8BitLegend hat geschrieben:Abgesehen davon ist die Gamesbranche immer noch reich und dekadent. Du redest von einer nerdigen Nische, obwohl schon in den 90er mehr Kids Super Nintendo gespielt haben als ... was weiss ich... angeln zu gehen. Zocken war und ist Mainstream. Mit etwas Sinn und Verstand liessen sich die Produktions- und vor allem Vermarktungskosten so in den Griff bekommen, dass Spiele schneller wirtschaftlich wären. Gerade heute wo jeder sein "Lets Play" ins Netz stellt und Spiele gehypt werden, wie früher Rockstars, entsteht eine Eigendynamik, die nicht derart massiv durch teuerste Werbemittel gestützt werden muss. Das ist mehr dicke Hose als Effektivität. Einfach weil sie die Kohle haben. Guck mal in die Musikbranche - jeder der dort noch mit seinem Gewerbe versifft, liebäugelt mit der Gamesbranche. Das ist DIE Goldgrube im Medienbereich und ich bins leid ständig das Gejammere aus dieser Ecke zu lesen, als würden sie alle Hartz IV beziehen und ehrenamtlich arbeiten. Die haben vielleicht nicht mehr die Gewinnspanne wie vor 10-15 Jahren, aber mehrheitlich gehts denen gut genug, um nicht jedes Produkt auf maximalen Gewinn hin auszurichten und für mehr Vielfalt zu sorgen. Es fehlt lediglich am Willen anderen Interessen Vorrang zu geben, als den rein wirtschaftlichen.
Wo ist die Spielebranche denn reich? Wenn ich mir die Bilanzen der Publisher und Konsolenhersteller ansehe, kann von Reichtum keine Rede sein. Wenn das so wäre, hätten wir in den letzten 10 Jahren nicht unzählige Entwickler Pleite gehen sehen.
Was die Vermarktungskosten betrifft ist es zwar schwer einzuschätzen, in welcher Größenordnung sich dieser je nach Aufwand exakt bewegt, von Verschwendung zu reden ist nach aktuellem Erkenntnisstand eher nicht wahr. Angesichts des durch Werbemaßnahmen erzielten Erfolgs von Call of Duty und einhergehenden Aussagen der zu geringen Vermarktung eines Darksiders 2 ist die Vermarktung nicht zu unterschätzen. Apple wäre heute wohl auch nicht das was es ist, wenn man nicht vor Jahren eine Großoffensive bei der Vermarktung des gesamten Portfolios gestartet hätte und auch jetzt bei jedem jährlichen Update in jeder Werbepause einen Spot von denen sieht.
Dein Beispiel mit den Lets Players spricht auch nur den Teil der Zielgruppe an die sich sowieso schon mit dem Thema beschäftigen. Das hat also keine Auswirkungen auf den Bekanntheitsgrad. EA hat das mit FIFA13 letztes Jahr gemacht. Das war zwar interessant, aber hat eher einen Unterhaltungswert und Werbewirksamkeit.
Die Musikbranche liebäugelt also mit der Gamesbranche? Aber in welchem Segment denn bitte? Nicht Triple-A, sondern die Musik-Sing/Tanz-Mach-Mit-Kinect-Billig Produktionen. Die bieten denen nämlich eine große Gewinnspanne, weil die Lizenzgebühren wegfallen, die Grafik simpel, immer gleich ist und man aktuelle Titel in Form von DLCs für kaum Aufwand an den Mann bringt. Ja, wer träumt da nicht vom großen Geld?
Noch was zum Willen. Andere Interessen =!= Gewinn bzw wenigstens breakeven (+/- 0). Das klingt halt scheiße, aber schau dir den Markt an. Darauf kommt es doch letztlich an. Du kannst das beste Spiel aller Zeiten entwickeln, mit einer Metacritic Wertung von over 9000!!! aber wenn es die Kosten nicht reinspielt, machst du dein Studio dicht, wirfst alle Mitarbeiter raus, hast doch lange mit der Auflösung des Studios zu kämpfen und letztlich nix gekonnt. Du hast nur selber freiwillig Harakiri begangen.
Es ist doch toll wenn man so wie du, jedoch aber als Einzelner und damit nur dir verantwortlich, etwas nach dem eigenen Ideal erschaffen will. Aber kannst du davon richtig leben? Viele Menschen, die rein ihren Idealen nachgehen, leben quasi von der Hand in den Mund in eine unsichere Zukunft hinein.
Ich möchte betonen, dass ich viele Entscheidungen sowohl aus subjektiven, als auch objektiven Gründen nicht gutheiße. Ich kann allerdings meist nachvollziehen, warum diese so getroffen werden. Das Verständnis, damit meine das analytische, nicht auf Empathie basierendes Verständnis, fehlt den meisten Konsumenten. Daher sehen sie sich immer als Opfer und suchen Schuldige immer außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs.
"The main thing is to make sure you learn through your mistakes and get better." - Ayrton Senna