Re: Sony über Server-Hack
Verfasst: 04.05.2011 23:20
Die OtherOS-Funktion (sprich Linux) hat jetzt genau was mit Raubkopien zu tun? Könnten wir bitte sachlich bleiben?Obscura_Nox hat geschrieben:Sicher. Das eigene System vor Raubkopien schützen zu wollen, ist natürlich völlig inakzeptabel. Was hat sich Sony dabei nur gedacht.Thunderphreak hat geschrieben:Wenn denen jetzt noch jemand plausibel machen könnte, dass sie das alles einfach hätten verhindern können, indem sie Linux nicht von der PS3 geschmissen hätten
Diese Funktion hat Sony überhaupt nichts getan hat. Ganz im Gegenteil, die PS3 wurde nicht gehackt (keine Raubkopien). Mit dem Firmware-Update ohne OtherOS war vielen klar, was als nächstes passieren würde. Kein Linux mehr von Sony, also selbst ran. Das ist übrigens nicht in jedem Land verboten (bezüglich des Gefasels von wegen Rechtsstaat).
Ziel dieser fähigen Menschen (Hacker) war es Linux zurück auf die Konsole zu bringen. Ich rede von Menschen, die Lust haben Dinge zu verstehen und voll unter ihrer Kontrolle zu haben. Menschen, die auch Dinge komplett selbst bauen anstatt sich alles von der Industrie vorkauen zu lassen (Food-Hacking, LED-Spielzeuge, Mikrokontroller etc.).
Dass sich da immer halbstarke Möchtegern-Hacker dranhängen um Raubkopien zu ermöglichen ist die Folge dessen, aber nicht die Intention der ursprünglichen Hacker. Man schaue sich mal Team Twiizers an. Die haben nicht alles (sofort) veröffentlich und sogar versucht ihre Hacks zu verschleiern, damit eben nicht Hinz und Kunz daraus einen Warez-Loader schreiben kann. Es geht hier um Homebrew, nicht um Raubkopien.
Nur ist die Folge immer gleich und absehbar: Ein Hersteller bringt eine verrammelte Konsole auf den Markt. Hacker verschaffen sich Zugang für Homebrew. Möchtegern-Hacker ermöglichen auf dieser Grundlage Raubkopien. Ich habe Sony da tatsächlich für intelligent gehalten, als sie die PS3 mit OtherOS auf den Markt gebracht haben. Und die Geschichte hat ihnen Recht gegeben. Die Konsole wurde nicht gehackt solange es offiziell Linux auf der Kiste gab. Linux mit ein paar Einschränkungen, aber nicht so groß, dass es die Hacker genug motiviert hätte.
Dann war Sony dumm genug sich diesen einmaligen Konkurrenz-Vorteil wegzupatchen. Und dann waren sie noch dümmer und haben die Linux-Hacker mit Anwälten beworfen. Und ob man nun die Aktion von Anonymous gutheißt oder nicht (ich habe dazu eine geteilte Meinung), sie war absehbar. Ich denke übrigens nicht, dass dies von Geohot oder GrafDingens beabsichtigt, gewünscht oder initiiert wurde.
Ob man das Verhalten von Anonymous irgendwie rechtfertigen kann wurde schon bei den Wikileaks-DDOS-Angriffen diskutiert. Sprich ob das eine legitime Demonstrationsform ist oder ein verbotener Angriff. Das will ich nicht bewerten, auch dazu habe ich eine geteilte Meinung.
EDIT: http://www.netzpolitik.org/2010/zapp-an ... e-im-netz/
Ich finde es nur bedauerlich, dass Sony sich dumm verhalten hat, es vermutlich auf die Hacker der Box schiebt (die nicht Anonymous bzw. die Hacker der nun betroffenen Online-Systeme sind) und am Ende der Kunde der Leidtragende ist.
Ist da jeder mitgekommen, oder bekomme ich jetzt wieder Anarchie und andere Unsachlichkeiten vorgeworfen?