SethSteiner hat geschrieben:Wieso soll die Kritik angebracht sein? Bücher und Filme erzählen seit jeher Geschichten mit realen Bezug und nutzen dabei auch reale Namen, Personen der Geschichte. Gestern bspw. Bodyguards & Assassins einen chinesischen revolutionsführer am Anfang des 20. Jahrhunderts. Geschichte ist komplett erfunden und nutzt nur die historische Kulisse samt der Person aber was soll daran ein Missbrauch sein?
Dein Vorposter meinte damit ja nicht, dass die Nutzung historischer Hintergründe per se einen Missbrauch darstellt. Er sagt lediglich, dass man aufpassen muss, das Kunst nicht als Propaganda missbraucht wird.
Spiele haben vor allem auf junge Menschen einen riesigen Einfluss. Das weiß ich selbst am besten. Vieles was z.B. heute mein Charakter ausmacht wurde von den Spielen beeinflusst, die mich bewegt haben. Gleiches gilt für die Bücher die ich gelesen habe, die Filme die ich gesehen habe, etc.
Kunst mag oft "nur" Den Unterhaltungsaspekt bedienen, aber man vergisst gerne, welchen Einfluss Kunst auf die Menschen haben kann. Erinnern wir uns nur an die berühmte Radio-Sendung, bei dem ein fiktives Szenario im Radio erzählerisch dargeboten wurde und Menschen panisch wurden, weil sie dachten, die Welt geht WIRKLICH unter. Man sieht also, dass solche Fiktionen durchaus Effekte haben, die man nicht unterschätzen sollte.
Ein gutes Beispiel für Kunstmissbrauch stellen ja z.B. HipHopper und Rapper dar. Die behaupten natürlich, ihre Texte sind fiktiv und ihre Fans wüssten das. Das dem aber eben NICHT so ist, kann man an deutschen Schulen sehen und es zeigt, wie Kunst Menschen direkt und indirekt beeiflussen kann.
Im Falle von Assassins Creed: Unity finde ich die Diskussion aber übertrieben. Assassins Creed war schon seit dem 1. Teil eine Mischung aus historischen und fiktiven Elemente(Stichwort "Edenapfel") und natürlich bilden die GameDesigner die Geschichte zurecht, wie es ihnen passt und wie es der Dramaturgie dienlich ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Intention des Spiels ist, die französische Revolution in irgendeinerweise politisch auszulegen. Ich glaube ebenso nicht, dass der Großteil der Spieler das Spiel so versteht.
Letzendlich darf aber eines nicht vergessen werden: Egal ob jemand schon 100 Jahre oder 1000 Jahre tot ist, seine Rechte als Person sollten meiner Meinung nach nicht verletzt werden. Wir wären ja auch empört, wenn irgendwer ein Spiel machen würde, in dem man Hitler als den Rächer der Gerechtigkeit darstellen würde und die Juden als eine Gruppe raffgieriger Intriganten portraitiert werden, die es zu bekämpfen gilt. Ich denke genau darum ging es dem Politiker auch letzendlich. Historische Fiktion ist schön und gut, aber man sollte die Geschichte der Menschheit nicht zu arg verzerren, weil es wohlmöglich Leute gibt, die dem dann auch noch glauben schenken...
MfG Ska