mr archer hat geschrieben: ↑12.03.2017 11:23
Zunächst mal habe ich diese Platte gekauft, weil sie die perfekteste Norwegische Black Metal Covergestaltung überhaupt bietet.
...und das ganz ohne Sch'n'Sch.* Außerdem haben sie einen der ästhetisch hochwertigsten Bandnamen, was in dem Genre schon was heißen will. Danke für die Empfehlung!
Ich kenne Borknagar bisher nur vom Hörensagen, ihrer aktuellen Musik haftet ja so ein betont progressiver Ruf an, so nach dem Motto "Black Metal, aber modern, anspruchsvoll und musikalisch hochwertig" (vielleicht ein bisschen wie bei Behemoth, Arcturus oder halt Enslaved). Wenn derlei Ansprüche stark dominieren, wie bei aktuelleren Veröffentlichungen besagter Bands, fehlt mir da oftmals ein wenig der dreckige Charme. Nun habe ich aber festgestellt, dass deren ältere Platten dann häufig genau die richtige Mischung zwischen frostigem Teufelskrach und hymnischen, gerne latent größenwahnsinnigen Ansätzen bieten. Die von Dir zitierte, äußerst knuffige Selbstbeschreibung deutet ja bereits in diese Richtung. Könnte also meine Tasse Tee sein - werde ein Ohr riskieren!
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Schminke und Schwerter
Noch was anderes: Ich lese gerade das umstrittene Möchtegern-Standardwerk "Lords of Chaos", von dem Du vor einiger Zeit mal eine ungemein unterhaltsame Besprechung des Herren Balzer gepostet hattest. Schon eine ziemlich durchwachsene Lektüre, wirklich empfehlen kann ich es nicht. Es ist zwar bei weitem nicht so sensationalistisch, wie ihm nachgesagt wird, befriedigt den eigenen Voyeurismus dennoch voll. Die norwegische Szene der frühen Neunziger wird über weite Strecken schön plastisch zum (Un-)Leben erweckt.
Gleichzeitig tut es an vielen Stellen akademischer, als es tatsächlich ist, was teils unbeholfen, teils durchaus ein wenig hochstaplerisch wirkt. Oft wird versucht, eine Distanz seitens des Autors zu suggerieren, wo ganz offensichtlich keine ist. Klares Lowlight sind ellenlange Passagen, in den Typen wie Varg Vikernes seinen Ufo-Glauben und Hendrik Möbus seine psychoanalytisch-braune Bullshittheorie einer durch mythologische Archetypen geprägten germanischen Volksseele breittreten dürfen. Wenn man diese Abschnitte zum Klopapier adelt und sich auf die szenehistorischen Kapitel beschränkt, bleibt zwar ein ganz netter Lesestoff übrig, der aber zum einen (allenfalls) zwei Drittel des Buches ausmacht, zum anderen nicht wirklich über das hinausgeht, was man sich bei Wikipedia und Konsorten so zusammentragen kann. Im Grunde reicht es vollkommen, sich anstelle des Buches die Balzer-Besprechung durchzulesen, die fasst im Prinzip das Wichtigste zusammen - sogar in lustig!
Also insgesamt eher meh.