The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

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billy coen 80
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von billy coen 80 »

nawarI hat geschrieben: 10.03.2017 12:31
"Als Key Features werden bei der Spielbeschreibung auf Steam das Fehlen von RPG-Elementen, Inventar und Bosskämpfen genannt."
Ich bringe demnächst auch ein Spiel raus, mit folgenden Key Features "Fehlen von Nahkampfwaffen", "Fehlen von Fernkampfwaffen", "Fehlen von Physik", "Fehlen von Rennspielelementen", "Fehlen von RPG-Elementen", "Fehlen von Grafik", "Fehlen von Sound", "Fehlen von Interaktion", "Fehlen von Inhalt" und "Fehlen von Spiel". Preis: 19,95.
Nenn es am besten "Nichts!".

Da stelle ich mir dann auf Steam oder im PSN als Produktbeschreibung den Text vor:

"Nichts!" ist eine neuartige Spielerfahrung. Noch nie konnte ein Spiel so glaubwürdig und immersiv das Gefühl vermitteln, "Nichts!" zu spielen. "Nichts!" wurde bereits auf alle Plattformen und Betriebssysteme portiert, kann aber jederzeit auch ohne Hardware, etwa im Kreise der Liebsten gespielt werden. Spieler weltweit sind sich einig: egal ob alleine oder mit Freunden, "Nichts!" zu spielen ist mit "Nichts!" zu vergleichen.
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Alter Sack
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Alter Sack »

MrLetiso hat geschrieben: 10.03.2017 11:51
Alter Sack hat geschrieben: 10.03.2017 10:36 Oh ich wohl eher nicht. Hängt aber eher mit traumatischen Erinnerungen aus der Schulzeit zusammen :wink:
Ne is ne schöne Idee nur bei Kafka rollen sich mir die Fussnägel hoch.
Da hätte ich Dir beinahe zustimmen können.

Kurze Geschichte: Zu meiner damaligen Schulzeit konnte man mich damit jagen. Als meine Freundin schließlich den Stoff zu ihrer Abiturzeit nochmal behandeln musste, hatte ich mich mit Kafka nochmal auseinandergesetzt, also viele Bücher und Kurzgeschichten gelesen. Ich habe mich mit der Person Kafka beschäftigt und sogar eine Ausstellung in Prag besucht - und das nicht, weil ich es musste :lol:

Ein Computerspiel zu sehen, dass diese Themen aufgreift und es womöglich noch greifbarer macht, finde ich ziemlich stark. Aber mal sehen, was daraus wird.
Kafkas literarische Werke laufen so konträr zu meiner Lebenseinstellung das ich da nie drauf klar kam. Böll, Hesse, ... alles OK. Nur Kafka ging irgendwie nie bei mir.
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Lebensmittelspekulant
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Lebensmittelspekulant »

billy coen 80 hat geschrieben: 10.03.2017 12:30
heretikeen hat geschrieben: 10.03.2017 12:04Ist normal. Was man muss, hasst man, besonders als pubertierender Pennäler. Ich bin mittlerweile mit Kafka auch komplett durch (inklusive Fragmente) und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern, weil niemand sonst mit dermaßen beschränkten Mitteln eine solche Atmosphäre schaffen kann.
Das mit dem Müssen ist sicher auch ein Aspekt, aber speziell bei Kafka glaube ich, dass man für seine Texte teils auch eine gewisse Lebenserfahrung braucht. Der durchschnittliche Mittel- und in der Regel auch noch Oberstufler dürfte sich schwer tun, die Dinge zu kennen und entsprechend zu erkennen, die Kafka in seinen Texten metaphorisch skizziert. Erkennt man das aufgrund von mangelnder Lebenserfahrung nicht, ist man schnell geneigt, seine Texte zu lesen wie normale Unterhaltungsprosa, also so quasi: man muss sich das alles genauso vorstellen, wie er das da darstellt. Und bei einigen seiner Werke kommt dann schnell das Gefühl auf: "Alter, was hat der geraucht, während er das geschrieben hat?! 8O ".
Es gibt gewiss ein paar Schüler, die Kafkas Werke verstehen können. Das betrifft allerdings wirklich nur ein paar Interessierte. Den Großteil des Stoffes, den wir auf weiterführenden Schulen vermittelt bekommen, ist bei einem Großteil der Schüler schlichtweg Zeitverschwendung. Ein Kind, das Atomphysiker werden will, sollte nicht jahrelang dazu erzogen werden Gedichte interpretieren zu können.

Ich habe Kafka in der Schule auch nicht verstanden. Trotzdem hat uns der Lehrer schon einige vorgefertigte Interpretationen zu einigen seiner Geschichten und natürlich zu seiner Persönlichkeit diktiert. Jetzt wo ich Kafka aus Eigeninteresse lese nervt mich diese "Bildung" nur. Manches davon wirkt falsch, vieles stark einschränkend. Gerade diese Versteifung auf seinen Vaterkomplex finde ich sehr vereinfachend, ist aber ein weit verbreiteter Konsens.
Nicht auf Lebensmittel spekulieren ;)
billy coen 80
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von billy coen 80 »

Lebensmittelspekulant hat geschrieben: 10.03.2017 12:54 Es gibt gewiss ein paar Schüler, die Kafkas Werke verstehen können. Das betrifft allerdings wirklich nur ein paar Interessierte. Den Großteil des Stoffes, den wir auf weiterführenden Schulen vermittelt bekommen, ist bei einem Großteil der Schüler schlichtweg Zeitverschwendung. Ein Kind, das Atomphysiker werden will, sollte nicht jahrelang dazu erzogen werden Gedichte interpretieren zu können.

Ich habe Kafka in der Schule auch nicht verstanden. Trotzdem hat uns der Lehrer schon einige vorgefertigte Interpretationen zu einigen seiner Geschichten und natürlich zu seiner Persönlichkeit diktiert. Jetzt wo ich Kafka aus Eigeninteresse lese nervt mich diese "Bildung" nur. Manches davon wirkt falsch, vieles stark einschränkend. Gerade diese Versteifung auf seinen Vaterkomplex finde ich sehr vereinfachend, ist aber ein weit verbreiteter Konsens.
Das mit dieser "Vorbildung" kann tatsächlich zu einem Problem werden. Man neigt dann nämlich schnell dazu, seine Werke nur noch in Referenz zu seiner Person zu interpretieren. Damit kommt man dann teils vielleicht seinen tatsächlichen Motiven zu der jeweiligen Geschichte näher, aber entwertet auch für sich selbst das literarische Werk durch die damit verbundene Verengung. Literatur ist vor allen Dingen dann gut, wenn sie viele variable Interpretationen erlaubt und somit auch über Jahrhunderte hinweg Relevanz behalten kann.

Neulich hatte ich einen Text eines "entsorgten Vaters" gelesen, wo zwischendrin zwei, drei Bebilderungen von Kafkas "Der Prozess" eingebunden waren. Und tatsächlich passte das perfekt zu den teils "kafkaesken" Erlebnissen ausgegrenzter Elternteile mit unserer einschlägigen Rechtspraxis und dem institutionellen Drumherum (etwa wenn man vor Gericht plötzlich mit tiefgreifenden psychischen Analysen in Gutachten konfrontiert wird, bei denen man bis dato den "Gutachter" nicht ein einziges Mal persönlich zu Gesicht bekommen hatte, dessen aber offensichtlich nur auf Basis der Aussagen des Expartners angefertigte "Gutachten" erst einmal als Beurteilungsgrundlage genommen wird und man beweisen muss, dass man bereit ist, "sich zu bessern", was nichts anderes heißt, als die verunglimpfenden Inhalte des "Gutachtens" erst einmal anzuerkennen).
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von DonDonat »

Kafka in Videospiel-Form? Kann ich mir ehrlich gesagt nur schwer vorstellen, was aber glaube ich ein allgemeines Problem von Literatur in Videospiel-Form ist.

Nun ja, zu meiner Schande muss ich aber auch eingestehen dass ich in der Schule nur ein Buch von ihm gelesen habe, mich aber an quasi nichts davon erinnere...
Stattdessen weiß ich noch ziemlich gut was davor und danach behandelt wurde z.B. Faust I+II, Romulus der Große, Emilia Golotti, Die Blechtrommel oder auch die Schachnovelle. Einzig und alleine Kafka ist nicht hängen geblieben :cry:

Muss ich mir dringend mal auf meine Lese-Liste setzen, literarische Weiterbildung schadet ja nie :wink:
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Sir Richfield »

nawarI hat geschrieben: 10.03.2017 12:31Ich bringe demnächst auch ein Spiel raus, mit folgenden Key Features "Fehlen von Nahkampfwaffen", "Fehlen von Fernkampfwaffen", "Fehlen von Physik", "Fehlen von Rennspielelementen", "Fehlen von RPG-Elementen", "Fehlen von Grafik", "Fehlen von Sound", "Fehlen von Interaktion", "Fehlen von Inhalt" und "Fehlen von Spiel". Preis: 19,95.
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von adventureFAN »

Haben sie auch schon bei ihrem Spiel "Hamlet" gebracht... sogar direkt im Titel ^^
http://store.steampowered.com/app/222160/?l=german

Ist einfach nur n Scherz. Ich glaube nicht das sie sich damit wirklich brüsten wollen.

@Sire
I see what you did there... but "no graphics"? :ugly:
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MrLetiso
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von MrLetiso »

Sir Richfield hat geschrieben: 10.03.2017 13:46
nawarI hat geschrieben: 10.03.2017 12:31Ich bringe demnächst auch ein Spiel raus, mit folgenden Key Features "Fehlen von Nahkampfwaffen", "Fehlen von Fernkampfwaffen", "Fehlen von Physik", "Fehlen von Rennspielelementen", "Fehlen von RPG-Elementen", "Fehlen von Grafik", "Fehlen von Sound", "Fehlen von Interaktion", "Fehlen von Inhalt" und "Fehlen von Spiel". Preis: 19,95.
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Alter Sack hat geschrieben: 10.03.2017 12:42 Kafkas literarische Werke laufen so konträr zu meiner Lebenseinstellung das ich da nie drauf klar kam. Böll, Hesse, ... alles OK. Nur Kafka ging irgendwie nie bei mir.
Du kannst Dich also mit Harry Haller aus " Der Steppenwolf" besser identifizieren als mit Gregor Samsa aus "Die Verwandlung"? Da fragt man sich doch, was das gesündere von beiden ist :lol:
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Alter Sack
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Alter Sack »

MrLetiso hat geschrieben: 10.03.2017 14:22
Sir Richfield hat geschrieben: 10.03.2017 13:46
nawarI hat geschrieben: 10.03.2017 12:31Ich bringe demnächst auch ein Spiel raus, mit folgenden Key Features "Fehlen von Nahkampfwaffen", "Fehlen von Fernkampfwaffen", "Fehlen von Physik", "Fehlen von Rennspielelementen", "Fehlen von RPG-Elementen", "Fehlen von Grafik", "Fehlen von Sound", "Fehlen von Interaktion", "Fehlen von Inhalt" und "Fehlen von Spiel". Preis: 19,95.
Viel zu spät, The Order 1886 existiert und war deutlich teurer.
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Alter Sack hat geschrieben: 10.03.2017 12:42 Kafkas literarische Werke laufen so konträr zu meiner Lebenseinstellung das ich da nie drauf klar kam. Böll, Hesse, ... alles OK. Nur Kafka ging irgendwie nie bei mir.
Du kannst Dich also mit Harry Haller aus " Der Steppenwolf" besser identifizieren als mit Gregor Samsa aus "Die Verwandlung"? Da fragt man sich doch, was das gesündere von beiden ist :lol:
Der Steppenwolf war auch nicht so mein Ding, bin zwar ein Kind der 60er aber die Betonung liegt auf Kind :wink: . Eher "Unterm Rad" oder das Galsperlenspiel. Aber allein der Schreibstil bei Hesse mit seinem extrem umfangreichen Wortschatz war von Natur aus viel positiver und zugänglicher für mich.
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Sharkie
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Sharkie »

Lebensmittelspekulant hat geschrieben: 10.03.2017 12:54 Es gibt gewiss ein paar Schüler, die Kafkas Werke verstehen können. Das betrifft allerdings wirklich nur ein paar Interessierte. Den Großteil des Stoffes, den wir auf weiterführenden Schulen vermittelt bekommen, ist bei einem Großteil der Schüler schlichtweg Zeitverschwendung. Ein Kind, das Atomphysiker werden will, sollte nicht jahrelang dazu erzogen werden Gedichte interpretieren zu können.
Da würde ich als bekennender Freund der Geisteswissenschaften gerne mein Veto einlegen. Ich denke nämlich nicht, dass der Anteil der Schüler, die Atomphysiker werden wollen jetzt wesentlich größer ist als der Anteil jener, die eine Geisteswissenschaft studieren möchten. Insofern könnte man den exakt selben impliziten Vorwurf auch gegen das Fach Physik richten. Oder gegen Mathematik. Gegen Sport, Religion, Philosophie oder Chemie. Halt gegen so ziemlich jedes Schulfach, das "wirklich nur ein paar Interessierte" anspricht (wobei sich dies, nebenbei bemerkt, ohnehin allenfalls auf die spezialisierteren, "fortgeschrittenen" Fachinhalte beziehen kann, denn dass Deutschunterricht prinzipiell sinnvoll ist, würdest Du, so unterstelle ich mal, doch nicht leugnen wollen). Von daher ist Deine Kritik komplett arbiträr.
Lebensmittelspekulant hat geschrieben: 10.03.2017 12:54 Ich habe Kafka in der Schule auch nicht verstanden. Trotzdem hat uns der Lehrer schon einige vorgefertigte Interpretationen zu einigen seiner Geschichten und natürlich zu seiner Persönlichkeit diktiert. Jetzt wo ich Kafka aus Eigeninteresse lese nervt mich diese "Bildung" nur. Manches davon wirkt falsch, vieles stark einschränkend. Gerade diese Versteifung auf seinen Vaterkomplex finde ich sehr vereinfachend, ist aber ein weit verbreiteter Konsens.
Dann ist Dein (zugestandenermaßen bedauerliches) Erlebnis entweder schon eine ganze Weile her, oder Dein Lehrer hat schlicht Mist gebaut. Denn sowohl das Aufdrücken einer vorgefertigten Interpretation als auch die Dominanz biographischer Autoreninformationen bei der Gewinnung einer solchen widersprechen (nicht erst seit gestern) dem Stand der Literaturwissenschaften ebenso wie der Art und Weise, wie Literatur laut aktuellen Lehrplänen in Schulen behandelt werden soll. Im Gegenteil, die Interpretationsfreiheit ist eines der wichtigsten Ideale, die angehenden Lehrern während ihres Studiums eingeschärft werden.
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Sharkie
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Sharkie »

Zum Thema "literaturinspirierte Spiele" wären vielleicht noch diese beiden zu nennen, welche auf jeweils sehr unterschiedliche Weise die alte Bardensau aus England verwursten:

To Be or Not To Be

The Typing of The Dead: Overkill - Shakespeare DLC (im Land der Dichter und Denker gesperrt, daher bei Interesse VPN anschalten)

Gibt bestimmt noch viel mehr in der Richtung, vielleicht sammeln wir mal ein bisschen.
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Lord Hesketh-Fortescue
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Sharkie hat geschrieben: 10.03.2017 14:51
Lebensmittelspekulant hat geschrieben: 10.03.2017 12:54 Es gibt gewiss ein paar Schüler, die Kafkas Werke verstehen können. Das betrifft allerdings wirklich nur ein paar Interessierte. Den Großteil des Stoffes, den wir auf weiterführenden Schulen vermittelt bekommen, ist bei einem Großteil der Schüler schlichtweg Zeitverschwendung. Ein Kind, das Atomphysiker werden will, sollte nicht jahrelang dazu erzogen werden Gedichte interpretieren zu können.
Da würde ich als bekennender Freund der Geisteswissenschaften gerne mein Veto einlegen. Ich denke nämlich nicht, dass der Anteil der Schüler, die Atomphysiker werden wollen jetzt wesentlich größer ist als der Anteil jener, die eine Geisteswissenschaft studieren möchten. Insofern könnte man den exakt selben impliziten Vorwurf auch gegen das Fach Physik richten. Oder gegen Mathematik. Gegen Sport, Religion, Philosophie oder Chemie. Halt gegen so ziemlich jedes Schulfach, das "wirklich nur ein paar Interessierte" anspricht (wobei sich dies, nebenbei bemerkt, ohnehin allenfalls auf die spezialisierteren, "fortgeschrittenen" Fachinhalte beziehen kann, denn dass Deutschunterricht prinzipiell sinnvoll ist, würdest Du, so unterstelle ich mal, doch nicht leugnen wollen). Von daher ist Deine Kritik komplett arbiträr.
Lebensmittelspekulant hat geschrieben: 10.03.2017 12:54 Ich habe Kafka in der Schule auch nicht verstanden. Trotzdem hat uns der Lehrer schon einige vorgefertigte Interpretationen zu einigen seiner Geschichten und natürlich zu seiner Persönlichkeit diktiert. Jetzt wo ich Kafka aus Eigeninteresse lese nervt mich diese "Bildung" nur. Manches davon wirkt falsch, vieles stark einschränkend. Gerade diese Versteifung auf seinen Vaterkomplex finde ich sehr vereinfachend, ist aber ein weit verbreiteter Konsens.
Dann ist Dein (zugestandenermaßen bedauerliches) Erlebnis entweder schon eine ganze Weile her, oder Dein Lehrer hat schlicht Mist gebaut. Denn sowohl das Aufdrücken einer vorgefertigten Interpretation als auch die Dominanz biographischer Autoreninformationen bei der Gewinnung einer solchen widersprechen (nicht erst seit gestern) dem Stand der Literaturwissenschaften ebenso wie der Art und Weise, wie Literatur laut aktuellen Lehrplänen in Schulen behandelt werden soll. Im Gegenteil, die Interpretationsfreiheit ist eines der wichtigsten Ideale, die angehenden Lehrern während ihres Studiums eingeschärft werden.
Weise gesprochen.

Als jemand, der sich als Schüler nicht zu scheiße war, nach einer Klassenfahrt nach Prag noch monatelang in einem schäbigen Kafka-T-Shirt (vom Grabbeltisch eines Touri-Shops) rumzurennen, bin ich natürlich praktisch überqualifiziert für die intellektuellen Anforderungen dieses Spiels. :Vaterschlumpf:

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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Sharkie hat geschrieben: 10.03.2017 15:05 Zum Thema "literaturinspirierte Spiele" wären vielleicht noch diese beiden zu nennen, welche auf jeweils sehr unterschiedliche Weise die alte Bardensau aus England verwursten:

To Be or Not To Be

The Typing of The Dead: Overkill - Shakespeare DLC (im Land der Dichter und Denker gesperrt, daher bei Interesse VPN anschalten)

Gibt bestimmt noch viel mehr in der Richtung, vielleicht sammeln wir mal ein bisschen.
Da könnte man wohl eine ganze Menge auflisten. Zunächst mal Alan Wake. Dann gibt es überhaupt eine ganze Reihe von Spielen, die sich an Lovecraft anlehnen (Cthulhu-Reihe, Sunless Sea, At the Mountains of Madness...). Philip K. Dick hat mit Californium kürzlich sein eigenes Spiel bekommen, und dutzende geprägt. S.T.A.L.K.E.R. nicht zu vergessen (Strugazkis, Lem). Und gab es nicht auch kürzlich hier ne News zu einer Hunter-S.-Thompson-Geschichte? Von Poe fangen wir mal gar nicht erst an. Ein weites Feld...

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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von adventureFAN »

Ach Lord, ich behaupte sogar, dass du für dieses Forum überqualifiziert bist :ugly:

Und warum wurde noch nicht Planescape Torment oder Tides of Numenera erwähnt?!
Gerade weil es im Moment so aktuell ist. Ich bin enttäuscht.
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Re: The Franz Kafka Videogame: Angekündigtes Adventure lässt sich von surrealen Werken des Schriftstellers inspirieren

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

adventureFAN hat geschrieben: 10.03.2017 16:21 Ach Lord, ich behaupte sogar, dass du für dieses Forum überqualifiziert bist :ugly:
Ach wo. Die anderen sind bloß unterqualifiziert. Bescheidenheit ist halt ne Tugend von mir... :banane:
Und warum wurde noch nicht Planescape Torment oder Tides of Numenera erwähnt?!
Gerade weil es im Moment so aktuell ist. Ich bin enttäuscht.
Mut zur Lücke! Praktisch der Gegenentwurf, Tolkien, wäre da natürlich auch noch so ein kleiner, unbedeutender Name, wenn es um literaturinspirierte Videospiele geht. Aber gut, ist ne Randnotiz...

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