4P|T@xtchef hat geschrieben: ↑16.02.2018 14:18
Und es ist kein kleines Team, der Maßstab muss The Witcher 3 oder das aktuelle HZD sein. Auf den aktuellen Konsolen wurden ohne "Pro" oder "X" einige Glanzlichter gesetzt.
Es ist und bleibt dennoch das erste Projekt eines Indie-Teams mit einigen ganz offensichtlichen Erfahrungsdefiziten - und für ein solches muss TW3 und HZD garantiert kein Maßstab sein. Bei Mount & Blade (2008) hat auch niemand ernsthaft erwartet, dass es in technischer Hinsicht Oblivion (2006) als Maßstab nimmt (was sogar noch weitaus naheliegender gewesen wäre).
Abseits davon stimmt ich den Text bis auf einen kleinen Abschnitt aber quasi wortgenau zu. Eigentlich wäre mein Fazit sogar noch etwas schroffer, ich würde im Moment ganz klar sagen: Hände weg. Ich hab oft Vergleiche mit Gothic 3 gelesen, was den technischen Zustand angeht, aber ich glaub, dass trifft es nicht ganz - das Drama ist nämlich meiner Meinung nach hier noch eine Ecke größer. Während Gothic 3 auch völlig bugfrei bestenfalls ein leicht überdurchschnittliches Spiel wäre (und dank Fanpatch ist), erkennt man bei KC:D an allen Ecken und Enden das Potential und durchaus auch die Einzigartigkeit - da ist man ein gutes Stück weit über "leicht überdurchschnittlich" sondern spielt ganz oben mit. Man muss sich hier nicht ausdenken, wie toll dieses, das und jenes denn wäre - denn dieses "dieses, das und jenes" hat es meistens sogar bis ins Spiel geschafft - und wird durch Bugs und Glitches variabler Schweregrade, kleinere Ungereimtheiten und den technischen Zustand quasi direkt wieder ruiniert.
Nie lag bei einem Spiel Freude und Enttäuschung so nah beieinander, jedenfalls nicht für mich. Du kannst dich nicht über die Dinge freuen, die dir dieses Spiel bietet - und die sind teilweise phenomal gut, weil es dir einfach oft noch im gleichen Atemzug wieder ordentlich einen Schlag in die Magengrube mit irgendeinem phenomalen Mist versetzt. Von etwa 20 Spielstunden bisher gingen sicher 4-5 allein dafür drauf, irgendwelche Dinge noch einmal machen zu müssen. Nein, nicht primär wegen dem Speichersystem (dazu gleich noch was), sondern wegen irgendwelcher Bugs. Personen, die nicht sind, wo sie sein sollten, Sequenzen die nicht starten, NPCs die zwar da sind, wo sie sein sollen, aber einfach nicht mit dir reden wollen... dazu die "üblichen" Dinge wie blockierte Türen, Waffen, die plötzlich keinen Schaden mehr machen und und und...
Ich glaube, gerade bei älteren Spielern und dann auch noch Leuten, die gern (Openworld-)Rollenspiele spielen, gibt es eine erhöhte "Schmerzgrenze" was Bugs und Glitches angeht, aber das Problem ist, dass KC:D diese Grenze trotzdem spätestens nach einigen Spielstunden durchbricht - denn wie schon im Test angesprochen, hab ich auch den Eindruck, dass nach dem "Tutorial" eigentlich alles nur noch schlimmer geworden ist, während ich an anderen Stellen lesen konnte, dass es ab dann eigentlich weitaus fehlerfreier sein soll. So ist der Titel jedenfalls nur schwerlich zu empfehlen. Meinen Kauf bereue ich trotzdem nicht, weil ich mit sowas irgendwie schon gerechnet hab (Indizien gabs ja ein paar, ich hab das gestern in nem anderen Thread schon etwas ausgeführt) - aber es hätte auch nichts geschadet, dass Ding einen Monat später zu kaufen oder wenigstens erst dann anzufangen, es zu spielen. Im Moment wechselt der Pegel zwischen viel Spaß und absoluten Frust nämlich fast im Minutentakt.
Und nochmal kurz zu dem einen Abschnitt im Test, dem ich so nicht zustimmen kann und will:
Ich verstehe ja den hehren Ansatz, aber die Umsetzung ist nichts als Realsatire. Die Entwickler hätten lieber ihr Spiel retten und das Speichern jederzeit freigeben sollen.
Wenn du den Ansatz verstehst - und das System macht ja durchaus Sinn und man hat sich was dabei gedacht, nämlich den Spieler dazu zu zwingen, überlegt vorzugehen und auch mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen zu leben, verstehe ich wirklich nicht, warum du dieses System lieber in der Form aufgeben würdest statt gerechtfertigterweise zu fordern, dass eben die Bugs und Glitches beseitigt werden. Die sind es doch nämlich letztlich, die das aktuelle System so ätzend machen. Inhaltlich profitiert das Spiel eindeutig von diesem eingeschränktem Save-System bei dem man statt Quickload und Quicksave auch mal schon 10 Minuten vorher seinen Kopf benutzen muss und mitunter auch dauerhaft damit leben muss, wenn man etwas vermasselt hat - dass Problem ist, dass das technische Gerüst es halt sabotiert.