ChrisJumper hat geschrieben:
Ja da sind wir uns Einig denke ich. Zeitgleich habe ich aber auch leider vermehrt den Eindruck das der Datenschutz sogar Kontraproduktiv ist. Er wird hoch gehalten, es gibt angeblich Gesetze, er wird verteidigt. Nur damit die Realität dann doch nicht so aussieht. Ein wenig wie mit Unternehmen die Steueroasen/Schlupflöcher nutzen. Siehe die Diskussion Safe-Habor, Privacy-Shield, die Doppeldeutigkeit des Hacker-Paragraphen, wo es Privatpersonen untersagt ist alle Daten ab zu schnorcheln aber Geheimdienste und Unternehmen machen es in großem Stil. Trotzdem steht in unseren Gesetzen das Daten anonymisiert werden müssen, man muss wegen dem Datenschutz sogar aufpassen das Namen und Adressen nur ohne Verknüpfung in den Datenbanken liegen, aber mit einer geschickten trivialen Verknüpfung/Abfrage lassen sich durchaus einzelne riskante Datenprofile abfragen. Wo kein Kläger da kein Richter. Wie die 10.000 letzten Parkpositionen eines modernen deutschen Autos. Solche Dinge sollten öffentlich einsehbar sein das ein Verständnis für das Problem sich entwickeln kann. Also nicht die Daten aber die Funktionsweise und das diese Daten über eine Einzelperson vorliegen. Denn nur dann wenn sich die Menschen mal durch diese Art selber beobachten merken sie was es bedeutet. Aber genau das passiert nicht und wird auch nie passieren. Deswegen sitzt die Verantwortung auch bei den Informatikern, welche diese Technik bereit stellen. Aber nein, die meisten entscheiden sich nicht gegen diese Implementierung weil sie nicht einmal darüber sprechen dürfen oder keinen Job mehr bekommen würden wenn es ein paar Tage später bei Wikileaks steht.
Es ist eine Grauzone, die ich sogar noch schlimmer finde als andere Grauzonen im Internet. Warum? Weil diese auch noch legal ist und Gesellschaftlich voll akzeptiert. Datenreichtum.. sagt unsere Kanzlerin. Wir müssen diese Datenreichtum nutzen und unsere Internetunternehmen ermöglichen das sie es genauso einfach haben wie in den USA, damit die Unternehmen hier denen Konkurrenz machen können.
Volle Zustimmung. Aber das ist eben genau das Problem, dass natürlich auch daraus entsteht, wenn man sich eher mit einigen Firmen (wie zum Beispiel Facebook) auseinander setzt, statt an dem grundlegendem Problem zu arbeiten. Der Datenschutz sollte sich eben wieder darum bemühen, die Informationen ans Licht zu bringen - nicht darum, einzelne Firmen an den Pranger zu stellen, weil sie ihrer subjektiven Ansicht nach zu viele Daten sammeln. Datenschutz, ist, wie schon gesagt, erstmal eine Privatsache und hier ist Aufklärungsarbeit nötig - nicht Vorschriften oder erhobene Zeigefinger. Und es ist nötig, dass man, wie du schon richtig sagst, nicht so heuchlerisch vorgeht. Man kann nicht einerseits unbedingt diverse Freihandelsabkommen um Biegen und Brechen mit den USA durchdrücken wollen, von denen der Europäer insbesondere im Datenschutz eher Nachteile hat und sich im gleichen Moment über die Datensammelwut eines US-Anbieters aufregen. Man hat die Basis dafür selbst mehr oder minder geschaffen, baut sie jetzt sogar noch aus... und tut so, als würde man die Nutzer vor den bösen Firmen schützen wollen, die diese Möglichkeiten dann auch nutzen.
ronny_83 hat geschrieben:
Da stimme ich dir durchaus zu. Aber warum bis zur Behörde denken? Selbst Mitarbeiter deines Internetproviders, Telefonanbieters, Internetplattformen, wo du ein Profil hast etc. könnten jetzt schon eine Menge Unfug damit treiben. Auch ohne gesetzliche Beschlüsse. Da bewegen wir uns ja schon im illegalen Bereich, egal ob jetzt Firmenmitarbeiter oder Mitarbeiter einer Behörde.
Dafür gibt es, mindestens zwei Gründe... erstmal haben die Provider, wie hier schon erklärt, recht strenge Richtlinien, wie und wo diese Daten gespeichert, gelagert, weitergegeben werden sollen. Für die Regierung fehlt eine solche Regelung bislang völlig...
Der zweite Punkt ist aber meiner Meinung nach viel Wichtiger... Kausalität... mehr Daten, längere Gelegenheit und mehr Personen, die Zugriff auf eben diese Daten haben als jetzt. Stell es dir so vor:
Du gibst in einem Raum ein Bündel aus 5 50-EUR-Scheinen rum. Im Raum befinden sich 5 Personen, jeder soll das Bündel nur einmal weitergeben. Du wirst sehr wahrscheinlich deine 250 EUR am Ende wieder in der Hand halten.
Nun gibst du in einem Raum ein Bündel mit 100 (weil: mehr Daten) 50-EUR-Scheinen rum. Im Raum befinden sich 100 Personen (weil: mehr Mitarbeiter, die damit in Kontakt kommen), jeder soll das Bündel 5 Mal (weil: mindestens Provider und Regierung Zugriff darauf haben) weiter geben. Die Chance ist hier ungleich höher, mit weniger als deinen 5000 EUR nach Hause zu gehen.
Menschen wägen Gefahren ab, wenn sie Mist bauen wollen... und je geringer die Gefahr ist, dass es auf sie persönlich zurück fällt und/oder je höher die Chance ist, es jemand anderen in die Schuhe zu schieben, umso eher tun sie es. Daten die also nur beim Provider liegen sind verhältnismäßig merklich sicherer, als welche, die durch mehrere Hände wandern.
Aber wie schon gesagt, auch abseits von einem solchen illegalen Missbrauch ist die VDS problematisch - und eben nicht nützlich.