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Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 20:13
von -Naboo-
Durch eine kleine Diskussion in einem anderen Thread wurde ich wieder an eine Frage erinnert
die mich schon lange beschäftigt: Was zeichnet ein Buch als Kunst aus und wann ist es Trivialliteratur.
Beispielsweise wurde in dem besagten Thread die Behauptung aufgestellt das Fantasy generell trivial wäre
und nicht Kunst.
Aber besipielsweise "Song of Ice and Fire" ist mMn garnicht so verschieden zu "Krieg und Frieden".
Ok eigentlich schon :lol: Aber was ich sagen will ist, dass ich beide Werke genossen habe und mich beide gut unterhalten haben, außerdem sind beides recht umfangreiche, komplexe Werke mit zig Charakteren und Schauplätzen. Nun gehört Krieg und Frieden ja unbestritten der Weltliteratur an. Aber warum?
Was hebt eurer Meinung nach Kunst von Trivialliteratur ab? Und warum sind bestimmte Genres nicht geeignet dafür Kunst zu sein? Oder gibt es gar keinen Unterschied?
Würde gerne eure Meinung dazu hören, da ich mich schon in der Schulzeit immer gefragt habe, warum langweilige Werke wie Effi Briest Kunst sein sollen... :mrgreen:

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 20:18
von Wigggenz
Nun, ich bin da ein Hardliner. Ich sehe (außer Sachliteratur natürlich) alle Art von Literatur als Kunst an.

Über die Qualität lässt sich dann streiten ;)

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 20:25
von IEP
Wigggenz hat geschrieben:Nun, ich bin da ein Hardliner. Ich sehe (außer Sachliteratur natürlich) alle Art von Literatur als Kunst an.

Über die Qualität lässt sich dann streiten ;)
So sehe ich es auch. Vor allem, wenn ich mir denke, dass einfarbige Bilder in Galerien hängen und als Kunst bezeichnet werden - da ist selbst der schlechteste Groschenroman die größte Kunst dagegen in meinen Augen.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 20:33
von oppenheimer
Solange da ein kreativer Gedankenprozess hintersteckt, ist es für mich Kunst.
Jupp, das schließt entsetzliche Machwerke mit ein.
Wer da was in irgendwelchen Expertengremien als trivial abtut oder zum Göttlichen hochstilisiert, ist mir vollkommen wumpe.
Letztendlich, wie so vieles, subjektiv.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 21:52
von Nerevar³
Sehe das so wie meine Vorredner. Manches ist dann zwar kunst, die den nahmen nicht verdient, dennoch steckt in jedem Buch ein kreativer Prozess. Ob da letztendlich was gutes oder schrott bei rauskommt, entscheidet jeder für sich selbst.

Ausnehmen würde ich davon sachen wie zB Biographien etc.

Ein kunstlehrer hat in meiner schulzeit mal gesagt : "kunst ist, wenn man in eine dose scheißt, und diese dann verkauft".

Beim ersten hören sehr albern, beim zweiten trifft es aber den Kern. Wie oben schon geschrieben hängen einfabrige bilder in galerien. Malst du das selber und willst es für 10 euro verkaufen , zeigt dir jeder nen vogel. Hängst du es in ne Galerie und schreibst 1000€ darunter, philosophieren die Leute über die Aussage des Bildes und die Intention des grandiosen Künstlers und kaufen es.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:06
von =paradoX=
Ich würde eigentlich alles, was über Biografien und Sachbücher hinaus geht, als Kunst bezeichnen. Der Begriff Kunst setzt aber definitiv keine gute Qualität voraus.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:08
von PanzerGrenadiere
feuchtgebiete und 50 shades of grey?

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:10
von Armin
NerevarINE2 hat geschrieben: Wie oben schon geschrieben hängen einfabrige bilder in galerien. Malst du das selber und willst es für 10 euro verkaufen , zeigt dir jeder nen vogel. Hängst du es in ne Galerie und schreibst 1000€ darunter, philosophieren die Leute über die Aussage des Bildes und die Intention des grandiosen Künstlers und kaufen es.
Nur wie kriegt man's in die Galerie?

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:10
von IEP
Armin hat geschrieben:
NerevarINE2 hat geschrieben: Wie oben schon geschrieben hängen einfabrige bilder in galerien. Malst du das selber und willst es für 10 euro verkaufen , zeigt dir jeder nen vogel. Hängst du es in ne Galerie und schreibst 1000€ darunter, philosophieren die Leute über die Aussage des Bildes und die Intention des grandiosen Künstlers und kaufen es.
Nur wie kriegt man's in die Galerie?
Man bekommt eine grüne Periode.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:20
von Oynox
Ich denke, selbst bestimme Biografien können als Kunst bezeichnet werden. Ich habe noch keine Biografien gelesen, jedoch habe ich schon so einige Male Rezensionen solcher gelesen, in denen die Bücher doch einen weitaus "künstlerischen" Eindruck machten, als man von einer Biografie erwarten könnte.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:53
von Nerevar³
Oynox Slider hat geschrieben:Ich denke, selbst bestimme Biografien können als Kunst bezeichnet werden. Ich habe noch keine Biografien gelesen, jedoch habe ich schon so einige Male Rezensionen solcher gelesen, in denen die Bücher doch einen weitaus "künstlerischen" Eindruck machten, als man von einer Biografie erwarten könnte.

Ich weiß ja nicht, da müsste schon der Stil über den Inhalt gestellt werden. Sprich die Biografie an sich nur als Medium dienen, um einen Besonderen Schreibstil oder irgendetwas zu vermitteln. Aber nach etwas nachdenken schränke ich meine Aussage auf "die meisten Biografien" ein, auch wenn ich ebenfalls noch nie eine gelesen habe.

Dazuzusagen ist, dass auch aus totalem Müll noch was gutes entstehen kann.

http://www.youtube.com/watch?v=GrXSmoRFQVw

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 22:55
von Widdi
Ich würd mal sagen das jede Form von Literaratur Kunst darstellt (abgesehen von Sachbüchern).
Aber nach 13 Jahren Schule hab ich noch eines gelernt was wichtig zu dem Thema ist:

Es hat kein richtiges Cover, ließt sich so wie sich ein Dreieck rollen lässt und bringt einen mit unmenschlichen Bandwurmsätzen zur Verzweiflung die in jeder Deutschklausur Punktabzug gäben?
Dann ist es Kunst.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 23:01
von Pyoro-2
'ne gewisse kreative, schöpferische Höhe muss mMn schon erreicht sein. Sowas wie 0815 Frauenromane - das einfach nur Massenproduktion, 'n Cheeseburger bei McDonald's ist auch keine Kunst - oder iwelche Twilight-Fanfics fallen da für mich nid drunter. ^^

€: Krieg und Frieden find ich auch'n ganz witziges Beispiel. Als historischer Roman kann man das durchaus auch als Grenzfall sehen ;)

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 23:24
von mr archer
Na, da melde ich mich als einer von zwei Bösewichtern mal zu Wort. Zunächst: Ich habe nirgends behauptet, High-Fantasy - Literatur sei keine Kunst. Als Anhänger eines weiten Kunstbegriffs wie Beuys und Warhol ihn beispielsweise vertreten haben und als Fan von Alltagskultur und ihren künstlerischen Entäußerungen läge mir nichts ferner. Und natürlich ist auch Pulp Kunst - und für die Erkenntnis habe ich nicht mal Tarantino gebraucht.

Außerdem lese ich immer wieder mal ganz gern mehrbändige Fantasy-Reihen. Trotzdem gebe ich mich hinsichtlich der Langlebigkeit eines Großteils dieser Geschichten keiner allzu großen Illusion hin. Vielfach sind das einfach Schmöker. Einmal durchsuchten. Mitfiebern. Denn dafür sind sie geschrieben. Und danach nie wieder eines Blickes würdigen.

Es gibt Texte, zu denen man ein Leben lang immer wieder zurückkehrt - und die einem jedes Mal eine neue Facette aufzeigen. Die mit einem mit altern. Und die auch der nächsten Generation noch etwas zu erzählen haben. Das ist für mich das Markenzeichen guter Literatur. Wenn ein Fantasy-Autor das mit seiner Schöpfung zu leisten versteht - dann reihe ich ihn nur zu gern hier ein.

Aber bisher ist mir einfach noch keiner begegnet. Trotz Tolkien. Trotz Sapkowski. Trotz Ted Williams. Erst vor zwei Tagen habe ich wieder mal "Under Milk Wood" von Dylan Thomas für ein paar Seiten gelesen. Und mal wieder sein Kindheits-Gedicht "Fern Hill" gelesen. Zeitlos.

Re: Trivialliteratur oder Kunst?

Verfasst: 06.06.2013 23:52
von C.Montgomery Wörns
PanzerGrenadiere hat geschrieben:feuchtgebiete und 50 shades of grey?

Kunst kann auch scheiße sein.