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Verfasst: 26.10.2010 11:30
von Ponte
Wulgaru hat geschrieben:Das sie an Dramaturgie zugelegt hätten bestreite ich nicht. Ich habe dazu mit einigen Leuten ja eine recht lange Diskussion im "Call of Iran" Thread geführt. Natürlich entwickeln sich Spiele weiter. Ich habe in den letzten Jahren einige interessante Ansätze gesehen wie man Geschichten interessant erzählen kann. Der interaktive Film den QD im gewisser Weise perfektioniert, ist ja nicht der einzige Ansatz.
Das Leveldesignerzählen eines Primes ist zum Beispiel auch eine tolle Idee. Das habe ich seither in so manchen Spielen wiedergefunden. Auch das was Silent Hill 2 (oder auch allgemein diese Reihe) und Eternal Darkness vor ein paar Jahren im Horror-Genre gezeigt haben sind solche Weiterentwicklungen. Eigentlich noch viel mehr als bei HR, weil wir hier von Dingen sprechen, die ein Film nicht leisten kann.
Jupp, damit hast du vollkommen recht. Eine Weiterentwicklung innerhalb von Spielen - sprich ohne Beeinflussung anderer Medien - ist sicherlich die intelligentere. Schließlich schlagen viele Kritiker genau aus diesem Grund auf Videospiele ein: zu wenig Eigenständig - zu viel geistiger Diebstahl aus dem Filmbereich.
Ich denke das sich Inszenierung und Gameplay einfach die Hand geben sollten, dann kommen m.E. die besten Spiele heraus.
Verfasst: 26.10.2010 14:49
von johndoe869725
@ Ponte
Das mit der Eigenständigkeit wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens gescheit übernommen würde. Filme und Spiele ähneln sich in vieler Hinsicht, von daher ist die Übernahme einiger Elemente vollkommen normal und nichts schlimmes, aber so lange Leute wie Kage (der nichts ohne Klischees hinbekommt) oder Kojima (der keinen graden Satz schreiben kann) als Vorbilder in Sachen Handlung gelten, hat man einfach ein Problem. Das zeigt deutlich, wie niedrige das Niveau der Spiele an sich, ihrer Spieler, als auch der "Tester" (die eine gewisse Vorbildfunktion haben) ist. Dazu kommt, dass beide ihre "Handlungen" nur erzählen können, indem sie auf Interaktivität entweder nahezu ganz verzichten, oder sie extrem einschränken.
Spiele müssen versuchen, ihre Handlung (wenn sie überhaupt eine brauchen) mit ihren interaktiven Möglichkeiten sinnvoll zu verbinden. HR versucht das immerhin (im Gegensatz zu den Sachen von Kojima), scheitert aber spielerisch auf der ganzen Linie. Ein mutiger Versuch? Vielleicht. Ein Fehlschlag? Ganz sicher.
Wir müssen uns klar vor Augen führen, dass es wesentlich schwieriger ist, eine interaktive Handlung zu erzählen, als eine, auf die der Leser, Zuschauer, Spieler keinen direkten Einfluss nehmen kann. Es kann wirklich sein, dass wir vor der Wahl zwischen einer guten oder vielleicht sogar anspruchsvollen Handlung (sowohl inhaltlich als auch sprachlich) und einer beeinflussbaren, dafür aber schwächeren Handlung stehen. HR reduziert die Interaktivität schon stark und kriegt dennoch nicht einmal einen gescheiten Einstieg in die Handlung hin.
Verfasst: 26.10.2010 14:55
von Wulgaru
TRichter hat geschrieben: Es kann wirklich sein, dass wir vor der Wahl zwischen einer guten oder vielleicht sogar anspruchsvollen Handlung (sowohl inhaltlich als auch sprachlich) und einer beeinflussbaren, dafür aber schwächeren Handlung stehen.
Aber du sagst doch, dass HR in deinen Augen in erster Linie scheitert, weil es in deinen Augen schlecht geschrieben ist. Das würde doch bedeuten ein gutes Script würde deine Ansprüche erfüllen. Das könnte man doch ganz simpel in Zusammenarbeit mit einem entsprechendem Autor/Drehbuchautoren der es "drauf" hat lösen. Es gibt ja erste Pflänzchen dieser Zusammenarbeit. del Toro arbeitet zum Beispiel gerade einem wie er es nennt Lovecraftähnlichen Horrorgame.
Generell wäre dieser Einwand also kein Problem, was am Konzept Interaktivität selbst liegt.
Verfasst: 26.10.2010 15:00
von johndoe869725
Wulgaru hat geschrieben:TRichter hat geschrieben: Es kann wirklich sein, dass wir vor der Wahl zwischen einer guten oder vielleicht sogar anspruchsvollen Handlung (sowohl inhaltlich als auch sprachlich) und einer beeinflussbaren, dafür aber schwächeren Handlung stehen.
Aber du sagst doch, dass HR in deinen Augen in erster Linie scheitert, weil es in deinen Augen schlecht geschrieben ist. Das würde doch bedeuten ein gutes Script würde deine Ansprüche erfüllen. Das könnte man doch ganz simpel in Zusammenarbeit mit einem entsprechendem Autor/Drehbuchautoren der es "drauf" hat lösen. Es gibt ja erste Pflänzchen dieser Zusammenarbeit. del Toro arbeitet zum Beispiel gerade einem wie er es nennt Lovecraftähnlichen Horrorgame.
Generell wäre dieser Einwand also kein Problem, was am Konzept Interaktivität selbst liegt.
HR scheitert aus vielen Gründen. Es ist sprachlich gar nicht mal so schlecht, da ist es sogar für Spieleverhältnisse relativ gut. Das Problem sind eher die Klischees und die logischen Fehler. Dazu kommt ein ziemlich schwaches Spiel. Wir müssen uns aber klar machen, dass ein HR, das normale Spielmechaniken benutzt hätte, also über ein Kampfsystem oder einen Fahrsimulator verfügen würde, nahezu nicht umsetzbar gewesen wäre. Dazu kommt, dass auch dann HR von der Handlung her nicht besonders toll gewesen wäre. Aber so lange Spieler so etwas so blind feiern, wird sich daran auch nichts ändern. Das unterscheidet sie von Filmfans. Die finden vielleicht Transformers geil und spaßig, aber die wenigsten würden die Handlung toll finden. Und unter den Kritikern findest du keinen, der die Handlung gut findet.
Verfasst: 26.10.2010 15:06
von Wulgaru
Nun was du beschreibst (immer noch auf die Handlung bezogen) ist aber wenn überhaupt ein IST-Zustand. Der kann ohne Probleme behoben werden. Je populärer Games werden, desto mehr Autoren jeglicher Art interessieren sich für dieses Medium. Und darunter sind zwangsläufig auch früher oder später Leute die ein Spiel wie HR inhaltlich so umsetzen würden, wie du es gerne hättest .
Verfasst: 26.10.2010 15:16
von johndoe869725
Wulgaru hat geschrieben:Nun was du beschreibst (immer noch auf die Handlung bezogen) ist aber wenn überhaupt ein IST-Zustand. Der kann ohne Probleme behoben werden. Je populärer Games werden, desto mehr Autoren jeglicher Art interessieren sich für dieses Medium. Und darunter sind zwangsläufig auch früher oder später Leute die ein Spiel wie HR inhaltlich so umsetzen würden, wie du es gerne hättest .
Da bin ich sehr skeptisch. Spiele sind zwar besser geschrieben als vor vielleicht 15 Jahren (zumindest teilweise), aber sie leiden immer noch unter einer Fülle von Problemen. Eines der gravierendsten ist dabei, dass eigentlich alle dramaturgischen Regeln, die wir kennen, auf eine klare Erzähler/Zuhörer Funktion hin ausgerichtet sind. Die haben wir bei Spielen nur dummerweise nicht.
Dazu kommt, dass es schon sehr schwer ist, ein gescheites Buch zu schreiben, das in keiner Weise interaktiv ist. Das Skript für ein Spiel zu schreiben, das echte Einflussmöglichkeiten auf die Handlung bietet, wäre noch mal deutlich schwieriger.
Zuletzt birgt so ein Spiel immer ein großes Risiko, den Spieler unbefriedigt zurückzulassen. Dies mag jetzt paradox klingen, aber man fühlt sich häufig von einem Spiel, das einem vier Dialogoptionen gibt, aufgrund des Fehlens einer fünften oder sechsten stärker eingeschränkt, als von einem Titel wie CoD, bei dem man nichts wirklich selbst bestimmt.
Verfasst: 26.10.2010 15:20
von ShinmenTakezo
heavy rain ist auch kein film sondern ein interaktiver spielfilm der natürlich mit einigen beschränkungen daherkommt
trotzdem kannst du beim film nicht so ein mittendrin gefühl erzeugen bzw so eine anspannung weil du nur passiver zuschauer bist
bei heavy rain entscheidet dein handeln über den ausgang der geschichte und dadurch dass es keinen zweiten versuch gab waren die meisten äußert angespannt in stresssituationen im spiel
im endeffekt kommt es darauf an ob einen das "spiel" unterhalten hat und nicht wieso
was ich auch nicht verstehe alle regen sich auf dass es eine stagnation in der spielbranche gibt und niemand versucht etwas neues
dann kommt heavy rain macht einen neuen versuch und zwar einen sehr guten was sich in den wertungen und usermeinungen wiederspiegelt und auch vollkommen mit meiner meinung übereinstimmt
dass heavy rain noch die die krone der next gen videospiel ist sollte auch klar sein
aber gerade hier hat man doch tolle ansätze
mit glaubhaften emotionen einer erwachsenen und gut inszenierten story und ein mittendrin gefühl was seines gleichen sucht
die weiterführung wäre doch hier
mehr handlungsmöglichkeiten bessere steuerung z.b. echt fahrsequenzen einzubauen eine interaktive stadt machen mehr rätsel aber verpackt in der gleichen oder ähnlichen realistisch angesiedelten spielewelt
meiner meinung nach hat heavy rain mehr ansatzpunkte gebracht alle andere titel in dieser gen
ich kann nur hoffen dass die verkaufszahlen dazu veranlassen einen ähnlichen titel mit verbesserungen rauszubringen
gruß
Verfasst: 26.10.2010 15:21
von Wulgaru
Das mag alles sein, aber es sind alles keine Probleme die sich mit der Zeit nicht überwinden lassen werden. Wie du selbst sagst: Vor 15 Jahren waren Spiele noch sehr viel einfacher, zumindest in erzählerischer Hinsicht. Wenn sie jetzt in deinen Augen..sagen wir mal bei B-Movies angekommen sind, werden sie sich in weiteren 15 Jahren wieder weiterentwickeln. Ich sehe das heute schon nicht so skeptisch wie du, Quantic Dream mal außen vor gelassen. Aber das hatten wir ja im anderen Thread schon. :wink:
Verfasst: 26.10.2010 15:30
von johndoe869725
@ ShinmenTakezo
Du unterschätzt den Aufwand, der hinter solchen Spielen stecken würde, massiv. HR war nur machbar, weil es viele Dinge deutlich vereinfacht. Wir dürfen nicht vergessen, dass bereits jetzt unsere eher simplen Spiele immer teurer werden und da wird bald eine Grenze erreicht sein. Vielleicht wird es irgendwann Werkzeuge und Engines geben, die es leichter machen, so komplexe Welten und Spiele zu generieren, aber das kann noch eine Weile dauern und auch dann müssen sich noch Leute finden, die solche Spiele gescheit schreiben können. Davon gibt es nicht so viele.
@ Wulgaru
Ich sehe das skeptischer, denn in den letzten Jahren hat es kaum eine Entwicklung gegeben. Wenn sich überhaupt etwas in den letzten Jahren getan hat, dann war das die massive Einführung von Skriptsequenzen, die sich allerdings mit einer freien Handlung nur sehr bedingt vertragen. Das kann man gut bei ME2 sehen.