The Old City: Leviathan - Test
Verfasst: 01.12.2014 16:58
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Ich finde, wenn zwei Spiele mit identischem Spielprinzip vom selben Redakteur besprochen werden und jener Redakteur trotz inhaltlich zu 90 % gleichem Besprechungstext einem Spiel eine 5/10 und dem anderen eine 9/10 gibt, dann wäre es gerade elementar wichtig gewesen, auf die literarische Ebene (die offensichtlich sowohl bei Dear Esther als auch bei The Old City im Mittelpunkt steht) einzugehen und auf ihrer Grundlage die Kritik aufzubauen.4P|T@xtchef hat geschrieben:@holy:
Um meine Ernüchterung mit The Old City zu erklären, brauche ich Dear Esther einfach nicht. Zumal Letzteres jetzt zwei Jahre auf dem Buckel hat. Mittlerweile sind ja auch viele ähnliche Storytelling-Ansätze erschienen, so dass das eigentlich nichts Ungewöhnliches ist - auch nicht, dass man damit bei uns scheitern kann.
Klar, man hätte beide auch vergleichen können, aber dann hätte ich nach den wenigen oberflächlichen Gemeinsamkeiten auf eine rein literarische Ebene gehen müssen - wo sie sich komplett unterscheiden. Ich weiß auch nicht, ob mir diese Analyse überhaupt gelingen würde.
Um es ganz platt zu sagen: Es funkte nicht zwischen mir und Leviathan. Aber diese Esther, die hatte was. :wink:
Aus den Fingern eines (Chef-)Redakteurs liest sich das, als würde ein fertig ausgebildeter, berufserfahrener Bäcker sagen: Ich weiß nicht, ob ich Schrippen überhaupt backen kann.Ich weiß auch nicht, ob mir diese Analyse überhaupt gelingen würde.
Steht da anicht, dass dieses Spiel in seiner Präsentation zu oberflächlich, zu brav und konservativ bleibt, die Surealität der Texte sich nicht in der Surealität der Präsentation deutlich genug widerspiegelt?No Cars Go hat geschrieben: Wenn ich mich nicht täusche, heißt es hier doch zurecht immer, dass sich die Zahl, die am Ende steht, aus dem Besprechungstext ableiten können muss; das sehe ich hier kaum.
John Bain aka Totalbiscuit, der zwar kein gelernter Journalist ist, hat in seinem Video zu Dear Esther ganz offen zugegeben, dass er von Kunst und Literatur keine Ahnung hat und er deswegen Dear Esther auf dieser Ebene auch nicht beurteilen kann. Zugeben, dass man etwas nicht kann, ist nichts Schlimmes, ganz im Gegenteil. Und selbst als gelernter Journalist muss man nicht zwangsläufig fit in Sachen Literaturanalyse sein. Verwechsle Journalisten bitte nicht mit GermanistenAus den Fingern eines (Chef-)Redakteurs liest sich das, als würde ein fertig ausgebildeter, berufserfahrener Bäcker sagen: Ich weiß nicht, ob ich Schrippen überhaupt backen kann.Ich weiß auch nicht, ob mir diese Analyse überhaupt gelingen würde.
Ich schätze mal, dass das (auch) an mich gerichtet ist.Grmpfant hat geschrieben:Das Rumdiskutieren über verschiedene Meinungen finde ich immernoch dumm. Selbst die Textanalysen eines Germanistik-Professors sind nur Meinungen, auch wenn jene das gern als echte Wissenschaft darstellen wollen. Es gibt da keine nachmessbaren, physisch manifesten Kriterien. Und wird es auch nie geben. Also hört auf, wie beleidigte Fanboys Zahlen zu vergleichen.
Nein, das steht da mit keinem Wort. Keines der drei von dir aufgeführten Attribute wird im Text erwähnt. Keine Ahnung, woher du die nimmst.Kajetan hat geschrieben:Steht da anicht, dass dieses Spiel in seiner Präsentation zu oberflächlich, zu brav und konservativ bleibt [...]
So ähnlich. Im Text steht:Kajetan hat geschrieben:[...]die Surealität der Texte sich nicht in der Surealität der Präsentation deutlich genug widerspiegelt?
... und das ist der einzige Teil des Textes, der nicht nur objektiv beschreibend ist. Ich glaube Jörg auch alles, was er da schreibt; ich halte ihn ja schließlich nicht für unaufrichtig. Nur müsste er dann auch wenigstens ein konkretes Beispiel schildern, selbst in einer Mini-Review. Um bei DA:I zu bleiben: Wenn er dort behauptet, die Quests seien oberflächlich, belegt er das auch.Die Idee ist theoretisch gut, aber praktisch werde ich viel zu selten von der dieser doppelten Erzählführung so gepackt, dass ich wirklich abtauchen kann. Vielleicht liegt es daran, dass die Inszenierung letztlich zu bieder und statisch, zu wenig verstörend und damit wirklich surreal ist. Obwohl es Ansätze dafür gibt, vermisse ich wirklich verstörende Effekte oder dramatische Zuspitzungen. Und genau deshalb wirkt sich die eigene Passivität hier negativ aus.
Keine Ahnung, wen du damit ansprechen willst. Ich habe eine solch in der Tat mehr als abstruse Annahme nämlich niemals in den Raum gestellt.4P|T@xtchef hat geschrieben:Alleine die Annahme, dass ähnliches Spieldesign auch ähnlich intensive Erlebnisse bzw. euphorische Ergebnisse bedeuten müsste, ist doch abstrus. Nicht nur Spiele aus den Genre Action oder Sport pendeln sich trotz nahezu identischer Machart, trotz identischem Redakteur, zwischen 1 und 100 ein. Auch Storytelling-Experimente decken natürlich die ganze Bandbreite ab.:
Hurra, damit kann ich etwas anfangen - und zwar vollkommen unabhängig davon, ob ich diese Ansicht nun teile(n würde) oder nicht. Klappt doch mit der Schrippe.4P|T@xtchef hat geschrieben:Mal ein letzter Versuch eines Vergleichs: Dear Esther ist so magisch wie eine Kurzgeschichte von Ray Bradbury. The Old City ist so verkopft wie ein Hörspiel, das von Peter Sloterdijk in einem Anflug surrealer Umnachtung eingesprochen wurde.:
Du scheinst von Geisteswissenschaften nicht die leiseste Ahnung zu haben.Grmpfant hat geschrieben:Selbst die Textanalysen eines Germanistik-Professors sind nur Meinungen, auch wenn jene das gern als echte Wissenschaft darstellen wollen. Es gibt da keine nachmessbaren, physisch manifesten Kriterien. Und wird es auch nie geben.