Doom 3 - zur Gewalt der Bilder

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

4P|Bot
Persönliche Nachricht:

Doom 3 - zur Gewalt der Bilder

Beitrag von 4P|Bot »

Verdoomen wir jetzt alle? Davon scheint zumindest Bernd Graff in seinem <A href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/421/41380/" target=_blank>Artikel</A> für den Kulturteil der Online-Ausgabe der SZ auszugehen, in dem er sich um die fortschreitende Brutalisierung der Spielewelt sorgt. Sich vor Schreck in die Hose pinkelnde Mit-30er kommen darin ebenso zu Wort wie Verbandsmitglieder des inzwischen aufgelösten VUD, die an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern appellieren. Denn "es darf ja offen verkauft und beworben werden. Folglich liegt Doom 3 denn auch in Stapeln in den Kaufhäusern." Wer wissen möchte, welche Bedenken die Welt außerhalb der Shooter-Szene angesichts der "widerwärtigen" Ballerorgie umtreiben, der sollte sich den <A href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/421/41380/" target=_blank>Artikel</A> also nicht entgehen lassen. <br><br>Hier geht es zur News: <a href="http://www.4players.de/rendersite.php?L ... wsid=36063" target="_blank">Doom 3 - zur Gewalt der Bilder</a>
johndoe-freename-72492
Beiträge: 30
Registriert: 22.09.2004 16:42
Persönliche Nachricht:

Stimmt das noch irgendjemand anderen nachdenklich?

Beitrag von johndoe-freename-72492 »

Ich weiß, ich werde hierfür reichliche Gegenwind ernten ;-) Aber trotzdem...

Ich glaube nicht, dass Doom Menschen zu wandelnden Zeitbomben macht. Ich glaube, dass weder Fernsehen, noch Computerspiele wirklich das Zeug haben, einen Menschen, der mit beiden Beinen in der Realität steht, so vom Hocker zu hauen, dass er ausrastet. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Wozu Doom und ähnliche Spiele dennoch beitragen - wenn auch vielleicht nicht bei jedem Mensch - ist die Sicht auf die Welt. Nicht plump im Sinne: So ist Doom, also ist die Welt genauso. Auf subtilerer Ebene dennoch... Es ist FAKT, dass Jugendliche - fragt man sie nach der häufigsten Art, wie Menschen sterben - nicht auf Krankheiten oder gar das normale Sterben an Altersschwäche etc. kommen. Nein, in der Regel werden Menschen erschossen. So wie man FPS nicht überbewerten sollte, sollte man sich auch nichts vormachen: Solche Spiele, solche Filme, solche Brutalität BEEINFLUSSEN unser Bild von der Realität! Und irgendwie tun sie es bei jedem, und wenn er sich für noch so sicher halten mag.

Warum ist das so? Und ich finde noch wichtiger zu fragen: Muss das echt so sein? Gibt es im Bereich des \\\\\\\\\\\\\\\"Shooters\\\\\\\\\\\\\\\" keine attraktiven Konzepte? Keine 3D-Welten, durch die man sich bewegt, die Atmosphärisch packen, ohne immer notwendigerweise in Horror, Gewalt, Blut, Mord (Ich weiß, Aliens sind keine Menschen) enden?

Bei dem regelmäßigen Getöse um die - zugegeben unvollkommene - Arbeit einer staatlichen Stelle, die sich bemüht, IRGENDWIE mal zu schauen, ob es da nicht nur Fürs sondern auch Widers gibt... bei den jedes Mal wütenden bis beängstigenden Äußerungen, wenn man ein Spiel mal für ZU blutig hält und es deswegen indiziert... Frage ich mich, wo die Stimmen der anderen Seite sind.

Ich kann mich von diesen Fragen selber nicht mal ausnehmen. Aber irgendwie frage ich mich schon zusehends, warum wir solche Bilder anscheinend brauchen. Warum wir Ragdoll verteidigen und gleichzeitig beim realen Elend auf der Welt desinteressiert wegschauen. Warum es bei Spielen in der ersten Person fast immer eine Welt sein muss, durch die man nur schwer bewaffnet gelangen kann.

Es geht mir nicht darum, solche Spiele zu verbannen. Aber meiner Meinung nach fragen sich viel zu selten die Spieler - genau wie die Zuschauer bestimmter Fernsehformate - was sie da eigentlich wirklich tun - und warum sie es tun.

Spiel ist Spiel und Realität ist Realität. Aber weder lässt sich das wirklich zu 100% trennen - noch hilft diese Unterscheidung bei der Frage, ob Doom3 samt dem Hype und samt der Begeisterung für das, was man in diesem Spiel tut, wirklich den Platz haben sollten, die es für einige zu haben scheint...

Bei allem Verständnis für Freiheit, Selbstbestimmung und Ragdoll-Vergewaltigungslust... Wenn Menschen nur noch unnatürlicher Tode zu sterben scheinen, wenn in Gameshows inzwischen Menschen tatsächlich zu Tode kommen, weil Abenteuer und Kick unsere Realität ausmachen, wenn zugleich Krieg und Terrorismus im Computerspiel eine müde belächelte Realität sind (KAUM einer dürfte wirklich mal eine Kugel im Bauch gespürt haben oder wirklich einen zerfetzten Menschen gesehen haben).

In MIR zumindest regt sich so langsam leises Unwohlsein. Und die Frage, ob alles, was ist immer auch so sein muss und sein sollte...