SethSteiner hat geschrieben: ↑20.06.2017 15:46
Ich fasse mir dagegen an den Kopf, wenn man von einer "Geiz ist geil" Mentalität spricht, während man gleichzeitig - auch bei Paradox - Verkaufsrekorde bricht. Das ist realitätsfremd. Genauso sieht es mit diesem Märchen ständig steigernder Kosten aus, wohlbemerkt steigende Kosten und nicht etwa steigende Investitionen, das sind zwei unterschiedliche Baustellen. Wie sehr also Produktionskosten tatsächlich steigen und nicht durch Spielverkäufe reingeholt werden können, ist wohl keine Frage die man allzu leicht beantworten kann, ohne einen umfassenden Einblick in die Bilanzen zu haben. Entsprechend vorsichtig sollte man mit solchen Äußerungen sein.
Übrigens gibt es ja sehr wohl Vorkommnisse, wo man lieber umfangreiche Addons zu anständigen Preisen anbietet: The Witcher 3, wie auch schon gesagt. Ist also keineswegs so als würden Firmen nicht erkennen, dass es anders geht und es auch anders machen.
Ich stimme zu, dass man nicht 1:1 das Verhältnis Content und Preis von DLC und Ursprungsspiel betrachten muss, immerhin sollte man ja bedenken, dass nicht 100 Prozent der Käufer des Spiels den DLC kaufen. Es ist aber zumindest eine richtige herangehensweise, den Content zu betrachten und das Preisleistungsverhältnis. Gefühle haben in Preisdiskussionen nichts zusuchen. Erwachsene können frei entscheiden, aus welchen Grund sie wieviel Geld für welches Produkt ausgeben wollen, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Wenn Erwachsene aber einem Kind gleich, meint ein Preis sei in Ordnung weil er/sie halt "fühlt" dass ihm/ihr das wert ist, ist das kein Argument. Man bringt einem Kind ja auch nicht bei, es solle nicht auf den Preis (und Leistung) schauen, sondern auf sein Gefühl achten. Jedenfalls, wenn man ihm ganz grundsätzlich beibringen will mit Geld umzugehen (was ja nicht gleichbedeutend damit ist, dass man nicht mit Geld umgehen kann, weil man mal mehr ausgibt als nötig oder "fair" wäre).
Und wenn man Verkaufsrekorde bricht, spricht das wohl für eine gewissen Qualität der Produkte und man möchte gern als Publisher auch Umsatzrekorde brechen. Das ist, wenn ein Großteil der Spieler aber nur auf Sales wartet und DLCs verdammt, weil die ja eh - wenns es nicht gerade wie bei CDPR läuft, ihr Geld nicht wert sind, etwas schwierig. Hoffentlich irgendwie nachvollziehbar?! Und Investionen und Kosten sind immer eine unterschiedliche Baustelle - die allerdings zusammen gehören. Wenn also die Investitionen steigen, tun es die Gesamtkosten logischerweise ebenfalls - sonst wären erstere in der Höhe ja nicht nötig. Und das es heute letztlich teurer ist, ein Spiel zu entwickeln als es das vor 15 Jahren war, wirst du nicht wirklich anzweifeln.
Edit: Oder beziehst du den Teil jetzt auf "unnütze PR"? Da stimme ich sogar zu, wobei es natürlich dabei bleibt, dass die reinen "Investitionen" in das eigentliche Produkt ebenfalls deutlich gestiegen sind. Was die PR angeht... wegen mir kann man die auf fast 0 reduzieren, aber ich bin nicht sicher, ob das auch für den gesamten Markt gilt. Und solange die nunmal da sind, will man die natürlich ebenfalls wieder rein bekommen.
Es ist toll, wie bei solchen Diskussionen immer der absolute Einzelfall der letzten Jahre The Witcher 3 ausgegraben wird. Als ob der als eben solcher Einzelfall ein Maßstab in Bezug auf Kosten/Umfang für DLC wäre oder sein könnte, genauso wie Bethesdas Oblivion Pferderüstungen es im umgekehrten Fall nicht sind. Im übrigen: die Rechnung mit den Kosten und den Spielstunden des Hauptspiels geht übrigens auch in dem Fall für die allermeisten Spieler nicht auf, nicht bei Blood & Wine und noch viel weniger bei Hearts of Stone...
Ähm... nein... Spiele sind ein Luxusgut, etwas zum Entertainment, ein Hobby. Und solche Luxusgüter haben nicht wirklich einen objektiv ermessbaren Wert. Sie sind so viel wert, wie der Kunde bereit ist, dafür auszugeben. Der ganze "gefühlte Wert" hat also nicht nur viel in einer Preisdiskussion zu suchen, es ist quasi die Basis einer Diskussion über Preise von derartigen Artikeln. Das gilt übrigens nicht nur für Spiele. Aber okay... ignorieren wir das mal kurz... was macht man denn sonst noch so zur Luxusunterhaltung... Kino? Preis pro 90 Minuten etwa 10 EUR. Konzert? 2 Stunden, 70 EUR. Fußball? Barbesuch? Fast nichts ist in dieser Hinsicht ein so günstiges Hobby wie Gaming, selbst der mitunter hohe Einstiegspreis negiert sich recht schnell wieder. Also wo nimmst du jetzt das Wissen her, was ein objektiv "richtiger" Preis für ein Spiel - oder eine Erweiterung/ ein DLC, wobei das nochmal die gesteigerte Form des Luxusguts ist - darstellen soll? Wie kommt deine vermeintlich "objektive" Messlatte zustande? Das die Preis/Spielstunde-Sache nicht hin haut, ohne völlig subjektive Faktoren wie Spaß, Interesse und so weiter zu integrieren, hatte ich ja bereits weiter oben ausgeführt. Vergleiche mit anderen Unterhaltungsformen oder Hobbies sehen auch eher schlecht aus.
Du kannst natürlich für dich gern solche Formeln und Regeln aufstellen und damit definieren, was du kaufst und was halt nicht - manch andere machen das mit dem Meta-Critic-Schnitt oder sonst irgendwelchen Bewertungskriterien. Aber ein objektiver Maßstab, der für jeden gelten kann oder sollte ist das halt letztlich dennoch nicht. Hersteller versuchen den Sweet-Spot zu treffen, also genau die Stelle, von denen sie glauben, dass es ihr Produkt den meisten Spielern noch wert ist und mit dem sie die höchsten Einnahmen zu erzielen erwarten. Das klappt nicht immer, klar - besonders bei DLC-Content - aber eine wirkliche Alternative haben sie nicht. Da muss man notfalls nachbessern oder damit leben, dass es halt niemand kauft oder im Sale zugeschlagen wird.
Das heißt keineswegs, dass ich solche tollen Angebote wie bei TW3 nicht zu schätzen weiß, dass tue ich absolut, aber "fair" waren für mich auch die DLCs von Fallout 4, von Skyrim und - und jetzt kommts - sogar von Cities: Skylines bisher (wobei mir da das letzte DLC noch fehlt). Und ich glaube, "fair" sollte man da eher als einigermaßen realistische Messlatte nehmen, als so ein "Quasi-Geschenk" von CDPR, dass halt, wie schon gesagt, in der heutigen Zeit eher einzigartig ist und selbst in der guten alten Zeit damals eher die Ausnahme dargestellt hätte, was P/L angeht. "Fair" ist in diesem Zusammenhang aber eben auch wieder für jeden subjektiv.