Alles richtig soweit, Kant und so. Den Egoismus, den du kritisierst, zeigst du auf der anderen Seite allerdings auch selbst. Wer legt denn fest, was der Allgemeinheit schadet? In einer Demokratie letztlich die Allgemeinheit selbst, also nicht du (von wegen grünes Blut). Das ist ein Aushandlungsprozess. Du begehst hier meiner Meinung nach den Fehler, den gesellschaftlichen Konsens über Gewalt punktuell zu interpretieren, und dieser Punkt ist deine Meinung. Fakt ist aber, dass wir längst einen seeeehr breiten gesellschaftlichen Konsens über Gewalt haben. Spiele, die gegen geltendes Recht verstoßen, werden beschlagnahmt. Spiele, die nach je gültigem Maßstab (die BPJM ist da ja anpassungsfähig an den gesellschaftlichen Diskurs, ebenso die USK mit ihrer Altersfreigabe) als jugendgefährdend gelten, werden indiziert. Alles übrige, ob dir das nun in den Kram passt oder nicht, findet im breiten akzeptierten Rahmen statt. Da ist eine ganze Menge Platz für all die GTAs, CoDs, FC3s, REs und Hastenichgesehens. Und in diesem vorgesteckten Rahmen entscheidet der Künstler/der Entwickler frei, wieviel "Gewalt" (=virtuelle/dargestellte Gewalt!) er verwenden möchte, an welches Publikum er sich richtet und welchen Zweck seine Gewalt im Gesamtkontext seines Werks erhalten soll. Wer diesem Menschen vorschreibt, er habe plötzlich grünes Blut zu verwenden, hat meiner Meinung nach eine Tendenz zur Selbstüberhöhung und Bevormundung. Das ist ebenso egoistisch und im Übrigen auch ignorant, wie diejenigen, die auf gegenseitige Rücksichtnahme und den Spruch "Freiheit ist immer die Freiheit des Anderen" scheißen.zipit hat geschrieben: demokratie bedeutet nicht die freiheit alles zu tun was man möchte, sondern nur all das zu tun dürfen, was der allgemeinheit nicht schadet. eine völlig entfesselte gewaltdarstellung in den medien zum demokratischen grundrecht umdeklarieren zu wollen, bzw kritiker dieser als demokratiefeinde darzustellen, ist nicht nur unstatthaft, sondern zeugt vorallem auch von dem eigenen desinteresse am schicksal anderer. oder grob gesagt - hauptsache ich kann zocken.
Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
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johndoe702031
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Zuletzt geändert von johndoe702031 am 10.01.2013 20:50, insgesamt 2-mal geändert.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Demokratie heißt "Herrschaft des Volkes", das hat somit erstmal nichts mit irgendeiner Freiheit zu tun.zipit hat geschrieben:schon allein die tatsache, dass man versucht derart eindeutige verhältnisse zu relativieren zeigt, dass einige scheinbar jeden bezug zur realität verloren haben. demokratie bedeutet nicht die freiheit alles zu tun was man möchte, ...
Das Argument dreht sich doch eher um die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit.eine völlig entfesselte gewaltdarstellung in den medien zum demokratischen grundrecht umdeklarieren zu wollen, bzw kritiker dieser als demokratiefeinde darzustellen, ...
Also bitte - mich interessiert das Schicksal anderer Menschen nicht, weil ich ein Spiel/Film mit Gewaltdarstellungen konsumiere?... zeugt vorallem auch von dem eigenen desinteresse am schicksal anderer. oder grob gesagt - hauptsache ich kann zocken.
Wenn ein kranker Mensch einen Amoklauf verübt, ist ein Spiel/Film/Buch nur das Muster der Tat. Wenn es denn nicht Batman, Counterstrike oder Der Fänger im Roggen war, der den jeweiligen Täter inspiriert hat, dann war es halt Die Matrix, Assassin's Creed oder Tom und Jerry.
btw: Was ist eigentlich mit schriftlichen bebilderten Gewaltdarstellungen, in denen Tierquälerei betrieben, Pfeifentabak mit Schwarzpulver ausgetauscht, und schliesslich die Bösewichte gebacken und durch die Mühle gedreht werden?
=> http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werk ... rwort.html
Oder was ist mit dem Klassiker aller Gewalttaten, der Bibel?
Vorlagen für geisteskranke Verbrechen gibt es überall. Wenn man diese ausrotten will, muß man schon die gesamte menschliche Kulturgeschichte auslöschen.<Ri 4,21: Da holte Jael einen Nagel und einen Hammer, schlich zu ihm hin und schlug ihm den Nagel durch seine Schläfe, daß er in die Erde drang. Er aber war entschlummert, ward ohnmächtig und starb.
<2Kö 10,6-11: Juhu sagte: "Wenn ihr auf meiner Seite steht und bereit seid, mir zu gehorchen, dann kommt morgen um diese Zeit zu mir und bringt die Köpfe der Söhne eures Herrn (König Ahab) mit. ..... Da liessen sie die siebzig Kinder des Königs enthaupten, packten ihre Köpfe in Körbe und liessen sie Juhu bringen, der befahl: "Stapelt sie vor dem Stadttor auf und lasst sie bis morgen früh dort liegen!" Am nächsten Morgen trat er vor das Tor und sagte zu dem dort versammelten Volk: "... Nun seht ihr, dass alles eintrifft, was Gott der Familie Ahabs angedroht hat. Er hat vollbracht, was er durch seinen Priester Elija angekündigt hatte". Danach liess Juhu alle weiteren Verwandte von Ahab umbringen, ebenso seine Beamten, seine Freunde und seine Priester. Keiner überlebte.
<2Kö 9,30-37 (Zusammenfassung): Juhu (der König von Israel) blickte zum Fenster hoch und rief: "Stürzt sie herab (Isebel, die Frau des gefallenen Ahabs, der die Israeliter verfolgte, weil er einem anderen Gott huldigte)!“ Und sie stürzten sie herab. Sie zerschmetterte am Boden, wobei die Wand und die Pferde mit ihrem Blut bespritzt wurden. Juhu zerstampfte die Leiche mit seinem Pferd. Danach ging Juhu essen. Nach dem Essen wollte er sie begraben, denn sie war immerhin eine Königstochter. Aber er fand nur noch ihre Füsse, ihre Hände und ihren Kopf. So hatte sich Gottes Befehl erfüllt: „Die Hunde sollen sie fressen, und ihr Aas soll wie Kot auf dem Felde verfaulen. Niemand soll sie mehr erkennen.“
<Ri 19,22-29: Während sie (der Hausherr und sein Gast) noch fröhlich beisammen sassen, umstellten plötzlich böse Buben das Haus. Sie trommelten an die Tür und verlangten den Hausherrn: Los, bring uns deinen Gast heraus, er soll uns kennen lernen! Da ging der Hausherr zu ihnen hinaus und sagte: Nicht, meine Brüder, tut nicht so übel. Seht, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und der Gast hat eine Nebenfrau. Die will ich herausbringen. Die mögt ihr zu Schanden machen, und tut mit ihr, was euch gefällt, aber an meinem Gast tut nicht solche Torheit! Das wollten sie aber nicht. Da fasste der Gast seine Nebenfrau und lieferte sie ihnen aus. Sie fielen über sie her und trieben ihren Mutwillen an ihr die ganze Nacht bis zum Morgen. Die Frau schleppte sich noch bis zur Haustür und brach dort zusammen. Als ihr Mann am Morgen aus der Tür trat, um weiter zu ziehen, fand er sie am Hauseingang, die Schwelle umklammernd. Steh auf, sagte er zu ihr, wir müssen weiter! Aber er bekam keine Antwort. Da nahm er sie auf den Esel und reiste nach Hause. Dort angekommen, zerteilte er ihren Körper in zwölf Stücke und schickte diese im ganzen Gebiet Israels herum.
<2Sam 8,1-2: Einige Zeit später schlug David die Philister. Er unterwarf sie und zerschlug ihre Herrschaft. Er schlug auch die Moabiter. Die Besiegten mussten sich nebeneinander auf die Erde legen. Je zwei tötete er, und jeden Dritten liess er am Leben. Die Moabiter wurden David so untertänig, daß sie ihm Geschenke zutrugen.
<Sach 11,9 (Gott spricht): Ich will euch nicht behüten; was da stirbt, das sterbe; was verschmachtet, das verschmachte; und wer übrig bleibt, fresse das Fleisch des anderen!
(Quelle: http://bibelzitate.npage.de )
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Naja, wenn man jetzt platt vom Grundgesetz ausgeht muss noch nichteinmal explizite Gewaltdarstellung allgemein anerkannt sein, um den Verkauf der Spiele zu rechtfertigen, die Kunstfreiheit reicht da sehr weit.
Jugendschutzmaßnahmen sind natürlich trotzdem legitim, solange sie verhältnismäßig sind, aber als "der Allgemeinheit schadend" würden Spiele nirgendwo hierzulande durchgehen, es sei denn sie verbreiten politisch extremistisches Gedankengut.
Wer etwas als allgemeinschädlich deklariert, was unter den Kunstbegriff fällt, muss das stichhaltig nachweisen.
Jugendschutzmaßnahmen sind natürlich trotzdem legitim, solange sie verhältnismäßig sind, aber als "der Allgemeinheit schadend" würden Spiele nirgendwo hierzulande durchgehen, es sei denn sie verbreiten politisch extremistisches Gedankengut.
Wer etwas als allgemeinschädlich deklariert, was unter den Kunstbegriff fällt, muss das stichhaltig nachweisen.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
so treffen wir uns schon eher,sardonumspa hat geschrieben: alles richtig soweit, kant und so. den egoismus, den du kritisierst, zeigst du auf der anderen seite allerdings auch selbst ...
natürlich waren diese drei punkte nur mein persönlicher vorschlag und stehen jeder form zur kritik oder ergänzung offen.
du beantwortest deine frage selbst. die allgemeintheit selbst bestimmt, was sie als akzeptabel und was sie als schädlich erachtet. anzumerken hierbei ist vorallem, dass dieser konsens natürlich nicht immer deckungsgleich mit der gesetzeslage ist, denn wir wissen alle - justitias mühlen mahlen langsam. ein gutes themenfremdes beispiel wären free-to-play spiele, die sich in großen teilen ähnlicher mechanismen wie die glücksspielindustrie bedienen (abhängigkeit des spielers, die bank gewinnt immer usw.). gesetzlich bewegen sich diese spiele alle auf einwandfreiem boden, verursachen aber teilweise großes leid bei den spielern, ähnlich, wie es glücksspiele tun.sardonumspa hat geschrieben: wer legt den fest, was der allgemeinheit schadet? die in einer demokratie letztlich die allgemeinheit selbst, also nicht du (von wegen grünes blut). das ist ein aushandlungsprozess. du begehst hier meiner meinung nach den fehler, den gesellschaftlichen konsens über gewalt punktuell zu interpretieren, und dieser punkt ist deine meinung. fakt ist aber, dass wir längst einen seeeehr breiten gesellschaftlichen konsens über gewalt haben. spiele, die gegen geltendes recht verstoßen, werden beschlagnahmt. spiele, die nach je gültigem maßstab (die bpjm ist da ja anpassungsfühig an den gesellschaftlichen diskurs, ebenso die usk mit ihrer altersfreigabe) als jugendgefährdend gelten, werden indiziert.
natürlich kann man nicht jegliche form von gewaltdarstellungen verbieten, dafür ist das feld zu weiträuimg, aber man kann brüche mit dem allgemeinen konsens ächten. das 'remember me' beispiel wäre in meinen augen ein eindeutiger fall. man tritt niemandem gegen den kopf, besonders nicht in tötungsabsicht. gesellschaftlich wünschenswerte reaktion - indizierung, nur unter der ladentheke erhätlich. die reaktionen müssen hier eindeutig und vorallem kompromisslos sein. ein 'bisschen' inakzeptabel gibt es nicht.
ich hatte auch versucht in meinem ursprünglichen post den bogen von den bemühungen des amerikanischen militärs zum abbau der tötungshemmung bis zum grünen blut zu spannen. meiner meinnung nach wiegt das recht der allgemeinheit auf unversehrtheit, bzw die unterbindung solcher moralischen abschleifungsprozesse, stärker, als das recht von kunstschaffenden auf rotes blut.
natürlich beziehen sich solche ächtungen immer nur auf den medial öffentlichen raum, so wie es bereits momentan gehandhabt wird. für das private kämmerlein oder die private vernissage, kann ein jeder soviel rot spritzenedes rückgrat rausreissen produzieren, wie er nur möchte. dieser mechanismus trennt dann übrigens auch die 'echten' künstler von den profiteuren, für den künstler sind die umsatzzahlen höchstens nur zweitrangig.
der gesetzliche rahmen bietet durchaus schon einen ausreichenden spielraum, wie du richtig anmerkst, allerdings wird dieser auch in deutschland zunehmend nur unzureichend ausgeschöpft.
zunächst, die far cry und resident evil serien halte ich für völlig unbedenklich, nur um klarzustellen, dass ich hier nicht für ein völlige ächtung des shooterähnlichen generes werbe. gta ist schon bedenklicher, aber wohl noch im rahmen des erträglichen. ich bezog mich mit der nennung von rockstar vorallem auf die in deutschland indizierte manhunt serie. vor diesem hintergrund sind zumindest einige darstellungen in max payne und gta als bedenklich einzustufen. die cod serie hingegen, erfüllt vorallem in ihren neueren auflagen alle kriterien eines spiels zum abbau der tötungshemmung. dem muss entschiedener entgegenet werden, aller widrigkeiten aus spieler- und spieleindustrielobbyverbänden zum trotz. das diese spiele, bzw die grundeinstellung dieser spiele, auf einer breiten gesellschaftlichen basis ruhen, halte ich schlichtweg für unwahr.sardonumspa hat geschrieben: da ist eine ganze menge platz für all gtas, cods, fc3s, res und hastenichgesehen. und in diesem vorgesteckten rahmen entscheidet der künstler/der entwickler frei, wieviel "gewalt" (=virtuelle/dargestellte gewalt!) er verwenden möchte, an welches publikum er sich richtet und welchen zweck seine gewalt im gesamtkontext seines werks erhalten soll.
zum ende noch dieser abschnitt, auch wenn er etwas aus dem kontext gerissen ist, aber es das eigentlich kernproblem und ein sehr weitläufiges feld.
natürlich haben wir diesen, alles andere würde auch chaotische zustände, bzw eine gesellschaft von soziopathen bedeuten. das ist auch meine kernaussage. das gesellschaftlichen abkommen, über die elementaren verhaltensregeln im umgang miteinander, ist fernab vom gesetzgeber klar geregelt. es ist nur die missachtung dieser regeln, vornehmlich aus dem niedersten bewggrund, reiner gier, die bekämpft werden muss. der gesellschaftlich konsens sagt klar, man tritt niemandem gegen den kopf. der gesellschaftliche konsens sagt klar, man tötet nicht zum reinen vergnügen am töten.sardonumspa hat geschrieben: fakt ist aber, dass wir längst einen seeeehr breiten gesellschaftlichen konsens über gewalt haben.
diese elementare regeln müssen in ihrer grundsätzlichkeit immer wieder verallgegenwärtigt werden und ihre genauste einhaltung muss immer wieder gefordert werden. es gibt natürlich abstufungen, der shooter hat in einer tradition zum harmlosen 'räuber und gendarme' durchaus seine berechtigung, nur hat diese freiheit auch ihre grenzen und diese werden gradezu sinnflutartig überschritten.
momentan befinden wir uns in einem gesellschaftlichen und moralischen erosionsprozess, der diese werte stück für stück abträgt. gewalt um ihrer selbst willen wird immer akzeptabler und das darf nicht geschehen. spannt man den bogen noch größer, erkennt man erschreckende parallelen zum alten prinzip 'brot und spiele' - gewalt an anderen, als ventil für das eigene leid.
ach und abschliessed - sätze, die mit 'fakt ist aber' beginnen, sind grundsätzlich unwahr
Zuletzt geändert von zipit am 10.01.2013 21:24, insgesamt 1-mal geändert.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Sorry Zipit, du nimmst dir so eine Einschätzungsprärogative für die Gewaltakzeptanz der Allgemeinheit in Kunstmedien heraus, dass das, was du hier schreibst, wieder komplett nur wie eine wunschhafte Projektion deiner Vorstellung auf die Allgemeinheit anmutet.
Noch einmal: Selbst wenn die Allgemeinheit sehr explizite Gewaltdarstellung missachten würde (was nicht der Fall ist), wären betroffene Spiele immer noch unter der Kunstfreiheit nur unter schärfsten Voraussetzungen in der Verbreitung zu hindern oder gar zu verbieten.
Noch einmal: Selbst wenn die Allgemeinheit sehr explizite Gewaltdarstellung missachten würde (was nicht der Fall ist), wären betroffene Spiele immer noch unter der Kunstfreiheit nur unter schärfsten Voraussetzungen in der Verbreitung zu hindern oder gar zu verbieten.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
auch, wenn du dich hinter einem satzkonstrukt versteckst, bleibt deine unbelegte kernaussage - das stimmt nicht. etwas dürftig, IMHO. ich habe übrigens an keiner stelle eine allgemeingültigkeit beansprucht, auch du beginnst ja nicht jeden satz mit IMHO.Wigggenz hat geschrieben:Sorry Zipit, du nimmst dir so eine Einschätzungsprärogative für die Gewaltakzeptanz der Allgemeinheit in Kunstmedien heraus, dass das, was du hier schreibst, wieder komplett nur wie eine wunschhafte Projektion deiner Vorstellung auf die Allgemeinheit anmutet.
ersten fordere ich an keiner stelle ein verbot, ich spreche grundsätzlich von ächtung. indizierung ist eine bereits momentan gängige praxis. und zwotens bleibt deine aussage wieder unbelegt, bzw führst du hier eine künstliche trennung zwischen gewaltdarstellung und gewaltrezeption ein. die ganze demokratie, bzw meinungsfreiheitsdiskussion, bzw der unwille sich auf die gewaltdiskussion als solches einzulassen, legt eine argumentationslosigkeit nahe und lässt wie oben bereits angemerkt tief blicken. da hilft auch keine kunst.Wigggenz hat geschrieben:Noch einmal: Selbst wenn die Allgemeinheit sehr explizite Gewaltdarstellung missachten würde (was nicht der Fall ist), wären betroffene Spiele immer noch unter der Kunstfreiheit nur unter schärfsten Voraussetzungen in der Verbreitung zu hindern oder gar zu verbieten.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Alter!!!Wigggenz hat geschrieben:eine Einschätzungsprärogative für die Gewaltakzeptanz der Allgemeinheit in Kunstmedien
Erst die Sache mit dem kontemplativ, jetzt dat hier!
Wenn dat so weiter geht mit dem Sprachniveau hier, dann muss ich demnächst echt anfangen hier meine Rübe anzuschalten.
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
War das echt noetig so nen dummen SDatz da noch unterzubringen?billy coen 80 hat geschrieben: Tut mir leid, sollte ich mit meiner Aussage dein Empfinden für politische Korrektheit verletzt haben. :wink:
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Die Trennung zwischen Darstellung und Rezeption ist nicht künstlich. Kunst hat immer einen Werkbereich und einen Wirkbereich. Schaffen und aufnehmen. Die Gewaltdiskussion dreht sich gerade um die Aufnahme. Jeder kann und darf wie er möchte Gewalt darstellen, zeig mir denjenigen, der ernsthaft denkt, dass man sich z.B. nicht selbst seine eigenen "Killer"spiele zusammenschustern (wenn man es kann) und am heimischen PC zocken darf. Nur das Verbreiten ist da umstritten (und nicht zum bloßen Darstellen würde z.B. eine öffentliche Anfertigung der eigenen Kunst zählen, das wäre gleichzeitig auch Verbreitung).zipit hat geschrieben:ersten fordere ich an keiner stelle ein verbot, ich spreche grundsätzlich von ächtung. indizierung ist eine bereits momentan gängige praxis. und zwotens bleibt deine aussage wieder unbelegt, bzw führst du hier eine künstliche trennung zwischen gewaltdarstellung und gewaltrezeption ein. die ganze demokratie, bzw meinungsfreiheitsdiskussion, bzw der unwille sich auf die gewaltdiskussion als solches einzulassen, legt eine argumentationslosigkeit nahe und lässt wie oben bereits angemerkt tief blicken. da hilft auch keine kunst.
Die Kunstfreiheit (um Meinungsfreiheit geht es hier doch erstmal nicht) ist nichtsdestotrotz ein Grundrecht und damit ist auch der Wirkbereich ohne ausdrücklichen Vorbehalt geschützt, es sei denn man interpretiert unsere Verfassung sehr repressiv, was sinnlos wäre, sonst wäre faktisch keinerlei Satire oder kritische Kunst mehr möglich, da jeder jeden auf Unterlassung verklagen könnte.
Klar ist es sinnvoll, trotzdem zu höherrangigen Zwecken Einschränkungen (zum Beispiel Indizierung bei sehr naheliegender negativer Beeinflussung von nicht ausreichend reifen Spielern, regelmäßig jüngere Jugendliche) vorzunehmen (du sprichst von Ächtungen) aber in der Art und Weise wie du es dargelegt hast, ich störte mich besonders an diesem Abschnitt hier:
Das ist eine sehr einseitige Sichtweise. Übrigens ist eine Indizierung nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Interessen des Künstlers. Eine Indizierung enthält immer auch einen kritischen Charakter, da dem Künstler so eine Wertung untergeschoben wird (geschmacklos, verstörend, etc.), was, wenn es von staatlicher Seite aus passiert, nicht in Ordnung ist, der Staat ist kein Kunstrichter, und von daher auch nur als absolutes Ausnahmemittel verwendet werden sollte.natürlich kann man nicht jegliche form von gewaltdarstellungen verbieten, dafür ist das feld zu weiträuimg, aber man kann brüche mit dem allgemeinen konsens ächten. das 'remember me' beispiel wäre in meinen augen ein eindeutiger fall. man tritt niemandem gegen den kopf, besonders nicht in tötungsabsicht. gesellschaftlich wünschenswerte reaktion - indizierung, nur unter der ladentheke erhätlich. die reaktionen müssen hier eindeutig und vorallem kompromisslos sein. ein 'bisschen' inakzeptabel gibt es nicht.
Allgemein möchte ich nur darauf hinaus, dass du bei meiner Meinung nach nicht ausreichender Präzisierung deiner Einschätzung von "allgemeinschädlichen Spielen" (was zumindest nach meinem Lesen von dir anscheinend sehr dehnbar verstanden wird) eine für meine Begriffe zu resolute Durchgriffspraxis des Staates forderst.
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billy coen 80
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Ja, war es! Ich musste doch irgendwie zeigen können: "einen hab ich noch!" Internetdiskussionskultur will doch gepflegt werden.Armin hat geschrieben:War das echt noetig so nen dummen SDatz da noch unterzubringen?billy coen 80 hat geschrieben: Tut mir leid, sollte ich mit meiner Aussage dein Empfinden für politische Korrektheit verletzt haben. :wink:
Nein, aber eigentlich wollte ich dir mit dem Satz gar net wirklich ans Bein pinkeln, daher auch der Entschärfungsversuch mit dem Zwinkersmiley. Hast mich irgendwie auf dem falschen Fuß erwischt mit deiner eingestreuten Spitzfindigkeit in Bezug auf den kleinen OT-Diskurs von kajetan und mir. Hätt echt nicht gedacht, dass da noch jemand mitliest, geschweigedenn sich dazu sogar noch zu Wort meldet.
Hach, noch so ein Charakteristikum von Internetforen: Wo sonst schafft man es, vom Ausgangsthema "Entsorgung gewaltdarstellender Medien" innerhalb weniger Kommentare einen Weg in eine Diskussion über den 30jährigen Krieg zu finden?
Zuletzt geändert von billy coen 80 am 10.01.2013 23:11, insgesamt 2-mal geändert.
- muecke-the-lietz
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Geht das hier gerade um breite gesellschaftliche Ächtung von medial dargestellter Gewalt?
Das wäre in gewisser Weise grausam und in gewisser Weise wünschenswert, in meinen Augen.
Auf der einen Seite würde ein breite allumfassende Ächtung die absolute Überwindung von Gewalt und Gewaltphantasien einer Gesellschaft zeigen. Denn eine Gesellschaft, die keine Gewalt mehr verarbeiten muss, wäre eine sehr fortgeschrittene.
Aber mediale Gewalt mit Macht aus einer Gesellschaft zu vertreiben, in der die mediale und künstlerische Verarbeitung von Gewalt quasi noch an der Tagesordnung steht, wäre meiner Ansicht nach kontraproduktiv, da man ja nicht den Wunsch danach verbieten kann. Sowas muss sich von alleine entwickeln.
Außerdem ist Gewalt oft auch ein starkes stilistisches Mittel, da sie oft sehr endgültig ist - auf dieses Mittel zu verzichten, würde andere Geschichten und ein anderes dramaturgisches Verständnis der Allgemeinheit verlangen.
Ich sehe das also sehr problematisch, mediale und künstlerische Gewalt zu ächten, da man so auch indirekt die Schöpfer und Konsumenten dieser ächtet. Und dann wird aus fiktiver Gewalt ganz schnell reale Gewalt, nämlich die Gewalt der gesellschaftlichen Ächtung.
Das wäre in gewisser Weise grausam und in gewisser Weise wünschenswert, in meinen Augen.
Auf der einen Seite würde ein breite allumfassende Ächtung die absolute Überwindung von Gewalt und Gewaltphantasien einer Gesellschaft zeigen. Denn eine Gesellschaft, die keine Gewalt mehr verarbeiten muss, wäre eine sehr fortgeschrittene.
Aber mediale Gewalt mit Macht aus einer Gesellschaft zu vertreiben, in der die mediale und künstlerische Verarbeitung von Gewalt quasi noch an der Tagesordnung steht, wäre meiner Ansicht nach kontraproduktiv, da man ja nicht den Wunsch danach verbieten kann. Sowas muss sich von alleine entwickeln.
Außerdem ist Gewalt oft auch ein starkes stilistisches Mittel, da sie oft sehr endgültig ist - auf dieses Mittel zu verzichten, würde andere Geschichten und ein anderes dramaturgisches Verständnis der Allgemeinheit verlangen.
Ich sehe das also sehr problematisch, mediale und künstlerische Gewalt zu ächten, da man so auch indirekt die Schöpfer und Konsumenten dieser ächtet. Und dann wird aus fiktiver Gewalt ganz schnell reale Gewalt, nämlich die Gewalt der gesellschaftlichen Ächtung.

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johndoe702031
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
In der Diagnose sind wir uns, so wie ich das sehe, gar nicht so fremd. Allerdings ganz erheblich in den geforderten Konsequenzen. Ich bin mal so frei, und fledder mir ein paar deiner Aussagen dreist heraus:
Aber ansonsten sind wir uns ja zum Glück einig, gell?
Ich hasse F2P wie die Pest. Ehrlich. Die können mich alle kreuzweise. Ich hab mir sagen lassen, das wäre zu undifferenziert und ich würde dadurch auch voll die super und auch total "fairen" Titel verpassen ("Hawken" z.B., oder "WoTanks"), , aber es ist mir scheißegal. Dieses Geschäftsmodell ist Dreck, Grütze, Müll, und wird im Leben nicht einen einzigen müden Cent von mir zu sehen bekommen. Dennoch würde ich mich heftig dagegen wehren, es zu verbieten. Es ist pure Bauernfängerei, ja, aber auch nicht mehr als die Oma-Kaffeefahrt mit Heizdecke. Es wäre allenfalls eine Überlegung wert, Transaktionen, ähnlich wie beim Verbraucher-Haustürgeschäft (Staubsauger etc.), eine Widerrufsfrist von 2 Wochen einzuräumen. Da will ich die Firmen mal sehen, wenn du 13 Tage später deine Elfenglasrüstung widerrufst!^^ Aber verbieten? Nein! Selbst Schuld, wenn man auf derartige Maschen reinfällt. Dieser Markt muss sich selbt reinigen, im wahrsten Sinn des Wortes.zipit hat geschrieben: ein gutes themenfremdes beispiel wären free-to-play spiele, die sich in großen teilen ähnlicher mechanismen wie die glücksspielindustrie bedienen (abhängigkeit des spielers, die bank gewinnt immer usw.). gesetzlich bewegen sich diese spiele alle auf einwandfreiem boden, verursachen aber teilweise großes leid bei den spielern, ähnlich, wie es glücksspiele tun.
Alter, es ist VIRTUELLE Gewalt. Im Film dargestellte Gewalt. Niemandem wird realiter weh getan. Und es kann im Laufe eines Films oder eines Spiels durchaus Sinn machen und stimmig sein, auch solche krassen Szenen zu zeigen. Was ist mit Büchern wie "Parallelgeschichten" (mega-explizier Sex und Gewalt), was ist mit "Antichrist"? Mein Plädoyer: Lasst das stehen, rührt es bitte nicht an!zipit hat geschrieben:das 'remember me' beispiel wäre in meinen augen ein eindeutiger fall. man tritt niemandem gegen den kopf, besonders nicht in tötungsabsicht.
Nein! Kategorisch dagegen! Macht das Blut rot, so rot wie es geht, tiefrot, dunkelrot. Rotes Blut berührt die gesellschaftilche "Unversehrtheit" nicht im geringsten. Soviel "Realität" muss eine Gesellschaft, bei allem Verständnis und Sensibilität, abkönnen!zipit hat geschrieben: meiner meinnung nach wiegt das recht der allgemeinheit auf unversehrtheit, bzw die unterbindung solcher moralischen abschleifungsprozesse, stärker, als das recht von kunstschaffenden auf rotes blut.
Erneut: vehementes Veto! (ok, ich dramatisiere vielleicht ganz leicht^^). Restriktiver Schwachsinn. CoD baut keine Tötungshemmungen ab. Virtuelle Gewalt again. Die empirische Lage zu diesem Thema ist katastrophal uneinheitlich. Zu jeder Studie lässt sich eine fast beliebige Gegenstudie zitieren. Die jüngste in den USA (um die es ja eigentlich geht) bekannte große Studie verneint jeglichen positiven oder negativen Zusammenhang zwischen virtueler und realer Gewalt und kritisiert andere Studien in methodischer Hinsicht . Ist ja auch sauschwer, fast unmöglich, Verhaltensänderungen letzen Endes methodisch sauber auf den Einzelfaktor "Videospielkonsum" zurückzuführen. Ein Einzelfaktor unter tausenden. Einigkeit besteht nur, dass solche Spiele Personen mit bestimmten psychischen Erkrankungen beeinflussen KÖNNEN (v.a. solche, bei denen die Trennung zwischen real und virtuell verschwimmt - z.B. "Borderline" oder bestimmten Autismusformen) CoD ist ein moderner Mutiplayershooter mit schnellen Erfolgen, Script-Schienen und schnellem Pacing. Er ist aus meiner Sicht komplett scheiße und langweilig. Aber: Es ist KEIN Tötungssimulator! Dass er für einige, sorry...Irre...so fungieren kann, dass ein Breivik dort ganz prima "Probehandeln" kann, kann nicht dem Spiel als solches angelastet werden. Über den Zusammenhang zwischen angeblichen "Killerspielen" und realer Gewalt wie Amokläufen wissen wir genau eines: nämlich NICHTS! Und da dort tausende Einflussfaktoren eine Rolle spielen, ist es meine Empfehlung, erst gar nicht auf die "EINE, alles erklärende Studie" zu warten. Die wird es nicht geben.zipit hat geschrieben:die cod serie hingegen, erfüllt vorallem in ihren neueren auflagen alle kriterien eines spiels zum abbau der tötungshemmung. dem muss entschiedener entgegenet werden, aller widrigkeiten aus spieler- und spieleindustrielobbyverbänden zum trotz.
Erneut: Virtuelle Gewalt =/ reale Gewalt. Die Darstellung solcher Dinge kann im Einzelfall durchaus Sinn machen. Warum auchn nicht? Einzelfall anschauen!zipit hat geschrieben: der gesellschaftlich konsens sagt klar, man tritt niemandem gegen den kopf. der gesellschaftliche konsens sagt klar, man tötet nicht zum reinen vergnügen am töten.
Ich kann es nicht mehr hören: dieses Gefasel über "Gewaltspiralen" und "Erosionen" und "Abgründe". Ich bin es leid, mein Hobby immer und immer und immer wieder unter dem Vorzeichen der Gewalt zu sehen - oder ganze Generationen angeblich den Abgrund runterstürzen zu sehen. Ich habe keinen Bock, mir das Videogaming von diversen Moralaposteln kaputt-problematisieren zu lassen. Und noch weniger werde ich Vorschlägen nach staatlicher Strenge, Repression und Zensur folgen. Das ist nicht meine Sicht auf's Videogaming - so überhaupt nicht!zipit hat geschrieben:momentan befinden wir uns in einem gesellschaftlichen und moralischen erosionsprozess, der diese werte stück für stück abträgt. gewalt um ihrer selbst willen wird immer akzeptabler und das darf nicht geschehen. spannt man den bogen noch größer, erkennt man erschreckende parallelen zum alten prinzip 'brot und spiele' - gewalt an anderen, als ventil für das eigene leid.
Aber ansonsten sind wir uns ja zum Glück einig, gell?
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
deiner argumentation folgend wären dann kunst mit gewalt gleichzusetzen. aber von beginn, ich zitiere dich , " .. selbst wenn die allgemeinheit sehr explizite gewaltdarstellung missachten würde (was nicht der fall ist)...", hier trennst du zwischen gewaltrezeption, sprich wie bewertet eine gesellschaft gewalt im allgemeinen, und gewaltdarstellung, also die darstellung von gewalt in den medien. wer unmässige gewalt als solches ächtet, kann nicht gleichzeitig die mediale unreflektierte und unkritische darstellung gutheissen, das erste schliesst das zweite automatisch aus.wigggenz hat geschrieben:die trennung zwischen darstellung und rezeption ist nicht künstlich. kunst hat immer einen werkbereich und einen wirkbereich. schaffen und aufnehmen. die gewaltdiskussion dreht sich gerade um die aufnahme. jeder kann und darf wie er möchte gewalt darstellen, zeig mir denjenigen, der ernsthaft denkt, dass man sich z.b. nicht selbst seine eigenen "killer"spiele zusammenschustern (wenn man es kann) und am heimischen pc zocken darf. nur das verbreiten ist da umstritten (und nicht zum bloßen darstellen würde z.b. eine öffentliche anfertigung der eigenen kunst zählen, das wäre gleichzeitig auch verbreitung).zipit hat geschrieben:ersten fordere ich an keiner stelle ein verbot, ich spreche grundsätzlich von ächtung. indizierung ist eine bereits momentan gängige praxis. und zwotens bleibt deine aussage wieder unbelegt, bzw führst du hier eine künstliche trennung zwischen gewaltdarstellung und gewaltrezeption ein. die ganze demokratie, bzw meinungsfreiheitsdiskussion, bzw der unwille sich auf die gewaltdiskussion als solches einzulassen, legt eine argumentationslosigkeit nahe und lässt wie oben bereits angemerkt tief blicken. da hilft auch keine kunst.
in welcher form jetzt die eher juristischen begriffe werkbereich und wirkbereich auf den medialen oder auch künstlerischen umgang mit gewalt anwendbar sind, bleibt zumindest mir unerklärlich. diese begriffe sollen doch nur die untrennbarkeit von konzept und ausführung verdeutlichen, bzw künstlern eine ungehinderte veröffentlichung ihrer werke gewähren, ungeachtet gesellschaftlicher tabus, die sie damit vielleicht brechen. veröffentlichung ist aber nicht mit verbreitung gleichzusetzen. eine indizierung oder ächtung behindert nicht die veröffentlichung, sondern nur die verbreitung. ich hatte das auch bereits explizit aufgeführt, ich zitiere mich selbst :
einen anspruch von kunst auf ungehinderte verbreitung in medialen strukturen gibt es nicht. abseits dessen wehre ich mich in diesem zusammenhang gegen den kunstbegriff als solches. auch wenn dies ein weitläufiges feld ist, so gibt es imho (da ist es !) kaum einen eindeutigeren fall als diesen. ist gibt sicherlich zahllose computerspiele, die sich dem begriff kunst annäheren oder sogar kunst sind. allerdings fällt mir kein spiel dieser art ein, welches durch eine übermässige gewaltdarstellung auffiel. ist manhunt jetzt kunst, nur weil es schockiert ? diese definition von kunst ist zumindest stark diskussionwürdig und nicht als gegeben hinzunehmen. nimmt man hingegen die gängigen gewaltorgienspiele, so sind diese eindeutig als unterhaltung bzw gestaltung einzuorndnen. hier trennt auch zumindest der deutsche gesetzgeber und gewährt unterhaltung/gestaltung weniger freiheiten, als er der kunst gewährt (beispielsweise im marken- oder presönlichkeitsrecht). wären deine annahmen wahr, so wäre jede indizierung ein verstoss gegen das grundgesetz. eher unwahrscheinlich, nicht ?natürlich beziehen sich solche ächtungen immer nur auf den medial öffentlichen raum, so wie es bereits momentan gehandhabt wird. für das private kämmerlein oder die private vernissage, kann ein jeder soviel rot spritzenedes rückgrat rausreissen produzieren, wie er nur möchte.
auch grundrechte sind nicht ohne beschränkungen. abseits der grundlegenden frage, ob sich entsprechende spiele überhaupt auf die kunstfreiheit berufen dürfen, müssen in jedem fall auch immer die verhätltnissmässigkeiten abgewogen werden. dem juristischen begriff von kunst werden beispielsweise ausserordentliche rechte im persönlichkeitsrecht eingeräumt, was titanic ausgaben mit einem inkotinenten papst als titelbild möglich macht. es gab bei der gleichen zeitschrift aber auch mehrere fälle, die zu ungunsten der zeitschrift, bzw richtigstellungen und sogar in einem fall zu vernichtung der bestehenden bestände geführt haben (entführungsfall mit eines sohnes eines industrieirgendwas, mir fällt der name nimmer ein). gleiches gilt natürlich auch für die darstellung von gewalt, bzw (hier ist sie wieder die untrennbarkeit) der aufruf zur gewalt in kunst. festzuhalten bleibt, hier gibt es keinesfalls einen freifahrtsschein, nach dem prinzip 'kunst darf alles', sondern es bedarf einer genau abwägung durch einen fachrat, wie beispielsweise die bpjs. ein urdemokratischer vorgang, wie ich finde, ein abwägen von für und wider, anstelle eines absoluten - die dürfen alles. kabarettisten, satire magazine und auch künstler haben übrigens nicht selten mit klagen zu kämpfen, das ist teil einer gesunde demokratie. das gegenteil, eine vom gesetz völlig unantatsbare kunst wäre hingegen zutiefst undemokratisch.wigggenz hat geschrieben: die kunstfreiheit (um meinungsfreiheit geht es hier doch erstmal nicht) ist nichtsdestotrotz ein grundrecht und damit ist auch der wirkbereich ohne ausdrücklichen vorbehalt geschützt, es sei denn man interpretiert unsere verfassung sehr repressiv, was sinnlos wäre, sonst wäre faktisch keinerlei satire oder kritische kunst mehr möglich, da jeder jeden auf unterlassung verklagen könnte.
natürlich ist das ganze eine sehr wacklige diskussion. gewährt man der einen seite zuviel rechte, läuft man gefahr wichtige demokratische grundrechte zu beschneiden, gewährt man der anderen seite zuviel rechte, errodieren misbrauch und unwissen wichtige gesellschaftliche werte. besonders der punkt, dass eine indizierung natürlich auch immer einen wertenden charakter hat und somit auch missbrächlich verwendet werden kann, ist natürlich ein starkes argument. allerdings besonders unter dem gesichtspunkt, dass auch computerspiele auch zu der modernen medienlandschaft gehören und somit meinungsbildend, bzw teil der vierten staatsgewalt sind, sollte man totalitären und gewaltverherrlichenden strömungen, wie sie beispielsweise von call of duty ausgehen, entschieden entegegentreten.wigggenz hat geschrieben: klar ist es sinnvoll, trotzdem zu höherrangigen zwecken einschränkungen (zum beispiel indizierung bei sehr naheliegender negativer beeinflussung von nicht ausreichend reifen spielern, regelmäßig jüngere jugendliche) vorzunehmen (du sprichst von ächtungen) aber in der art und weise wie du es dargelegt hast, ich störte mich besonders an diesem abschnitt hier:
...
das ist eine sehr einseitige sichtweise. übrigens ist eine indizierung nicht nur eine frage wirtschaftlicher interessen des künstlers. eine indizierung enthält immer auch einen kritischen charakter, da dem künstler so eine wertung untergeschoben wird (geschmacklos, verstörend, etc.), was, wenn es von staatlicher seite aus passiert, nicht in ordnung ist, der staat ist kein kunstrichter, und von daher auch nur als absolutes ausnahmemittel verwendet werden sollte.
allgemein möchte ich nur darauf hinaus, dass du bei meiner meinung nach nicht ausreichender präzisierung deiner einschätzung von "allgemeinschädlichen spielen" (was zumindest nach meinem lesen von dir anscheinend sehr dehnbar verstanden wird) eine für meine begriffe zu resolute durchgriffspraxis des staates forderst.
grundsätzlich kann man natürlich auch die gewaltfördenrnde wirkung von computerspielen als solches bezweifeln, aber ich vermisse auch hier immer plausible argumente, warum dies so sein sollte. fast alle studien sind sich zumindest in dem punkt einig, dass gewaltverherlichende medien zumindest einen destabilisierende einfluss auf bereits labile personen haben. eine gewaltauslösende wirkung, wie sie mehrheitlich nicht festgestellt wird, kann nicht das alleinige bewertungsmerkmal sein. wenn ich ein gesellschaftliches gewaltproblem habe, dann überprüfe ich doch jede mögliche eingriffsmöglichkeiten und winke nicht ab, mit der begründung, 'das hat nur einen begünstigenden einfluss'.
auch verweise ich nochmals auf die von mir aufgeführten erfahrungen von militärs bezüglich des abbaus von hemmschwellen durch reine wiederholung. ich betone auch nochmals, das spiele natürlich nicht alleing ursächlich sind, diese annahme ist natürlich genauso falsch, wie das die reine existenz von waffen zu mehr morden führt, aber sie sind ebenso wie waffen ein mosaikstein im putzzle der gewaltspirale.
letztendlich muss man abwägen zwischen dem für und wider. ich persönlich trete für eine stärkere regelmentierung ein, da ich die gesellschaft in einem kippzustand sehe, letztendlich verursacht durch wirtschaftliche spannungen. man kann natürlich auf die selbstregulierungskräfte hoffen, allerdings kann einem die sache in zehn jahren dann auch gewaltig um die ohren fliegen. schaut man nach südamerika, bekommt man einen groben vorgeschmack davon, was auch uns blühen könnte, wenn wir gewalt und armut nicht bekämpfen.
das thema muss behandelt werden und darf nicht immer mit dem gestus beiseite geschoben werden, 'bei uns gibt es nichts zu tun'. das gegenteil ist leider der fall. es gibt viel zu tun und viel zu besprechen.
ps, nicht spezifisch an dich gerichtet:
was mich auch immer ein wenig wundert, ist die verbissenheit mit der hier letztendlich für die größten majorlabel gekämpft wird (denn diese veröffentlich ausnahmslos jene beanstandeten spiele), an denen an anderer stelle kein gutes haar gelassen wird. ich finde es etwas unlogisch, sich für diese ins schwert zu stürzen zu wollen. bestenfalls kann man das als verteidigungsreflex auslegen. man darf sich als videospieler nicht immer universell für alle videospiele verantwortlich fühlen. als autofahrer sage ich ich ja auch nicht, 'schande ist über mich gekommen', wenn sie wieder eine unverbesserlichen raser verhaften, sondern 'gut so'. chorgeist war noch nie ein guter berater.
edit, die letzte : bekomme ich jetzt ein wall of text cookie ?
Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Ich möchte keine juristische Diskussion mit dir anfangen, aber Eingriffe in die Kunstfreiheit sind fast immer Einzelfallfragen iRd Angemessenheit, bei denen abgewogen werden muss, während aus deinen Äußerungen stets zumindest in der Tendenz eine Generalvollmacht der Ächtung von Gewalt einfach nur beinhaltenden Spielen anklingt. Dass Spiele vom Schutzbereich der Kunstfreiheit erfasst sind, ist für mich zumindest unproblematisch. Im materialen Sinne sowieso (man denke an Grafik modellierende Programmierer), auch wenn die anderen Ausprägungen uU. problematisch werden können.
Nur setzt du deine Messlatte mMn sehr gering an, was die Anforderungen an eine zu ächtende Gewaltdarstellung angeht. Als Beispiel nanntest du CoD. CoD ist meines Erachtens was den Gewaltgrad angeht ein weniger schlimmes Beispiel, da es sich dort um offensichtlich nicht rechtswidrige Gewalt handelt (man handelt nur als Soldat im Krieg- Ausnahme "No Russian"- und es wird auch in keiner Weise zu rechtswidriger Gewalt angeregt, weder implizit noch explizit, zumindest), erhöhte Grausamkeit (zumindest in den von mir gespielten CoDs -Ausnahme No Russian) ausbleibt und das Szenario zumindest für meine Begriffe alltagsfern genug ist. Was die politische Dimension angeht ist CoD natürlich klar US-patriotisch positional, bewegt sich aber dennoch im Rahmen des Erträglichen.
Bei emotional verstörenden Spielen ist es natürlich etwas Anderes (aber auch hier wieder: genau den Einzelfall beachten).
Generell ist aber mMn ganz klar festzuhalten:
Wir dürfen und müssen, zumindest wenn man allgemeine Regelungen anstrebt, von Nicht-Labilen Personen ausgehen. Das Risiko, in kranken Köpfen etwas auszulösen, kann jedes (auch künstlerische, auch wenig gewalthaltige) Medium beinhalten (man erinnere sich an "Der Fänger im Roggen" und John Lennon). Alle Medien einer Gewaltächtung zu unterziehen, aber auch nur Spiele einer Gewaltächtung zu unterziehen wäre unverhältnismäßig
Nur setzt du deine Messlatte mMn sehr gering an, was die Anforderungen an eine zu ächtende Gewaltdarstellung angeht. Als Beispiel nanntest du CoD. CoD ist meines Erachtens was den Gewaltgrad angeht ein weniger schlimmes Beispiel, da es sich dort um offensichtlich nicht rechtswidrige Gewalt handelt (man handelt nur als Soldat im Krieg- Ausnahme "No Russian"- und es wird auch in keiner Weise zu rechtswidriger Gewalt angeregt, weder implizit noch explizit, zumindest), erhöhte Grausamkeit (zumindest in den von mir gespielten CoDs -Ausnahme No Russian) ausbleibt und das Szenario zumindest für meine Begriffe alltagsfern genug ist. Was die politische Dimension angeht ist CoD natürlich klar US-patriotisch positional, bewegt sich aber dennoch im Rahmen des Erträglichen.
Bei emotional verstörenden Spielen ist es natürlich etwas Anderes (aber auch hier wieder: genau den Einzelfall beachten).
Generell ist aber mMn ganz klar festzuhalten:
Wir dürfen und müssen, zumindest wenn man allgemeine Regelungen anstrebt, von Nicht-Labilen Personen ausgehen. Das Risiko, in kranken Köpfen etwas auszulösen, kann jedes (auch künstlerische, auch wenig gewalthaltige) Medium beinhalten (man erinnere sich an "Der Fänger im Roggen" und John Lennon). Alle Medien einer Gewaltächtung zu unterziehen, aber auch nur Spiele einer Gewaltächtung zu unterziehen wäre unverhältnismäßig
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billy coen 80
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf
Ich bin in dieser Frage auch eher bei wiggenz und "numsie".
Ich kann ja verstehen, wenn sich zipit an so manchen Dingen stößt, aber die vorgebrachten Forderungen haben nichts mit der immer wieder zitierten gesellschaftlichen Ächtung zu tun. Gesellschaftliche Ächtung funktioniert nur auf eine Art: kaum einer kauft es sich / sieht es sich an. Damit ist eine mehrheitliche Aussage dazu getroffen, was die Gesellschaft in einem breiten Konsens von etwas hält. Zensur hat nichts damit zu tun. Wer Zensur fordert, läuft immer Gefahr, auch weiterführend eigene Persönlichkeitsrechte aus der Hand zu geben, vielleicht auch welche, die man ursprünglich gar nicht abgeben wollte.
Das passt übrigens sehr gut zu der von kajetan angesprochenen Neigung der Deutschen, sich gerne auf eine "höhere" Instanz zu verlassen, die das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Da ist dann halt jemand, der aufpasst, dass uns nichts Schlimmes ereilt.
Zensur beinhaltet immer mehrere Probleme und Risiken. So ist es immer ein Tanz auf der Rasierklinge, ein noch wirklich von der Gesellschaft mitgetragenes Maß an Zensur einzuhalten. Es ist gewiss ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass man mit entsprechenden Beschlagnahmungen ein klares Statement gegen fremden- frauen- oder was weiß ich -feindliche Hasspropaganda setzt.
Aber bei Dingen, die schlicht in den Bereich erzählerischer und inszenatorischer Stilmittel fallen (frag mal Regiesseure und Schriftsteller) ist das so ein Ding. Wer legt fest, ab wann es "too much" ist? Und wer legt fest, wer die Befugnis erhält das dann festzulegen?
Was für Blüten das treiben kann, wenn sich greise Männer zu Medienwächtern aufschwingen wollen und über Dinge Urteile abgeben, die sie schlicht nicht verstehen, weil sie nie damit in Berührung gekommen sind, hat man ja in jüngerer Vergangenheit erlebt (Beispiel: die von mir bereits erwähnte Forderung eines CSU-Politikers danach, "Killerspiele" mit Kinderpornographie gleichzusetzen).
Und auch das, was wiggenz abschließend erwähnte, ist wirklich ganz wichtig. Hab ich ja auch schon in nem früheren Post so ungefähr umrissen: Wir dürfen nie den Fehler machen, uns an psychisch labilen Menschen zu orientieren, schon gar nicht, wenn es um Reglementierungen geht. Wenn man das tut, ist man schnell dabei, alles zu verbieten, denn es wird immer irgend welche Menschen mit irgendwelchen Störungen geben, auf die irgendetwas schädliche Einflüsse ausüben könnte.
Ich kann ja verstehen, wenn sich zipit an so manchen Dingen stößt, aber die vorgebrachten Forderungen haben nichts mit der immer wieder zitierten gesellschaftlichen Ächtung zu tun. Gesellschaftliche Ächtung funktioniert nur auf eine Art: kaum einer kauft es sich / sieht es sich an. Damit ist eine mehrheitliche Aussage dazu getroffen, was die Gesellschaft in einem breiten Konsens von etwas hält. Zensur hat nichts damit zu tun. Wer Zensur fordert, läuft immer Gefahr, auch weiterführend eigene Persönlichkeitsrechte aus der Hand zu geben, vielleicht auch welche, die man ursprünglich gar nicht abgeben wollte.
Das passt übrigens sehr gut zu der von kajetan angesprochenen Neigung der Deutschen, sich gerne auf eine "höhere" Instanz zu verlassen, die das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Da ist dann halt jemand, der aufpasst, dass uns nichts Schlimmes ereilt.
Zensur beinhaltet immer mehrere Probleme und Risiken. So ist es immer ein Tanz auf der Rasierklinge, ein noch wirklich von der Gesellschaft mitgetragenes Maß an Zensur einzuhalten. Es ist gewiss ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass man mit entsprechenden Beschlagnahmungen ein klares Statement gegen fremden- frauen- oder was weiß ich -feindliche Hasspropaganda setzt.
Aber bei Dingen, die schlicht in den Bereich erzählerischer und inszenatorischer Stilmittel fallen (frag mal Regiesseure und Schriftsteller) ist das so ein Ding. Wer legt fest, ab wann es "too much" ist? Und wer legt fest, wer die Befugnis erhält das dann festzulegen?
Was für Blüten das treiben kann, wenn sich greise Männer zu Medienwächtern aufschwingen wollen und über Dinge Urteile abgeben, die sie schlicht nicht verstehen, weil sie nie damit in Berührung gekommen sind, hat man ja in jüngerer Vergangenheit erlebt (Beispiel: die von mir bereits erwähnte Forderung eines CSU-Politikers danach, "Killerspiele" mit Kinderpornographie gleichzusetzen).
Und auch das, was wiggenz abschließend erwähnte, ist wirklich ganz wichtig. Hab ich ja auch schon in nem früheren Post so ungefähr umrissen: Wir dürfen nie den Fehler machen, uns an psychisch labilen Menschen zu orientieren, schon gar nicht, wenn es um Reglementierungen geht. Wenn man das tut, ist man schnell dabei, alles zu verbieten, denn es wird immer irgend welche Menschen mit irgendwelchen Störungen geben, auf die irgendetwas schädliche Einflüsse ausüben könnte.