JackyRocks hat geschrieben: ↑07.04.2017 21:21
Und wieso keine homosexuelle Frau? Ich stimmt dir ja sonst zu, aber ganz ehrlich?
Wenn man es einbringen will, um in der Story spezifische Benachteiligungen zu thematisieren, wäre die Konzentration auf Schwule tatsächlich deutlich gewinnbringender. Lesben sind schon immer eher ignoriert als diskriminiert worden. Schwule wurden per Gesetz gezielt unterdrückt; in der BRD noch bis in die frühen 90er des letzten Jahrhunderts. Auch die Nazis haben Schwule gezielt verfolgt; die standen da auf einer Stufe mit Kommunisten, Gewerkschaftern und Behinderten. Lesben wurden "nur" unter dem Passus "sexuell verwahrlost" subsummiert, was zwar bei Entdeckung ebenfalls zu Bekanntschaft mit der GeStaPo und unter Umständen Verfrachtung in ein KZ führen konnte, eine zielgerichtete und institutionalisierte Verfolgung wie die von Schwulen gab es jedoch nicht (was auch den feministischen Aufstand gegen ein Denkmal für die schwulen Opfer des NS-Regimes ziemlich widerlich wirken ließ).
Erstmal sollten wir von irgendwelchen stereotypen Frauen wegkommen, übersexualisierung und zu dem Punkt kommen wo weibliche Protagonisten nicht toleriert werden als tolle Entwicklung und Offenheit sondern schlichtweg die Norm werden (und dabei rede ich ausdrücklich von Spielen die eben keine Auswahlmöglichkeit des Hauptcharakters lassen).
Eigentlich waren wir da schon längst. Kann mich nicht erinnern, dass sich die Entwickler etwaiger Resis, von Silent Hill 3, von Beyond Good and Evil, von Heavenly Sword, etc. irgendwie jemals mit ihrer "Progessivität" gebrüstet hätten oder von anderen dafür speziell gelobt worden wären.
Frauen werden im Übrigen in Videospielen kein Stück stereotyper dargestellt als Männer. Und auch die Sache mit der Sexualisierung, von der nur Frauen betroffen wären, kommt eher daher, weil viele Leute nicht kapieren, dass auch sexuelle Attraktion einem Geschlechterdimorphismus unterliegt. Tatsächlich entsprechen fast alle männlichen Charaktere in stark überzeichneter Form dem, was schon seit Urzeiten als für das andere Geschlecht besonders anziehend empfunden worden ist (Kraft, Dominanz).
Vielleicht kümmern wir uns erstmal darum, dass in zig Ländern, inklusive Deutschland immer noch Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau bestehen
Das ist wissenschaftlich belegt Nonsens; zumindest wenn man tatsächlich gleiche Tätigkeiten unter gleichen Bedingungen vergleicht und nicht einfach nur alle Männer in einen und alle Frauen in einen anderen Topf schmeißt.
...dass es immer noch Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West in Bereichen wie dem öffentlichen Sektor gibt usw.
Das stimmt und gehört abgestellt, weil es keine faktischen Gründe mehr für eine Ost-West-Trennung gibt. In einer ostdeutschen Großstadt sind die Lebenshaltungskosten erheblich höher, als in einer westdeutschen Provinzgegend. Auch im Vergleich strukturell vergleichbarer Gegenden gibt es längst kein klar definierbares Ost-West-Gefälle mehr, sondern die Differenzen der Lebenshaltungskosten sind relativ willkürlich über das Land verstreut. Dass also unterschiedliche Gehälter in Ost und West gezahlt werden (teils sogar in Tarifverträgen verankert), ist eine hochgradige Ungerechtigkeit.
Dem Beheben solcher Ungerechtigkeiten steht der Mythos vom Gender Wage Gap (Gender Pay Gap ist Idiotenenglisch) aber fundamental im Wege, weil die damit einhergehende Skandalisierungswut beständig von den wirklichen Problemlagen des deutschen Arbeitsmarktes ablenkt.
Ein wunderbares Beispiel für diesen Wirkmechanismus war die Klage einer Mitarbeiterin gegen das ZDF. Sie gab an, deutlich weniger für gleiche Arbeit zu bekommen, als männliche Kollegen. Dies wurde vor Gericht durchexerziert und sie verlor grandios. Der Grund: die unterschiedliche Bezahlung entstand durch ein grundsätzlich anderes Beschäftigungsverhältnis. Die Männer mit denen sie sich verglich waren feste Angestellte, sie hatte jedoch ein Vertragskonstrukt einer "freien" Mitarbeiterin; hätte sie sich mal ein wenig länger beschäftigt, hätte sie auch Frauen gefunden, die genauso viel wie diese Männer und entsprechend mehr als sie verdienten. Die Crux: Sie war dadurch nicht freischaffend. Sie war wie alle Angestellten an redaktionelle Vorgaben gebunden. Aber dafür ersparte sich der Arbeitgeber etwa soziale Leistungen, die allen fest Angestellten zustehen, unter anderem sogar bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dass solche an Lohnsklavenhaltung grenzenden Arbeitsverhältnisse überhaupt möglich sind, da hat sich in der ganzen Berichterstattung niemand dran gestoßen. Alle Medien hofften nur sichtbar, endlich mal ein Beweisbeispiel für den ominösen Gender Wage Gap zu erhalten und als das Gericht da nicht mitziehen wollte, wurde dies nur als weiterer Beweis patriarchaler Unterdrückung von Frauen abgehakt und ad acta gelegt. Dies war eines von vielen aber ein ganz besonders plakatives Beispiel, wie dieses ständige "Frauen-sind-immer-und-überall-benachteiligt"-Gejammere den Blick auf reale Probleme, von denen ALLE Arbeitnehmer betroffen sind, vernebelt. Wollte man gemein sein, könnte man sagen, hätte es all diese Jammer-Mythen nicht schon lange gegeben, Arbeitgeber und Neoliberalisten hätten sie gewiss früher oder später erfunden; macht ihnen die gesellschaftliche Lobbyarbeit bei wirklich relevaten Themen nämlich sehr viel leichter... :wink: