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Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:00
von AtzenMiro
Kajetan hat geschrieben:
SethSteiner hat geschrieben:In anbetracht dessen, wie in der Türkei durch die Moscheen die Menschen auf die Straße geschickt wurden und weder Opposition, noch Rest-Militär den Putsch mittrugen, kann man allerdings befürchten dass Gleichschaltung und Hirnwäsche recht weit fortgeschritten sind. Sicher sind nicht alle Türken Erdogan-Anhänger aber die dürften wohl derzeit zumindest das sagen haben.
Weil die Opposition vollkommen zu Recht der Meinung ist, dass ein Militärputsch KEINE Lösung darstellt und daher abzulehnen ist, sind sie gleichgeschaltet?
Es gibt etliche Länder, in denen Militärputschs dazu genutzt werden die Demokratie zu schützen/zu retten. In Bezug zur Türkei könnte man auch anmerken, dass das dort schon fast Tradition ist. Also durchaus ein legitimes Mittel. Daher stellst sich sehr wohl die Frage, warum es ausgerechnet diesmal nicht geklappt hat.

Du machst den Fehler das Mittel des Militärsputsch aus deutscher Sicht zu betrachten. Ein Militärputsch bedeutet aber nichts zwangsweise die Etablierung einer Militärdiktatur, wenn du darauf hinaus wolltest.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:09
von Todesglubsch
In Anbetracht der jüngsten Ereignisse wundert es mich wirklich nicht, dass der Thread jetzt komplett aufs politische übergedriftet ist, statt über die GC und Partnerländer zu gehen.

Dann allerdings dürfte auch das GC-Komitee mit solchen Rückmeldungen bombadiert werden. Blöder Zeitpunkt für so nen Putsch. Hätten sie damit nicht nach der GC warten können? ... Ach nein, ging nicht, da wäre Erdogan ja wieder da gewesen *Verschwörungstheorie* :D

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:09
von johndoe1824162
So sieht es aus. Entweder hat Erdolf das Ding selber inszeniert oder bei Zeiten Wind davon bekommen. So dilettantisch wie der ausgeführt wurde.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:25
von Arkatrex
Kajetan hat geschrieben:
SethSteiner hat geschrieben:In anbetracht dessen, wie in der Türkei durch die Moscheen die Menschen auf die Straße geschickt wurden und weder Opposition, noch Rest-Militär den Putsch mittrugen, kann man allerdings befürchten dass Gleichschaltung und Hirnwäsche recht weit fortgeschritten sind. Sicher sind nicht alle Türken Erdogan-Anhänger aber die dürften wohl derzeit zumindest das sagen haben.
Weil die Opposition vollkommen zu Recht der Meinung ist, dass ein Militärputsch KEINE Lösung darstellt und daher abzulehnen ist, sind sie gleichgeschaltet?
Ohne den Hintergrund was dieser jämmerliche Putsch sein sollte und vor allem wer dahintersteckt lässt sich nur mutmaßen. Ein wenig skeptisch sollte man dennoch sein, in der Geschwindigkeit in der eine passende Liste mit tausenden von Namen aufgetaucht sein soll und diese direkt verhaftet und oder bereits getötet wurden.

Eine angeordnete Gleichschaltung wird auch nicht erst benötigt. Mach doch mal eine Gender Umfrage in diesem Land wie sie hier problemlos möglich ist. Die Rechte von Frauen sollten in den arabischen Ländern doch umfassend bekannt sein. Ein Teil der Bevölkerung ist doch bereits durch die Religion gleichgeschaltet.

Der andere Teil der Bevölkerung die eine andere Religion oder vielleicht sogar sexuelle Neigung haben, geschweige denn Kritik austeilen stehen dort Todesangst aus.

Der Vergleich mit 33 kommt ja nicht von ungefähr. Uns wurde Jahrzehnte lang vorgehalten welche Fehler begangen wurden. Das gerade diese Parallelen den deutschen zuerst auffallen ist doch kein Zufall.

Und um eins klarzustellen: der größte Teil der Bevölkerung hier verspürt keinen Hass, sondern Angst vor dem unberechenbaren. Ob es nun Erdogan, der IS oder andere fatale Ausleger des arabischen Raums sind. Der kleinste Teil hat Interesse an der westlichen Kultur mit all seinen Gesetzen und benimm Regeln. Und hör erstmal mir Grundrechten oder Menschenrechten auf. Die Minderheit die die westlichen Gepflogenheiten akzeptieren sind selbst hier gut beraten nicht zu laut zu sprechen um nicht selbst zum Opfer zu werden.

Ist das eine Zukunft in der ich leben möchte ? Nein!
Mit allen anderen Nationen funktioniert das. Nur mit dieser nicht.

In mir steigt bei all diesen Dingen der Blutdruck.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:26
von Das Miez
Ich erweitere die Argumentation (SethSteiner vs. Kajetan) mal um folgenden Gedanken: Wenn schon nach kurzer Zeit klar ist, dass der Putsch - im Vergleich zu den früheren in der türkischen Geschichte - so minimalistisch und aussichtslos durchgeführt wird, gleicht es politischem Selbstmord, als CHP oder HDP zu twittern: "Putschversuch in der Türkei! Wir sind gespannt und verhalten uns neutral. *Smiley*" Auch allein schon das Nichtreagieren und Nichtverurteilen des Putschs hätte gravierende innenpolitische Folgen gehabt, wenn sich die zugehörigen Parteivertreter im Parlament für ihre nicht klare Haltung hätten verantworten müssen.

In diesem Kontext ist es übrigens ganz erhellend nochmal (ich hatte da irgendwas im Kopf) nachzuschauen, wie die allerersten internationalen Reaktionen waren, just als der Putsch losging und man noch nichts über die Machtverhältnisse und den Ausgang wusste. Sätze wie...

"Die demokratische Ordnung in der #Türkei muss respektiert werden. Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen." (Steffen Seibert)

"Wir hoffen, dass es Stabilität, Frieden und Kontinuität in der Türkei geben wird." (John Kerry)

"Blutige Zusammenstöße müssen vermieden und sämtliche Probleme ausschließlich verfassungskonform gelöst werden." (Sergej Lawrow)

...deuten zwar auf die Betonung der Rechtmäßigkeit der gewählten Regierung (und ihren Erhalt) hin, sind aber sprachlich betrachtet keine klare Position, wie man sie seinem liebsten außenpolitischen Freund übermitteln würde. Insbesondere die beiden ersten Einträge lassen noch eine leicht abwartende Haltung erkennen.

Völlig den Vogel abgeschossen hat allerdings Kollegin Roth:

"Das ist eine dramatisch gefährliche Situation. Egal, wer an der Macht ist oder an die Macht kommt: Er hat eine enorme Verantwortung, jetzt Blutvergießen und einen Bürgerkrieg zu verhindern."

*Popcorn* :lol:

[...]

Fazit: Eine krasse Fehleinschätzung der Putschisten, deren Bumerang-Effekt nun derbe zu spüren ist!

Ansonsten gewiss Kajetans Argument, dass der Weg des Wandels in der Türkei demokratisch via Wahlen geschehen muss. Quälend langsam, wie es nun auf lange Zeit aussieht, aber notwendig. Aber darauf müssen die türkischen Wähler, auch in Deutschland, von selbst kommen.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:42
von Stalkingwolf
Kajetan hat geschrieben:
Stalkingwolf hat geschrieben:
Wigggenz hat geschrieben: Politik im Internet geht generell nie gut.
2 Sachen sollte man nie im Internet diskutieren. Religion und Politik.
Es kommt dabei nie was gutes bei heraus.
Das liegt aber nicht am Thema, sondern daran, dass die meisten Menschen nicht diskutieren können, es nie gelernt haben. Schau Dich doch nur mal auf 4P in Threads zu Spielethemen um ...
Nicht nur. Viele reagieren sehr emotional auf die beiden Themen und verteidigen sie mit Messer und Zähnen.
Wobei das natürlich nicht nur auf das Internet bezogen ist ( siehe was so in der Welt passiert ).
Hier (Internet) kommt aber noch der Faktor Anonymität hinzu.

Viele Foren löschen daher solche Themen sofort wenn sie im Forum auftauchen.
4P ist da halt anders. Die erstellen solche Themen auch noch. :roll:

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:45
von Das Miez
Um nun wieder die Kurve zur News zumindest halbwegs hinzukriegen...

Einige diskutierten das Verhältnis der Gamescom (und ihre Wahl der Türkei zum Partnerland) zur gegenwärtigen Regierung.

Hier einige "Eckinformationen", welche Rolle letztere dabei spielt(e) - anscheinend nichts Weltbewegendes:

Ali Erkin, Vorsitzender der TOGED: "Der türkische Markt bietet ein enormes Entwicklungs- und Wachstumspotenzial. 2015 hat die türkische Entwickler-Industrie ihre Größe verdoppelt und dank der großen Unterstützung der türkischen Regierung gehen wir davon aus, dass wir diese erfolgreiche Entwicklung auch 2016 fortsetzen können. Partnerland der gamescom zu sein ist für uns ein wichtiger Schritt unsere Bekanntheit auch auf internationaler Ebene auszubauen. Daher freuen wir uns sehr auf die bevorstehende Kooperation und Zusammenarbeit."
(Quelle: http://www.gamescom.de/gamescom/F%C3%BC ... /index.php)

Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

:arrow:

"Wie heute auf den Kristal Piksel Turkish Video Game Awards 2015 in Istanbul bekannt gegeben wurde, ist die Türkei das Partnerland der gamescom 2016. Der Veranstalter Koelnmesse GmbH und der konzeptionelle und ideelle Träger BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware unterzeichneten den Vertrag für die Partnerschaft mit der Turkish Game Developers Association (TOGED) und ODTU Teknokent. Nachdem in den vergangenen Jahren Frankreich, die Nordischen Länder und das Vereinigte Königreich (UK) in den Fokus des weltweit größten Messe- und Eventhighlights für digitale Spiele rückten, setzen die Veranstalter nun auf den eurasischen Raum. Als Partnerland der gamescom präsentiert sich damit die Türkei vom 17. bis 21. August 2016 auf dem weltweit größten Messe- und Eventhighlight für Computer- und Videospiele in Köln.

Die TOGED wurde 2014 von führenden türkischen Spieleentwicklungsstudios gegründet und ist somit ein noch relativ junger Verband. Die türkische Regierung hat dem Verband, der zunächst unter dem Namen DOGED auftrat, die offizielle Genehmigung erteilt, den Landesnamen der Türkei in seiner Bezeichnung zu führen und die Branche des Landes zu vertreten. Ziel des Verbands ist die Verbesserung der Situation der Gamesbranche und der Spieleentwicklung in der Türkei in technischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Als erster und modernster Technologiepark der Türkei hat ODTU TEKNOKENT es sich zum Ziel gesetzt, den in den für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes wichtigen Bereichen Technologieentwicklung und -produktion tätigen Forschern und Unternehmen eine innovative Infra- und Suprastruktur zur Verfügung zu stellen. Im ODTU TEKNOKENT-Technologiepark sind mehr als 320 Unternehmen angesiedelt, die über 5.000 Mitarbeiter beschäftigen. Dem Bereich Forschung und Entwicklung ist eine Fläche von insgesamt 125.000 Quadratmetern vorbehalten.

DOGED und ODTÜ TEKNOKENT waren neben weiteren türkischen Unternehmen wie setimedia und Taleworlds Entertaiment auf der gamescom 2015 vertreten.
"
(Quelle: http://medien.nrw.de/de/gamescom-2016-ls-partnerland/)

Wenn meine Recherchen stimmen, wurde die Türkei Ende November 2015 als Partnerland gewählt.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 12:57
von Kajetan
AtzenMiro hat geschrieben: Es gibt etliche Länder, in denen Militärputschs dazu genutzt werden die Demokratie zu schützen/zu retten. In Bezug zur Türkei könnte man auch anmerken, dass das dort schon fast Tradition ist. Also durchaus ein legitimes Mittel. Daher stellst sich sehr wohl die Frage, warum es ausgerechnet diesmal nicht geklappt hat.

Du machst den Fehler das Mittel des Militärsputsch aus deutscher Sicht zu betrachten. Ein Militärputsch bedeutet aber nichts zwangsweise die Etablierung einer Militärdiktatur, wenn du darauf hinaus wolltest.
Du, der letzte türkische Militärputsch aus dem Jahr 1980 hatte alles andere als den wie auch immer gearteten Schutz der Demokratie als Ziel. Hier wurde eine Militärdiktatur errichtet, Menschen verschwanden spurlos, es gab haufenweise Todesurteile und die Radikalisierung der PKK fand auch in diesen Jahren statt, weil die Militärs die Kurden alles andere als "demokratisch" behandelt haben.

Von daher würde ich derartige Aussagen in Relation zur Türkei nicht gerade treffen. Und "geklappt" hat er nicht, weil das ein inszeniertes Fake war, sondern weil die Putschisten schlichtweg inkompetent waren.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:00
von Sindri
Kajetan hat geschrieben: Weil die Opposition vollkommen zu Recht der Meinung ist, dass ein Militärputsch KEINE Lösung darstellt und daher abzulehnen ist, sind sie gleichgeschaltet?
Nicht gleichgeschaltet aber vielen war ziemlich früh klar, daß der Putsch so nicht klappen wird, da Erdogan weiter zum Volk sprechen konnte und wichtige Teile des Landes gar nicht eingenommen wurden. Der Teil des Militärs, welcher loyal zu ihm steht, hat ihn angeblich rechtzeitig gewarnt.
Was ich im Grunde sagen will ist, daß eigentlich keiner den Putsch wollte aber der Großteil der Erdogan Gegner hätte sich nicht beschwert, wenn er getötet worden wäre. Auf der anderen Seite, wäre sehr wahrscheinlich ein Bürgerkrieg ausgebrochen, da man dadurch Erdogan zum Märtyrer gemacht hätte.

Es ist richtig zu sagen, daß ein Putsch das Land in eine schlimmere Situation gebracht hätte aber was jetzt aktuell passiert ist nicht wirklich viel besser.
Ich habe gerade mitbekommen, daß man Nachbarn und Bekannte, bei denen man weiß, daß sie der Gülen-Bewegung angehören, den staatlichen Behörden melden solle. Ich bin einfach fassungslos, was da abgeht....
The Antago-Miez hat geschrieben: Ansonsten gewiss Kajetans Argument, dass der Weg des Wandels in der Türkei demokratisch via Wahlen geschehen muss. Quälend langsam, wie es nun auf lange Zeit aussieht, aber notwendig. Aber darauf müssen die türkischen Wähler, auch in Deutschland, von selbst kommen.
Vollkommen richtig aber die eigentlich unabhängigen Organe des Staates stehen unter der Kontrolle von Erdogan. Die HDP hatte ja kurzzeitig auf demokratischem Wege fast Erfolg gehabt bis deren Immunität im Parlament aufgehoben wurde und es Neuwahlen gab, welche die AKP wieder gewinnen konnte.
Ich habe die Befürchtung, daß in naher Zukunft selbst der demokratische Weg versperrt sein wird. Die politische Säuberung hat ja schon begonnen.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:08
von Kajetan
Sindri hat geschrieben:Es ist richtig zu sagen, daß ein Putsch das Land in eine schlimmere Situation gebracht hätte aber was jetzt aktuell passiert ist nicht wirklich viel besser.
Sagt ja auch keiner. Hier wurde ja nicht die Demokratie gerettet, sondern nur Erdogans Arsch. Den er jetzt massiv raushängen lässt. Und somit die ganze Situation noch mehr anheizt. Wir werden in der Türkei noch mehr Anschläge erleben und noch härtere Gegenreaktionen im kurdischen Siedlungsgebiet, wo bereits jetzt schon ein stiller Genozid unter weitestgehendem Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet. Hier wird Armenien 2.0 stattfinden.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:15
von Sindri
Kajetan hat geschrieben: Wir werden in der Türkei noch mehr Anschläge erleben und noch härtere Gegenreaktionen im kurdischen Siedlungsgebiet, wo bereits jetzt schon ein stiller Genozid unter weitestgehendem Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet. Hier wird Armenien 2.0 stattfinden.
Das mit Sicherheit aber ein Armenien 2.0 wird es hoffentlich nicht. Eher ein weiterer Schritt Richtung Bürgerkrieg, der die Region noch mehr destabilisieren wird, wenn das denn überhaupt möglich ist.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:18
von AtzenMiro
Kajetan hat geschrieben:
AtzenMiro hat geschrieben: Es gibt etliche Länder, in denen Militärputschs dazu genutzt werden die Demokratie zu schützen/zu retten. In Bezug zur Türkei könnte man auch anmerken, dass das dort schon fast Tradition ist. Also durchaus ein legitimes Mittel. Daher stellst sich sehr wohl die Frage, warum es ausgerechnet diesmal nicht geklappt hat.

Du machst den Fehler das Mittel des Militärsputsch aus deutscher Sicht zu betrachten. Ein Militärputsch bedeutet aber nichts zwangsweise die Etablierung einer Militärdiktatur, wenn du darauf hinaus wolltest.
Du, der letzte türkische Militärputsch aus dem Jahr 1980 hatte alles andere als den wie auch immer gearteten Schutz der Demokratie als Ziel. Hier wurde eine Militärdiktatur errichtet, Menschen verschwanden spurlos, es gab haufenweise Todesurteile und die Radikalisierung der PKK fand auch in diesen Jahren statt, weil die Militärs die Kurden alles andere als "demokratisch" behandelt haben.

Von daher würde ich derartige Aussagen in Relation zur Türkei nicht gerade treffen. Und "geklappt" hat er nicht, weil das ein inszeniertes Fake war, sondern weil die Putschisten schlichtweg inkompetent waren.
Das das aber auf Erdogan auch zutrifft, die Ironie siehst du aber auch, oder? Politische Gegner wurden in der Türkei schon länger drangsaliert, unter anderem wurde erst vor kurzem die Immunität von Abgeordneten aufgehoben, ruck zuck wurden einer Menge Oppositioneller PKK-Nähe unterstellt, einfach so. Die PKK selbst ist aktuell auch wieder so radikal, wie seit Jahren nicht mehr, weil Erdogan, im angeblichen Kampf gegen den IS, hauptsächlich gegen Kurden vorgegangen ist und das nur aus Angst, es könnte sich zur Grenze zur Türkei im norden Syriens ein souveräner kurdischer Staat etablieren. Der Putsch, der halt stark nach Inszenierung richt, aber selbst wenn er keiner gewesen ist, wird nun genutzt, um weitere politische Gegner auszuhebeln, sogar Richter, die mit dem Putsch überhaupt nichts zu tun hatten. Und obendrauf wird die Wiedereinführung des Todesstrafe gefordert, natürlich von Erdogan.

Sorry, aber das alles liest sich doch mehr wie die Nacht der langen Messer von 1934.

Auch wäre ich vorsichtig mit der Bezeichnung der ach so demokratisch gewählten Regierung. Die Opposition hat dank der staatlich gesteuerten Medien kaum Chance für sich zu werben und/oder das gesamte Ausmaß der Korruption von Erdogan offen zu legen. Und sollte es doch mal wer versuchen, wird er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Das ist sicherlich keine Demokratie.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:22
von Sindri
AtzenMiro hat geschrieben:Und obendrauf wird die Wiedereinführung des Todesstrafe gefordert, natürlich von Erdogan.
Das schlimme ist, daß Erdogan es gar nicht fordern musste. Seine Wähler haben es gefordert!

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:25
von Kajetan
AtzenMiro hat geschrieben: Das das aber auf Erdogan auch zutrifft, die Ironie siehst du aber auch, oder?
Ja, klar. Ändert aber immer noch nichts daran, dass ein Militärputsch keine Lösung ist.

Re: gamescom 2016: Die Türkei stellt als Partnerland die verbindende Kraft von Videospielen in den Mittelpunkt

Verfasst: 18.07.2016 13:58
von muecke-the-lietz
Kajetan hat geschrieben:
AtzenMiro hat geschrieben: Das das aber auf Erdogan auch zutrifft, die Ironie siehst du aber auch, oder?
Ja, klar. Ändert aber immer noch nichts daran, dass ein Militärputsch keine Lösung ist.
Das Militär ist bzw. war das letzte Erbe Atatürks, die Türkei davor zu bewahren, in einen Gottestaat oder Diktatur abzurutschen. Also die Grundpfeiler der Türkei zu bewahren. Die Grundpfeiler, die von der aktuellen Regierung seit Jahren mit Füßen getreten werden. Die AKP unter Erdogan ist im höchsten Maße machthungrig und im Kern unpatriotisch, weil alles nach und nach abgeschafft wird, was sich die Gründer von der Türkei erträumt haben. Gleichheit, Laizismus und Demokratie. Es war nie geplant, dass jemand so lange an der Macht bleibt, wie Erdogan. Aber er hat die Gesetzte so gedreht und angepasst, dass er wahrscheinlich ewig an der Macht bleiben wird.

Demokratische Mittel sind in solchen Fällen oft nicht mehr möglich, und auch reine Utopie. Wer glaubt, die Regierung in der Türkei sei auf dem demokratischen Wege noch zu stürzen, ist im besten Falle als naiv zu bezeichnen.

Derzeit sehe ich aber kaum eine Möglichkeit Erdogan zu stürzen, einfach, weil große Teile der Bevölkerung geschlossen hinter ihm stehen. Ein gewaltsamer Umsturz würde also einem Blutbad gleichkommen, und das kann auch niemand ernsthaft wollen. Eine sehr verzwickte Situation, in der sich die Türkei also aktuelle befindet.

Im schlimmsten Falle stehen uns in der Türkei also ein paar sehr dunkle Jahre bevor.