James Dean hat geschrieben:
In Amerika wird Geschichtsunterricht genauso präsentiert wie in Deutschland oder in jedem anderen Land: mit nationalem Fokus.
Ist also ein weltweites Problem...
Den Unabhängigkeits- und Sezessionskrieg in den USA hatte ich in Geschichte übrigens auch an der Schule, ähnlich wie den für Deutschland völlig nebensächlichen WW1 in 1-2 Schulstunden abgehabdelt.
James Dean hat geschrieben:denn der zweite Weltkrieg war wichtiger, oder Vietnam oder der Golfkrieg oder die Koreakrise etc.
Vietnam, Golfkrieg oder Koreakriese wurde bei mir im Geschichtsunterricht mit keinem Wort erwähnt, ebenso wie der Kalte Krieg oder die Mondlandung. War knappe 30-50 Jahre später wohl einfach noch zu neu für "Geschichte".
Wir hatten auch nie von der chinesischen Kulturrevolution gehört, mit insgesamt rund 40Millionen Toten.
Es gab in China eine Kulturrevolution mit 40mio Toten? Ok, hab ich nie von gehört, aber das läge ja über dem WW1 und nicht allzuweit vom WW2 entfernt, was die Anzahl der Toten angeht.
Ich habe ehrlich gesagt auch nie mitgekriegt, was China im WW2 gemacht hat, ob die praktisch komplett unbeteiligt waren oder da "wesentlich" beigetragen haben. Ich weiß nur, dass Japan da wohl mal reinwollte, aber das war wohl zu nebensächlich um darüber zu berichten.
Auch hier: Es hat für unsere Schüler keine Relevanz. Deutschland hatte keine Kolonien in den Amerikas, sondern nur in Afrika - und darüber wird gesprochen (Völkermord an den Herero usw.).
Keine Relevanz? Dann sollte man erstmal klären, welche Relevanz Geschichtunterricht überhaupt hat. Welche Relevanz hat denn der WW2 auf mich als mitte 30-jährigen der WW2 noch? Oder gar der WW1? Oder die französische Revolution? Klar wirkt sich langfristig das Ergebnis auf mich auf, wir haben jetzt halt eine Pseudodemokratie als USA-Satellitenstaat statt einem Führer, das ist aber der Ist-Zustand, wie es genau dazu kam, hat auf mich absolut keinen Einfluss, kann mir also vollständig egal sein.
Jedes Land hat seine eigene Geschichte und Deutschland hat davon jede Menge und die Amis ebenso. So übel nehm ich es denen nicht, dass der 1. WK nur oberflächlich angekratzt wird.
Klar hat jedes Land seine eigene Geschichte, aber die Weltgeschichte beschränkt sich halt nicht auf das Land. Und ich fände es schon wichtig, wenn man gerade heute auch etwas über die eigenen Landesgrenzen hinausblickt, auch geschichtlich. Denn so vollends ganz vorbei ist das immernoch nicht. Ich habe vor ein paar Jahren erst wieder live die Erfahrung gemacht, dass wohl diverse Franzosen Deutsche immernoch nicht so recht leiden können. Ich will das jetzt nicht verallgmeinern, aber es kam halt so vor.
Was denkst du, wenn du in Frankreich in einem Restaurant sitzt, kein Wort franzäsisch kannst ausser "voulez vous coucher avec moi" und deswegen versuchst beim Kellner in feinstem Englisch natürlich mit deutschem Akkzent zu bestellen und dann nur kommt "sorry i no english" kommt und 3 Minuten später der gleiche Kellner am Nachbartisch die Engländer auf einmal mit perfektem Englisch bedient?
Diese Aussage verwundert mich immer wieder. Religionsunterricht ist auch heute in der Regel konfessionslos, außer vielleicht in der Grundschule (war bei uns zumindest damals der Fall, kurz vor der Jahrtausendwende).
Religionsunterricht war bei mir Anfang bis Mitte der 90er hochkatholisch. Wie ich vorher schon geschrieben habe, selbst an der Berufsschule anfang der 2000er kam ein Religionslehrer daher, der Jesus höchstpersönlich hätte sein können.
In unseren Religionsunterrichten ging es niemals um Glaubensvermittlung, wir haben uns immer alle Religionen angeschaut und miteinander verglichen, über Sekten und andere Themen gesprochen, die mit dem Thema Religion verwandt waren. War das bei dir nicht so?
Bei mir war das nicht so, DAS kam bei mir erst zur Sprache, nachdem ich schulisch bedingt die Möglichkeit hatte, von Religion zu Ethik zu wechseln. Vorher war im Religionsunterricht eher die 10 Gebote in jeder Einzelheit auswendig lernen angesagt.
Buchinterpretationen gibt es heute auch nicht mehr, weil man eingesehen hat, dass Interpretationen überhaupt nicht möglich und erst recht nicht bewertbar sind.
Sorry, den Ansatz finde ich auch falsch. Interpretationen sind möglich und auch bewertbar, nur der Lehrer muss halbwegs objektiv sein können und auf die Argumentation des Bewertenden eingehen können und darf natürlich nicht auf seiner Ansicht beharen. Das ist schwierig, aber durchaus möglich. Ein Lehrer sollte eigentlich dahingehend geschult und dessen fähig sein. Ist er das nicht, hat er den falschen Beruf, aber das ist in vielen anderen Berufen auch nicht nicht anders.
Da muss ich widersprechen, auch als jemand, der sich sehr mit Latein gequält hat. Zumindest Lateingrundkenntnisse sollten weiterhin zum Lehrplan gehören. Es hat auf den ersten Blick absolut keinen Nutzen. Dass man dadurch sehr viele Dinge gerade aus dem medizinischen oder juristischen Bereich kennenlernt oder noch heute geläufige Sprichwörter - geschenkt. Aber Latein bietet eine unglaublich gute Basis, andere romanische Sprachen zu lernen.
Jap, man möge es kaum glauben, aber ich kann auch nach mehr als 10 Jahren erfolgreicher Verdrängung dieser mieserablen Erfahrung immernoch die Bedeutung des ein oder anderen Fremdworts aufgrund meines damaligen zwangsweise verursachten Traumas herleiten. Englisch, was mir weit geläufiger und wesentlich praxisrelevanter ist, liegt aber meist nicht allzuweit entfernt.
Ist "cool", wenn man das kann. Braucht man das? Ist das deswegen Allgemeinbildung? Ich denke nicht.
Ich kann aufgrund meiner zwangsweise eingeprügelten und mittlerweile erfolgreich vergessene Lateinkenntnissen einfacher Spanisch lernen? Ist auch richtig, es gibt da starke Paralellen, und man möge es kaum glauben, wer Latein kann, kann fast schon italienisch, ohne jemals italienisch gelernt zu haben. Ich war aber im fucking mathematischen Zweig, eben weil ich mir Sprachen nix am Hut hatte und für mich Fremdsprachen ein riesen Problem waren. Und zwar bis ich an der FOS endlich mal einen Englischlehrer hatte, der fähig war praxistaugliches Englisch zu unterrichten, und nicht hochtrabende englische Diskussionen über the british parliament zu diskutieren, sondern mir endlich mal beibringen konnte, was ich auf englisch sagen muss, wenn ich beim Bäcker ein simples Brötchen kaufen will. Jap, korrekt, bis zur 11ten Klasse wusste ich nicht was "Brötchen" auf englisch heist. Wie ebenso von meine ganzen 24 Klassenkameraden in der elften Klasse kein einziger wusste, was Brötchen heist.
Hier sind vielleicht genug Leute, die es aus Praxiserfahrung mittlerweile wissen, aber wie ordert man bei einem englischen Bäcker ein Brötchen (aka Semmel hier bei mir)?
Was bringt mir die ganze Schulbildung ausser den theoretischen Vorraussetzungen, wenn ich absolut null Praxiserfahrung habe, wirkliche alltägliche Praxis auch kaum unterrichtet wird?
Ich war auch schon in Finnland, wo wirklich jeder Depp wirklich gut englisch spricht, nicht zu vergleichen mit hier (natürlich abgesehen vom grausamen finnischen Englischakzent, aber dafür können die ja auch nichts) und wollte mir eigentlich bei Subways was zu Essen holen, bis mir dann eingefallen ist, dass die ja nach jeder Zutat fragen. Zwiebeln, Gurken, Paprika, Käse, Souce, Brötchenart, etc. Bevor ich mich dann balmiert häte, weil ich gern "Gurks" auf mein Sandwich hätte (neben diversen völlig alltagsfremden Begriffen) bin ich dann doch lieber zu McDonalds gegangen und habe mir schlicht einen BigMac bestellt.
Immerhin hat das dazu geführt, dass ich diese Begriffe mittlerweile dennoch kenne. In der Schule hat mir das aber keine beigebracht, und selbst wenns mal im Vokabular stand wurde es nicht so unterrichtet, dass das nachhaltig gewesen wäre. Aber genau DAS sollte mMn eigentlich der Inhalt der Schulbildung sein.
Man kann - zumindest meiner Erfahrung nach - deutlich besser Spanisch lernen, Italienisch und auch Französisch, weil man Gemeinsamkeiten entdeckt und diese anwenden kann.
Oder man kommt genau deswegen, weil man mehrere Sprachen gleichzeitig lernt, gezielt durcheinander. Kann ich jetzt zwar nicht aus erster Hand sagen, wurde mir aber von vielen Leuten aus dem Neusprachlichen Bereich erzählt, die dann mal eben Englisch, Französisch und Spanisch (und ggf. sogar noch italienisch im Wahlfach) parallel lernen durften erzählt. Kann ich mir aber gut vorstellen, dass das wirklich zutrifft. Und genau die Leute im neusprachlichen Zweig, die hatten dann zwar Englisch, Fanzösisch und Spanisch, aber KEIN Latein... tolle Welt.
Auch die eigene Sprache lernt man besser kennen,
Wenn ich mir diverse Posts so anschaue (nicht nur hier), frage ich mich häufig, ob diverse Leute überhaupt Deutschunterricht in ihrer Schulzeit hatten. Weil Rechtschreibung und Grammatik ist ja oft nicht so ganz geläufig. Nicht das man kleinlich alles wirklich komplett richtig schreiben müsste, aber so komplett fehlende Satzzeichen, fehlende Groß-/Kleinschreibung, ist ja jetzt selbst bei vielen deutschsprachigen nicht so weit her.
Neeulich habe ich erst ein Spasspost gelesen, dass mit der nächsten Rechtschreibreform "seid/seit" einfach durch "seidt" ersetzt wird, weil gefühlte 80% der Deutschen den Unterschied schlicht nicht kapieren.
Dialekt bedingt fällt hier und da schonmal die ein oder andere Sprachnuance unter den Tisch.
Linguistik ist ein Punkt, der im Deutschunterricht nicht wirklich vorkommt. In der 5. oder 6. Klasse nimmt man kurz Begriffe wie Akkusativ, Dativ, Genitiv und vielleicht mal Pronomen und Präposition durch, aber das vergisst man sehr schnell wieder
Völlig verständlich. Von Kindauf erzogene Sprachen spricht man einfach. Man lernt dabei keine, äh, wie heisst das? Keine Zeitformen, Konjugation oder sonstwas, man hat einfach ein Gefühl dafür und spricht es so wie man es gelernt hat, ohne darüber nachzudenken, warum das jetzt so ist.
Ich hatte einen Mitschüler, der war zweisprachig aufgewachsen, weil deine Mutter Deutsche und sein Vater Amerikaner war. Entgegen allen Erwartungen hatte der massive Probleme im Englischunterricht.
Aber das schließt die Muttersprache nicht aus, wie heisst es so schön: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Oder sollte ich eher Tot schreiben?
Aber Sprache entwickelt sich auch und bleibt nicht stehen. Ich hab neulich erst einen Bericht über die englische Sprache gelesen, wie die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Was um 1500 rum in englisch geschrieben/gesprochen wurde, versteht man mit heutigen Englischkenntnissen praktisch nicht mehr, das scheint eher wie eine komplett andere Sprache.
und irgendwann stellt man dann vielleicht mal durch ein Kreuzworträtsel fest, dass eine Präposition eine kasusgebende Funktion hat und ein Diminutiv eine Verniedlichungsform, was dann wieder weitere Steine ins Rollen bringen kann (zum Beispiel die Frage, was die Ursprungsform von Mädchen ist, wenn -"chen" eine Verniedlichungsform darstellt (Spoiler: Es kommt von Maid).
Und, was bringt mir die Erkenntnis jetzt? Ausser das ich beim Kreuzworträtsel mit einer Einsendung die meine private Anschrift dem Anbieter preisgibt und mich somit als Leser identifiziert und ich damit mit einer Chance von 1:1000000 vielleicht einen Regenschrim gewinnen kann?
Sprich: Die Menschen fangen an, sich mit der Sprache zu beschäftigen. Das tut man als 5. oder 6. Klässler nicht und es ist wirklich schade, dass spätestens ab Stufe 7 wirklich nur noch Literatur und vielleicht etwas Kommunikation durchgekaut wird.
Finde ich nicht. Ich hatte schon genug Anlässe mich mit der Sprache zu beschäftigen. Aber eher als Hobbie, nur weil diverse Fehler oder Eigenheiten mein Interesse weckten. Ich habe aber sonst nichts mit Sprachen am Hut, ich brauche die auch nicht beruflich (abgesehen von Fachenglisch), das ist also schon sehr Orientierungsgetrieben und hat nichts mit Spezialisierung zu tun, und fällt, in diesem Ausmaß mMn auch nicht mehr unter Allgemeinbildung. Ich bin kein Politiker der eloquente Reden halten muss, ich schreibe keine Romane oder Gedichte. Inwiefern ist das für mich in diesem Detailgrad relevant? Ich spreche oder schreibe halt auch einfach, wie ich es gelernt habe. Muss ich wirklich drüber nachdenken, ob das nun ein Akkusativ oder ein Genitiv ist?
Ein tolles Sprachphänomen dessen Ursprung bis heute mir noch keiner erklären konnte ist:
Die Honda und der Honda. Oder die Suzuki und der Suzuki. Das sind Eigennamen, klar, aber warum ist jedem klar, dass "der Honda" ein Auto ist, und "die Honda" ein Motorrad, wo doch sowohl das Auto als auch das Motorrad sächlich sind? Es liegt jedenfalls nicht am japanischen Worturpsrung, denn das gleiche gilt für "den BMW" und "die BMW".
Oder warum haben wir im Deutschen "der Mond" und "die Sonne" aber im Spanischen ist es mit "la luna" und "el sol" genau umgekehrt?
Und warum musste ich überhaupt die tote Sprache Latein lernen und nicht spanisch, was mir aufgrund der Verbreitung, vorallem wenn man z.B. auch noch portugiesisch dazunimmt wesentlich mehr gebracht hätte, zudem die Abstammung ja ähnlich ist.
Wenn ich noch irgendwann mal eine Fremdsprache lernen sollte, dann wird das definitiv Spanisch sein, weil mir das einfach am meisten weiterhilft, abgesehen von Chinesisch, was mir aber einfach zu kompliziert ist.
(und ich bis heute nicht verstehen kann, wie man an einem solchen Schriftsystem noch festhalten kann).
Zumindest war es zu meiner Zeit so, keine Ahnung, wie es heute in den Schulen diesbezüglich ausschaut. Und da kann Latein eben auch sehr hilfreich bei sein. Natürlich lernt nicht jeder später noch einmal eine romanische Sprache. Aber es geht auch nicht jeder später in einen wirtschaftlichen Berufszweig und muss Kostenfunktionen berechnen können.
Es geht auch nicht jeder später in einen Bereich, wo er zig Sprachen oder deren Grundlagen zu verstehen hat. Deswegen haben diverse Sprachen nichts in der Grundbildung verloren. Englisch als "Weltsprache" mal ausgenommen, die hilft halt weltweit am meisten weiter, auch wenn man nur ein paar Brocken kann und mal auf Urlaub ist, auch wenn rein an der Weltbevölkerung gemessen Chinesisch immernoch die "meistgesprochene" Sprache ist, aber selbst die können mittlerweile häufig englisch (auch wenn die Chinesen, die Englisch lernen müssen, durchaus mein Beileid haben).