Da hilft auch dein Seufzen nichts, deine Theorien müssen auch solchen Fragen standhalten, sonst nützen sie nichts (ja, auch Totschlagargumente und Extrembeispiele müssen sie aushalten ). Diskreditieren wollte ich dich damit sicher nicht, nur deine Theorien wollte ich härteren Geschossen aussetzen.
Glücklicherweise bewähren sich meine Argumente ja auch bei >>Totschlagargumenten<<, diese habe ich aber in meinem letzten Beitrag, sowie (z.T. implizit) in meinen Ausführungen zum Terminus >>Killerspiel<< (und verwandten Termini) als unredlich klassifiziert – dort wird auch ersichtlich, was mich zum Vorwurf der Diskreditierung führte. Es ist u.a. ein rapider Wechsel der Diskursebenen, der dabei zu kritisieren ist (s.o.).
Was ich aufzeigen möchte ist das bei dir methodisch und wissenschaftlich ja alles richtig und korrekt erscheinen mag, aber trotzdem schießt du meilenweit an der Realität vorbei.
Das ganze hochwissenschaftlich (psychologisch) zu betrachten, und dabei allen anderen ein Mitspracherecht abzuerkennen, die sich nicht auf dieser Ebene bewegen, halte ich immer noch für arrogant (auch das es gerade deine Beiträge sind die das Niveau dieser Diskussion anheben). Etwas mehr am Boden zu bleiben würde da vielleicht nicht Schaden, ganz ehrlich. Trotzdem hat mir die Diskussion bisher Spass gemacht, ich hab sogar einiges aus deinen Beiträgen lernen können.
Hier existiert wohl ein Verständnisproblem: Niemandem wird das Recht aberkannt, sich zum Thema zu artikulieren, sofern er dies nicht auf einem gewissen wissenschaftlichen Niveau vermag. Die bisherige Kritik an derartigen Beiträgen bezog sich auf solche Personen, welche sich insgesamt hinsichtlich einer respektvollen, argumentorientierten Diskussion/Debatte ziemlich niveaulos gegen unliebsame Beiträge artikulierten, z.B. gegen entsprechende Forschungsergebnisse (bis hin zu Diffamierungen
ad hominem) - es genügt nun mal einfach nicht, ohne jede weitere Argumentation die Forschungsergebnisse als unwissenschaftlich zu diskreditieren, obwohl man offensichtlich keinerlei Kenntnisse von den entsprechenden Methoden und Techniken, den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens hat. Dazu hat sich aber insbesondere Frustriertet Held umfassend geäußert. Es geht um eine qualitative Aufwertung der Argumentationsstandards, was eigentlich uns betroffenen Spielern nur hilfreich ist und entsprechend mitnichten als arrogant bezeichnet werden kann.
Aber du meinst ja offenbar etwas anderes, nämlich folgendes (missverstandenes):
Leider magst du es ja nicht wenn man versucht diese Diskussion auf einer ethisch/moralischen Ebene weiterzuführen, aber ich bin der Ansicht das man dieses höchst subjektive Thema (Kunst & Kultur) eben nicht auf wissenschatlicher Ebene führen kann.
Mit
nicht mögen hat das relativ wenig zu tun. Jeder ist frei, diese Diskussion auf einer moralischen/ethischen Ebene zu führen (zzgl. der Problematik intensiverer Emotionalisierung, welche die Argumentation maßgeblich verzerren kann) und für sich selbst entsprechende Konsequenzen daraus abzuleiten. Die Problematik beginnt erst dann – wie oben mehrfach detailliert ausgeführt -, wenn man eine subjektive Perspektive, ein entsprechendes Werturteil(en), als für alle verbindliches
nonplusultra etablieren will. Das ist bei der Diversität der (auch moralischen/ethischen) Meinungen, Einstellungen, Empfindungen, Kompetenzen, Hintergründe, Interessen, also schlichtweg Perspektiven in einer modern demokratischen, ergo pluralen, d.h. essentiell egalitären und liberalen Gesellschaft unangemessen, ja anmaßend – ein Contrafaktum zu Egalität und Liberalität (s.o.). Ich argumentiere also nicht nur auf Basis einer puristisch-wissenschaftlichen Perspektive, sondern (und das ist ja aufgrund meiner bisherigen Beiträge offensichtlich) auch auf Basis eines gewissen praktisch-humanistischen Demokratie-, also auch Politik- und Gesellschaftsverständnisses heraus – welches sich jedoch nicht auf exklusive Subjektivität beruft, sondern um intersubjektive Objektivierbarkeit bemüht, also um nachvollziehbare Argumente.
Vielleicht zur Erläuterung eine extrem simplifizierte Version meines Staatsverständnis eines demokratischen Staates: Der Staat sei im Dienste der Bürger und sichere ihnen ein reziprokes Maximum an Freiheit und Sicherheit. Ergo müssen sich Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Sicherheit am Niveau der Gefahr für die Sicherheit orientieren und dabei so viel Freiheit bewahren, wie es möglich ist. Wo keine Gefahr existiert (und bei der Ermittlung dieser Gefahr ist beim aktuellen Thema nun mal eine wissenschaftliche Perspektive unabdingbar, die Einbeziehung der Wirkungs-/Rezeptionsforschung), dort ist kein Schutz notwendig. Daraus ergibt sich bereits, dass man nicht auf Mutmaßungen, auf Basis subjektiver moralischer/ethischer Vorstellungen kontrollierende Konsequenzen für alle Bürger initiiert.
Anders (und ganz direkt, konkret): Ich fühle mich in meiner Freiheit massiv dadurch bedroht, wenn man mir willkürliche Meinungen oktroyieren will, insbesondere wenn dies mittels staatlicher Gewalt versucht wird - Despotie ist nicht demokratisch. Es ist schlichtweg ein Übermaß an Kontrolle, dass unzulässig intensiv private Bereiche regulieren will.
Ich bin also durchaus nicht >>meilenweit an der Realität vorbei<<, meine Perspektive ist sogar in dem Sinne >>moralisch/ethisch<< (wir sind mitten in der Philosophie), als dass ich mich für eine konsequente Demokratie engagiere. Eine Diskussion über das Pro und Contra von Zensur ist ohnehin immer eine politische, eine über das jeweilige Demokratieverständnis, ganz zu schweigen von einer Diskussion über das Pro und Contra (um es mal polemisch zu formulieren) despotischer Tendenzen.
Und ja, diese Werte sind im steten Wandel. Von Generation zu Generation ändert sich unser Verständnis von gut und böse, eben weil es subjektiv ist (auch wenn einige Fundamentalisten glauben es sei irgendwo festgeschrieben). Trotzdem bin ich der Meinung das es einen grundlegenden Konsens darüber geben muss, was nun richtig oder falsch ist, hinter dem die Mehrheit der Gesellschaft auch stehen kann. Dabei sollte ein gesundes Mittelmaß zwischen Freiheit und Individualität und sozialer Mitgliedschaft gefunden werden. Der Mensch ist eben keine Insel, sondern lebt in einer Gruppe und definiert sich durch soziale Interaktion.
Unterschiedlichste Faktoren für die unterschiedlichen subjektiven Perspektiven wurden ja bereits mehrfach hier thematisiert. Du magst zwar der Meinung sein, >>das es einen grundlegenden Konsens darüber geben muss, was nun richtig oder falsch ist, hinter dem die Mehrheit der Gesellschaft auch stehen kann<<, aber du kannst weder erzwingen, dass jeder der gleichen Meinung sein muss, noch kannst du diesen Konsens in Bereichen, die über das absolut notwendige hinausgehen, erzwingen (aus bereits erwähnten logischen Gründen – Subjektivität hat keinen intersubjektiven Objektivierungsanspruch), denn es ist nicht Teil des demokratischen Gesellschaftsvertrages – zumindest wäre dieser Zwang essentiell antidemokratisch (darum ging es ja bis jetzt im Grunde), genauso wie ein Zwang zu sozialer Mitgliedschaft (das Recht auf Isolation sollten wir jedem selbst überlassen). Bei der Frage, ob die Gesellschaft das auch akzeptieren kann, sei den heterogenen Gesellschaftsmitgliedern jeweils selbst zu beurteilen überlassen, d.h.: Man kann nicht eine Meinung vertreten und von ihr meinen, dass alle anderen sie ja auch teilen könnten und sie deshalb zum Gesetz deklarieren. Anders: Selbst das Recht auf Nonkonformität sollte jedem zustehen (s.o.).
Ich bin leider nicht deiner extrem liberalen Meinung das man sich auf einen gesellschaftliechn Minimalkonsens von Werten beschränken sollte, dies fände ich Schade. Ich denke schon das eine Gemeinschaft mehr braucht als das. Ich glaube auch nicht das sich der Markt selbst regulieren würde, wenn man ihm die totale Freiheit geben würde.
Sondern, das man gemeinsam ein Forum finden muss um auch gemeinsam über den Werte- und Normenwandel stets diskutieren zu können und auch immer wieder neue Konsense zu finden (auch was Computerspiele und deren Inhalt angeht). Leider findet dies meiner Meinung nach in Deutschland nicht zu genüge statt (z.B. durch Bürgerentscheide, aber das ist ein anderes Thema). Sondern es geschieht zu oft durch ein Diktat von oben.
Das Problem ist wohl, dass du dir eine Realisierung einer idealisierten Gesellschaftsvorstellung wünschst, allerdings sind Ideale in diesem Sinne ja auch essentiell subjektiv und dafür sind unsere Gesellschaften zu heterogen. Die Gesellschaft funktioniert auch, wenn sie nicht homogenisiert ist (so viel übrigens auch wieder zum >>meilenweit an der Realität vorbei<< - auch mal die eigene Perspektive hinterfragen…

). Ich finde diesen Umstand z.B. generell eher nicht schade… obwohl, wenn alle meiner Meinung, meines Geschmackes etc. wären, wäre die Welt natürlich viel einfacher - und man müsste sich auch nicht um diese Extrema sorgen, die hier thematisiert wurden, denn ich mag die ja gar nicht!
Zur Marktregulation (und damit auch an Gehirnzelle) neben bereits erwähntem vielleicht nur so viel: Der US-amerikanische Markt ist deutlich näher an meinen Vorstellungen, als der deutsche, d.h. es herrscht eine tendenzielle Aversion gegen eine bestimmte Verbotskultur, ein Übermaß an staatlicher Kontrolle und Akzeptanz der Theorie und Praxis freiwilliger Selbstkontrolle, ohne dass dies zu hier (auch implizit) befürchteten Konsequenzen geführt hätte. Um ein Extrembeispiel zu nennen, dass hier ja quasi zum Untergang des Abendlandes deklariert wird: Nach einem Urteil der letzten Jahre offizieller, bundesgerichtlicher Rechtsprechung in den USA ist fiktive, virtuelle Kinderpornographie explizit verfassungsgemäß, ganz zu schweigen von noch ganz anderen Inhalten etc. und dennoch ist dieser Markt nicht von derartigen Inhalten überfüllt worden, eben wegen der bereits erwähnten moderierenden Faktoren. Aber ganz unabhängig davon, wurden ja noch andere genügend andere Faktoren erwähnt, die das Problem, dass diese Inhalte überhaupt auf dem Markt sein könnten, relativieren (ein Hauptaspekt des gesamten Themas hier) – so kritikwürdig sie auch mir selbst erscheinen (ja, der Advokat des Teufels hat es nicht einfach). Die Inhalte selbst sind einfach nicht das Problem, allenfalls (wenn man überhaupt so weit argumentieren mag) ein Symptom.
Die Idee mit dem Forum zum Austausch von Werten zum Erreichen eines Konsens ist ja an sich zu befürworten, scheitert aber nicht nur an all den bereits erwähnten Argumenten, sondern auch sich aus diesen Argumenten ergebend) an der Wahl der Verantwortlichen: Wer? Warum? Wie ist es mit der Repräsentation bestellt, bzw. ist diese in diesem Aspekt möglich (was ich ja verneine, genauso wie die Eignung einfacher Repräsentation)? Etc. (abermals auch insbesondere die Stichworte Meinungs-/Geschmacksdiktat und Minderheitenschutz)… Besonders die Gefahr des Diktats, die du ja auch erkennst, lässt sich in diesem Bereich generell nicht beseitigen (die Oktroyierung von Meinungen ist immer >>diktierend<<). Es existiert einfach kein Expertentum für derartige Entscheidungen, selbst wenn man sich auf einen Konsens geeinigt hätte, würde dieser doch allenfalls notwendigerweise auf zu intepretierenden Kriterien basieren und diese Interpretation (des Gremiums z.B.) kann dann wieder vom Konsens abweichen, ohne dass dies gemessen würde, geschweige denn messbar ist - im Endeffekt liegt die Entscheidungsgewalt nicht inhaltlich überprüfbar also immer bei den gerade Entscheidenden.
Meine Antwort darauf ist aber, das man bei Inhalten von Medien, Kunst und Kultur gar keine wissenschaftlichen Maßstäbe anlegen darf.
Mach ich ja auch z.B. gar nicht (das erwähnte Missverständnis), in dem Sinne. Ich stelle nur auf wissenschaftlicher Basis heraus, dass die überhaupt anlegbaren Maßstäbe, immer arbiträr sind (mit den bereits erwähnten, abzulehnenden Konsequenzen).
Ja, ich wäre für ein Verbot eines solchen Spiels. Guter Wille allein reicht nicht aus.
Das war lediglich eine rhetorische Frage und sollte dir u.a. die Willkür der moralischen/ethischen Grenzziehung verdeutlichen.

Passender wären vielleicht Fragen nach anderen, real existenten Bsp. gewesen (z.B.
Manhunt,
Condmened: Criminal Within,
Dead Rising oder
Postal 2)…