Ankauf illegaler Steuersünder-CD
Verfasst: 04.02.2010 19:50
Ankauf illegaler Steuersünder-CD
Hitzige Diskussion um die Vertretbarkeit derartiger Deals
Man könnte es ein durchaus „unmoralisches Angebot“ nennen, welches dem Deutschen Staat derzeit vorliegt. Für 2,5 Millionen Euro kann der Bundesfinanzminister eine CD mit einer Liste von belastenden Materialen zu Steuersündern erwerben, anhand derer der Fiskus angeblich rund 100 Millionen Euro Steuern nachträglich eintreiben können soll. Nach Adam Riese ist für die Staatskasse, also letztendlich den Steuerzahler, so ein Zugewinn von geschätzten 97,5 Millionen drin. Und doch bezahlt man einen hohen Preis…
Das Problem an der Sache ist, dass die Daten offensichtlich illegal beschafft wurden. Laut der „Financial Times Deutschland“ ist es wohl ein ehemaliger Banker der britischen Großbank HSBC, namens Hervé Falciani, der mit diesem Geschäft an die Regierung herangetreten ist. Mit Beschaffung und Verkauf der Daten hat er wohl nicht nur seinen Arbeitgeber bestohlen, sondern auch gegen das Bankgeheimnis und grundlegendste Prinzipien des Datenschutzes verstoßen.
Ersteht Deutschland nun diese CD, würde das nicht nur ein derart kriminelles Treiben finanzieren, sondern auch zahlreiche Nachahmungstäter zu ähnlichem Verhalten motivieren. So lange es hierbei um Besserverdiener geht, die sich durch Steuerhinterziehung um ihre soziale Verantwortung gedrückt haben, mag das noch populär sein. Die „Bild“ fordert auf ihrer Titelseite z.B. „Kauft euch die reichen Betrüger!“ und bei Meinungsumfragen in den Medien entscheiden sich meist ca. 2/3 der Bürger für den Kauf der CD.
Doch wie sieht es aus, wenn korrupte Banker beginnen massenweise Bankdaten von „Normalos“ zu verkaufen, um diese beim Finanzamt anzuschwärzen? Oder wenn sich, wie es bei einer Hörermeldung beim Radiosender Bayern 3 überspitzt formuliert wurde – bald jeder etwas dazu verdienen will, in dem er mit Kamera im Gepäck durch die Innenstadt läuft, um Bilder von Parksündern zu schießen, welche er dann für 2 EUR an die Polizei weiter verkauft, die damit 30 EUR einnehmen kann? Ein regelrechter Denunzianten-Staat könnte die Folge sein. „Stasi-Methoden meets Turbo-Kapitalismus“, sozusagen.
Und die grundlegende Frage lautet: Darf der Staat ein so moralisch fragwürdiges Zeichen setzen, für illegales Verhalten zu bezahlen, selbst wenn es für einen der Allgemeinheit dienlichen Zweck ist? Schließlich, und dessen muss man sich bewusst sein, handelt es sich beim An- und Verkauf von gestohlenen Waren laut deutschem Recht um Hehlerei. Ein Verbrechen, dessen man sich eindeutig schuldig machen würde - und das den Begriff Rechtsstaat in ein seltsames Licht rücken würde.
Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder von der CSU warnte in der "Süddeutschen Zeitung" vor Nachahmungstaten, wenn der Staat für gestohlene Daten bezahle. SPD, Linke und Grüne sind jedoch für den Deal. „Wir können Ganoven nicht laufen lassen, nur weil sie von Ganoven entlarvt werden", ließ SPD-Chef Sigmar Gabriel ebenfalls über die Süddeutsche Zeitung verlauten. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich gibt zu bedenken: „Wer jetzt den Ankauf von Hehlerware befürwortet, der braucht uns nie wieder über Datenschutz belehren“.
Dem entgegen steht, dass die Polizei bei Kapitalverbrechen wie Drogenhandel oder Bandenkriminalität des Öfteren für Informationen bezahlt, um so eine bessere Chance zu haben, Schwerverbrecher hinter Gitter zu bringen. Außerdem gab es für die aktuelle Situation bereits einen Präzedenzfall. 2008 hatte man in der sogenannten Liechtenstein-Affäre Millionen für geklaute Daten gezahlt, um Steuerhinterzieher zu entlarven. Als prominentestes Opfer war den Ermittlern damals Post-Chef Klaus Zumwinkel ins Netz gegangen.
Eins ist klar – Verbrechen darf sich nicht lohnen. Und das ist nur möglich, wenn es aufgedeckt wird. Doch es gibt Alternativen, wie man das schaffen kann ohne dass der Staat Deals mit Kriminellen eingehen muss. So gibt es Vorschläge, dass große Medien den Informations-Einkauf tätigen könnten, um so von den exklusiven Informationen wirtschaftlich zu profitieren. Nach öffentlich werden der prekären Infos, könnte der Staat die Verfolgung aufnehmen, ohne dafür bezahlt haben zu müssen. Trotzdem würden die Daten-Diebe auch in diesem Vorgehen, für ihr rechtswidriges Verhalten noch belohnt.
Die umfassendste und dauerhafteste Lösung ist eigentlich naheliegend. Nämlich sich nicht nur das belastende Material auf der aktuellen CD, sondern gleich alle Steuersünder direkt und legal aus der Schweiz zu beschaffen. Die Alpenrepublik hatte schließlich bereits einmal erklärt, nicht mehr als Steueroase gebrandmarkt werden zu wollen, und deshalb zum Austausch von Informationen bereit sei. Diplomatie steht einem Rechtsstaat ohnehin besser, als zwielichtige Geschäfte. Und „ehrlich“ wehrt schließlich nicht nur sprichwörtlich am längsten - Das würden dann auch schnell die Steuersünder zu spüren bekommen.
----
text aus party-screen.de
---
wollt mal wissen was ihr dazu sagt
Hitzige Diskussion um die Vertretbarkeit derartiger Deals
Man könnte es ein durchaus „unmoralisches Angebot“ nennen, welches dem Deutschen Staat derzeit vorliegt. Für 2,5 Millionen Euro kann der Bundesfinanzminister eine CD mit einer Liste von belastenden Materialen zu Steuersündern erwerben, anhand derer der Fiskus angeblich rund 100 Millionen Euro Steuern nachträglich eintreiben können soll. Nach Adam Riese ist für die Staatskasse, also letztendlich den Steuerzahler, so ein Zugewinn von geschätzten 97,5 Millionen drin. Und doch bezahlt man einen hohen Preis…
Das Problem an der Sache ist, dass die Daten offensichtlich illegal beschafft wurden. Laut der „Financial Times Deutschland“ ist es wohl ein ehemaliger Banker der britischen Großbank HSBC, namens Hervé Falciani, der mit diesem Geschäft an die Regierung herangetreten ist. Mit Beschaffung und Verkauf der Daten hat er wohl nicht nur seinen Arbeitgeber bestohlen, sondern auch gegen das Bankgeheimnis und grundlegendste Prinzipien des Datenschutzes verstoßen.
Ersteht Deutschland nun diese CD, würde das nicht nur ein derart kriminelles Treiben finanzieren, sondern auch zahlreiche Nachahmungstäter zu ähnlichem Verhalten motivieren. So lange es hierbei um Besserverdiener geht, die sich durch Steuerhinterziehung um ihre soziale Verantwortung gedrückt haben, mag das noch populär sein. Die „Bild“ fordert auf ihrer Titelseite z.B. „Kauft euch die reichen Betrüger!“ und bei Meinungsumfragen in den Medien entscheiden sich meist ca. 2/3 der Bürger für den Kauf der CD.
Doch wie sieht es aus, wenn korrupte Banker beginnen massenweise Bankdaten von „Normalos“ zu verkaufen, um diese beim Finanzamt anzuschwärzen? Oder wenn sich, wie es bei einer Hörermeldung beim Radiosender Bayern 3 überspitzt formuliert wurde – bald jeder etwas dazu verdienen will, in dem er mit Kamera im Gepäck durch die Innenstadt läuft, um Bilder von Parksündern zu schießen, welche er dann für 2 EUR an die Polizei weiter verkauft, die damit 30 EUR einnehmen kann? Ein regelrechter Denunzianten-Staat könnte die Folge sein. „Stasi-Methoden meets Turbo-Kapitalismus“, sozusagen.
Und die grundlegende Frage lautet: Darf der Staat ein so moralisch fragwürdiges Zeichen setzen, für illegales Verhalten zu bezahlen, selbst wenn es für einen der Allgemeinheit dienlichen Zweck ist? Schließlich, und dessen muss man sich bewusst sein, handelt es sich beim An- und Verkauf von gestohlenen Waren laut deutschem Recht um Hehlerei. Ein Verbrechen, dessen man sich eindeutig schuldig machen würde - und das den Begriff Rechtsstaat in ein seltsames Licht rücken würde.
Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder von der CSU warnte in der "Süddeutschen Zeitung" vor Nachahmungstaten, wenn der Staat für gestohlene Daten bezahle. SPD, Linke und Grüne sind jedoch für den Deal. „Wir können Ganoven nicht laufen lassen, nur weil sie von Ganoven entlarvt werden", ließ SPD-Chef Sigmar Gabriel ebenfalls über die Süddeutsche Zeitung verlauten. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich gibt zu bedenken: „Wer jetzt den Ankauf von Hehlerware befürwortet, der braucht uns nie wieder über Datenschutz belehren“.
Dem entgegen steht, dass die Polizei bei Kapitalverbrechen wie Drogenhandel oder Bandenkriminalität des Öfteren für Informationen bezahlt, um so eine bessere Chance zu haben, Schwerverbrecher hinter Gitter zu bringen. Außerdem gab es für die aktuelle Situation bereits einen Präzedenzfall. 2008 hatte man in der sogenannten Liechtenstein-Affäre Millionen für geklaute Daten gezahlt, um Steuerhinterzieher zu entlarven. Als prominentestes Opfer war den Ermittlern damals Post-Chef Klaus Zumwinkel ins Netz gegangen.
Eins ist klar – Verbrechen darf sich nicht lohnen. Und das ist nur möglich, wenn es aufgedeckt wird. Doch es gibt Alternativen, wie man das schaffen kann ohne dass der Staat Deals mit Kriminellen eingehen muss. So gibt es Vorschläge, dass große Medien den Informations-Einkauf tätigen könnten, um so von den exklusiven Informationen wirtschaftlich zu profitieren. Nach öffentlich werden der prekären Infos, könnte der Staat die Verfolgung aufnehmen, ohne dafür bezahlt haben zu müssen. Trotzdem würden die Daten-Diebe auch in diesem Vorgehen, für ihr rechtswidriges Verhalten noch belohnt.
Die umfassendste und dauerhafteste Lösung ist eigentlich naheliegend. Nämlich sich nicht nur das belastende Material auf der aktuellen CD, sondern gleich alle Steuersünder direkt und legal aus der Schweiz zu beschaffen. Die Alpenrepublik hatte schließlich bereits einmal erklärt, nicht mehr als Steueroase gebrandmarkt werden zu wollen, und deshalb zum Austausch von Informationen bereit sei. Diplomatie steht einem Rechtsstaat ohnehin besser, als zwielichtige Geschäfte. Und „ehrlich“ wehrt schließlich nicht nur sprichwörtlich am längsten - Das würden dann auch schnell die Steuersünder zu spüren bekommen.
----
text aus party-screen.de
---
wollt mal wissen was ihr dazu sagt