AtzenMiro hat geschrieben:Das das aber auf Erdogan auch zutrifft, die Ironie siehst du aber auch, oder? Politische Gegner wurden in der Türkei schon länger drangsaliert, unter anderem wurde erst vor kurzem die Immunität von Abgeordneten aufgehoben, ruck zuck wurden einer Menge Oppositioneller PKK-Nähe unterstellt, einfach so. Die PKK selbst ist aktuell auch wieder so radikal, wie seit Jahren nicht mehr, weil Erdogan, im angeblichen Kampf gegen den IS, hauptsächlich gegen Kurden vorgegangen ist und das nur aus Angst, es könnte sich zur Grenze zur Türkei im norden Syriens ein souveräner kurdischer Staat etablieren. Der Putsch, der halt stark nach Inszenierung richt, aber selbst wenn er keiner gewesen ist, wird nun genutzt, um weitere politische Gegner auszuhebeln, sogar Richter, die mit dem Putsch überhaupt nichts zu tun hatten. Und obendrauf wird die Wiedereinführung des Todesstrafe gefordert, natürlich von Erdogan.
Sorry, aber das alles liest sich doch mehr wie die Nacht der langen Messer von 1934.
Auch wäre ich vorsichtig mit der Bezeichnung der ach so demokratisch gewählten Regierung. Die Opposition hat dank der staatlich gesteuerten Medien kaum Chance für sich zu werben und/oder das gesamte Ausmaß der Korruption von Erdogan offen zu legen. Und sollte es doch mal wer versuchen, wird er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Das ist sicherlich keine Demokratie.
1. Die PKK-Nähe der HDP-Politiker ist keine Unterstellung. Sie besuchen regelmäßig Beerdigungen von PKK-Terroristen und verteidigen diese auch. Hier ein
Video das dies wohl auf unnachahmliche Weise beweist.
Ab Minute 2:33 sagt dieser HDP-Abgeordnete folgendes: "Die PKK hat solch eine Macht...sie würde euch in ihrer Spucke ertränken."
Diese Abgeordnete hingegen meint: "Ihr wisst genau was sie über uns sagen; die HDP die hinter den Terroristen steht. Ich will hier ein weiteres Mal Stellung dazu beziehen, für diejenigen, die es nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.
[...]Wir stehen hinter der YPG und PYD (syrische Ableger der PKK) und wir sehen auch kein Problem darin dies zu sagen und zu verteidigen."
Es gibt weitere Beispiele, aber ich denke mal das genügt. In einem Video verteidigt beispielsweise der Partei-Chef Demirtas seinen Bruder, der selbst PKK-Terrorist (ja, richtig gelesen).
Da kann man schon mal eine Nähe "unterstellen". Abgesehen davon war diese Nähe der Grund für die Aufhebung der Immunität und nicht andersrum.
2. Der Friedensprozess kam nur zustande, weil die PKK am Ende war und der Waffenstillstand selbst wurde dafür genutzt das eigene Waffenarsenal aufzurüsten. Nicht etwa um die Berge zu verlassen und den Kampf vollständig niederzulegen, sondern um gestärkt daraus hervorzugehen.
Ja, die Türkei hat ein Interesse daran einen kurdischen Staat zu verhindern, weshalb sie für sich entschieden haben nicht in Kobane einzugreifen, was wiederum eine legitime Entscheidung ist.
...und ja, die syrische Opposition wurde jahrelang unterstützt, damit diese Assad stürzen. Auch der IS - der teilweise aus der Opposition heraus entstand und maßgeblich aufgrund der unglaublich gelungenen Irak-Politik der USA gestartet wurde - war ein Teil davon. Das war ein massiver Fehler, dessen Preis gerade auch die Türkei teuer bezahlt.
3. Der Putsch erscheint nur so inkompetent, weil eben nicht alle partizipierten. Der Kommandant der 1. Armee sollte eigentlich mitmachen, hat es jedoch letztendlich den Regierungsvertretern gesteckt, weshalb es auch zu einem verfrühten Putschversuch kam. Ein Militärputsch läuft normalerweise so ab, dass du morgens aufstehst und alles schon im Gange ist - vor allem das Ausgehverbot.
Die Mitteilung der Putschisten, die auf dem Staatssender TRT ausgestrahlt wurde, beweist auch genau das, denn dort ist von einer Ausgangssperre ab 6 Uhr morgens die Rede, wohingegen der Putschversuch schon um 10 Uhr abends begann.
Inkompetenz meets Inkosistenz (innerhalb der Armee).