FuerstderSchatten hat geschrieben:Stell dir ein Online-RPG eher wie einen großen Freizeitpark vor [...] Es geht dabei nicht um RP oder der Simulation der Bewohner einer Fantasy Welt oder um eine gescheite Story zu erleben, es geht darum fette Beute zu machen, damit jeder sehen kann wie skillig man ist. Das kann aber auch Spaß machen, weil man mit Gildenmitgliedern und/oder Freunden halt jeden Tag Geisterbahn fährt.
Gute Analyse, die zeigt, warum TESO
für MMO-Fans sehr unterhaltsam, für TES-Fans aber auf Dauer wenig bietet. Ich habe Sykrim so geliebt, dass ich als Rollenspieler vielleicht sogar monatliche Abokosten zahlen würde, um in einem
lebendigen, plausiblen Multiplayer-Tamriel mit anderen Rollenspiel-Fans zu spielen.
TESO ist aber kein plausibles Tamriel-Rollenspiel, es ist ein Tamriel-Freizeitpark.
Ein Freizeitpark, in welchem Horden von Leuten fröhlich lärmend durchs Bild zum nächsten Kill/Loot hetzen, während man als Rollenspieler eigentlich die Beklemmung gefährlicher Situationen erleben will. Ein Freizeitpark, in welchem Handlungen und Entscheidungen kaum etwas verändern, denn kaum ist eine Quest-Geisterbahn durchfahren und abgeschlossen, rattert die Bahn gleich wieder von vorn los. Ein Freizeitpark, in welchem Hunderte von lebendigen, lärmenden Besuchern am Ende oft weniger nah sind, als die vertrauten NPC-Gefährten in der Einsamkeit von Skyrim.
Steffensteffen hat geschrieben:Der Reiz an TES hat für mich immer darin gelegen, eine stimmige Welt hineinzuversetzen. [...] Hier hat man eine starke Lizenz benutzt, aber das Spiel nicht auf ihrer Stärke aufgebaut. Wäre daraus z.B. ein neues Ultima Online geworden, in dem jeder Charakter einen Job/Funktion haben kann und auf diese Weise eine organische Gesellschaft entsteht (mit Angebot und Nachfrage), hätte das z.B. wunderbar zu TES gepasst. [...] Ich sag nicht, dass das Spiel keinen Spaß machen kann. Es gibt ja offenbar genug Leute, die genau so etwas spielen möchten [...] Dafür hätte man aber dann nicht diese Lizenz verbraten müssen, denn die verkauft man damit weit unter Wert.
Ebenfalls gute Analyse, auf den Punkt. Zenimax hat ein
klassisches MMO realisiert, das sich an WoW orientiert und
eine tolle Spielwelt für die MMO-Clientel bietet. TES-Fans, die vom
Leben in einem glaubwürdigen Multiplayer-Tamriel geträumt haben, durchschauen den instanzierten TES-Freizeitpark dagegen irgendwann und fragen sich, wo eigentlich das Rollenspiel geblieben ist.
Das Problem für Zenimax: Auch wenn TESO als klassisches MMO prima funktioniert, lassen sich die eingefleischten WoW-Fans gar nicht so leicht in der Masse abwerben. Nur weil "Burger King" auch gute Burger und Pommes macht, wechseln die "Mc Donalds"-Fans deswegen. Dagegen wären von den Millionen von Skyrim-Fans wohl sicher jede Menge Leute zusammen gekommen, um in einem
plausiblen Multiplayer-Tamriel zu spielen, ähnlich wie bei Eve Online die SF-Fans in einem plausiblen Weltall spielen. Die Kausalität und Plausibilität, letztlich das Rollenspiel der Spielwelt selbst, fehlt jedoch im TESO-Freizeitpark. Hat Zenimax also bei TESO vielleicht glatt aufs falsche Pferd gesetzt? Hat Zenimax ein tolles MMO zielgenau für vielleicht 100.000 wechselbereite MMO-Fans gemacht, während 1.000.000 potenzieller TES-Rollenspieler ihre vergebliche Hoffnung nun wieder auf den nächsten TES-Titel von Bethesda richten?