Ich habe das Remake gerade die Tage auch zum ersten Mal gespielt. Das Original kannte ich zwar namentlich und wusste, dass es schon damals von vielen absolut gefeiert wurde, gespielt habe ich das Original mangels einer PS2 oder 3 aber nie.
Bei mir fällt also jeglicher Nostalgiefaktor weg und ich muss sagen: Nachdem ich es jetzt durchgespielt habe, bin ich hin- und hergerissen. Mehr als einmal habe ich mir beim Spielen gedacht: Wundervolles Kunstwerk, aber schlechtes Spiel!
Wobei schlecht hier natürlich überspitzt ist, aber ich muss tatsächlich sagen, dass ich es auch nicht wirklich gut fand.
Klar, die Atmosphäre ist besonders, allerdings empfand ich sie als nicht so herausragend, wie sie im Vorfeld oft beschrieben wurde. Klar, das Remake kann mit einer guten Grafik und wunderschönen Panoramen aufwarten. Aber auch das ist für mich im Jahr 2020 nichts, was mich nachhaltig und längerfristig beeindruckt. Das gestehe ich dem Spiel aber alles noch zu.
Wirklich negativ überrascht hat mich aber die schiere Monotonie und Langatmigkeit des oft gepriesenen minimalistischen Spieldesigns. Man macht ja wirklich nichts anderes, als von einem Koloss zum nächsten zu reiten um sie dann jeweils zu erlegen. Die Welt ist pure Kulisse, es gibt dort (abgesehen von dem bisschen Sammelkram mit Früchten und Eidechsen) nichts zu tun, zu erleben oder zu entdecken. Sie bietet einfach nur ein paar schöne Panoramen auf dem Weg zum nächsten Koloss und soll natürlich Atmosphäre vermitteln. Ich bin aber, nachdem ich mich daran satt gesehen hatte, nur noch mit dem steuerungstechnisch manchmal etwas störrischen Pferd möglichst schnell zum nächsten Gegner geritten, um das Ganze zu beschleunigen. Die Steuerung empfand ich sowieso allgemein relativ träge, teilweise störrisch und oft nicht wirklich responsiv. Auch wenn Sie wahrscheinlich noch besser funktioniert als beim Original.
Die Kämpfe gegen die Kolosse empfand ich dann am Anfang auch recht schnell als ziemlich eintönig, da sie immer relativ ähnlich verlaufen. Ehrlicherweise war ich nach 3-4 Kolossen kurz davor, das Spiel abzubrechen, weil ich es im Gesamten einfach ziemlich langweilig fand. Spätere Kolosse wurden dann glücklicherweise noch etwas variantenreicher und waren nicht mehr nur große, träge Kreaturen, die über den Boden stapfen, sondern waren auch mal kleiner und dafür wendiger, oder bewegten sich in der Luft, im Wasser oder Sand. Dennoch bleibt das Grundprinzip der Kämpfe ja gleich - wobei es ja auch keine klassischen "Kämpfe" sind. Die Duelle mit den Kolossen sind ja vielmehr eine Mischung aus Rätsel und Geschicklichkeitseinlage.
Ebenfalls wenig beeindruckend fand ich die Geschichte - sie beginnt mit dem Einstieg / Intro stimmungsvoll und atmosphärisch und hat mich auch neugierig gemacht. Danach kommt dann aber eigentlich bis zur Endsequenz nichts mehr. Man arbeitet lediglich stur die Kolosse ab. Irgendwelche interessanten Wendungen oder sonstige Story-Häppchen, um die Neugier des Spielers zu füttern, gibt es nicht. Das Ende fand ich dann wiederum toll gemacht und als dann die Credits durchgelaufen waren, saß ich auf der Couch und habe mich gefragt, was ich von diesem Titel jetzt halten soll. Ich würde es gerne so mögen, wie es viele andere Spieler tun und als Kunstwerk sehe ich auch irgendwo das Besondere dieses Spiels. Aber als Spiel betrachtet, komme ich bei den genannten Unzulänglichkeiten nicht umhin, das Ganze als maximal mittlelmäßig einzuordnen.
Das ist natürlich jetzt eine Einordnung im Jahr 2020 von jemandem, der das Original nicht kennt. Wie hier bereits schon geschrieben wurde, muss man Spiele auch immer im Kontext ihrer Zeit bewerten. Und ich habe jetzt eine ungefähre Ahnung, was das Spiel noch im Jahr 2006 so großartig gemacht haben könnte. Ohne Nostalgiebrille funktioniert das für mich aber knapp 14 Jahre später nicht mehr in dem Maße. Und ich vermute, dass es vielen, die das Original nicht gespielt haben und erst jetzt mit dem Remake ihre Erfahrungen gemacht haben, ähnlich gehen könnte.
Das ist übrigens eines der wenigen Spiele, wo ich mit der Meinung von Tester Jörg nicht übereinstimme. Normalerweise lese ich seine Reviews sehr gerne, weil ich genau weiß, dass wir in 9 von 10 Fällen auf einer Wellenlänge sind. Und wenn er etwas für gut befindet, ich mich meist darauf verlassen kann, dass es auch mir Spaß bereiten wird.

Einen ähnlichen Fall hatte ich übrigens bei Journey. Auch das fällt bei mir - trotz aller künstlerischen Anerkennung - nicht in die Kategorie "Meisterwerk".