Kajetan hat geschrieben:Lebensmittelspekulant hat geschrieben:Wie ich ja sagte, sie sollen einfach mal ein Spiel mit einem schwulen Protagonisten machen, und niemanden vor Release davon erzählen

Das war früher leider Fall. Da DURFTE man nicht erzählen, dass NPC X in Rollenspiel Y Sätze in den Mund gelegt bekommt, die man als Coming Out interpretieren konnte. In Sim Copter gab es ein kleines Easter Egg, in dem plötzlich eine GayPride-Parade durch die Strassen tobte. Musste nach Bekanntwerden per Patch und heftigen Protesten durch "Familien"verbände entfernt werden.
Und heute beantwortet ein Producer lediglich ganz knapp eine bestimmte Frage und es bricht das große Geheul los, warum der Mann denn diese Frage beantworten würde. Gehts noch?
Tja, man hätte die Videospielkultur nicht so plump mit Politik behelligen sollen.
Was mich grundsätzlich immer daran stört sind die kulturellen Differenzen, nicht zwischen den einzelnen Sexualkulturen, sondern zwischen uns und Amerika.
Also das hier in Deutschland großartig Familienverbände gegen Schwulenparaden protestiert hätten, oder so etwas aus Videospielen entfernen wollten, das habe ich nicht mitbekommen. Ich denke sowieso nicht, daß hierzulande eine solche Homophobie vorherrscht wie jenseits des Teiches. Deswegen wirkt das auf mich sowieso schon einmal generell sehr bevormundend, wenn ausgerechnet die Amerikaner nun meinen uns etwas über die Behandlung von Homosexuellen erzählen zu müssen. Was bilden die sich eigentlich ein?
Und da kann ich auch direkt schonmal auf Temeters Zitat eingehen:
Temeter hat geschrieben:
Der Täter in dem Fall war allerdings der Sohn Afghanischer Immigranten. Da jetzt nur aufgrund dunklerer Hautfarbe Verbindungen zu vermuten, ist doch völlig bekloppt - vielleicht sogar rassistisch, könnte man meinen.
Währenddessen waren Täter und Opfer allesamt Schwul und gingen sogar in die gleiche Schwulenbar.
Sollte also recht logisch sein, warum der schwule Hintergrund eher beleuctet wurde, als der 'schwarze Hintergrund', was auch immer das sein soll? Genau die Frage hat nämlich der Typ hier gestellt, den ich kommentiert habe.
Auch für dich gilt: Orlando fand nach dem Interview statt. Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und der ursprünglichen Fragestellung nach einem LGBT-Charakter.
Wenn die Amerikaner meinen das Attentat an der Hautfarbe oder der Herkunft des Täters festzumachen ist das deren Sache. Ich muss dem nicht folgen. Viele meinen nun er hätte all diese Homosexuellen erschossen, weil er ein homophober Moslem war. Ich könnte genauso gut behaupten, die homophobe Kultur seines eigentlichen Heimatlandes (USA), hätte ihn dazu verleitet.
Am Tag des Anschlages war nämlich ein nicht-muslimischer Staatsbürger der USA mit einer Bombe unterwegs zu einer Schwulenparade, um dort auch mal ein wenig in die Luft zu sprengen. Er wurde von der Polizei rechtzeitig erwischt. Und weil er dadurch nicht dazu kam einen Haufen Toter zu produzieren, kann man das auch leichter ignorieren.
Der Verweis der Amerikaner auf die Herkunft seines afghanischen Vaters und seiner Religion ist für mich schon recht typisch: Man versucht damit von der eigenen Homophobie abzulenken. Trotz Homoehe gibt es in den USA nämlich weitaus mehr Homophobe als in vielen anderen Ländern.
Und genauso verhält es sich mit der Politisierung der Videospielkultur. Die Amerikaner versuchen sich selbst als schwulenfreundlich darzustellen, als progressiv, als aufgeklärt, und dieses narzistische Selbstbild in die ganze Welt hinauszutragen. Sie erfinden Begriffe wie LGBT um sich einen Deutungsanspruch zu geben. Sie meinen uns alle darüber belehren zu können, wie wir mit Homosexuellen umzugehen haben, weil sie es angeblich besser machen.
Dabei wollen sie wohl einfach nur nicht wahr haben, daß sie selbst in einem Land leben, wo Menschen massenhaft angefeindet und sogar umgebracht werden, nur weil sie schwul sind.
Selbes Prinzip übrigens mit den Schwarzen: Die Amerikaner sind momentan fröhlich dabei jedes bisschen Rassismus in fernen Ländern anzuprangern. Dabei haben sie selber Probleme ihre Sklavereigeschichte aufzuarbeiten, lassen die Nachkommen der schwarzen Sklaven größtenteils in Ghettos verrotten, verweigern ihnen einen gerechten Zugang zum öffentlichen Bildungssystem, und befüllen stattdessen lieber ihre Privatgefängnisse mit schwarzen Insassen.
Statt aber mal die eigenen, nationalen Rassismusprobleme zu lösen, motzt man lieber europäische Spieleentwickler an, weil sie in der authentischen Nachstellung böhmischen Mittelalters keine schwarzen Charaktere verwenden.
Mich nervt das schon irgendwie. ^^