SaperioN hat geschrieben: ↑25.05.2019 09:22
Zumal bei Resident Evil 4 kaum kritisiert wird das zum Ende hin das Game zur Ballerorgie mutiert, weil der vorherige Teil außergewöhnlich gut war.
Ich denke das liegt auch daran das nach der Anspannung der ersten zwei Drittel ballernd durchatmen möchten.
Das merk ich auch an Starcraft 2, das Spiel ist super aber es wird auf Dauer einfach zu stressig
Resi4 ist ein gutes Beispiel für modernen Horror, positiv wie negativ. Das Spiel wurde seinerzeit als Terror-Bombe beschrieben und das trifft es. Man wird ständig gehetzt und Panik ausgesetzt. Das steigert sich von anfänglich wenigen Gegnern bis zu immer größeren und gefährlicheren Ansammlungen, denen man mit immer mehr und besseren Waffen gegenübersteht. Der Auftakt im Dorf mit dem Kettensägenboss ist ein überspitzter Vorgeschmack und Einleitung dessen, was den Spieler erwartet (um direkt all die Neuerungen und Unterschiede zu den Vorgänger Resi Teilen zu verdeutlichen und in besster Horror-Manier wird man direkt ins kalte Wasser geworfen).
Ein Junkie braucht eine immer stärker wirkende Dosis, um einen neuen Kick zu spüren. Ab dem Dorf steigert es sich quasi durch das gesamte Spiel hindurch. Bis es zum Moment auf der Insel gefühlt zu einer Baller-Orgie verkommt. Gefühlt, denn man hat sich nach all den Stunden an den Terror gewöhnt: Areal betreten, von Gegnern gehetzt werden, Gegner besiegen, neues Areal betreten.
Dabei ist die Insel objektiv gruseliger. Umgebung wird teils dunkler und Gegner haben rot leuchtende Augen, mit Iron Maiden usw. werden völlig neue Gegner eingeführt. Wobei ich mir grad nicht sicher bin, ab welcher Stelle die Regeneratoren kommen. Aber afair auch erst nach dem Schloss, sprich im letzten Drittel.
Das Problem von Resi4 - und warum sich der Schluss anders anfühlt - ist schlicht die Gewöhnung.
Die Insel ist zudem militärischer geprägt, um dem Mehr an verfügbaren Waffen gerecht zu werden, als Verkörperung der Ein-Mann-Armee und Zuspitzung des gewaltsamen Konfliktes, was den Spieler stärker Richtung Militär-Shooter zieht. Aber das ist mehr subtil, das Szenario bleibt ein gutes für Horror und wird auch gut genutzt. Da es eine - subtile - Rolle spielt, will ich es nicht unerwähnt lassen.
Das Problem ist aber nicht Resi4 eigen, es fällt nur durch die Verlagerung von Angst zu Panik, von Grusel zu Terror stärker auf. Auch das originale Resi zu seiner originalen Veröffentlichung blieb davon nicht verschont. War der Beginn noch ein tödliches Labyrinth mit scheinbar unbesiegbaren Monstern, denen man im Herrenhaus lieber ausweicht, verkam das Ende zu Ballern gegen vielfache Gegner. Es hat nur den Kampf als Bedrohung, als Mittel zur Erzeugung eines mulmigen Gefühles anders eingesetzt.
Das Problem mit Overkill hat man auch bei Filmen. Conjuring und Sinister erzeugen einen guten Teil der Angst über Musik und Geräusche. Für die Junkies, an die sich die Filme richten und hohe Dosen brauchen, fährt der Film eine Intensität auf, dass man meint taub zu werden. Es funktioniert, aber irgendwann ist es nur noch nerviger Krach. Genauso die Scarejumps, die nur noch für den Selbstzweck eingebaut werden.
Um die andere Art des Horrors zu erwähnen: Die Art, die sich in der Vorstellung entwickelt. Diese ist grundsätzlich schlimmer, da sie das Gefühl selbst ist und nicht durch äußere Situationen aufgedrängt wird. Für den schnellen Kick hingegen eher ungeeignet, man muss sich stärker darauf einlassen und der Horror entwickelt sich langsam und bedächtig.
In sämtlichen Medien wird beides genutzt, die Gewichtung ist nur jeweils unterschiedlich. Typische Lovecraftwerke setzen auf Vorstellung, typische Horrorfilme auf den schnellen Kick. So übers Knie gebrochen.
tl;dr: Es ist nicht die Entspannung, es ist die Abnutzung durch die Art des Horrors.
ps: Bei Starcraft liegt der Stress aber auch an dir. Der deutsche Spieler Sascha "GoOdy" Lupp ist international erfolgreich und angesehen, und spielt mit ca. 80 apm vor sich hin. Man muss nur wissen, was man macht und es geht auch mit weniger Stress.
