Ich denke auch, dass sich bei der nächsten Konsolengeneration nicht allzu viel ändern wird. Die Technik wird voranschreiten, klar, aber eher mit Fokus auf neue Eingabemöglichkeiten, deren Ansätze wie Nintendos Wii und Microsofts Natal wir gerade erst beobachten können.
Allerdings könnten auf lange Sicht Dienste wie
OnLive (gegenwärtiger Fokus: USA) und
Gaikai (Fokus: Europa, ein Beta-Test steht in Aussicht [bin natürlich registriert...

]) den Markt von Grund auf aufmischen. Die gegenwärtige Konsolengeneration wird noch einige Jahre existieren, wahrscheinlich länger als die vorhergehenden und auch die nächste Generation wird wohl sehr lange auf dem Markt bleiben. Doch danach könnte es eine große Lücke geben, die Onlinedienste füllen könnten.
Diese Dienste benötigen nur eine minimale Clienthardware und berechnen Grafik, Sound und Spielgeschehen in gigantischen Rechenzentren, wo die Signale dann in Echtzeit encodiert und über die Internetleitung verschickt werden. Die Clients übertragen nur noch die Steuersignale an die Zentren und empfangen von dort die fertigen Video- und Audiosignale. Diese Clients benötigen nur eine lächerlich geringe Hardwareausstattung, weswegen bereits die erste Generation lächerlich klein ausfällt:
Alternativ kann auch anstelle der speziellen Hardware ein gewöhnlicher PC mit Browser für den Zugang verwendet werden, was bei der Beta beider Dienste die einzige Möglichkeit des Zugangs ist. Die Hardware von Gaikai wurde übrigens noch nicht vorgestellt.
Klar gibt es noch einige Schwierigkeiten zu lösen. Neben der enormen benötigten Rechenleistung der Serverfarmen (Grafik muss berechnet und in Echtzeit encodiert werden; gerade letzteres ist bei HD-Auflösungen enorm aufwändig) bereiten die Latenzen die größten Schwierigkeiten. Das Steuersignal vom Controller muss übermittelt, dann das Spielgeschehen samt Grafik berechnet und zurückgeschickt werden. Selbst im günstigsten Fall sind kaum weniger als 10 Milisekunden möglich (bei minimalen Datenmengen, wie z. B. bei einer Ping-Anfrage), mit den meisten Anschlüssen auf Client-Seite sieht es eher deutlich schlechter aus.
Die Ansatz von OnLive und Gaikai ist daher, in der Nähe von Ballungsräumen Rechenzentren zu errichten. Will man ein ganzes Land abdecken, dann sind unzählige nötig, die zudem allesamt auf eine maximale Auslastung ausgelegt sein müssten, z. B. wenn ein neuer Blockbuster erscheint, den alle Welt pünktlich zum Releasetermin zocken will. Zu bestimmten Zeiten, also beispielsweise Nachmittags nach Schulschluss oder Abends muss stets genügend Rechenleistung zur Verfügung stehen, während diese den Rest des Tages wohl brachliegt, was sehr teuer ist, es sei denn man vermietet die überschüssige Rechenleistung an Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen als Supercomputerersatz.
Doch nicht nur diese Rechenzentren, die enorme Ausmaße haben müssten, bereiten Kopfzerbrechen. Auch die gegenwärtig verlegten Internetleitungen sind kaum dafür geeignet. Schonmal aufgefallen, dass zwischen 18 und 22 Uhr die Performance (Datendurchsatz, Latenz, Paketverlustrate) am schlechtesten sind? Das liegt daran, dass in dieser Zeit alle Welt nach der Arbeit dem Volkssport "Filme herunterladen" nachgeht, vorzugsweise unter Nutzung von Livestreamseiten und in den seltensten Fällen legal.
Würden Services wie OnLive oder Gaikai populär, kämen enorme Datenmengen auf die Leitungen zu. Onlive verwendet eine Auflösung bis 720p, die natürlich mit minimalen Verzögerungen und ohne Unterbrechungen beim Kunden ankommen soll. In einer Zeit, in denen Außerhalb der Tigernationen Asiens nicht einmal jeder in den entwickelten Industrieländern Zugang zu halbwegs schnellen Internetleitungen hat, ist dies vollkommen illusorisch. Die Infrastruktur existiert schlicht noch nicht.
Sie wird irgendwann existieren, ohne Zweifel. Nur bis dahin ist noch lange hin.
Obendrauf basieren aktuelle Konzepte in dieser Hinsicht auf klassischen Eingabegeräten, also Controllern und der Maus/Tastatur-Kombination, welche nur sehr wenig Daten übertragen. Eine moderne Maus kann man immer noch via Adapter an einen jahrzehntealten PS2-Anschluss mit lächerlichen Übertragungsraten anschließen, was die Funktion dieser Maus in keiner Weise beeinträchtigt (Modell mit integriertem Speicher und andern Sonderfunktionen, die eh kaum jemand hat, einmal ausgenommen).
Entwicklungen wie Mircosofts Natal erzeugen aber auf der Client-Seite erheblich größere Datenmengen. Setzen sich solche Eingabemöglichkeiten auf den Konsolen durch, bevor eine Infrastruktur existiert, die die Übertragung der Signale an ferne Rechenzentren in annähernder Echtzeit ermöglicht, dann würde sich die Durchsetzung der Live-Services deutlich, möglicherweise um Jahrzehnte verzögern.
Es ist also noch lange hin, bis es nur noch eine Konsole für alle Spiele geben wird. Dahinter stecken auch noch große Gefahren, denn eine derart zentralisierte Struktur ermöglicht Kontrolle und Überwachung in einem nie gekannten Ausmaß. Indizierte Titel könnte man dann hierzulande, wenn es keine Alternative zu diesen Diensten mehr gibt, gar nicht mehr spielen, nur um ein Beispiel zu nennen. Auch droht dann dem Personal Computer, der Open Source Software im privaten Einsatz und vielen anderen Dingen das Aus.
Ich habe das hier mal vor einiger Zeit ausführlich beschrieben:
http://www.heise.de/tp/foren/S-Vorwaert ... 6274/read/
Hmm. Ich frage mich gerade, ob ich richtig ins OT abgedriftet bin (mit einem Lieblingsthema von mir), oder doch eine sehr passende Antwort abgegeben habe...
