Luftschlösser aus dem Nichts

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gollum_krumen
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Beitrag von gollum_krumen »

Muss dem Grundtenor aber ganz gewaltig widersprechen.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin definitiv KEIN Grafikfetischist, ich spiele z.B. zur Zeit Deus Ex 1 und es erobert sich langsam aber sich einen Platz in meinen Top 10. Allerdings kann ich die Entwicklung einer Grafik extrem begrüßen.

Nicht nur, dass der Vergleich mit Büchern hinkt, weil Schrift nunmal SEHR viel abstrakter ist, als ein paar grobschlächtige Pixel, sondern auch weil das fantasieren HINTER einer Grafik bei mir nicht weniger, sondern eher mehr wurde.

So gibt es beispielsweise bei HL2 einen wunderschönen Güterbahnhofsverladeirgendwas, nachdem aus Ravenholm kommt. Gleich noch ein zweites Beispiel mit ähnlicher Wirkung: komplette S.T.A.L.K.E.R.-Umgebung.

Hier arbeitet mein Kopf, es gibt immer wieder Grafiksituationen, die mich unglaublich inspirieren, was ältere Grafiken nicht konnten. Klar, die Umgebung ist recht eindeutig definiert, aber die WELT kann man sich viel besser ausmalen, wenn man die Atmosphäre, wie in den genannten beispielen, nahezu SCHMECKEN kann. Ich setzt mich manchmal spontan ans Klavier und versuch das irgendwie umzusetzten, das ist mir früher nie passiert (was auch an wachsenden Klavierkenntnissen liegen kann).

Ebenso z.B. Tiberium Wars. Das Spiel war recht schwach, die ATMOSPHÄRE (auch extrem gut: Die Musik) hat mich seit der ersten Sekunde Spiel SO angesteckt, dass es mein Weltbild hinsichtlich meiner Zukunftsvorstellungen absolut berreichert habe. Das sind Farben und Gefühle, die kommen in einer Vorlesung Politikwissenschaft wieder hoch, so dermaßen stark haben die sich eingebrannt. Mit Pixelgrafik wäre das kaum möglich gewesen.

Ergo: Eine gute Grafik lässt mich, wenn die Atmosphäre stark ist, sehr viel mehr phantasieren.

Edit: Kleiner Nachtrag, da mir am Beispiel Deus Ex aufgefallen ist, dass meine Ausführungen missverständlich sind: Selbstverständlich kann diese Atmosphäre sich auch bei pixelbreiiger Grafik herstellen (siehe eben Deus Ex1), allerdings muss sie sich dann vermehrt auf die anderen (ja unterm Strich immer noch am wichtigsten!) Säulen verlassen: Story, Setting, etc.

Deus Ex wird mich immer inspirieren, Tiberium Wars hätte es mit Pixelsalat niemals geschafft.
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3nfant 7errible
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Beitrag von 3nfant 7errible »

Und trotzdem: Verklärte Nostalgie hat viel weniger damit zu tun, als man vermuten mag.

Eigentlich hat es sehr viel damit zu tun, mehr als sich so manche eingestehen möchten. Was übrigens komisch ist, da es ja nur menschlich ist :)


Es gibt für alles nur ein erstes Mal. Alles was danach kommt ist mehr oder weniger nur eine Wiederholung, und mit jeder Wiederholung stirbt ein kleiner Teil der Faszination, die man noch beim ersten Mal in all ihrer Pracht erlebte.
Gast
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Beitrag von Gast »

Viele Dinge, die unsere Spielwelt enorm bereichert haben, entstanden doch ursprünglich mal aus technischen Unzulänglichkeiten heraus. Was wäre, wenn die PS1 deutlich mehr auf dem Kasten hätte, und damit verbunden der alles durchdringende Nebel bei Silent Hill nicht eingefügt werden müsste ... es hätte nicht mehr so ein Horrorfeeling. Oder wenn man schon zu NES-Zeiten beliebige Sprachsamples guter Qualität einfügen könnte und uns Link in seinem ersten Auftritt ... naja, nervtötend entgegenquäkt.
Das wichtigste an der für heutige Verhältnisse schwachen Technik von Retro-Games ist doch, dass dann mieses Gameplay nicht mehr hinter ausufernd vielen Partikeleffekten verborgen werden kann.
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organika
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Beitrag von organika »

Hmm....interessantes Thema. Ich selbst denke ähnlich! Ich fand Uncharted 2 zwar einerseits super, aber irgendwas hat mir immer gefehlt...es war wohl die eingegrenzte Spielwelt. Man wurde zwar von vorne bis hinten erstklassig unterhalten und hatte nicht viel zeit sich gedanken über levelschläuche zu machen, weil immer so viel passierte, aber letztlich fehlte etwas. Und zwar etwas was ich beim Spielen von Ocarina of Time beispielsweise hatte, denn als ich dort das Schloss von der Ferne sah da wollte ich unbedingt wissen wie es denn dort aussieht. Wenn ich den Todesberg von weitem sah dann wollte ich wissen was dort oben abgeht. Bei einem Super Mario 64 hat man versucht auf das Schloss zu springen ohne Flügelkappe und immerzu wollte man wissen wie der nächste Level aussieht. Die Grafik bei diesen Spielen war schlicht aber trotzdem regte es die Fantasie an.

Wenn ich mir ein Spiel aussuchen könnte welches produziert werden sollte dann ein Super Mario 64 2. Es startet vor dem Schloss nur kann man dann die riesige Oberwelt vor dem Schloss erkunden. Die Oberwelt die damals durch die limitierte N64 Hardware stark eingegrenzt war. Vielleicht so ähnlich wie in einem Paper Mario. Das wäre mir lieber als nur von Planet zu Planet hüpfen und Levelschläuche (mit zugegeben hervorragendem Gameplay) abzuarbeiten.

Soll heißen:"Die heutigen Spiele sind viel zu viel auf die Action konzentriert und zu wenig aufs Design! Weniger ist manchmal mehr wie shadow of the collossus eindrucksvoll beweist!"
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Xartsadrak
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Beitrag von Xartsadrak »

Boesor hat geschrieben:es kann natürlich auch andersherum klappen.

Bei anno 1404, unbestritten ein Spiel mit phantatsischer grafik, hilft meiner Meinung nach die Grafik sehr dabei eine Atmosphäre aufzubauen, die einen erst richtig in das Spiel reinzieht.
Ein intensiveres gefühl als bei den grafisch schlechteren Vorgängern.
Da stimme ich auf jeden Fall zu!
Aber gute Grafik ist halt nicht immer alles, man stelle sich mal ein Minecraft mit Unreal-Engine vor :lol:
memento81
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Beitrag von memento81 »

Auch von mir harter Widerspruch. Da werden so viele unterschiedliche Konzeptionen wild durcheinandergerüht und mit schwülstigen Ausführungen über die Anregung der Phantasie verkleistert, dass es mich schaudert.

Die Kolumne beginnt als Aufhänger mit dem altem "früher war alles besser", was er gleich in die Münder vieler Spieler impliziert. Ich habe aber starke Zweifel, dass irgendwer unter diesem Tenor speziell die Grafik meint. Und nur auf die geht der ganze weitere Text ja ein und sattelt damit irgenwie weit neben dem Pferd auf.

Der Vergleich Spiel und Literatur ist rezeptionstheoretisch sehr problematisch und komplex und in seiner Essenz auch wirklich nicht auf diese Schlussfolgerungen runterzubrechen (bitte jetzt nicht als Großkotzigkeit missverstehen, aber als Literatur- und Medienwissenschaftler weiß ich, dass das ein sehr umfangreiches und kompliziertes Forschungsfeld ist, wo es dermaßen einfache Antworten nicht gibt). Die wenigsten Spieleklassiker haben aus künstlerischer Entscheidung heraus abstrahiert und die grob beschriebenen "Leerstellen für die Phantasie" hinterlassen. Es gibt Ausnahmen wie zB das Charakterdesing in Grim Fandango, TF2 und GTA 4 oder die Farbreduktion und Leere der Mirror's Edge Metropole. Bei den noch älteren Spielen waren es meiner Ansicht nach aber einfach Grenzen von Technik und Entwicklungszeit. Heute wird ein hundertfaches an Arbeitsstunden für eine daraus resultierende Spielstunde verwendet. Und das ist gut so, denn erst dadurch gibt es doch die Detailfülle, durch die sich ein Raum glaubhaft anfühlt und uns tiefer in das Szenario zieht.

Wenn ich mir bei einem Tomb Raider oder Doom mehr hinter in die flache Matschwand imaginiert habe als da wirklich war, dann weil mir meine Wahrnehmungserfahrung gesagt hat, dass das vorhandene nicht ausreichend ist. Ein willentliches Hinterlassen von Imaginations- und Interpretationsraum kann ich da nur höchst selten entdecken. In meinen Augen ist es falsch in dieser Hinsicht den Blick zurück zu lenken. Er sollte eher in die Zukunft gehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir 3D Räume in Computerspielen erst seit rund zwei Jahrzehnten durchwandern können. Die Branche ist groß geworden, aber verglichen mit den Jahrhunderten bzw Jahrtausenden der Literatur sind das Kinderschuhe.

Auch der Roman hat sich in einigen Phasen seiner Gattungsentwicklung deutlich mehr dem Realismus zugewandt, war sehr spezifisch und in seiner Konzeption und Intention überhaupt nicht auf Phantasiebeflügelung ausgerichtet. Das kam erst später wieder als die Erzähltechniken sich immer weiter verfeinert haben und die Autoren lernten das innere Auge des Lesers sehr gezielt zu führen und auch schweifen zu lassen.

Ich bin überzeugt, dass wir bei Spielen auch an diesen Punkt kommen. Im Moment befinden wir uns in einer von Realismus dominierten Phase. Da der visuell mögliche Realismus aber immer stärker an die Grenze der aktuellen Konsolenhardware stößt, beginnt auch ein Trend sich eher durch das Art Design von seinen Konkurrenten abzuheben. Realismuslook ist zum Gegenteil eines Alleinstellungsmerkmals geworden. Das habe ich ganz deutlich daran gemerkt wie frisch sich Bulletstorm angefühlt hat. Eine hochdetaillierte Spielwelt die mich reinzieht und fasziniert.

Was du also eigentlich fordern willst, geht nicht weg von fortschrittlicher Grafik sondern zu weniger realistischem Art-Design. Das lässt sich auch mit neuer Technik super realisieren. Dafür erinnere man sich nur zB an Ubisofts Prince of Persia Reboot im Cell-Shading Look. Bildschöne Optik, die sehr bestimmt in ihren Details war, aber doch abstrakt die Phantasie noch weiter schweifen ließ.
Malachi80
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Beitrag von Malachi80 »

Endlich mal wieder ein rundum gelungene Kolumne.

Und es passt sehr gut zu dem, was mir diese Woche passiert ist: Über Umwege bin ich in das Jealous Jellyfish-Forum gelandet, habe darin gelesen und kam auf die Idee, die alte "Schleichfahrt"-CD von 1996 rauszukramen. Dosbox installiert, Spiel installiert und los gings.
Erster Gedanke: Wie zum Teufel hab ich das früher ohne Augenkrebs überstanden???
Zweiter Gedanke: Naja, klick dich halt mal durch die ersten Dialoge und spiele die ersten beiden Missionen.
Weiter gings dann mit: Verdammt sind die Dialoge witzig und gut geschrieben. Dass keine Sprachausgabe vorhanden war, fiel mir erst mal gar nicht auf. Dann die erste Mission: Müll wegballern. Sehr spannend. Der Spielbildschirm ist winzig, fast alles wird von dem Bootscockpit eingenommen. Der Boden ein einziger Pixelbrei. Und dennoch: es macht Spaß. Denn alleine die Steuerung ist so ungewohnt für heutige Verhältnisse (das Boot ist durch seine Masse sehr träge), dass sie einen herausfordert. Ebenso die Gefechte.
Das Ende vom Lied: mittlerweile bin ich in der 10. Mission und die grässliche Grafik fällt nicht mehr auf. Ich will nur noch wissen wie die Story weitergeht. :roll:
memento81
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Beitrag von memento81 »

Malachi80 hat geschrieben:Endlich mal wieder ein rundum gelungene Kolumne.

Und es passt sehr gut zu dem, was mir diese Woche passiert ist: Über Umwege bin ich in das Jealous Jellyfish-Forum gelandet, habe darin gelesen und kam auf die Idee, die alte "Schleichfahrt"-CD von 1996 rauszukramen. Dosbox installiert, Spiel installiert und los gings.
Erster Gedanke: Wie zum Teufel hab ich das früher ohne Augenkrebs überstanden???
Zweiter Gedanke: Naja, klick dich halt mal durch die ersten Dialoge und spiele die ersten beiden Missionen.
Weiter gings dann mit: Verdammt sind die Dialoge witzig und gut geschrieben. Dass keine Sprachausgabe vorhanden war, fiel mir erst mal gar nicht auf. Dann die erste Mission: Müll wegballern. Sehr spannend. Der Spielbildschirm ist winzig, fast alles wird von dem Bootscockpit eingenommen. Der Boden ein einziger Pixelbrei. Und dennoch: es macht Spaß. Denn alleine die Steuerung ist so ungewohnt für heutige Verhältnisse (das Boot ist durch seine Masse sehr träge), dass sie einen herausfordert. Ebenso die Gefechte.
Das Ende vom Lied: mittlerweile bin ich in der 10. Mission und die grässliche Grafik fällt nicht mehr auf. Ich will nur noch wissen wie die Story weitergeht. :roll:
Was du da beschreibst, ist doch aber gar nicht der Punkt der Kolumne. Oder schweifst du etwa gerade wegen der minimalistischen Grafik tiefer in die Spielwelt, weil das Fehlen von Details deine Phantasie anregt? Genau das ist ja die hier aufgestellte These.
Dein Fun-Faktor kommt offensichtlich eher daher, dass du den Spass eines nahezu ausgestorbenen Genres wieder entdeckst. Schleichfahrt war ja in seiner Steuerung und Gameplayart noch am nächsten mit den Space-Comabt-Sims ala Wing Commander, Freespace und X-Wing vergleichbar. Da wir sowas heute leider, leider nicht mehr auf dem Markt haben, fühlt es sich für dich nach frischem und spassigem Gameplay an (womit ich sehr sympathisiere, weil ich das Genre geliebt und sein Verschwinden betrauert habe). Zum Vergleich mit heutigen Spielen eignet sich das dadurch aber nicht so gut wie zb RTS damals und heute oder Shooter damals und heute.
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4P|Benjamin
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Beitrag von 4P|Benjamin »

memento81 hat geschrieben:Und nur auf die geht der ganze weitere Text ja ein und sattelt damit irgenwie weit neben dem Pferd auf.
Klar: Das ist natürlich nur ein Aspekt von gefühlten hunderten. Hier ging es eben nur darum.
Wenn ich mir bei einem Tomb Raider oder Doom mehr hinter in die flache Matschwand imaginiert habe als da wirklich war, dann weil mir meine Wahrnehmungserfahrung gesagt hat, dass das vorhandene nicht ausreichend ist. Ein willentliches Hinterlassen von Imaginations- und Interpretationsraum kann ich da nur höchst selten entdecken.
Vollkommen richtig! Steht deshalb so im Text. :) Um willentlich oder nicht geht es auch gar nicht.
Was du also eigentlich fordern willst, geht nicht weg von fortschrittlicher Grafik sondern zu weniger realistischem Art-Design. Das lässt sich auch mit neuer Technik super realisieren.
Steht ebenfalls nicht umsonst so da! ;) Nur sollte man es verstehen, mit dieser Technik bleibende Inhalte zu erschaffen.

Ben
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Sylver001
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Beitrag von Sylver001 »

Xartsadrak hat geschrieben:Aber gute Grafik ist halt nicht immer alles, man stelle sich mal ein Minecraft mit Unreal-Engine vor :lol:
unreal is zu unflexibel.. aber die frostbite 2.0 könnte was reißen ^^
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Vino
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Beitrag von Vino »

Im Prinzip kann ich der Kolummne nur zustimmen. Aber welches Spiel ist mit NEAR gemeint? Kenne ich nicht und finde ich auch nichts drüber. Meintest du NIER?
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SonicSuperfast
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Beitrag von SonicSuperfast »

Ich verstehe nicht genau, worauf der Autor hinaus will. Die Spiele, die er sucht hat er selbst genannt, und es gibt noch einige mehr und es werden weiterhin solche Spiele produziert. Sie sind nur keine Spiele für die Masse. Ebenso wenig wie Filme von Lynch oder irgendwelche abgedrehten Romane.
Aber ja, ich mag auch Spiele mit diesem geheimnisvollen Artdesign. Realistisches Design hat aber auch seinen Reiz.
Opa
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Beitrag von Opa »

Will den Videospiel immer Raum für Phantasie schaffen, muss es das?! Wo ließ das Medium Film jemals Raum für Phantasie es sei denn man reist neben dem gezeigten Plot her.

Ich bin nicht unbedingt ein Freund dessen in jeder Unzulänglichkeit (hier der Technik) einen positiven Aspekt oder gar Sinn zu suchen. Allgemein finde unsere Gesellschaft herrlich in der jeder darüber sinniert wie gemein die Welt ist - man kann ja gar nicht mehr Phantasie haben oder frei sein als Mensch. All diese Zwänge, schwere / schlimme Zeiten. Und dann gibt es Menschen, die einfach das ausleben was sie bewegt aber das ist eine andere Lebenseinstellung - eine die man weder in Pac Man noch in heutigen Spielen finden wird.

Ich neige betreffend des eigentlichen Themas mittlerweile zur These, dass es einfach eine Frage der Wahrnehmungsänderung des Alters ist. Jeder Mensch neigt aus irgendeinem Grund dazu Filme, Musik und sämtliche andere Medien seiner Kindheit und Jugend etwas verklärt zu sehen. Da wird nach Gründen gesucht (Musik wird immer schlechter weil...) und vielleicht ist der Grund unsere eigene Unfähigkeit loszulassen und unseren eigenen Verfall oder Wandel zu akzeptieren. Vielleicht sind die Jugendjahre deshalb oft die an die wir uns gerne erinnern und in denen alles gut war weil ein Großteil unserer Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist mit den Pflichten, Ängsten und Herausforderungen des Alltags umzugehen. Das Leben wird bestimmt von bewussten und unbewussten Erinnerungen an Zeiten, in denen uns alles kredenzt wurde. Gerne lassen sich manche von uns im AllInclusive Urlaub entmündigen, mit teils Mittelmäßigem abfertigen - aber es ist ein Bisschen wie damals. Als man noch nicht wusste warum es so war geschweige denn Einfluss nehmen konnte sondern nur wahrnahm, dass der Kühlschrank gefüllt wurde.

Ich denke jeder sollte einfach mal "die Perlen seiner Jugend" rauskamen und zocken - es ist schockierend! Ein Wenig so wie wenn man eine Exfreundin ohne Gefühl wieder sieht und merkt es ist nur ein Mensch.

Sucht nicht nach besseren Spielen sondern nach einem Leben, durch das eure Erinnerung an diesen Tag und alles in ihm (Spiele / Musik) so verklärt ist wie die Erinnerung an Gestern. Ich glaube der Fehler ist, dass unsere Gesellschaft verlernt hat zu genießen. Wir konsumieren. Das können wir, darauf sind wir sehr gut konditioniert. Aber früher, da gab es mehr...und jeder für sich kann dieses "mehr" wieder finden.
Zuletzt geändert von Opa am 29.07.2011 20:26, insgesamt 1-mal geändert.
johndoe549497#2
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Beitrag von johndoe549497#2 »

Hat der Autor mit den Beispielen am Ende nicht gezeigtdass die - früher durch die limimitierten technischen Möglichkeiten- Welten auch heute noch geschaffen werden ?!

Ein Tomb Raider hat mich persönlich in meiner Phantasie weit weniger angeregt als ein Wing Commander.

Es war eben nicht nur die Grafik, es war und ist ! das Setting, die Erzählung. Der kalte Technokratische Stil eines Mirrors Edge und die dahinterliegende Welt faszinieren mich heute ebenso wie ein Deus Ex 1. Und was ist mit Minecraft ...?

Ich glaube wir schwelgen zu sehr in Gegenwartspessismus und Vergangenheitsverklärung. Auch heutzutage werden noch " Perlen " produziert genau wie einst sehr viel " Mist " über unsere Bildschirme gelaufen ist.

Und ich ( auch als studierter Literatur und Medienwissenschaftler :wink: ) stimme Memento zu. Spile als Medien und Literaturform stehen erst noch am Anfang ihrer Entwicklungsgeschichte. Sie werden, trotz oder gerade aufgrund der kommerzialisierung, noch stärker ausprägen und uns so neben dem x Call of Duty auch weiterhin " Spiele " wie " Flower " bescheren.
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Vino
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Beitrag von Vino »

Opa hat geschrieben:Wo ließ das Medium Film jemals Raum für Phantasie es sei denn man reist neben dem gezeigten Plot her.
Beispiele gab und gibt es viele. Man muss sich nur mal vom Blockbuster wegbewegen. Ein Film hat durchaus mehrere Ebenen, eine Geschichte zu erzählen