Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Verfasst: 12.09.2015 11:57
Das ist ein recht umfangreiches Forschungsgebiet, auf dem auch seit Jahrzehnten schon viel herausgefunden wurde.Veldrin hat geschrieben:Mich würde mal wirklich interessieren wie weit Mann und Frau sich unterscheiden würden, würde man sie wirklich konsequent gleich erziehen, in jeder Hinsicht. Nur, müsste man dieses Projekt über viele Generationen laufen lassen (vielleicht 10.000 Jahre oder mehr), denn bei kurzen Zeiträumen kann man bestimmt keine gescheiten Ergebnisse bekommen. Aber dennoch sind Frau und Mann unterschiedlich, und Individuen untereinander noch mehr. Ergibt das irgend einen Sinn was ich sage?
Gänzlich sicher ist man sich aber eigentlich nicht, was die Unterschiede zwischen Mann und Frau angeht.
Rein biologisch sind wohl die wichtigsten Unterschiede im hormonellen Bereich zu sehen. Anhand von Mädchen, die einen angeborenen Überschuss an Testosteron im Blut hatten, wurde herausgefunden, dass sich diese Mädchen eher für Autos als für Puppen interessiert haben. Problematisch bei diesen Tests war nur, dass auch ein Säugling bereits je nach Geschlecht von den Eltern unterschiedlich behandelt wird und so schon im Vorfeld eine Manipulation stattfindet. Es ist also schwer, diese Vorlieben für Autos (Dinge) oder Puppen (Gesichter) eindeutig auf die Biologie zurückzuführen.
Desweiteren gab es mal einen Versuch mit Neugeborenen, denen a. Gesichter oder b. Dinge gezeigt wurden. Dabei gab es auch die Tendenz, dass Mädchen eher zu den Gesichtern schauten als Jungen, die sich eher die Dinge anschauten. Die Unterschiede waren aber sehr marginal und konnten auch nicht reproduziert werden, also ist auch da die Aussagekraft mehr oder weniger gleich null.
Auf diesen Tests basieren eigentlich die Annahmen, dass Männer eher Ding-orientiert, Frauen eher Personen-orientiert sind, Männer das bessere räumliche Wahrnehmungsvermögen haben und Frauen die größere Empathie, also ins Extrem sämtliche uns bekannten Stereotype fußen darauf.
Aber wie schon geschrieben, diese Tests haben nur eine sehr bedingte Aussagekraft und müssen kritisch betrachtet werden. Eindeutig ist da gar nichts.
Fakt ist aber trotzdem, dass es biologische Unterschiede gibt, sei es nun im hormonellen Bereich oder auch in der Struktur des Gehirns. Männer haben größere Gehirne und mehr Nervenzellen in der Hirnrinde, haben den nachweislich stärker ausgeprägten Sexualtrieb, Frauen haben den größeren Hippocampus usw.
All das belegt aber auch nur ziemlich wenig, da die Forschung ebenfalls weiß, dass das Gehirn das anpassungsfähigste Organ schlechthin ist und die Unterschiede insgesamt auch so klein sind, dass im Vergleich Mann - Frau die individuellen Unterschiede viel größer sein können als die biologischen.
Also eigentlich wissen wir, dass wir nichts wirklich eindeutig wissen und es wohl darauf hinausläuft, dass alles eine Mischung aus Biologie, Erziehung und Individualität ist.