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Verfasst: 15.03.2011 15:29
von HellToKitty
Ich glaube die Rechnung ist recht einfach:
Je besser die Spielmechanik desto gleichgültiger die Story. Als Beispiel würde ich da auf zahlreiche gute Arcade Spiele verweisen.
Auch umgekehrt scheint es zu funktionieren: Wenn man auf ein Heavy Rain schaut und bemerkt, dass es sich dabei kaum um ein Spiel handelt und trotzdem extrem zu unterhalten weiß.
Und auch wenn sich beide Elemente, sprich Story und Gameplay scheinbar die Wage halten, kann es zu unterhaltenden Spielen wie z.B. GTA kommen.
Die Königsklasse wäre jetzt ein Spiel mit Top-Story und Top-Gameplay. Das scheint aber schwierig zu sein, weil beide Elemente gewissermaßen in Konkurrenz stehen. Ein gutes Gameplay überzeugt oftmals durch seine Zugänglichkeit und einfachen Brillanz. Eine komplexe Story würde dem nur im Weg stehen.

Verfasst: 15.03.2011 15:37
von Genkis
HellToKitty hat geschrieben:Ich glaube die Rechnung ist recht einfach:
Je besser die Spielmechanik desto gleichgültiger die Story. Als Beispiel würde ich da auf zahlreiche gute Arcade Spiele verweisen.
Auch umgekehrt scheint es zu funktionieren: Wenn man auf ein Heavy Rain schaut und bemerkt, dass es sich dabei kaum um ein Spiel handelt und trotzdem extrem zu unterhalten weiß.
Und auch wenn sich beide Elemente, sprich Story und Gameplay scheinbar die Wage halten, kann es zu unterhaltenden Spielen wie z.B. GTA kommen.
Die Königsklasse wäre jetzt ein Spiel mit Top-Story und Top-Gameplay. Das scheint aber schwierig zu sein, weil beide Elemente gewissermaßen in Konkurrenz stehen. Ein gutes Gameplay überzeugt oftmals durch seine Zugänglichkeit und einfachen Brillanz. Eine komplexe Story würde dem nur im Weg stehen.
da könnte ein punkt liegen. das storytelling steht einem komplexen gameplay im weg.
die story muss erlebt werden, nicht erzählt. es muss sich anfühlen, als würde das, was gerade passiert, dir passieren.
dieses gefühl geht aber oft verloren, wenn man ständig iwelche storysequenzen präsentiert bekommt.

ganz schlechtes beispiel, was story angeht:

bulletstorm, da gibt es so oft auf einmal teile in denen dem spieler ohne
jedem grund auf einmal das ruder aus der hand gerissen wird. und dann
kommt eine sequenz, die man locker hätte auch spielen können. dazu wird
die sequenz auch noch in spielegrafik dargestellt, aber als video.. also
mit artefakten und so... was geht denn ab, aber ich schweife davon.


adventures können das sehr gut wie ich finde. oder alte rpgs. spiele, in
denen man jeden satz, den der charakter sagt vorher lesen konnte um ihn
dann zu sagen. das ist dann so als ob man sich selbst entschieden hätte,
den satz so zu sagen.
auch, dass man selbst durch interaktion mit der spielewelt etwas über
gerade diese herausfinden muss, ist sehr sehr wichtig. (PS:Torment! - Im
Moment macht das Mass Effect noch ganz gut.)

Verfasst: 15.03.2011 15:46
von Jumn
Er hat in Teilen Recht, in Teilen nicht. Ein neues Call of Duty ist nicht das, was wir uns wünschen sollten, was die Spieleindustrie vorantreibt. Genausowenig repräsentieren prätentiöse Werke wie Flower den Kunststatus von Spielen. Spiele müssen tatsächlich Inhalt haben, Aussagen und/oder Emotionen vermitteln und diese mit passendem Gameplay vermählen, dann sind sie auf dem richtigen Weg für die Zukunft. Shadow of the Colossus, No More Heroes, GTA - drei sehr verschiedene Beispiele, die aber alle die richtige Richtung repräsentieren, Kunstwerke und doch funktionierende, gute Spiele sind. In die Richtung muss es weitergehen, nicht in die von CoD oder Flower.

Verfasst: 15.03.2011 16:16
von RickRaven
Ich versuche mal zu interpretieren, wie der Herr es gemeint haben könnte. In Bezug auf die Story. Hier wurde eben gesagt, eine gute Story steht einem komplexen Gameplay im Wege. Dies würde ich ebenfalls so unterschreiben. Aber vielleicht kritisiert er auch nicht die Story an sich, oder gar ihre Komplexität, sondern lediglich die Präsentation dieser.
Heißt im Klartext: Eine gute Story ist durchaus wichtig für bestimmte Arten von Spiele, allerdings nicht, wenn diese lediglich durch Cutscenes erzählt wird, sondern selbst gespielt wird.

Dies ist aber heutzutage rar. Leider. Nehmen wir aktuelle Shooter als Beispiel. Die Singleplayer Kampagnen haben eine Spielzeit von rund 5 Stunden. In dieser spielt man eine kurze Zeit und wird von einer Cutscene unterbrochen, die die Story und oft auch Handlungen vorrantreiben und dem Spieler präsentieren, ohne dass dieser überhaupt die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden. Somit wird die Story auf Zwischensequenzen beschränkt. Das ganze artet in einen mehr oder weniger interaktiven Film aus.

Da ich ein Spieler der Alten Schule bin, also wie die meisten sicher aufgewachsen mit Arcade, alten Pixel-Jump'n'Runs und RPG's, muss ich zugeben, dass mir heutzutage viele dieser alten Spiele noch mehr Spaß bereiten, als jegliche Games der Next Gen.
Und nehmen wir als Beispiel ein Super Mario. Dort funktioniert es auch ohne ausgeklüngelte Story. Mir war damals egal, was Bowser gerade mit Peach veranstaltet. Ich wollte durch die Level hüpfen, die Gegner besiegen und das Spiel durchspielen. Am Ende dann die Endsequenz genießen. Und diese "banalen" Endsequenzen der alten Spiele, dieser Reiz, eben diese zu Gesicht zu bekommen, fehlt in vielen heutigen Spielen. Eben auch, durch die Überflutung von Cutscenes. So, dass jegliche Sequenz an Reiz verliert. Sehr schade.

Es gibt aber auch andere Spiele, in welcher die Story treibendes Element ist. Nehmen wir als Beispiel wieder ein etwas älteres, ein RPG: Terranigma.
Eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Die Geschichte hat mich damals einfach fasziniert und tut es zT heute noch. Das Gameplay rutschte hierbei in den Hintergrund.

Ich denke einfach, man kann nicht pauschal sagen, ob Story oder Gameplay wichtiger ist. Es kommt auf's Genre an und eben wie in jeglichen anderen Formen der Unterhaltung auch: Auf den Geschmack!

Verfasst: 15.03.2011 16:17
von Roger Whittaker
Viele Dinge, die er nennt, haben hier sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Bei Einigen kann man sicherlich drüber streiten.

Besonders diesem Teil kann ich absolut nur zustimmen:

"Im Rest des recht langen Blogeintrags wettert Jaffe noch gegen das Geld, das in die Erstellung von Zwischensequenzen investiert wird, statt es für das Gameplay oder die Aufbesserung der Gehälter der Entwickler zu verwenden. Er habe überhaupt nichts gegen den Story-Aspekt - allerdings sollte man sich vielleicht zuerst auf das fokussieren, was das Medium Spiele auszeichnet: Gameplay/Interaktivität. "
Das ist sowas von wahr, denn es passiert nicht selten, dass man den Eindruck hat, dass auf vieles wertgelegt wird AUSSER der tatsächlichen guten Spielbarkeit/Erlebbarkeit.


Das beste neuere Beispiel ist hier sicherlich Castlevania: Lords of Shadow:


Hier wurde z.B. versucht eine aufwendige, langandauernde Story einzubauen. Es wurden extrem teure Hollywood-Sprecher verpflichtet und ein preisgekrönter Musiker für einen teuren Soundtrack herangezogen. Auch die Gameplayelemente wurden hier, nach Kojimas Vorgaben, weitestgehend versucht unterzubringen. Bis dahin viel Aufwand "von Aussen" bzw. "für äußere Elemente". Eigentlich ist das zu begrüßen, wenn sie nicht auch noch versucht hätten, die Grafik über Gebühr auszureizen.

Denn dieses ständige Geruckel und Gezuckel ist, vor allem Anderen, zunächst ungesund. Dann hat es direkten Einfluss auf die Spielbarkeit und ist nervtötend und hindert am "Erleben" der Welt. Schliesslich entsteht der Eindruck, die Entwickler ( nicht die Sprecher, nicht der Komponist, nicht die Writer, nicht die Erfinder etc.) haben etwas versucht zu erschaffen, das weit über ihre Fähigkeiten hinausgeht und dieses zieht sich dann wie ein roter Faden auch durch die positiven Bereiche und verdirbt sie in der Folge.

Deshalb ist für mich Mercury Steam als Spieleschmiede ein rotes Tuch...mit den Ideen und dem Budget und dem Aufwand hätte Konami überall auf der ganzen Welt bessere Ergebnisse abholen können, als dort wo sie dann tatsächlich zusammengeschustert worden sind.

Verfasst: 15.03.2011 16:19
von Flat Eric
4P|T@xtchef hat geschrieben: 1) Spiele sind keine Kunst im klassischen Sinne.
Nicht im klassischen Sinne - aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es als "Kunstform" akzeptiert wird. In Frankreich z.B. ist das der Fall, genauso wie Comics.

Verfasst: 15.03.2011 16:24
von Dan Chox
Flat Eric hat geschrieben: genauso wie Comics.
Hm, das wäre mir aber neu.(?)

Verfasst: 15.03.2011 16:26
von Genkis
lange zeit wurden comics als jugendvernichtende schundheftchen verschrien, bis sie dann eben als kunst aktzeptiert wurden.

Verfasst: 15.03.2011 16:41
von Roger Whittaker
Kunst war schon immer Auslegungssache, abhängig von Kultur und Zeitgeist. Wenn man darunter nur Sachen verseteht, die man in Museen vorfindet, dann ist das arg dämlich. Die einzige Einteilung die Sinn macht, ist, ob es anspruchsvoll ist oder nicht...und selbst dann kann man sich drüber streiten.

Fernsehen, Theater, Comics, Bücher, Spiele etc. sind alle dann Kunst, sobald der Autor es als solche deklariert und sie nicht ausschliesslich der Informationsvermittlung dienen (aber dann erhebt diesen Anspruch auch niemand...höchstens dass es auf eine kusntvolle Art und Weise rübergebracht wird).

Verfasst: 15.03.2011 16:49
von Nordwesen
Genkis hat geschrieben:lange zeit wurden comics als jugendvernichtende schundheftchen verschrien, bis sie dann eben als kunst aktzeptiert wurden.
Comics sind Jugend vernichtend. Sachbücher hingegen nicht. :lol:

Verfasst: 15.03.2011 16:54
von jiyu
Kunst nur als Frage der Akzeptanz zu sehen, ist zu kurz gedacht.
Irgendwann wird schon jemand kommen und sagen, dass es Kunst ist. Und irgendwann später kommt jemand und sagt "Stimmt!"

Comics sind Kunst, weil es jemanden gegeben hat, der das Medium so zu nutzen wusste, dass es mehr wurde als "nur" Superheldenvehikel. Ein Künstler eben.

A propos Zeitgeist: Wie funktiioniert das gleichnochmal bei griechischen Tragödien :wink:
Ist ja nicht so, dass die letzten 2500 Jahre nicht auch andere Sachen produziert worden wären.

Verfasst: 15.03.2011 17:01
von Kunib3rt
Was soll denn immer dieses ganze Kunst-TamTam? Ist doch Wurscht obs Kunst ist oder nicht, solange es Spaß macht.
Kunst ist einfach so ein überbewerteter Begriff!
Wenn ich eins in der Schule gelernt habe, dann ist das, dass alle sogenannten Künstler und auch die ganzen Schriftsteller kranke Freaks waren (ich sag nur Dada oder Kafka) und dass ich nie mehr in meinem Leben was mit Kunst zu tun haben will.

Re: Spielkultur

Verfasst: 15.03.2011 17:01
von Huhamamba
[Shadow_Man] hat geschrieben:Im Rest des recht langen Blogeintrags wettert Jaffe noch gegen das Geld, das in die Erstellung von Zwischensequenzen investiert wird, statt es für das Gameplay oder die Aufbesserung der Gehälter der Entwickler zu verwenden. Er habe überhaupt nichts gegen den Story-Aspekt - allerdings sollte man sich vielleicht zuerst auf das fokussieren, was das Medium Spiele auszeichnet: Gameplay/Interaktivität.

Er hat damit sowas von recht. Im Grunde besteht ein Großteil der Spiele doch nur noch aus Zwischen- bzw. Filmsequenzen. Das kritisiere ich doch schon seit langer Zeit, dass wir bald keine Spiele mehr spielen, sondern nur noch interaktive Filme gucken. Das, worauf es ankommt, Gameplay, Interaktivität, Kreativität, Komplexität, gerät doch immer mehr in den Hintergrund.
Vieles was heute als ComputerSPIEL verkauft wird, ist nicht mehr als ein interaktiver Film. Dabei wird man aber immer mehr zum Zuschauer und dadurch verliert das Medium Computerspiel immer mehr von seinem "Alleinstellungsmerkmal".
Dabei macht das ein Computerspiel aus, dass man selbst agieren kann. Sonst könnte man doch gleich einen Film schauen.
Wer möchte im Gegenzug aber schon ein GTA haben, dass ohne Cutscenes daherkommt und seine Story über staubtrockene Briefings im Stile von Operation Flashpoint erzählt? ;)

Überhaupt ulkig, dass ausgerechnet der Typ sich über zu wenig Gameplay in Spielen mokiert, dessen God of War nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von QTEs darstellte. :D

Verfasst: 15.03.2011 17:17
von mr archer
Kunib3rt hat geschrieben:Was soll denn immer dieses ganze Kunst-TamTam? Ist doch Wurscht obs Kunst ist oder nicht, solange es Spaß macht.
Kunst ist einfach so ein überbewerteter Begriff!
Wenn ich eins in der Schule gelernt habe, dann ist das, dass alle sogenannten Künstler und auch die ganzen Schriftsteller kranke Freaks waren (ich sag nur Dada oder Kafka) und dass ich nie mehr in meinem Leben was mit Kunst zu tun haben will.
Danke, Mann! Dein Post ist so großartig - den werde ich demnächst in einem geeigneten (künstlerischen) Rahmen mal zitieren. Sowas krieg ich einfach vergleichbar brachial nicht hin. Erhallte Dir auf jeden Fall Dein sonniges, von keiner Kunst getrübtes Gemüt.

Verfasst: 15.03.2011 17:22
von jiyu
@Mr Archer: Meinst du sonnig im Sinne von oben offen und gut durchlüftet.
Musste gerade an Cabrios denken.