Hier geht's natürlich ähnlich ab wie in England, allerdings ne Nummer kleiner. Einladungen zum Abendessen, Präsentationen in Übersee und Werbegeschenke sind allerdings auch an der Tagesordnung. Hier ist die Genze zur willentlichen Beeinflussung sicher fließend, denn die Publisher müssen natürlich auch werben dürfen. Allerdings ist mir kein Fall bekannt, wo jemand ne ganze Konsole bekommen hat.
Ich denke auch, dass es hierzulande eher ums schnöde Geld geht. Dass sich Einzelpersonen, Blogschreiber oder Redaktionen bestechen lassen, ist ein offenes Geheimnis in der Branche. In welchem Umfang das passiert, kann man nur erraten, da es im Geheimen geschieht.
Die Hexenjagd kann ich nicht befürworten, auch wenn ich die Gründe verstehe. Es hat sich halt zum ersten Mal herausgestellt, dass die Verdächtigungen zutreffen.
Das diverse Spielemagazine bessere Wertungen für große Publisher geben, die gleichzeitig mehr Werbung in dem Magazin schalten, wurde doch schon jahrelang vermutet. Das ein ähnliches Verfahren bei Journalisten direkt angewendet wird dürfte auch nicht verwundern.
Übrigens scheint mir das Vorgehen Parallelen zum Lobbyismus zu haben. Dort wird auch nicht direkt mit Geld geschmiert, sondern man versucht eine Art Wohlfühlatmosphäre zu erschaffen, die sich positiv auf die eigenen Interessen auswirkt.
Dass die Frau jetzt auch noch Spuren beseitigen will lässt leider dann zum Schluss noch fast auf ihre Schuld sprechen, wobei sie aber vergessen hat, dass es jetzt eh nichts mehr bringt sondern nur noch mehr von ihrer Schuld überzeugt. Darüber hinaus vergißt das Internet so schnell nicht.
Das Problem für die Zukunft wird immer noch sein, sich die richtigen Tests rauszusuchen bzw. die richtigen Magazine zu finden. So hat sich bei mir letzte Woche die PCGames leider wieder negativ in den Vordergrund gedrängt, weil dort der Fussball Manager 13 noch 82% erhalten hat, trotz aller Mängel. Die Mängel wurden in dem Test nicht direkt aufgeführt, obwohl die meisten anderen Test die schlimmste Mängel, wie z.B. kaum bzw. keine Einflussmöglichkeit, aufgeführt haben.
Bei solchen Test wundere ich mich immer wie diese zustande kommen und ob hier nicht etwas dahinter steht. Denn wie kann es sein, dass Mängel bzw. Bugs die in anderen Test einstimmig, unabhängig vom Magazin, erwähnt werden beim Test nicht auftreten. Ich will jetzt erstmal nichts unterstelle, aber sowas ist leider in der PCG öfters vorgekommen, was für mich schon ein ziemliches Geschmäckl bedeutet.
Allgemein scheint es schon aufgrund der Subjektivität der Tests nicht mehr das Magazin mit dem Test zu geben, auf den man sich verlassen kann. Dank des Internets kann man aber die Tests vergleichen und sich daraus eine gute eigene Meinung bilden. Das bei Testberichten viel getrickst wird scheint aber in meinen Augen mehr als nur ein Gerücht zu sein.
In jeder Form von Review-Journalismus, gerade dann im Games-Journalismus, und schließlich gesteigert noch im Online-Journalismus ist die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und Marketing ein großes Problem. Der "klassische" Journalismus hat ja nicht umsonst einen hohen ethischen Eigenanspruch, der Nachwuchsleuten normalerweise auch ziemlich umfassend vermittelt wird - die Versuchung gerade in dieser Branche, klicks, Leser, Quote, sprich: Einnahmen durch Gemauschel zu generieren, ist gewaltig, gerade, weil es teilweise so einfach und naheliegend ist.
Review-Journalismus ist da, wie gesagt, besonders bedroht, denn hier geht es eben überwiegend um Produktbesprechung, da ist naturgemäß eine Nähe zu Herstellern gegeben, und deren Interessen sind klar. Im Gaming-Journalismus kommt hinzu, dass Redakteure ebenso wie der Otto Normalzocker gelegentlich zum Fanboi- und Hatertum neigen - und schließlich ist es im Online-Journalismus teils gar nicht mehr so einfach, professionelle und nominell an journalistische Ethik gebundene Angebote von Amateuren und viralem Marketing zu unterscheiden. Da ist dann der kritische Ruf wichtig, den man sich aufbauen kann - oder den man, siehe Miss Wainwright, sehr schnell verlieren kann.
Mein persönliches Lieblingsbeispiel ist ja die große deutsche Zeitschrift gamepro - ja, man muss gar nicht in die Abgründe der freien Tester absteigen. Dieses "Fachmagazin" also ist ja gerade in letzter Zeit berühmt dafür, neben redaktionellen Inhalten, sprich Reviews, Anzeigen in nahezu identischem Design zu schalten - und gibt den betreffenden Spielen dann, oh Wunder, überdurchschnittliche Bewertungen und verschweigt Probleme gezielt. Schönstes Beispiel war Risen 2, wo sogar einfach der PC-Test übernommen wurde. - Beschwert hat sich über diesen Misstand m.W.n. übrigens niemand. Der Gamer ist da wohl schon recht abgestumpft...
Unterm Strich, ja, es ist verdammt schwierig, sich unabhängig und kritisch über Spiele zu informieren, es ist einfach zuviel PR unterwegs in Zeiten, da Spiele gefühlt mehr Marketing- als Entwicklungsbudget haben. Und da werden die Grenzen des Betrugs schnell überschritten, was m.E. nicht nur an "Gelegenheit macht Diebe" liegt, sondern auch an einer mangelnden Professionalisierung des Berufsstandes "Games-Journalist". - Aber wenn man mal so sieht, was in Mainstream-Medien gelegentlich abgeht, will man den mahnenden Zeigefinger mal gar nicht erst rausholen.
Im Prinzip muss sich jeder Informationssuchende halt selbst nach einem Portal umsehen, dem er glaubt, vertrauen zu können. Für mich erfüllt 4p dieses Kriterium; zwar muss man hier gelegentlich auch Anfälle von teils nur bedingt reflektiertem oder ausgewogenem Fanboismus ertragen, und manchmal auch Fälle von "Feuer hat keine Auswirkungen auf Holz"-Diventum, und, ja, auch hier gibt es sehr prominent platzierte Anzeigen für gewisse Spiele - aber unterm Strich scheint man hier die Grundlagen des unabhängigen Journalismus doch noch für befolgenswert zu halten. Und dafür würde ich zumal bei der deutschsprachigen Konkurrenz, s.o., nicht mal ein Haar ins Feuer legen.
Ein Wort übrigens noch zur Hexenjagd: ach ja, das Web. Greater Dickwad Theory und so. - Aber man sollte sich dann auch nicht wundern, dass eine solch vorbildlich soziale Kultur dazu neigt, Betrüger und Betrugsmentalität hervorzubringen und zu fördern.
Sir Richfield hat geschrieben:Diejenigen, die einen Artikel tatsächlich lesen, um sich über ein (schon erschienes) Spiel zu informieren, die Erfahrungen mit dem Programm "out of the box" lesen wollen, also die eigentliche Zielgruppe - die haben sich zynisch abgewandt, weil sie nicht mehr an die Unabhängigkeit glauben.
Denn der Preis für die Geschwindigkeit ist halt die Integrität.
Das kann man, leicht abgewandelt, auch für den gesamten Nachrichtenbereich nehmen. Man opfert auf dem betriebswirtschaftlichen Altar des billigen und schnellen Befüllens von Content-Management-Systemen durch unterbezahlte Praktikannten jedwede Glaubwürdigkeit und Qualität, die man aber DRINGENST benötigt, um weiterhin im Digitalen Zeitalter Geld verdienen zu können. Es hat schon seinen Grund, warum die Verleger Leistungsschutzrechte und andere bedingungslose Grundversorgungen fordern ... sie wissen, dass sie mit Glaubwürdigkeit und Qualität nicht mehr dienen können.
andymk hat geschrieben:Mein persönliches Lieblingsbeispiel ist ja die große deutsche Zeitschrift gamepro - ja, man muss gar nicht in die Abgründe der freien Tester absteigen. Dieses "Fachmagazin" also ist ja gerade in letzter Zeit berühmt dafür, neben redaktionellen Inhalten, sprich Reviews, Anzeigen in nahezu identischem Design zu schalten - und gibt den betreffenden Spielen dann, oh Wunder, überdurchschnittliche Bewertungen und verschweigt Probleme gezielt. Schönstes Beispiel war Risen 2, wo sogar einfach der PC-Test übernommen wurde. - Beschwert hat sich über diesen Misstand m.W.n. übrigens niemand. Der Gamer ist da wohl schon recht abgestumpft...
Ist das nicht eine Schwester der Gamestar? Die macht das nämlich auch. In der letzten Ausgabe gab es einen Leserbrief, der bemängelt hat, dass die Werbung aussieht wie Redaktioneller Inhalt.
Antwort: "Wir wissen gar nicht, was Du willst, steht doch 'Anzeige' dran."
Traumdiktator hat geschrieben:Schön, dass ihr das hier umfangreich zusammenfasst und alle relevanten Links präsentiert. Hab das Thema auch verfolgt und freue mich, dass es hier angemessen präsentiert wird.
Dito. Hab mich schon gefragt, wann das Thema hier aufgegriffen wird. Allerdings hatte ich mit einer Kolumne von Jörg gerechnet. Andererseits gibt's die sowieso schon, wenn ich mich nicht irre - wenn auch schon älter und daher natürlich nicht explizit auf diesen "Skandal" bezogen. Interessant finde ich, dass sich Geoff Keighley, der ja gewissermaßen Auslöser der ganzen Debatte ist dazu scheinbar nirgendwo geäussert hat. Dessen journalistische Integrität stand ohnehin zu bezweifeln; dass er einfach abtaucht und nichts dazu sagt lässt ja auch schöne Interpretationen zu, die von "der ist Profi und gibt nichts drauf" bis "der versteckt sich" reichen.
Ich fürchte nur, dass sich nichts ändert. Nein, eigentlich bin ich mir sicher. Vielleicht nimmt der eine oder andere seinen Hut, aber am Ende bleibt alles wie es ist. War ja damals auch nicht anders als Gamespot in den Schlagzeilen war.
Schade finde ich, dass Eurogamer sich hat unter Druck setzen lassen. Rechtlich wären sie soweit ich als Laie das sehe nicht angreifbar gewesen, weil Rab Florence ausdrücklich geschrieben hat, er halte Wainwright nicht für "gekauft". Nur dass es seltsam aussehe. Zudem darf man bestimmt auch in England seine Meinung im Rahmen einer Kolumne frei äussern.
"The saloon doors stopped swinging /
The piano player stopped playing /
In the shadows / I could hear Archaic Spanish phrases /
The preacher stood up from his table; in his right hand he held a bible /
And in his left, the business end of a Winchester rifle" Clutch - A Quick Death in Texas
giselher hat geschrieben:So eine Sauerei. Es ist wirklich traurig das es fast keine anständigen Seiten gibt wo keine Publischerfreunde und Geschenkempfägern sitzen.
Jetzt wird ein Schuh draus.
Glaub ja wohl niemand, dass die Mehrheit der Medien weltweit unabhängig agieren. In jedem Branchenbereich, in dem Medien präsent sind, sind Politik und "Geschäftsbeziehungen" ein wesentlicher Bestandteil.
Das liegt an persönlichen Beziehungen, von außen ausgeübter Druck, oder ganz klassisch... die Gier des Menschen. Überall wo Geld oder andere wertige Sachmittel im Spiel sind, weicht der sicher vorhandene frühere Idealismus, dem natürlichen Verlangen der individuellen Vorteilnahme. Quasi nur der Stärke überlebt .... und das ist als unabhängiger professioneller Berichterstatter nur selten möglich.
@saxxon.de
Wenn die Aussagen wahr sein sollte, wovon wir ausgehen, gibt es keine rechtlichen Gründe, den Artikel zu zensieren. Der Druck von außen und die zukünftigen Geschäftsbeziehung in der Branche sind allerdings gefährdet. Da der Artikel zudem noch von einem unabhängigen Redakteur verfasst wurde, geht man hier auch den einfachsten Weg.
"The main thing is to make sure you learn through your mistakes and get better." - Ayrton Senna
Na muss jeder für sich wissen, ob er nur einem Magazin etc. vertraut und daraufhin 40-60€ ausgibt. Der Kunde wird langfristig gesehen schon irgendwann mitbekommen ob sein Spielspaß wirklich mit dem eines Magazins hinhaut oder nicht. Je nachdem wird auch er sich eventuell abwenden und nach neuen und mehreren Quellen Ausschau halten, ist schließlich sein Geld und seine Zeit die er da investiert.
Zudem darf man bestimmt auch in England seine Meinung im Rahmen einer Kolumne frei äussern.
Sagen wir es mal so: Jein.
Üble Nachrede (libel) wird nach britischen Recht (defamation law) schneller und härter geahndet als in anderen Ländern, und die Richter sind auch eher geneigt, zu Gunsten der betroffenen Person zu urteilen. Außerdem läuft man schon Gefahr, für geschmacklose Witze ins Visier der Justiz zu geraten.
Man kann jetzt darüber diskutieren, ob das Magazin da zu schnell und voreilig gehandelt hat. Aber zumindest aus dem Umstand heraus, dass im Text selbst ja ohne direkte Beweise gemutmaßt wurde - und die Square Enix-Verbindung zumindest in der Größenordnung wohl nicht bekannt war -, wollte man da wohl keine Klage riskieren.
1. Für diesen Umstand gibt es eine eindeutige Bezeichnung: UNPROFESSIONALITÄT.
Heutzutage wird von aktiven Autoren und Fans gleichermaßen die Auffassung vertreten eine Meinungsäußerung und journalistische Arbeit sei das gleiche. Ein Ergebnis der ich-auch-Webkultur.
Wie sowas aussieht kann man gut am "Fachbesuchertag" der Gamescom beobachten, wo selbsternannte Journalisten und Autoren zu pumpenden Beats die Arme hochreissen und Firmennamen rufen um Poster zu bekommen. Das sind eure Profis...
2. Diese Situation wird natürlich von den Unternehmen ausgenutzt und gefördert, indem ahnungslosen "Medienkontakten" suggeriert wird es sei die übliche Aufgabe von Schreiberlingen als ihr Sprachrohr zu fungieren..
3. 4players mögen polarisieren und vielleicht den ein oder anderen Prozentpunkt zu niedrig wählen um mehr Klicks zu bekommen, aber ich halte mich hier am liebsten auf, da es eine der wenigen Seiten mit echtem journalistischen Anspruch ist (und diesen Anspruch zumindest teilweise auch umsetzen kann).
Deshalb: Wenn ihr selbst einen Blog oder Podcast startet, macht euch bewusst, dass ihr eurem Leser und Hörer dient und es eure Aufgabe ist zu berichten, zu kritisieren und nach gutem Geschmack zu filtern. Was genau der gute Geschmack ist bestimmt ihr. Ihr seid die Enthusiasten und wisst es besser. Punkt.
Zuletzt geändert von Easy Lee am 26.10.2012 14:33, insgesamt 1-mal geändert.
Dieses Bild von Geoff Keighley, wo er zwischen Mountain Dew, Doritos und dem Master Chief sitzt, hat mich irgendwie zum lachen gebracht. Ich habe selten einen Artikel gelesen zu dem es ein SO treffendes Bild gibt, das sofort anschaulich macht wo das Problem ist.
Batistuta hat geschrieben:Dieses Bild von Geoff Keighley, wo er zwischen Mountain Dew, Doritos und dem Master Chief sitzt, hat mich irgendwie zum lachen gebracht. Ich habe selten einen Artikel gelesen zu dem es ein SO treffendes Bild gibt, das sofort anschaulich macht wo das Problem ist.
Was denn? Er hatte Hunger und war müde.
Das Thema wird gerade aber auch mal wieder extrem hochstilisiert, inklusive ultra-zynischen Beiträgen wie diesem. Das Problem ist nicht neu und es ist längst nicht nur auf den Spielejournalismus beschränkt. Es wird sich aber auch nicht eindämmen lassen, von daher bleibt uns nichts anderes übrig, als damit umzugehen zu lernen und ggf. bei zu offensichtlicher Beeinflussung Abstand vom jeweiligen Redakteur/Magazin zu nehmen.
Kleiner Trost: Kein Publisher schafft es, alle Redakteure der Welt zu bestechen.