Usul hat geschrieben: ↑24.07.2021 18:45
Ganz banales, anekdotisches Beispiel: Wenn mir (fremdländischen Ursprungs) jemand sagt "Wow, du sprichst aber gut deutsch!", dann ist das in den allermeisten Fällen als Kompliment gemeint. Aber bei mir kommt das nach nun über 30 Jahren nicht so an - da ich auch niemanden Komplimente darüber mache, wie gut er die Sprache des Landes beherrscht, in dem er geboren wurde, aufgewachsen ist und lebt. Sprache ist mein Job, da ist es doch selbstverständlich, daß ich sie einigermaßen beherrsche... und trotzdem höre ich solche Kommentare immer wieder, selbst von eigentlich guten Freunden. Im Sinne von: "Herrjeh, jetzt korrigert Usul der Fremdländer MICH den Deutschen... und er hat Recht! Potz blitz!" Sowas nervt ungemeint.
Ich finde aber ehrlich gesagt nicht, dass man das wirklich vergleichen kann (oder sollte!), denn dann sind wir ganz schnell bei "mich nervt jeder, der mich vor dem ersten Kaffee anspricht" (was sogar wahr ist... aber eben mein Problem, nicht das des Gegenübers) und das banalisiert das ein wenig. Man kann die Intention eben nicht komplett aus einem solchen Verhalten ausklammern und noch dazu kann man auch nicht völlig darauf verzichten, die Situation, warum man jetzt genervt ist, etwas zu analysieren. Ich bin den lieben langen Tag von vielen Dingen genervt, die mir so passieren (und oft auch von welchen, die sich gar nicht so grundsätzlich von deinem Beispiel unterscheiden), aber mitunter kann der Grund, warum ich durch etwas genervt bin - sei es, weil ich das heute schon 30 Mal gehört habe, sei es, weil ich es seit 30 Jahren täglich höre, sei es, weil es für mich selbst total logisch ist und ich mich so irgendwie für dumm gehalten fühle - halt auch einfach gar nicht für das Gegenüber ersichtlich oder erahnbar sein. In diesem Fall hat dann das Gegenüber nicht wirklich einen Fehler gemacht und falls ich noch irgendwelche Reste Empathie übrig hab, lass ich mir dann auch mein "genervt sein" gar nicht anmerken. Jedenfalls nicht in der Situation selbst... ein Hinweis zu einem späteren, gelassenerem Zeitpunkt, dass das irgendwie für mich doof war, ist dann einfach die bessere Lösung.
Anders ist es natürlich, wenn sich jemand so verhält, der mich kennt, dem ich meine Meinung dazu auch bereits mitgeteilt habe und der mich einfach damit ein wenig aufziehen will... da wirds dann auch schonmal etwas unfreundlicher, wenn die Stimmung gerade entsprechend ist,
Die Anschuldigungen hier schlagen aber schon in eine weit heftigere Kerbe, da ging es ja, soweit das ersichtlich ist, durchaus darum, auch seine Position auszunutzen, nicht nur darum einfach ein alberner Idiot gewesen zu sein oder jemanden ein bisschen genervt zu haben. Da ging es, offenbar, auch weniger darum, dass man die Wirkung seiner Äußerungen und Taten auf das Gegenüber nicht einschätzen konnte, sondern damit gezielt Reaktionen provozieren zu wollen (natürlich vermutlich eher nicht die, die es jetzt dann offenbar dafür gibt).