"Killerspiele": Neues Dittmayer-Video
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"Killerspiele": Neues Dittmayer-Video
Verärgert über die Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Magazine hatte Matthias Dittmayer Ende 2007 ein "Killerspiele": Neues Dittmayer-Video
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Joa, ist ganz gut gemacht. Jedoch interessiert sich eh niemand (außer die Zockergemeinde) dafür. Und - sein wir ehrlich - der Amoklauf ist wieder weit genug weg; die Medien haben neuen Stoff (Klinsmann, Schweinegrippe...) und somit gehen "unsere" Games den werten Herren zur Zeit sonst wo vorbei.
- muecke-the-lietz
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Aber es ist doch dramatisch, dass derlei News nur als Lückenfüller und Emotionskatalysator genutzt werden, um bestimmte politische Interessen durchzusetzten. Eine gleichberechtigte Auseinandersetzung mit Videospielen muss auch ohne einen Amoklauf im Hinterkopf stattfinden können.
Was zeigen mir nun seine Videos:
Eine Kausalität zwischen bestimmten Phänomenen ist immer herstellbar, selbst zwischen der Anzahl von Kühen und UFO-Sichtungen. So hat sich Matthias diese Sache zu Nutzte gemacht und dreht den Spieß dann einfach um, indem er andere Forschungsergebnisse nutzt, die Gegenteiliges zur öffentlichen Berichterstattung ergeben. Wie wahr das nun ist, steht auf einem anderen Blatt, aber es ziegt eindeutig, dass die öffentlichen Argumente auf so dünnem Eis laufen, dass sie eigentlich einbrechen müssten.
Was zeigen mir nun seine Videos:
Eine Kausalität zwischen bestimmten Phänomenen ist immer herstellbar, selbst zwischen der Anzahl von Kühen und UFO-Sichtungen. So hat sich Matthias diese Sache zu Nutzte gemacht und dreht den Spieß dann einfach um, indem er andere Forschungsergebnisse nutzt, die Gegenteiliges zur öffentlichen Berichterstattung ergeben. Wie wahr das nun ist, steht auf einem anderen Blatt, aber es ziegt eindeutig, dass die öffentlichen Argumente auf so dünnem Eis laufen, dass sie eigentlich einbrechen müssten.

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ZockerManiac
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So einfach ist es nicht!
Ich beschäftige mich nun schon seit längerem auf wissenschaftlicher Basis mit dem Thema "Mediengewalt als kausaler Einflussfaktor für reale Gewalt" und eines vorweg: Auch ich finde es zu einfach und aus wissenschaftlicher Sicht sicher nicht gerechtfertigt, dass bei jedem Amoklauf die sog. "Killerspiele" als Sündenböcke an den Haaren herbeigezogen werden und auch ich bin der festen überzeugung, dass allein durch ein Verbot solcher Spiele nicht eine einzige dieser Taten verhindert werden wird! Vielmehr handelt es sich bei sog. "Amokläufen" immer um multifaktoriell determinierte Ereignisse, deren fundierte Erklärung um ein Vielfaches komplexer ist, als sich das die meisten Leute vorzustellen scheinen.
Wenn nun aber Leute hergehen - wie dies hier und an zahlreichen anderen Stellen erfolgt ist - und die inzwischen doch recht eindeutige empirische Befundlage zum Einfluss des Konsums gewalthaltiger Medien im Allgemeinen und von Videospielen im Besonderen auf die zunahme realer Gewalt dermaßen unkritisch kommentieren, dann kann man eigentlich nur eines daraus schließen, nämlich, dass diese Leute die Befundlage aus den diesbezüglich relevanten wissenschaftlichen Disziplinen (Psychologie, Medienpädagogik, Sozialwissenschaften u.a.) nicht kennen! Tatsächlich - und das wird kein seriöser Wissenschaftler, der mit der Thematik vertraut ist, ernsthaft bestreiten - ist diese Befundlage nämlich keineswegs so inkonsistent, wie sie häufig dargestellt wird. Vielmehr gehen die zahlreichen Befunde der letzten Jahre zu diesem Thema zumeist in eine sehr ähnliche Richtung. Es ist gut dokumentiert, dass die Konfrontation mit gewalthaltigen Medien aggressive Gedanken, Gefühle und Verhalten fördert sowie prosoziales Verhalten vermindert (Überblick bei Bushman & Huesmann, 2006). Beispielsweise weist korrelationale Evidenz darauf hin, dass Konsumenten von Rap und Heavy Metal Musik mehr feindselige Einstellungen berichteten (Robin, West & Mitchell, 2001). Experimentelle Studien bestätigten diesen Befund: Das Hören von aggressiven im Vergleich zu neutralen Liedtexten verstärkte aggressive Gedanken, feindliche Gefühle (Anderson, Carnagey & Eubanks, 2003) und aggressives Handeln (Fischer & Greitemeyer, 2006; Hansen & Hansen, 1990). Die vergangene Forschung hat sich auch mit der Wirkung gewalthaltiger Videospiele auf aggressive Kognitionen, Emotionen und Verhalten beschäftigt. Beispielsweise steigert das Spielen eines gewalthaltigen im Vergleich zu einem neutralen Videospiel den hostile expectation bias (= Verzerrte Erwartung, dass andere Personen mit Gewalt auf Probleme/Konflikte reagieren werden; Bushman & Anderson, 2002), state hostility und Angstniveaus, Desensibilisierung gegenüber Gewalt (Bartholow, Bushman & Sestir, 2006; Carnagy, Anderson & Bushman, 2007), strafendes Verhalten (Bartholow & Anderson, 2002), physische Gewalt (Gentile et al., 2004) und kriminelle Handlungen (Anderson & Dill, 2000) und vermindert Spenden für Wohltätigkeitsstiftungen sowie kooperatives Verhalten (Sheese & Graziano, 2005). Jüngste longitudinale Evidenz (Anderson, Gentile & Buckley, 2007) zeigte darüber hinaus, dass die Konfrontation mit gewalthaltigen Videospielen nicht nur kurz-, sondern auch langfristige Auswirkungen hat insofern, als aggressive Tendenzen signifikant durch die Konfrontation mit gewalthaltigen Videospielen fünf Monate zuvor vorhergesagt werden konnten. Ich werde im Rahmen dieses Beitrags nicht auf die verschiedenen Theorien und Modelle eingehen, anhand derer diese Befunde heute erklärt werden. In der Summe bleibt jedoch festzustellen, dass die schädlichen Auswirkungen der Konfrontation mit gewalthaltigen Medien auf aggressionskorrelierte Variablen gut dokumentiert sind und wenn man auch nur einigermaßen ernsthaft und sachlich über dieses Thema diskutieren will, dann wird man diese methodisch sauber nachgewiesene und mehrfach replizierte Evidenzlage als unumstößlichen Ausgangspunkt jeder Argumentation akzeptieren müssen! Damit soll nun überhaupt nicht angedeutet werden, dass alle Konsumenten solcher Produkte potentielle Amokläufer wären! Eine solche Behauptung wäre empirischer Unsinn und wissenschaftlich unseriös! Auch ich bin der Meinung, dass die Sachlage in den Medien (z.T. sogar von Fachleuten) zu einseitig dargestellt wird. Wie bereits erwähnt, stellen komplexe persönlichkeits- und sozialpsychologische Phänomene in aller Regel multifaktoriell determinierte Ereignisse dar, die sich nicht ohne Weiteres anhand eines einzigen isolierten Faktors (wie z.B. den "Killerspielen") erklären lassen. Auch wird zumeist von Politikern unterschiedlicher ideologischer und parteilicher Hintergründe ignoriert, dass es gesellschaftliche Probleme gibt, deren Lösung sicher sehr viel mehr zur Prävention von Gewalt beitragen könnte als ein Verbot von "Killerspielen" (zu nennen wären hier beispielsweise Betreuungsverhältnisse und -möglichkeiten an Schulen, Programme zur Förderung prosozialen Verhaltens bei Jugendlichen, Förderung sozialer Gerechtigkeit usw.).
Dennoch sind die korrelativen und größtenteils auch funktionalen Zusammenhänge zwischen dem Konsum gewalthaltiger Produkte und der Zunahme in realen, aggressionskorrelierten Variablen nicht bestreitbar, sofern man nicht selbst unseriös und einseitig argumentieren will (dass natürlich andererseits in einigen dieser Studien auch Probleme der internen Validität bestehen mögen, derart, dass die kausale Einflussrichtung nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, soll hier gar nicht unerwähnt bleiben)! Wenn in einer Diskussion von einigen Beteiligten der Fehler gemacht wird, den diskutierten Sachverhalt nur von einer Seite zu betrachten, sollte man diesem Fehler nicht begegnen, indem man den Sachverhalt seinerseits nur von der anderen Seite betrachtet. Solch' eine unreflektierte und unkritische Herangehensweise wird der Ernsthaftigkeit der Thematik nicht gerecht und schadet in letzter Konsequenz in erster Linie der Spieler-Community, die sich mit derartigen Äußerungen unglaubwürdig (und z.T. auch lächerlich) macht!
Die multifaktorielle Determination komplexer Ereignisse (wie z.B. "Amokläufen") bringt es mit sich, dass sowohl sozial-situationale als auch persönlichkeitsbezogene Aspekte an deren Entstehung beteiligt sein werden. Sicher ist unbestreitbar, dass Millionen von Spielern gewalthaltige Spiele konsumieren, ohne jemals zu Amokläufern zu werden. Dazu braucht es mehr, als 3 x/Woche Counterstrike zu spielen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Interaktion zwischen dem regelmäßigen Konsum solcher Spiele, einer entsprechenden Persönlichkeitsstruktur und weiteren situationalen Faktoren in der Summe ein solches Ereignis auslösen oder zumindest begünstigen können (den Spielen selbst käme dann gewissermaßen eine Triggerfunktion zu). Doch selbst, wenn der Konsum von "Killerspielen" (z.B. als Trigger) allenfalls einer von zahlreichen Faktoren sein kann, die in Ätiologie und Genese von Gewalt eine Rolle spielen und zum tatsächlichen Stattfinden eines Amoklaufs vermutlich mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, die in der Summe natürlich auch immer nur in Einzelfällen zu entsprechenden Taten führen werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob wir in Kauf nehmen wollen, dass in diesen Einzelfällen der Konsum gewalthaltiger Medien nun einmal zur Entstehung von Gewalt beitragen kann. Sicher ist es - wie bereits erwähnt - eine Tatsache, dass bei den allermeisten Spielern solcher Spiele nicht die nötigen Faktoren zusammenkommen werden, die für einen Amoklauf oder sonstige Gewalttaten hinreichend sein könnten. Kommen jedoch die nötigen Faktoren zusammen, so ist nach der derzeitigen Befundlage nicht sicher auszuschließen (im Gegenteil!), dass der Konsum gewalthaltiger Medien einen Beitrag zur Entstehung realer Gewalt (u.U. auch Amokläufen) leisten kann. Die Frage, die es nun im Grunde sachlich zu diskutieren gilt, ist jene, inwiefern wir dies riskieren wollen! Jedenfalls ist es jedoch nicht akzeptabel, dass die empirischen Tatsachen - nur, weil sie den Befürwortern gewalthaltiger Medien nicht gefallen mögen - nach Belieben pseudoargumentativ verdreht und verbogen werden, um die Realität den eigenen Wunschvorstellungen anzupassen! Ein seriöser (!) Wissenschaftler hat keinerlei interesse daran, Befunde zu produzieren, die in eine vorher festgelegte Richtung gehen. Vielmehr erhebt er unter empirisch akzeptablen Bedingungen unvoreingenommen Daten und wertet diese anhand methodisch sauberer Verfahren aus. Die Ergebnisse sind dann nun einmal so, wie sie sind, ob einem dies nun passt oder nicht!
In diesem Sinne: Immer schön kritisch bleiben gegenüber unreflektierten Parolenschwingern, egal, von welcher Seite sie kommen!
ZockerManiac
Wenn nun aber Leute hergehen - wie dies hier und an zahlreichen anderen Stellen erfolgt ist - und die inzwischen doch recht eindeutige empirische Befundlage zum Einfluss des Konsums gewalthaltiger Medien im Allgemeinen und von Videospielen im Besonderen auf die zunahme realer Gewalt dermaßen unkritisch kommentieren, dann kann man eigentlich nur eines daraus schließen, nämlich, dass diese Leute die Befundlage aus den diesbezüglich relevanten wissenschaftlichen Disziplinen (Psychologie, Medienpädagogik, Sozialwissenschaften u.a.) nicht kennen! Tatsächlich - und das wird kein seriöser Wissenschaftler, der mit der Thematik vertraut ist, ernsthaft bestreiten - ist diese Befundlage nämlich keineswegs so inkonsistent, wie sie häufig dargestellt wird. Vielmehr gehen die zahlreichen Befunde der letzten Jahre zu diesem Thema zumeist in eine sehr ähnliche Richtung. Es ist gut dokumentiert, dass die Konfrontation mit gewalthaltigen Medien aggressive Gedanken, Gefühle und Verhalten fördert sowie prosoziales Verhalten vermindert (Überblick bei Bushman & Huesmann, 2006). Beispielsweise weist korrelationale Evidenz darauf hin, dass Konsumenten von Rap und Heavy Metal Musik mehr feindselige Einstellungen berichteten (Robin, West & Mitchell, 2001). Experimentelle Studien bestätigten diesen Befund: Das Hören von aggressiven im Vergleich zu neutralen Liedtexten verstärkte aggressive Gedanken, feindliche Gefühle (Anderson, Carnagey & Eubanks, 2003) und aggressives Handeln (Fischer & Greitemeyer, 2006; Hansen & Hansen, 1990). Die vergangene Forschung hat sich auch mit der Wirkung gewalthaltiger Videospiele auf aggressive Kognitionen, Emotionen und Verhalten beschäftigt. Beispielsweise steigert das Spielen eines gewalthaltigen im Vergleich zu einem neutralen Videospiel den hostile expectation bias (= Verzerrte Erwartung, dass andere Personen mit Gewalt auf Probleme/Konflikte reagieren werden; Bushman & Anderson, 2002), state hostility und Angstniveaus, Desensibilisierung gegenüber Gewalt (Bartholow, Bushman & Sestir, 2006; Carnagy, Anderson & Bushman, 2007), strafendes Verhalten (Bartholow & Anderson, 2002), physische Gewalt (Gentile et al., 2004) und kriminelle Handlungen (Anderson & Dill, 2000) und vermindert Spenden für Wohltätigkeitsstiftungen sowie kooperatives Verhalten (Sheese & Graziano, 2005). Jüngste longitudinale Evidenz (Anderson, Gentile & Buckley, 2007) zeigte darüber hinaus, dass die Konfrontation mit gewalthaltigen Videospielen nicht nur kurz-, sondern auch langfristige Auswirkungen hat insofern, als aggressive Tendenzen signifikant durch die Konfrontation mit gewalthaltigen Videospielen fünf Monate zuvor vorhergesagt werden konnten. Ich werde im Rahmen dieses Beitrags nicht auf die verschiedenen Theorien und Modelle eingehen, anhand derer diese Befunde heute erklärt werden. In der Summe bleibt jedoch festzustellen, dass die schädlichen Auswirkungen der Konfrontation mit gewalthaltigen Medien auf aggressionskorrelierte Variablen gut dokumentiert sind und wenn man auch nur einigermaßen ernsthaft und sachlich über dieses Thema diskutieren will, dann wird man diese methodisch sauber nachgewiesene und mehrfach replizierte Evidenzlage als unumstößlichen Ausgangspunkt jeder Argumentation akzeptieren müssen! Damit soll nun überhaupt nicht angedeutet werden, dass alle Konsumenten solcher Produkte potentielle Amokläufer wären! Eine solche Behauptung wäre empirischer Unsinn und wissenschaftlich unseriös! Auch ich bin der Meinung, dass die Sachlage in den Medien (z.T. sogar von Fachleuten) zu einseitig dargestellt wird. Wie bereits erwähnt, stellen komplexe persönlichkeits- und sozialpsychologische Phänomene in aller Regel multifaktoriell determinierte Ereignisse dar, die sich nicht ohne Weiteres anhand eines einzigen isolierten Faktors (wie z.B. den "Killerspielen") erklären lassen. Auch wird zumeist von Politikern unterschiedlicher ideologischer und parteilicher Hintergründe ignoriert, dass es gesellschaftliche Probleme gibt, deren Lösung sicher sehr viel mehr zur Prävention von Gewalt beitragen könnte als ein Verbot von "Killerspielen" (zu nennen wären hier beispielsweise Betreuungsverhältnisse und -möglichkeiten an Schulen, Programme zur Förderung prosozialen Verhaltens bei Jugendlichen, Förderung sozialer Gerechtigkeit usw.).
Dennoch sind die korrelativen und größtenteils auch funktionalen Zusammenhänge zwischen dem Konsum gewalthaltiger Produkte und der Zunahme in realen, aggressionskorrelierten Variablen nicht bestreitbar, sofern man nicht selbst unseriös und einseitig argumentieren will (dass natürlich andererseits in einigen dieser Studien auch Probleme der internen Validität bestehen mögen, derart, dass die kausale Einflussrichtung nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, soll hier gar nicht unerwähnt bleiben)! Wenn in einer Diskussion von einigen Beteiligten der Fehler gemacht wird, den diskutierten Sachverhalt nur von einer Seite zu betrachten, sollte man diesem Fehler nicht begegnen, indem man den Sachverhalt seinerseits nur von der anderen Seite betrachtet. Solch' eine unreflektierte und unkritische Herangehensweise wird der Ernsthaftigkeit der Thematik nicht gerecht und schadet in letzter Konsequenz in erster Linie der Spieler-Community, die sich mit derartigen Äußerungen unglaubwürdig (und z.T. auch lächerlich) macht!
Die multifaktorielle Determination komplexer Ereignisse (wie z.B. "Amokläufen") bringt es mit sich, dass sowohl sozial-situationale als auch persönlichkeitsbezogene Aspekte an deren Entstehung beteiligt sein werden. Sicher ist unbestreitbar, dass Millionen von Spielern gewalthaltige Spiele konsumieren, ohne jemals zu Amokläufern zu werden. Dazu braucht es mehr, als 3 x/Woche Counterstrike zu spielen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Interaktion zwischen dem regelmäßigen Konsum solcher Spiele, einer entsprechenden Persönlichkeitsstruktur und weiteren situationalen Faktoren in der Summe ein solches Ereignis auslösen oder zumindest begünstigen können (den Spielen selbst käme dann gewissermaßen eine Triggerfunktion zu). Doch selbst, wenn der Konsum von "Killerspielen" (z.B. als Trigger) allenfalls einer von zahlreichen Faktoren sein kann, die in Ätiologie und Genese von Gewalt eine Rolle spielen und zum tatsächlichen Stattfinden eines Amoklaufs vermutlich mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, die in der Summe natürlich auch immer nur in Einzelfällen zu entsprechenden Taten führen werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob wir in Kauf nehmen wollen, dass in diesen Einzelfällen der Konsum gewalthaltiger Medien nun einmal zur Entstehung von Gewalt beitragen kann. Sicher ist es - wie bereits erwähnt - eine Tatsache, dass bei den allermeisten Spielern solcher Spiele nicht die nötigen Faktoren zusammenkommen werden, die für einen Amoklauf oder sonstige Gewalttaten hinreichend sein könnten. Kommen jedoch die nötigen Faktoren zusammen, so ist nach der derzeitigen Befundlage nicht sicher auszuschließen (im Gegenteil!), dass der Konsum gewalthaltiger Medien einen Beitrag zur Entstehung realer Gewalt (u.U. auch Amokläufen) leisten kann. Die Frage, die es nun im Grunde sachlich zu diskutieren gilt, ist jene, inwiefern wir dies riskieren wollen! Jedenfalls ist es jedoch nicht akzeptabel, dass die empirischen Tatsachen - nur, weil sie den Befürwortern gewalthaltiger Medien nicht gefallen mögen - nach Belieben pseudoargumentativ verdreht und verbogen werden, um die Realität den eigenen Wunschvorstellungen anzupassen! Ein seriöser (!) Wissenschaftler hat keinerlei interesse daran, Befunde zu produzieren, die in eine vorher festgelegte Richtung gehen. Vielmehr erhebt er unter empirisch akzeptablen Bedingungen unvoreingenommen Daten und wertet diese anhand methodisch sauberer Verfahren aus. Die Ergebnisse sind dann nun einmal so, wie sie sind, ob einem dies nun passt oder nicht!
In diesem Sinne: Immer schön kritisch bleiben gegenüber unreflektierten Parolenschwingern, egal, von welcher Seite sie kommen!
ZockerManiac
- muecke-the-lietz
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ZockerManiac
Gleich vorweg: Zu lang, absolut zu lang...
Nächste Sache:
Du willst auf ein objektive Wissenschaftliche Debatte hinaus. Das ist ok. Aber gehe bitte nicht davon aus, dass Forschungen im Bereich Medien objektiv sind. Diese Forschungen werden finanziert und müssen finanziert werden. Weiterhin ist eine Zielgesteuertheit nicht auszuschließen, da oft nur auf bestimmt Phänomene hin getestet wird. Wie diese im Kontext zu sehen sind, gerade auch in Bezug auf das Erlangen der Forschungsergebnisse (Fragebögen, psychoanalytische Tests, Alltagsbeobachtungen, etc.), ist nicht immer eindeutig. Auch sollte nicht vergessen werden, dass bestimmte Dinge nicht erkannt werden, weil die Tests nach diesen Ergebnissen gar nicht suchen.
Dein wissenschaftlicher Beitrag ist sicher interessant, aber erstens gibt es keine "unumstößlichen" Befunde (Falsifizierbarkeit ist ein Grundsatz wissenschaftlicher Arbeit) und zweitens wiedersprechen andere Forschungsergebnisse deinen Quellen.
Das soll nichts weiter heißen, als dass Forschungen in diesem Bereich stark Lobby-abhängig und zielabhängig sind und deshalb zurzeit keine ausreichend fundierte Grundlage darstellen. Täten sie das, sähe die Realität sicher anders aus. Man stelle sich nur vor, diese Kausalität von der hier gesprochen wird, bestünde tatsächlich, möglicherweise unumstößlich und eindeutig-:Was würde dann passieren?
Gleich vorweg: Zu lang, absolut zu lang...
Nächste Sache:
Du willst auf ein objektive Wissenschaftliche Debatte hinaus. Das ist ok. Aber gehe bitte nicht davon aus, dass Forschungen im Bereich Medien objektiv sind. Diese Forschungen werden finanziert und müssen finanziert werden. Weiterhin ist eine Zielgesteuertheit nicht auszuschließen, da oft nur auf bestimmt Phänomene hin getestet wird. Wie diese im Kontext zu sehen sind, gerade auch in Bezug auf das Erlangen der Forschungsergebnisse (Fragebögen, psychoanalytische Tests, Alltagsbeobachtungen, etc.), ist nicht immer eindeutig. Auch sollte nicht vergessen werden, dass bestimmte Dinge nicht erkannt werden, weil die Tests nach diesen Ergebnissen gar nicht suchen.
Dein wissenschaftlicher Beitrag ist sicher interessant, aber erstens gibt es keine "unumstößlichen" Befunde (Falsifizierbarkeit ist ein Grundsatz wissenschaftlicher Arbeit) und zweitens wiedersprechen andere Forschungsergebnisse deinen Quellen.
Das soll nichts weiter heißen, als dass Forschungen in diesem Bereich stark Lobby-abhängig und zielabhängig sind und deshalb zurzeit keine ausreichend fundierte Grundlage darstellen. Täten sie das, sähe die Realität sicher anders aus. Man stelle sich nur vor, diese Kausalität von der hier gesprochen wird, bestünde tatsächlich, möglicherweise unumstößlich und eindeutig-:Was würde dann passieren?

Ich hab den langen Beitrag von ZockerManiac nicht gelesen weil zu lang. Abschnitte würden wenigsten helfen. Was ich aber dennoch super interessant finde das jede These entkräftet werden kann. Was mich aber zur Überlegung bringt, wie kann man Gegebenheiten beweisen die wirklich die Ursache sind, wenn jeder daherlaufen kann und es entrkäften kann. Nach der ganzen Thesen/Thesenwiderlegungssache gäb es also überhaupt nie zu keinem Thema der Welt eine definitive Ursache, die auch bewießen worden wäre. Ist halt alles Auslegungssache.
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wassolldasdenn
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Ja schon. Aber was wohl den meisten Spielern sauer aufgestossen ist, war bzw. ist eben die Tatsache, dass in sämtlichen Medien eine primitive und schlicht falsche Schlussfolgerung gezogen wurde: Junger Mensch tötet Menschen weil er gewalthaltige Computer- und Videospiele konsumiert hat.iconoclasm hat geschrieben:...Ist halt alles Auslegungssache.
- muecke-the-lietz
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iconoclasm
Mensch, das wird ja hier noch richtig philosophisch. Man kann tatsächlich von Platon(Sokrates) ausgehen, der schon erkannt, dass es keine Wahrheit gäbe, allenfalls Deutungen. Und diese Erkenntnis ist tatsächlich Grundlage des modernen wissenschaftlichen Arbeitens. Selbstverständlich gilt eine These nur solange, bis sie widerlegt wird.
Was nun im Bereich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema "Mediengewalt als kausaler Einflussfaktor für reale Gewalt"(ZockerManiac) geschieht, ist die absolut perfekte Demonstration dessen. Die Thesen zur Zeit werden nicht ausreichend argumentiert, um einer Widerlegung längerfristig standzuhalten.
Möglicherweise wird man das in diesem Bereich auch nicht können, weil er die menschliche Psyche betrifft und diese für uns heute noch größtenteils verschlüsselt ist. Moderne wissenschaftliche Strömungen wie die Neuropsychologie könnten allerdings bei der Problemlösung behilflich sein. Wer weiß das schon.
Aber derzeit kann man davon ausgehen, dass es unmöglich ist, in einen Menschen hineinzuschauen und seine Gedanken zu lesen und zu deuten. Deshalb diese ständige These/Gegenthese-Sache.
Mensch, das wird ja hier noch richtig philosophisch. Man kann tatsächlich von Platon(Sokrates) ausgehen, der schon erkannt, dass es keine Wahrheit gäbe, allenfalls Deutungen. Und diese Erkenntnis ist tatsächlich Grundlage des modernen wissenschaftlichen Arbeitens. Selbstverständlich gilt eine These nur solange, bis sie widerlegt wird.
Was nun im Bereich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema "Mediengewalt als kausaler Einflussfaktor für reale Gewalt"(ZockerManiac) geschieht, ist die absolut perfekte Demonstration dessen. Die Thesen zur Zeit werden nicht ausreichend argumentiert, um einer Widerlegung längerfristig standzuhalten.
Möglicherweise wird man das in diesem Bereich auch nicht können, weil er die menschliche Psyche betrifft und diese für uns heute noch größtenteils verschlüsselt ist. Moderne wissenschaftliche Strömungen wie die Neuropsychologie könnten allerdings bei der Problemlösung behilflich sein. Wer weiß das schon.
Aber derzeit kann man davon ausgehen, dass es unmöglich ist, in einen Menschen hineinzuschauen und seine Gedanken zu lesen und zu deuten. Deshalb diese ständige These/Gegenthese-Sache.

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ZockerManiac
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- Registriert: 02.04.2009 12:18
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Endlich mal eine ernsthafte Diskussion...
@muecke-the-lietz:
Zu Deiner Kritik an den Erhebungsmethoden: Psychoanalytische (v.a. projektive) Tests haben in der modernen Forschung zum Thema kaum noch Bedeutung (Stichwort: Mangelnde Objektivität, Reliabilität und Validität). "Alltagsbeobachtungen" finden zwar beispielsweise in der Sozialpsychologie Verwendung, wobei hier jedoch nicht der Trugschluss gezogen werden darf, dass hier einfach mal eben das Verhalten des Nachbarn "beobachtet" wird und daraus dann Schlüsse auf allgemeine Gegebenheiten gezogen werden. Vielmehr erfolgt auch die Beobachtung standardisiert und nach methodisch akzeptablen Regeln.
Darüber hinaus ist zu bemerken, dass die von Dir dargestellten, empirisch-sozialwissenschaftlichen Methoden keineswegs die einzigen Herangehensweisen darstellen. Auch (recht objektive und schwer verfälschbare) psychophysiologische Methoden finden hier beispielsweise Anwendung (funktionelle Bildgebung, EEG, EDA usw.). Dass "bestimmte Dinge nicht erkannt werden, weil die Tests nach diesen Ergebnissen gar nicht suchen" ist theoretisch ein berechtigter Einwand, der jedoch praktisch in diesem Fall und im Hinblick auf die große Methodenvielfalt, mit der das diskutierte Thema beforscht wird, zu vernachlässigen ist (allenfalls für einzelne Studien mag dieser Kritikpunkt durchaus angebracht sein). Jedenfalls ist es völlig unplausibel, anzunehmen, dass sämtliche mit unterschiedlichsten Methoden und Auswertungsverfahren erzielte Ergebnisse nur deshalb zustande gekommen wären, weil einfach nicht nach der richtigen "Nadel im Heuhaufen" gesucht worden wäre.
Auch Dein Einwand, dass es keine "unumstößlichen Befunde" gäbe, ist grundsätzlich berechtigt. Vielleicht habe ich mich hier ein wenig ungeschickt ausgedrückt: Den empirischen Beweis gibt es natürlich nicht. Statistische Methoden bauen auf der Wahrscheinlichkeitstheorie bzw. der Annahme von Irrtumswahrscheinlichkeiten auf. Ein "signifikantes Ergebnis" ist KEIN Beweis! Es sagt aber, dass der entsprechende Befund per Konvention höchstens mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bzw. 1 % zufällig zustand gekommen sein kann. Vereinfacht (und mathematisch etwas ungenau) ausgedrückt: Bei einem signifikanten Ergebnis beträgt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Ergebnis richtig ist, mindestens 95 % im signifikanten und mindestens 99 % im hochsignifikanten Fall. Natürlich ist auch das noch kein Beweis. Es fällt aber doch ziemlich schwer, ein mehrfach von unterschiedlichen, voneinander unabhängigen Forschern repliziertes, signifikantes/hochsignifikantes Ergebnis in Frage zu stellen und stattdessen zu glauben, dass in all' diesen Fällen doch das viel unwahrscheinlichere Alternativereignis (bzw. die Nullhypothese) zutrifft. Eine solche Herangehensweise würde auch jegliche empirische Forschung ad absurdum führen, denn so könnte man prinzipiell immer argumentieren, da in der Empirie ja - wie beschrieben - NICHTS bewiesen werden kann. Auf der Grundlage dieser Argumentation wären statistische Signifikanztests generell sinnlos, den diese führt man ja gerade durch, um auf der Grundlage sehr eindeutiger Wahrscheinlichkeitsverhältnisse (nicht: Eines Beweises!) zu einer Entscheidung zwischen konkurrierenden Hypothesen zu gelangen.
Sicher gibt es auch Befunde, die meinen Quellen widersprechen. Von absoluter Konsistenz der Befundlage habe ich aber auch nie gesprochen. Vielmehr habe ich lediglich behauptet, dass die Befundlage bei weitem nicht so inkonsistent ist, wie von vielen behauptet wird. Außerdem ist die methodische Sauberkeit der widersprechenden Studien, die ich bisher gesehen habe, doch meist recht zweifelhaft... Sicher ist es richtig, dass "Forschungen in diesem Bereich (...) zurzeit keine ausreichend fundierte Grundlage darstellen", was jedoch nichts weiter bedeutet, als dass einige Leute (von BEIDEN Argumentationslagern!) sich ein wenig zurückhaltender (oder evtl. zunächst auch überhaupt nicht) zu diesem Thema äußern sollten. Solange diese Grundlage jedoch nicht ausreichend fundiert ist, ist es immer noch besser, von plausiblen Tendenzen auszugehen als von Bauchgefühlen (und diese Tendenzen sind insgesamt schlicht und einfach eindeutig!). Und nochmal: DASS grundsätzlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medien und der Zunahme von Gewalt besteht, ist vielfach untersucht und eindrucksvoll belegt worden (was - und ich wiederhole mich da gerne - nicht bedeutet, dass das Spielen gewalthaltiger Spiele für einen Amoklauf ausreicht!). Andererseits gibt es auch mehrfach replizierte Evidenz dafür, dass Medien mit prosozialen Inhalten prosoziales Denken und Verhalten fördern (z.B. Rydell, McConnell & Mackie, 2008). Einzig über die Richtung des Zusammenhangs (die berühmte "Huhn-Ei-Frage") wird gelegentlich noch diskutiert ("Machen gewalthaltige Spiele aggressiv oder spielen aggressive Menschen lieber gewalthaltige Spiele?!"). Es geht aber auch gar nicht darum, ob Amokläufer häufiger solche Spiele spielen, sondern darum, ob solche Spiele unter der Voraussetzung weiterer situationaler Faktoren und einer vulnerablen Persönlichkeitsstruktur zum Auftreten von Aggression und Gewalt beitragen können und so sieht es gemäß der derzeitigen Befundlage nun einmal aus.
ZockerManiac
PS: Grundsätzlich begrüße ich es sehr, dass hier auch mal Leute auftauchen und zu dem Thema äußern, die zu einer etwas anspruchsvolleren Diskussion bereit sind und nicht nur leere Phrasen in den Raum werfen wollen! Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass ich persönlich weder für noch gegen "Killerspiele" bin! Ich plädiere im Grunde nur dafür, dass man sich - bevor man sich offensiv zu einem solch' komplexen Thema äußert und dabei führenden Wissenschaftlern jegliche Kompetenz abspricht - erst einmal mit der empirischen Wirklichkeit, der Befundlage und der entsprechenden Forschungsmethodik auseinandersetzen sollte!
Ich habe versucht, die Sachlage in einem Umfang zu diskutieren, welcher der Thematik wenigstens ansatzweise gerecht wird. Eine detaillierte Aufarbeitung der Befundlage hätte um ein vielfaches ausführlicher ausfallen müssen...Zu lang, absolut zu lang...
Du sprichst hier das Problem des "positive testing" und der Objektivität an. Ein solcher Einwand ist in bestimmten Fällen sicherlich gerechtfertigt, was ich aber auch nie bestritten habe (ich habe ja auch explizit von "seriösen" Wissenschaftlern gesprochen, wobei ich unter "Seriösität" nicht verstehe, Forschungsergebnisse im Sinne des Auftraggebers zu verfälschen, was natürlich dennoch immer mal wieder vorkommt. Auch ist es keineswegs "seriös" und im Sinne des Falsifikationismus sensu Popper auch nicht vorgesehen, dass der Forscher "nur auf bestimmte Phänomene hin" testet). Problematisch wird es - und das habe ich eigentlich auch gemeint -, wenn solche Einwände als Generalverdacht gegen "die Wissenschaft" instrumentalisiert werden, um eine Falsifikation der eigenen Meinung zu verhindern, nur, weil "die Wissenschaft" halt schon wieder nicht das herausgefunden hat, was ich gerne gelesen/gehört hätte (und genau dies passiert gerade in dieser Debatte ständig!).Aber gehe bitte nicht davon aus, dass Forschungen im Bereich Medien objektiv sind. Diese Forschungen werden finanziert und müssen finanziert werden. Weiterhin ist eine Zielgesteuertheit nicht auszuschließen, da oft nur auf bestimmt Phänomene hin getestet wird.
Zu Deiner Kritik an den Erhebungsmethoden: Psychoanalytische (v.a. projektive) Tests haben in der modernen Forschung zum Thema kaum noch Bedeutung (Stichwort: Mangelnde Objektivität, Reliabilität und Validität). "Alltagsbeobachtungen" finden zwar beispielsweise in der Sozialpsychologie Verwendung, wobei hier jedoch nicht der Trugschluss gezogen werden darf, dass hier einfach mal eben das Verhalten des Nachbarn "beobachtet" wird und daraus dann Schlüsse auf allgemeine Gegebenheiten gezogen werden. Vielmehr erfolgt auch die Beobachtung standardisiert und nach methodisch akzeptablen Regeln.
Darüber hinaus ist zu bemerken, dass die von Dir dargestellten, empirisch-sozialwissenschaftlichen Methoden keineswegs die einzigen Herangehensweisen darstellen. Auch (recht objektive und schwer verfälschbare) psychophysiologische Methoden finden hier beispielsweise Anwendung (funktionelle Bildgebung, EEG, EDA usw.). Dass "bestimmte Dinge nicht erkannt werden, weil die Tests nach diesen Ergebnissen gar nicht suchen" ist theoretisch ein berechtigter Einwand, der jedoch praktisch in diesem Fall und im Hinblick auf die große Methodenvielfalt, mit der das diskutierte Thema beforscht wird, zu vernachlässigen ist (allenfalls für einzelne Studien mag dieser Kritikpunkt durchaus angebracht sein). Jedenfalls ist es völlig unplausibel, anzunehmen, dass sämtliche mit unterschiedlichsten Methoden und Auswertungsverfahren erzielte Ergebnisse nur deshalb zustande gekommen wären, weil einfach nicht nach der richtigen "Nadel im Heuhaufen" gesucht worden wäre.
Auch Dein Einwand, dass es keine "unumstößlichen Befunde" gäbe, ist grundsätzlich berechtigt. Vielleicht habe ich mich hier ein wenig ungeschickt ausgedrückt: Den empirischen Beweis gibt es natürlich nicht. Statistische Methoden bauen auf der Wahrscheinlichkeitstheorie bzw. der Annahme von Irrtumswahrscheinlichkeiten auf. Ein "signifikantes Ergebnis" ist KEIN Beweis! Es sagt aber, dass der entsprechende Befund per Konvention höchstens mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bzw. 1 % zufällig zustand gekommen sein kann. Vereinfacht (und mathematisch etwas ungenau) ausgedrückt: Bei einem signifikanten Ergebnis beträgt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Ergebnis richtig ist, mindestens 95 % im signifikanten und mindestens 99 % im hochsignifikanten Fall. Natürlich ist auch das noch kein Beweis. Es fällt aber doch ziemlich schwer, ein mehrfach von unterschiedlichen, voneinander unabhängigen Forschern repliziertes, signifikantes/hochsignifikantes Ergebnis in Frage zu stellen und stattdessen zu glauben, dass in all' diesen Fällen doch das viel unwahrscheinlichere Alternativereignis (bzw. die Nullhypothese) zutrifft. Eine solche Herangehensweise würde auch jegliche empirische Forschung ad absurdum führen, denn so könnte man prinzipiell immer argumentieren, da in der Empirie ja - wie beschrieben - NICHTS bewiesen werden kann. Auf der Grundlage dieser Argumentation wären statistische Signifikanztests generell sinnlos, den diese führt man ja gerade durch, um auf der Grundlage sehr eindeutiger Wahrscheinlichkeitsverhältnisse (nicht: Eines Beweises!) zu einer Entscheidung zwischen konkurrierenden Hypothesen zu gelangen.
Sicher gibt es auch Befunde, die meinen Quellen widersprechen. Von absoluter Konsistenz der Befundlage habe ich aber auch nie gesprochen. Vielmehr habe ich lediglich behauptet, dass die Befundlage bei weitem nicht so inkonsistent ist, wie von vielen behauptet wird. Außerdem ist die methodische Sauberkeit der widersprechenden Studien, die ich bisher gesehen habe, doch meist recht zweifelhaft... Sicher ist es richtig, dass "Forschungen in diesem Bereich (...) zurzeit keine ausreichend fundierte Grundlage darstellen", was jedoch nichts weiter bedeutet, als dass einige Leute (von BEIDEN Argumentationslagern!) sich ein wenig zurückhaltender (oder evtl. zunächst auch überhaupt nicht) zu diesem Thema äußern sollten. Solange diese Grundlage jedoch nicht ausreichend fundiert ist, ist es immer noch besser, von plausiblen Tendenzen auszugehen als von Bauchgefühlen (und diese Tendenzen sind insgesamt schlicht und einfach eindeutig!). Und nochmal: DASS grundsätzlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medien und der Zunahme von Gewalt besteht, ist vielfach untersucht und eindrucksvoll belegt worden (was - und ich wiederhole mich da gerne - nicht bedeutet, dass das Spielen gewalthaltiger Spiele für einen Amoklauf ausreicht!). Andererseits gibt es auch mehrfach replizierte Evidenz dafür, dass Medien mit prosozialen Inhalten prosoziales Denken und Verhalten fördern (z.B. Rydell, McConnell & Mackie, 2008). Einzig über die Richtung des Zusammenhangs (die berühmte "Huhn-Ei-Frage") wird gelegentlich noch diskutiert ("Machen gewalthaltige Spiele aggressiv oder spielen aggressive Menschen lieber gewalthaltige Spiele?!"). Es geht aber auch gar nicht darum, ob Amokläufer häufiger solche Spiele spielen, sondern darum, ob solche Spiele unter der Voraussetzung weiterer situationaler Faktoren und einer vulnerablen Persönlichkeitsstruktur zum Auftreten von Aggression und Gewalt beitragen können und so sieht es gemäß der derzeitigen Befundlage nun einmal aus.
ZockerManiac
PS: Grundsätzlich begrüße ich es sehr, dass hier auch mal Leute auftauchen und zu dem Thema äußern, die zu einer etwas anspruchsvolleren Diskussion bereit sind und nicht nur leere Phrasen in den Raum werfen wollen! Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass ich persönlich weder für noch gegen "Killerspiele" bin! Ich plädiere im Grunde nur dafür, dass man sich - bevor man sich offensiv zu einem solch' komplexen Thema äußert und dabei führenden Wissenschaftlern jegliche Kompetenz abspricht - erst einmal mit der empirischen Wirklichkeit, der Befundlage und der entsprechenden Forschungsmethodik auseinandersetzen sollte!
wenigstens gibt es menschen die zocken und trotzdem überdurchschnittlich gebildet sind. dies spiegelt sich eben auch durch etwas längere comments wieder.
der film ist gut gemacht, fraglich ist nur, wer damit erreicht werden kann.
weil grundsätzlich wissen die "freunde" aus medien und politik ganz genau, was mit ihrer einseitigen polemik erreicht wird. gegenstatements sind bei denen wohl kaum erwünscht weil sie auf dem politischen aschermittwoch nur sehr schlecht ankommen nach 3 mass bier.
denken schadet nicht.
der film ist gut gemacht, fraglich ist nur, wer damit erreicht werden kann.
weil grundsätzlich wissen die "freunde" aus medien und politik ganz genau, was mit ihrer einseitigen polemik erreicht wird. gegenstatements sind bei denen wohl kaum erwünscht weil sie auf dem politischen aschermittwoch nur sehr schlecht ankommen nach 3 mass bier.
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Atmen ist gesund.
Fanboy = zu wenige Konsolen
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@Zockermaniac:
Ich habe nichts gegen längere Beiträge, ganz und gar nicht, aber du könntest die Lesbarkeit steigern, indem du Absätze und freie Zwischenspalten einbaust, sonst kann man so einen Block an einem Monitor schlecht lesen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen, finde ich.
Daher konnte ich deine (sicherlich interessanten) Kommentare jetzt auch nicht lesen, sorry.
Ich habe nichts gegen längere Beiträge, ganz und gar nicht, aber du könntest die Lesbarkeit steigern, indem du Absätze und freie Zwischenspalten einbaust, sonst kann man so einen Block an einem Monitor schlecht lesen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen, finde ich.
Daher konnte ich deine (sicherlich interessanten) Kommentare jetzt auch nicht lesen, sorry.
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ZockerManiac
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Och nö!
Jetzt bin ich aber doch etwas enttäuscht:
Ich gebe mir so viel Mühe, um eine gute Diskussionsgrundlage und jede Menge Sprengstoff zu liefern und (fast) alle Kommentare beziehen sich auf die Länge des Textes und die Anzahl der Absätze...
Zugegeben hätte ich beim Schreiben darauf achten können, aber nobody's perfect!
Nachdem nun - was ich bereits befürchtet hatte - der eine oder andere Beitrag ein wenig in die Richtung geht, man könne wissenschaftlich alles beweisen und auch alles widerlegen, muss ich aber doch nochmal meinen Senf dazu geben: Dem ist nämlich keineswegs so!
Sicher gibt es - gerade am Anfang der Erforschung einer neuen Fragestellung - immer verschiedene Meinungen und Ansätze (= völlig normaler und gesunder Prozess in der Wissenschaft).
Das ändert aber nichts daran, dass es durchaus sinnvoll interpretierbare Ergebnisse gibt, die man wenigstens zur Kenntnis nehmen sollte, bevor man in die Diskussion einsteigt.
[quote vplus] wenigstens gibt es menschen die zocken und trotzdem überdurchschnittlich gebildet sind. dies spiegelt sich eben auch durch etwas längere comments wieder. [/quote]
Ich fasse das mal als Kompliment bzw. Rückendeckung auf! Es gibt nun einmal Themen, über die nicht einfach in drei einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen alles gesagt werden kann, was im Rahmen einer sinnvollen Argumentation notwendig ist.
Ich hoffe, ich habe nun genügend Absätze eingebaut, sodass mein Text für alle verständlich ist. Ich habe sogar darauf geachtet, dass kein Absatz länger als max. vier Zeilen ist (bitte verzeiht mir meinen Sarkasmus! :wink: )!
Ich komme nun auch gleich zum Ende, damit mein Beitrag diesmal nicht über die 250-Wörter-Grenze hinausgeht!
ZockerManiac
Ich gebe mir so viel Mühe, um eine gute Diskussionsgrundlage und jede Menge Sprengstoff zu liefern und (fast) alle Kommentare beziehen sich auf die Länge des Textes und die Anzahl der Absätze...
Zugegeben hätte ich beim Schreiben darauf achten können, aber nobody's perfect!
Nachdem nun - was ich bereits befürchtet hatte - der eine oder andere Beitrag ein wenig in die Richtung geht, man könne wissenschaftlich alles beweisen und auch alles widerlegen, muss ich aber doch nochmal meinen Senf dazu geben: Dem ist nämlich keineswegs so!
Sicher gibt es - gerade am Anfang der Erforschung einer neuen Fragestellung - immer verschiedene Meinungen und Ansätze (= völlig normaler und gesunder Prozess in der Wissenschaft).
Das ändert aber nichts daran, dass es durchaus sinnvoll interpretierbare Ergebnisse gibt, die man wenigstens zur Kenntnis nehmen sollte, bevor man in die Diskussion einsteigt.
[quote vplus] wenigstens gibt es menschen die zocken und trotzdem überdurchschnittlich gebildet sind. dies spiegelt sich eben auch durch etwas längere comments wieder. [/quote]
Ich fasse das mal als Kompliment bzw. Rückendeckung auf! Es gibt nun einmal Themen, über die nicht einfach in drei einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen alles gesagt werden kann, was im Rahmen einer sinnvollen Argumentation notwendig ist.
Ich hoffe, ich habe nun genügend Absätze eingebaut, sodass mein Text für alle verständlich ist. Ich habe sogar darauf geachtet, dass kein Absatz länger als max. vier Zeilen ist (bitte verzeiht mir meinen Sarkasmus! :wink: )!
Ich komme nun auch gleich zum Ende, damit mein Beitrag diesmal nicht über die 250-Wörter-Grenze hinausgeht!
ZockerManiac
Man kann sich ja ZockerManiacs Beitrag in ein Textprogramm copy/pasten und selbst Abschnitte machen
.
Und nur weil man gerne schnelle Unterhaltung in Sachen Videospiele sucht ist man lange nicht dumm. Unterhaltung muss nicht immer den Intellekt anregen. Sie ist ja auch zum entspannen da und nicht immer zum schärfen des eigenen Verstandes. Die meisten sollten in ihrem tägliche Leben genügend gefordert werden und jede Entscheidung ist eine Wichtige (oder halbwegs) und man kann nicht abspeichern oder einen bestimmten Lebensabschnitt neu starten.
Und nur weil man gerne schnelle Unterhaltung in Sachen Videospiele sucht ist man lange nicht dumm. Unterhaltung muss nicht immer den Intellekt anregen. Sie ist ja auch zum entspannen da und nicht immer zum schärfen des eigenen Verstandes. Die meisten sollten in ihrem tägliche Leben genügend gefordert werden und jede Entscheidung ist eine Wichtige (oder halbwegs) und man kann nicht abspeichern oder einen bestimmten Lebensabschnitt neu starten.