Ich lese hier immer zwei etwas seltsam anmutende Dinge heraus, wenn es um den Epic-Store und Steam geht...
1. "die Nutzer wollen Steam doch nur, weil sie dort schon viele Games in ihrer Bibliothek haben und nicht, weil es gut ist." Das halte ich für eine gewagte These. Als GOG damit anfing, auch Triple-A-Games zu verkaufen, umfasste meine Steam-Bibliothek sicher schon locker 500 Titel. Trotzdem hab ich GOG (mittlerweile samt Galaxy) oft genug genutzt, um auch große Titel zu kaufen und tue es noch. Ich verzichte hier also gegebenfalls ganz freiwillig bei manchen Titeln auf diverse Steam-Features (SteamPlay, Big-Picture-Controller-Support und die tonnenweise Community-Features) zuguntsten von DRM-Freiheit, einem ggf. besseren Preis oder sonstigem. Bei anderen Titeln hingegen "wiegen" die Steam-Features für mich viel mehr und ich käme nicht auf die Idee, diese Titel woanders zu kaufen - und ich bin ganz sicher da nicht der Einzige. Sicher, für viele Nutzer spielt der Gedanke, alles an einem Ort haben zu wollen, eine viel größere Rolle - ich würde das aber keineswegs pauschalisieren, insbesondere eben dann nicht, wenn es aufgrund der vielen Funktionen der Steam-Plattform eben noch genug andere Gründe gibt, warum man Titel X eben explizit am liebsten dort kaufen und nutzen will. Das Problem von Epic ist eben, abseits von der von mir persönlich als sehr unangenehm empfundenen Art, wie sie versuchen auf den Markt zu drängen, dass sie schlicht abseits ihrer Exklusivdeals nichts haben, was sie im positiven Sinne einzigartig macht... und hier sind wir dann auch eigentlich schon bei Punkt 2...
2. "Konkurrenz zu einem Monopolist ist immer gut". Erstmal: Steam hat kein Monopol - wer das glaubt, sollte das Wort vielleicht besser noch einmal nachschlagen. Aber selbst wenn sie es hätten, taugt die Aussage eben so nicht viel, weil die Messlatte zwischen den beiden Diensten einen solchen Vergleich nicht wirklich zulässt - jedenfalls nicht für den Endkunden. Epic hat eben einen Fokus darauf, Publishern ein schönes Leben zu machen, nicht darauf, selbiges für Spieler zu tun. Als Spieler, als Endkunde, bist du bei Epic von der Plattformtechnik über die Plattformfeatures bis hin zum Support, Refunds und Co. derzeit eben nicht nur eine riesige Ecke hinter Steam, sondern eben auch hinter allen anderen Stores - von GoG bis Origin. Qualitativ ist das also schon einmal keine Konkurrenz. Und vermutlich weiß Epic das auch, deshalb die Tonnen von Exklusivdeals, um wenigstens Quantitativ irgendwie etwas entgegensetzen zu können (auch wenn man natürlich in der Gesamtzahl an Games ebenfalls nie zu Steam aufschließen können wird). Aber sowas ist doch nicht die Art von Konkurrenz, die "Monopole" bricht oder brechen können sollte - jedenfalls nicht für den Gamer. Steam hat es trotz nach wie vor vorhandener Makel geschafft, von einer skeptisch betrachteten Plattform, die man nutzen kann (und selten muss) zu einer Plattform zu werden, die viele Gamer gern nutzen wollen - durch Qualität und durch Investionen in eigene Technik und Funktionen. Der Epic-Ansatz ist hingegen darauf ausgelegt, Kunden deshalb an sich zu binden, weil sie keine andere Wahl haben (so gesehen ist Epic übrigens weit näher dran, ein Monopol zu erschaffen, als Steam

) - das kann doch nicht wirklich die Art von "Konkurrenz" sein, die Gamer wirklich haben wollen. Was ist denn bitte an "es ist okay, für den Endkunden einfach alles schlechter zu machen als der 'Monopolist', solange das Ding nur nicht Steam heißt und von Valve ist" eine positive Entwicklung, die uns Spieler hilft oder auch nur irgendwie helfen könnte? Ich verstehe, dass man Steam (oder digitalen Vertrieb mit DRM allgemein) nicht sonderlich mag... ich verstehe auch, dass Steam selbst viel Verbesserungspotential hat... ich verstehe, dass man Valve aus welchen Gründen auch immer nicht mögen kann... ich verstehe, dass viele Spieler manche der Steam-Entwicklungen der letzten Jahre völlig egal sind... alles kein Ding. Ich verstehe allerdings nicht, wieso man eine Plattform, die viel mehr auf Publisherfreundlichkeit als auf Kundenfreundlichkeit fokusiert ist und die für letztere quasi alles schlechter umsetzt als die Konkurrenz und dabei nicht ein positives Alleinstellungsmerkmal hat jetzt als erwünschenswerte Konkurrenz betrachtet. Und ich versteh das erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass man ja beispielsweise mit GoG schon solch eine wirkliche geeignetere Konkurrenz hat, die sogar wirklich eigene positive Alleinstellungsmerkmale (in diesem Fall beispielsweise die DRM-Freiheit und den völlig optionalen Launcher) besitzt.