das sich Publisher von Kunden wünschen aber so ist es anscheinend viel einfacher.Eine art Qualitätskontrolle wird es auch nicht geben: Sie bekommen irgendwann ein Spiel aufgetischt welches sie schon bezahlt haben ob es ihnen gefällt oder nicht.
Die Ironie daran: Es wird nichtmal abgewartet was die ersten 2 oder 3 Projekte bringen,es wird munter in die hahnebüchensten Ideen investiert.
Ich kann diese Argumentation natürlich verstehen. Aber es ist nun mal so das hier das Problem von hinten aufgerollt wird.

Es ist ja nicht so als würde uns die Entwickler das Spiel aufzwingen wie du es hier beschreibst. Sie bitten uns darum ihnen Geld und Vertrauen zu geben damit sie einen Traum verwirklichen können.
Du stellst es so dar als würden sie uns die Pistole auf die Brust setzen und sagen: "Ich habe gehört du willst das dieses Spiel produziert wird. Dann gib uns dein Geld oder du wirst den Releasetag nicht mehr erleben!"

Zudem, wann gab es denn zuletzt mal eine Demoversion. Bzw. hast du schonmal eine Demoversion für einen DLC gesehen? Wir werden ständig zum Kauf "gezwungen" ohne einen blassen Schimmer zu haben ob uns das Produkt gefällt oder nicht. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich es schon bereut habe ein Spiel gekauft zu haben. Ich denke da an Neverwinter Nights 1 und Sacred. Wie habe ich es bereut für diesen Schund Geld ausgegeben zu haben.

Und selbstverständlich wird nicht abgewartet was die ersten 2 - 3 Projekte bringen. Wasteland 2 wird aller Voraussicht nach im Oktober 2013 erscheinen. Der Kickstarter von Shadowrun endet in 15 Tagen. Sollte Harebrained 1,5 Jahre mit ihrer Idee warten? Sollte ich 1,5 Jahre kein Produkt im Kickstarter unterstützen? Das würde bedeuten das Kickstarter 1,5 Jahre auf Eis gelegt werden müsste. Das ist einfach kein echtes Argument.
Benutzeravatar
Kajetan
Beiträge: 27139
Registriert: 13.04.2004 10:26
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von Kajetan »

4P|Benjamin hat geschrieben:Und weil kreative Leute dran beteiligt sind, kann eben auch - großer Begriff - Kunst entstehen.
Kann. In der Theorie. In der erlebten Praxis der Produktion von Blockbuster-Videospielen (oder Videospielen, die ein Blockbuster werden sollen), ist das aber nicht der Fall. Da zählt allenfalls Handwerkskunst.
Da es mehrfach angesprochen wurde: Ich prohpezeie nicht den Untergang der Schwarmfinanzierung, das wäre natürlich Unsinn.
Natürlich ist das Unsinn. Das hast Du ja auch nicht getan :) Ich werfe Dir nur ein Mißverständnis vor, welches ich Deinem Kommentar entnehme. Bei Crowdfunding geht es nicht um Mitbestimmung innerhalb des Projektes, sondern nur um eine Mitbestimmung bezüglich des Zieles. Gefällt mir das angestrebte Ziel eines Oldschool-Adventures aus den Händen eines Altmeisters des Genres, dann spende ich für Tim Schafers Projekt. Möchte ich etwas anderes, dann spende ich für etwas anderes. DAS ist die Mitbestimmung bei Crowdfunding.
Wir wissen, wie Kickstarter & Co. funktionieren - wissen das auch alle, die sich daran beteiligen?
Wir wissen auch, dass zuviele Köche den Brei verderben. Allerdings wissen wir auch, dass sich Entwickler gerne in irgendwelchen verworrenen Untiefen der Entwicklungshölle verlieren und nicht mehr herausfinden (zB. Hellgate London), so dass eine wie auch immer geartete Community hier durchaus als Korrektiv wirken kann. Gibts ja auch in anderen Startup-Bereichen, wo ein sog. Business-Angel die Firmengründer vor diversen Fallen und Fehlern warnen soll, ohne sich jedoch zu sehr ins Alltagsgeschäft einzumischen.

Hat also alles seine Vor- und Nachteile :)
Gummirakete
Beiträge: 238
Registriert: 12.04.2012 12:07
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von Gummirakete »

4P|Benjamin hat geschrieben:Moment mal. Die Spieler entscheiden über das Spiel? Die Geldgeber bestimmen über Inhalte? Klingeln da nur bei mir die Alarmglocken?
Es ist ein Unterschied, ob die Geldgeber Spieler oder Analysten sind. Dennoch teile ich die Sorge, denn Spieler sind keine homogene Masse. Zu jeder Frage, zu jedem Detail gibt es unzählige Meinungen.

Ich halte das Ganze für ein Phänomen, was sich wohl (leider) wieder legen wird. Wenn die ersten Spiele in den Sand gesetzt, und die Erwartungen der Spieler nicht erfüllen konnten, werden diese vorsichtiger mit ihren Investitionen.
Herr Kaf-fee-trin-ken
Beiträge: 409
Registriert: 14.09.2010 22:23
Persönliche Nachricht:

Kommentar

Beitrag von Herr Kaf-fee-trin-ken »

Ich verstehe die Aufregung nicht. Sind die Finanzierer enttäuscht von ihrem mangelnden Einfluss, werden sie wohl aufhören bei Kickstarter Geld zu investieren. Es wird aber trotzdem weiterhin Leute geben die es unterstützen werden. Und wenn ich als Entwickler den Finanzierern ein Mitspracherecht einräumen möchte, würde ich jeweils mehrere vorher festgelegte Möglichkeiten zur Auswahl anbieten und demokratisch entscheiden lassen. Dann würde es bei den meisten Leuten sicherlich mehrere Übereinstimmungen in der Auswahl geben und beim finalen Spiel wäre jeder zufrieden wenn er einen Teil seines Einflusses erkennt.

Zum Thema Kunst. Kunst ist für mich wenn die Schaffenden ohne Wenn und Aber ihre Vorstellung durchsetzen können. Sobald darauf geachtet wird besonders gefällig zu sein, hat es den Status "Kunst" verwirkt. Auch wenn gewisse Aspekte natürlich noch künstlerische Tätigkeiten beinhalten.
Nanimonai
Beiträge: 5637
Registriert: 10.11.2007 01:02
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von Nanimonai »

Kajetan hat geschrieben:Da gab es keine künsterlische Vision a la Kubricks 2001. Dem man böserweise auch nachsagen kann, er hatte überhaupt keine Vision beim Drehen der Endsequenz, sondern wollte einfach nur ein paar stimmungsvolle Bilder drehen, weil ihm kein besseres Ende eingefallen ist.
Witzig, dass Du ausgerechnet auf 2001 ansprichst. Ich habe mal eine Filmanalyse von 2001 zum Thema "Religion und Film" geschrieben und mich intensiv besonders mit dem Ende des Films (Geburt des Starchilds) beschäftigt und sehe es gänzlich anders als Du.

Wenn ich noch den Rest Deines Posts berücksichtige, komme ich zu dem Schluss, dass Deine Auffassung von Kunst einfach nicht der meinen entspricht und es letztendlich müssig ist, darüber zu debattieren, da wir eh nicht auf einen Nenner kommen. Und das vollkommen zurecht, denn es geht hier nicht um beweisbare Wahrheiten, sondern um Wahrnehmungen, die durchaus auch unterschiedlich sein dürfen.
Benutzeravatar
Setschmo
Beiträge: 2376
Registriert: 19.06.2003 13:14
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von Setschmo »

dem Kommentar ist nichtsmehr hinzuzufügen. Ich halte von dem Schritt von BioWare nichts und finde es armselig dass sie nicht zu ihren Produkt stehen. Wer diese Aktion verbrochen hat weiss ich nicht aber ich musst mich nur noch an den Kopf fassen als ich hörte BW geht auf das Kindergeschrei ein! Lächerlich

Und die Schwarmfinanzierung wird noch in Zukunft für eine Menge Gesprächsstoff sorgen .. da wette ich mit allen was ich habe drauf. Denn kein Investor wird still und leise Kohle in etwas pumpen ohne irgendwann ein Mitspracherecht haben zu wollen.

Aber evtl braucht die Spieleindustrie mal einen Arschtritt und eine Komplettüberholung
Zuletzt geändert von Setschmo am 13.04.2012 11:49, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
4P|Benjamin
Beiträge: 1659
Registriert: 20.06.2005 13:45
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von 4P|Benjamin »

Kajetan hat geschrieben:Bei Crowdfunding geht es nicht um Mitbestimmung innerhalb des Projektes, sondern nur um eine Mitbestimmung bezüglich des Zieles. Gefällt mir das angestrebte Ziel eines Oldschool-Adventures aus den Händen eines Altmeisters des Genres, dann spende ich für Tim Schafers Projekt. Möchte ich etwas anderes, dann spende ich für etwas anderes. DAS ist die Mitbestimmung bei Crowdfunding.
Ein bisschen weiter geht die Mitbestimmung schon und die Grenzen sind auch fließend, von Projekt zu Projekt verschieden usw. Und die große Frage ist dann halt: Wissen wir alle, ab wann wir trotz unseres finanziellen Einsatzes nichts zu melden haben (sollten)? ;)
Benutzeravatar
mr archer
Beiträge: 10329
Registriert: 07.08.2007 10:17
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von mr archer »

Sorry, Benjamin - für mich ist das ein bisschen zu viel Schwarzseherei. Es gibt bisher noch kein über Kickstarter anschubfinanziertes Spiel, das Deine Kassandrarufe rechtfertigen würde. Ich stimme zu, dass durch diese Art der Finanzierung eine stärkere Communitypflege seitens der Studios gefordert sein wird. Ich hoffe also, dass die ein paar fähige Leute für ihre Foren anheuern und diese auch angemessen entlohnen. Crowdfunding ist die Stunde der Mods. Kommunikation ist in dem Punkt alles. Das heisst aber nicht, dass die Studios statt der Publisher nun einen gesichtslosen, ständig lynchbereiten Mob im Nacken haben und dadurch die Pest durch die Cholera ersetzen. Ich kann nur empfehlen, sich das Beispiel Iron Sky genau anzuschauen. Bisher habe ich nichts von enttäuschten Crowdfundern gehört, die nach Besichtigung des Ergebnisses den Kopf der Kreativen verlangen. Wichtig ist einzig und allein, dass man den Leuten gegenüber von Anfang an ehrlich ist und in ihnen keine falschen Erwartungen weckt. Crowdfunding ist im Grunde die Umsetzung des Transparenz-Gedankens der Piraten in wirtschaftliche Praxis. Und es ist nach wie vor ein Experiment. Es wird gelungene Beispiele geben. Und es wird Projekte geben, die daneben gehen. Außerdem ist die Zahl an Entwicklern, die aufgrund ihres guten Namens mal eben so 3 Mio Dollar in einem Monat eintreiben, überschaubar. Man sehe sich im Gegenzug mal die extreme Mühe an, die Christian Allan mit seinem Hardcore Taktik-Shooter hatte. Crowdfunding wird also immer nur eine Möglichkeit neben anderen zur Anschubfinanzierung eines Titels sein. Ausgang ungewiss. Dieses Modell ist abseits von Nischenbereichen gar nicht umsetzbar. Und in Nischenbereichen versammeln sich die Nerds. Und was fällt Nerds denn bitte leichter, als sich untereinander auf eine Meinung zu verständigen? Wo ist also eigentlich das Problem?

Das Communityfeedback darüber hinaus auch in Mainstream-Titeln durchaus umsetzbar ist, zeigte darüber hinaus unlängst erst das Beispiel Deus Ex.

In diesem Zusammenhang aber nun ausgerechnet Mass Effect als mahnendes Schreckgespenst an die Wand zu malen, halte ich für argumentative Trixerei. Wie kann man denn weiter entfernt von der Entwickler-Community-Beziehung eines Crowdsourcing-Titels entfernt sein als mit dieser Multimillionendollar-Space-Opera? Dass Bioware unter dem Ansturm der enttäuschten Spielerschaft einknickt, finde ich auch bedauerlich. Aber - und das klingt jetzt großkotzig und ist auch so gemeint - wer für ein pubertierendes Mainstream-Publikum coded, der darf sich dann auch nicht wundern, dass sich das Publikum eben wie ein solches verhält. Ohne The Witcher 2 bereits gespielt zu haben - der dritte Akt des Spiels kam weder bei Rezensenten noch bei den Fans besonders gut weg. Gab es deswegen einen vergleichbaren Shitstorm? Nicht das ich wüsste. Stattdessen gab es einen recht gesitteten und konstruktiven Dialog zwischen Community und Studio. Aber Witcher 2 verkaufte sich ja auch "nur" 1,3 Mio mal. Würden sich die Verkäufe von Mass Effect in diesem Bereich bewegen, hätte EA längst ein Killerkommando Richtung ausführendes Studio in Bewegung gesetzt. Biowares Fehler war einfach, in Publikumsregionen eines Avatars noch mit den Verhaltensmustern alter RPG-Kundenkreise zu denken. Die hätten sich ein bittersüßes Ende, in dem nicht jeder Strang aus drei Teilen nach den Vorstellungen des Publikums bis ins Detail auserzählt wird, noch gefallen lassen. Meine Güte, Anachronox endet heute noch in einem monströsen Cliffhanger und ich liebe das Spiel trotzdem! Aber wenn ich einmal in den Star-Wars-Bereich vorgestoßen bin, gibt es halt Konventionen, die man nicht ungestraft bricht. Mass Effect ist einfach im Zuge seinen Erfolgs Bioware aus den Händen geglitten. Zuviele Subplots und zuviele Fans, die jeden dieser Subplots zu einem für sie befriedigenden Ende gebracht sehen wollten. Bei der schieren Größe des Kundenkreises konnte man sich an allen fünf Fingern abzählen, wie groß die Zahl der Angepissten da werden würde. Bioware hat den Fehler gemacht, diese Herausforderung anzunehmen und sich dabei zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Wäre ihnen mit Crowdsourcing nie und nimmer passiert. Aber ein Projekt wie Mass Effect stemmt man auch nicht übr Schwarmfinanzierung. Es ist eigentlich die Antithese zu einem Kickstarter-Spiel. Insofern vergleichst Du hier für mich Äpfel mit Birnen. Die Nackenschläge für Kickstarter-Befürworter werden bestimmt kommen. So läuft das schließlich immer. Bis dahin freue ich mich einfach an dieser neuen Möglichkeit, potenziell Spielerfahrungen wiedererleben zu können, die ich für mich längst ad acta gelegt hatte. Weil ich für Mass Effect inzwischen ein bisschen zu alt bin.
Benutzeravatar
mr archer
Beiträge: 10329
Registriert: 07.08.2007 10:17
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von mr archer »

Kajetan hat geschrieben:
Es muss sich nicht ausschliessen, ein massenkompatibles Produkt auch gleichzeitig ein Kunstwerk sein zu lassen, sonst müsste man sämtlichen Bestsellern, Blockbustern und Chartstürmern diesen Status pauschal aberkennen.
Bestseller, Blockbuster und Chartstürmer sind kein Kunstwerke, sondern lediglich Beispiele für mehr oder minder gelungenes Industrie-Design. Man macht diese Produkte nicht, um eine bestimmte Aussage zu treffen oder den Betrachter, Rezipienten zum Sinnieren zu veranlassen, sondern nur, um möglichst vielen Menschen ein paar nette Freizeitstunden zu bereiten. Was ja auch vollkommen legitim und in Ordnung ist. Nur hat das nix mit Kunst zu tun.
Kajetan, bei aller Wertschätzung - das ist Bullshit.
Zuletzt geändert von mr archer am 13.04.2012 12:00, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
crewmate
Beiträge: 18865
Registriert: 29.05.2007 15:16
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von crewmate »

Was du beschreibst Ben, sind zu überwiegend Kommunikations-probleme

Die PR zu Mass Effect versprach das sich individuelle Entscheidungen auswirken würden. Es war offensichtlich Marketing Gelaber, aber wo ist der Punkt erreicht, an der sowas Etikettenschwindel ist? Die Forderungen der Mass Effect waren mMn auch überzogen. Aber ich habe auch die Schnauze voll von Irreführendem Marketing.

Auch Kickstarter Finanzierung sollte besser erläutert werden. Derzeit scheinen Viele Spieler eine falsche Vorstellung zu haben, wie das läuft. Gerade das "Mitsprache Recht". Ich stelle mir das wie einen erweiterten Beta Test vor. Und sowas ist Branchenstandard. Besonders an Takedown wird deutlich, das es Entwicklern teilweise schwer fällt, sich Spielern als Investoren und Finanziers zu präsentieren. Seriös, faktenbasiert.
Zuletzt geändert von crewmate am 13.04.2012 11:59, insgesamt 1-mal geändert.
Numrollen
Beiträge: 387
Registriert: 05.11.2006 17:22
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar: Spieler, bleib bei deinen Leisten!

Beitrag von Numrollen »

Ich werde bei bestimmten Ideen immer wieder auf den Zug aufspringen und vorab eine kleine Summe reinballern. Habe ich bereits gemacht (rFactor2, pCars, Automation), allerdings bei Spielen die bereits etwas vorweißen können und man absehen kann das es wirklich zu was führt. Was ja kein Kickstarter ist....
Ein Mitspracherecht is völlig utopisch bei solchen kleinen Summen, wer hingegegen 50 000€ investiert könnte schon mehr Einfluß drauf nehmen. Wo das anfängt und wo aufhört müssen die Entwickler schon selbst bestimmen.
Was ich allerdings erwarte ist im Forum Aufmerksamkeit einer "sozialen!" Person die in direkten Kontakt zu den Entwicklern steht oder selbst einer ist. Gemachte Vorschläge, Abstimmungen usw. in großer Zahl sollten beachtet werden.
Ein Traum wäre ein Konkurrenz z.B. zu der ArmA Serie (hatte ich letztens irgendwo gelesen das sowas als reiner Shooter geplant ist, mir zu wenig) oder einer anderen Simulation. Wenn man nach einem Build merkt das die Entwicklung in einem Bereich doch stark abweicht von dem was man sich erträumt sollte eben dies diskutiert werden können. Hier wird es auch zu Ideen kommen die das Entwicklungsteam eben nicht bedacht hat und es somit auch zu einem besseren Spiel kommt. Man will ja mit der Bezahlung nicht nur helfen das das Spiel entsteht sondern wünscht sich vielleicht auch aktiv mit zu helfen. Eine Forderung wie bei Mass Effect 3 kann dann auch passieren, sollte dann aber eher zusammen besprochen werden und nicht einfach entschieden werden.

Man kann bei einem wirklichen !Kickstarter! nicht erwarten das einem 100 000€ von unbekannten Leuten aus der ganzen Welt mal so nebenbei geschenkt werden und man ohne Risiko die "Spende" verprasst oder es ein Duke Nukem (nicht wie das Spiel wird sondern die Entwicklung meine ich damit) wird.