Gut, ich bin in meinem Post eher auf den Plot eingegangen als auf die Charaktere und habe diese dementsprechend nicht berücksichtigt. Zu dem Plot komme ich aber später nochFiddlejam hat geschrieben: Du nennst den Punkt eigentlich schon, goddamn Batman.
Klar, es ist eine Comicfigur, klar, alles ist überzogen, aber ernsthaft, einen derart vermasselten Hauptcharakter habe ich ewig nicht erlebt.
Ich meine, ganz ehrlich, ...
Moment, Spoilers incoming.SpoilerShow...absolut alles im Spiel, jeder knappe Sieg, jeder deus ex machina, wird mit "Er ist Batman!" begründet. Batmans einziger Charakterzug scheint "to handsome to die" zu sein.
Ich springe kurz zu Arkham Island, das mit dieser lächerlichen Story schon anfing:
- Die Scarecrow-Missionen. In der ersten, als er im Leichenhaus seine Eltern sieht und den toten Gordon. In der Passage wird eigentlich impliziert, dass Batmans größte Furcht die Vorwürfe seiner Eltern und der Verlust seiner wenigen Helfer ist. Wird das thematisiert? Nein. Als die Halluzination beendet ist, hat er wieder Kontakt zu Oracle. Gibt er einen kurzen Kommentar nach dem Motto "hey, es ist gut, dass es dich gibt" ab? Nein. Selbst wenn wir annehmen, dass das zu pathetisch wäre, was ist danach? Sieht man Batman auch nur einmal zweifeln? Ich meine, ich verlange keinen Weinkrampf, aber diese regelrechte Apathie macht den Charakter so enorm unglaubwürdig und unsympathisch.
- Das Ende der Scarecrow-Missionen. Batman erwacht aus der Halluzination, packt Scarecrow und dieser fragt in ungefähr "Wie ist es möglich, dass du immer noch widerstehst, die Dosis sollte einen Elefanten umhauen" Ja, wieso eigentlich? Damit kommen wir zu Arkham City, die Nebenmission mit dem Mad Hatter. Wieso widersteht er erneut? Wiese kann Batman jedes Problem durch blanke Willenskraft lösen?
Ich meine, selbst so etwas abgedroschenes wie "die Hoffnung gab mir Kraft" ist doch besser als "powered by awesome".
Plotmäßig war, wie ich schon kurz schrieb, Strange einfach schwach. Er kennt Batmans verdammte Identität - dann soll er auch mit ihm spielen! Im Trailer wurde das doch alles schon angedeutet ("Have you ever considered that this is all your fault? Your presence creates this animals!" (oder sö ähnlich)) Oder seine Eltern - er hatte sogar einen Blumenstrauß auf deren Abbild gelegt. Warum wurde darauf nicht stärker eingegangen?
SpoilerShowNächster Punkt. Die Charaktere sind viel zu sehr darauf getrimmt, so böse/blöd, whatever, wie nur möglich zu erscheinen.
Offensichtliches Beispiel: Harley Quinn, deren Part größtenteils aus Schreien und Heulen besteht. Zweitbestes: Pinguin - legitimiert durch den Konflikt Großmaul/Versager, auch wenn der recht klischeehaft aufgegriffen wurde.
Vor allem aber sämtliche Gefangene. Es gibt in Arkham Island einen Dialog, der für die ganze Sache eigentlich bezeichnend ist: Gefangene unterhalten sich darüber, was Joker ihnen als Aufnahmeprobe gestellt hat - der eine sagt, er sollte seine Schwester umbringen und dass er es getan hat, der andere, dass von ihm das selbe verlangt wurde, er aber keine Schwester hat und deshalb irgendeine Frau killte.
Seriously? Gibt es einen plumperen Versuch, jemandem das "hey, verprügel mich, ich bin bööööse"-Schild an den Rücken zu heften? Und das ist keine Ausnahme, die meisten Gespräche der Kriminellen sind nach diesem Muster gestrickt.
Insgesamt kann man sagen, dass das Verhalten der Figuren zu oft genutzt wird, um die Story aus verfahrenen Situationen zu retten. Ein Beispiel ist Mister Freeze, der einem erst hilft, dann bekämpft, und dann wieder hilft, nur damit man durch den Kampf erklären kann, wie das Heilmittel in die Hände von Joker, kommt.
Der Pinguin, aye, bei ihm hätte ich mir auch ein wenig mehr Tiefe gewünscht. Etwas wie bei Wheatley aus Portal 2 hätte ihm gut getan ("I...AM NOT...A MOROOON"), nur auf seinen Charakter übertragen, so ein Kompensationsverhalten die ihn antreibt "böse" zu sein. Generell eine gute Grundlage die man aber noch hätte ausbauen müssen.
Die Insassen habe ich nicht ernst genommen, kein bisschen, sollte man glaube ich auch nicht. Zumindest glaube ich, dass das Rocksteady's Intention war. Gerade in B:AC wurde das noch deutlich mit ihren Konversationen die teils einfach nur banal komisch waren. Dieses klischeehafte "Ich bin böööse" war also mMn eher gewollt.
Freeze's Sinneswandel stieß mir auch sauer auf, im Grunde eigentlich nachvollziehbar, aber in der Ausführung zu extrem. Das würde ich einfach in die Kategorie "Weil es ein Spiel ist" stecken und als Mittel zum Zweck ansehen. Kann man durchaus doof finden, aber mich hat nicht so gestört.
SpoilerShowDritter Punkt: das Ende. Nicht nur DAS Ende, sondern den gesamten letzten Teil des Spiels.
In diesem Ende zeigt sich eigentlich, wie unglaublich sich die Story verheddert hat.
Als Alfred den Sender von Talia ausschaltet, um Batman dazu zu bringen, gegen Strange vor zu gehen, ist das eigentlich ein klassischer Antiklimax - und das nur, um schnell noch den Handlungsstrang zu lösen, welcher rein gar nichts mit Joker zu tun hat. Der Punkt ist: Das Spiel schafft es einfach nicht, diese zwei Handlungsstränge in irgendeine logische Beziehung zu bringen - und somit wirkt sowohl das Ende von Strange als auch das von Joker einfach unausgewogen.
Aber zurück zum Thema - der Handlungsstrang von Strange wird relativ unspektakulär abgearbeitet - Ra`s taucht als böses Genie hinter dem bösen Genie auf und stirbt auch entsprechend schnell, Erklärungen nicht notwendig, jeder weiß, dass er böse ist, Batman rettet sich wie immer, weil er einfach so toll ist.
In meinen Augen ist das nichts weiter als ein Versuch, den eigentlichen Höhepunkt, den Kampf gegen Joker spannender zu machen, indem man davor eine erzwungene Ruhephase, bzw. zumindest eine Umleitung auf etwas anderes einbaut - aber das funktioniert so einfach nicht. Das ganze Spiel kämpft mit den Problemen im Tempowechsel der Erzählung.
Auf die Plot devices bin ich nicht eingegangen, da sie ÜBERALL zu finden sind und ich mich leider an sie gewöhnt habe.Dementsprechend, was mir gefällt:
- Portal-like. Keine Geschichte um den Charakter, als eher eine Wanderung durch die Hintergrund-Story.
- RPG-like. Ruhig ein wenig Pathos, aber dennoch die Einsicht, dass diese Welt viel größer ist als man selbst.
- Historisches, gerne mit Variationen.
Es sind aber nicht wirklich die Themen, nicht die Art, aber vor allem dieses Häufungen von zu einfachen Lösungen wie bei Batman: massig Plot Devices, Deus ex awesome, grausiger Spannungsbogen, simples Einordnen der Charakter in gut/böse.
