Eirulan hat geschrieben:Ich bin dazu übergegangen, mir selber Aufgaben und Ziele im Spiel zu setzen...
Exakt das ist es, was viele Gamer dieser Generation entweder vergessen, oder nie erfahren/gelernt haben.
Und genau das ist auch der Grund, warum so viele Stimmen verlauten, dass es in E:D nichts zu tun gibt.
Was schlicht und einfach falsch und objektiv gesehen unehrlich ist.
Zu sagen, dass es E:D nichts zu tun gibt, ist mit einem Kind zu vergleichen, dass vor dem gefüllten Kühlschrank steht und jammert, dass es nichts zu essen gäbe.
Falsch. Es ist genug vorhanden - es gibt nur nichts, was der Nörgler mag bzw. womit er was anfangen kann.
Das ist ein himmelweiter und ganz entscheidender Untschied.
Ich möchte mal etwas weiter ausholen und rede von den frühen 80ern, den Zeiten der ersten Heim-Konsolen und -Computer. Atari 2600, C64 etc.
Damals war die Technik im Vergleich zu Heute noch stark eingeschränkt.
Da existierte ein Abenteuer im Prinzip aus wenigen grafischen Platzhaltern - die nur dazu vorhanden waren, um
die Fantasie des Spielers anzuregen. Eine Grenze gab es hier einzig und allein in der persönlichen Vorstellungskraft.
Es genügten ein paar bunte Pixel, die das Alter Ego repräsentierten, einen gelben Pixel für den symbolischen Schatz und ein paar grüne Pixel, die wie eine Ente aussahen (das sollte der Drache sein).
Eine knappe Rahmenhandlung - fertig war das sagenhafte Abenteuer (das zum größten Teil im Kopf entstand)!
Heutzutage ist diese Art und Weise der Spieleentwicklung nur noch selten vorhanden.
Im Zuge der technischen Weiterentwicklung in den vergangenen jahrzehnten haben Entwickler die Möglichkeit erhalten, optisch imposante und nahezu realistische Darstellungen zu kreieren. Dadurch wird vom Spieler natürlich keine visuelle Vorstellungkraft mehr verlangt -
aber das ändert nicht die enorme Bedeutung der Vorstellungskraft, die vom Spieler erwartet wird, wenn es um die Inhalte eines Spieles geht.
Nur leider ist dieses Spiel-Design mit der grafischen Weiterentwicklung ebenfalls stark zurückgegangen.
Dadurch haben es sich viele Spieler entweder abgewöhnt oder es eben nie gelernt, dass man dafür sein Gehirn benützen muss. Man hat es einfach akzeptiert, dass man an der Hand genommen wird und einem alles vorgekaut und zurechtgelegt wird, ohne dass man auch nur eine Synapse aktivieren muss, um ans vorgegebene Ziel zu kommen.
Ohne diese klaren Vorgaben, Wegweiser und Ziele kommen viele Spieler überhaupt nicht (mehr) zurecht.
Was dann letztendlich in der Aussage resultiert: HIER GIBT ES NICHTS ZU TUN!
Frontier Developements gehen mit Elite: Dangerous in eine vergangene Zeit der Spieleentwicklung zurück.
Sie geben uns die Werkzeuge und überlassen dem Spieler die Entscheidung, welchen Pfad er gehen möchte.
Ein wahres Fest der Sinne für jeden Rollenspieler, der ein Faible für Space Sims hat!
Klar, rein mechanisch gibt es nur wenige bis keine Unterschiede, ob ich jetzt z. B. Sklaven schmuggle, oder mit verdammten Teebeuteln handel betreibe. Der Unterschied ist nur die Bezeichnung, der Preis und der Legalitätsstatus im jeweiligen System.
Und genau darauf beschränken viele das Spiel - auf die simplen Mechaniken.
Was diese Leute allerdings dabei vollkommen außer Acht lassen, ist die eigene Vorstellungskraft und die moralischen Hintergründe. Es geht um die Geschichte und die Rolle, die der Spieler in seiner Fantasie entstehen lässt und in der er sich bzw. sein Alter Ego sieht.
Indem Leute das außer Acht lassen - oder vielleicht sogar bewusst darauf scheißen - nehmen sie sich selbst den größten Teil der unvergesslichen Erfahrungen, die einem ein Videospiel bieten kann.
Spieler, die ein Spiel rein auf seine Mechaniken reduzieren, werden ihr Leben lang davon gelangweilt sein.