Kajetan hat geschrieben:
Das ist eine Behauptung, für dies nicht nur keinen Beweis gibt, die sogar allem widerspricht, was man über volkswirtschaftliche Zusammenhänge weiß.
Dafür gibts keinen Beweis, stimmt. Es ist nur eine Sichtweise, und nach dieser Sichtweise widerspricht das eben nicht volkswirtschaftlichen Zusammenhängen. Nur wenn man die Sichtweise nicht annehmen will, dann scheint es dem zu widersprechen.
Ja und? Nicht jeder hat die gleichen Vorstellungen von einem akzeptablen Preis. Es gibt Leute, die Ware A für Preis Y kaufen würden, aber nicht für Preis X. Deswegen gibt es ja Sonderangebote und dergleichen.
Genau deswegen gibt es Sales...
Sales in der uns bekannten Form gibt es nur, WEIL kein Secondhand-Handel mit rein digitalen Gütern möglich ist. Sales in der uns heute bekannten Ausprägung braucht es dann nicht mehr, wenn ein halbwegs geregelter Secondhand-Handel möglich ist.
... nicht deswegen. Das ist auch nur eine Annahme von dir für den Grund, warum es deiner Meinung nach Sales gibt, was meiner Meinung nach ein falscher Umkehrschluss ist. Das eine schließt das andere nämlich nicht aus, wie man auch in allen anderen Bereichen sieht, in denen es SH-Handel gibt.
Dann gibt es nur noch EINEN festen Preis, vielleicht ab und an Sonderangebote, die zusätzliche Inhalte bundeln, aber der Rest der Preisfindung wird dann über den Secondhand-Handel abgewickelt.
Sehe ich genau anders. Aber nicht falsch verstehen, ich hätte nichts gegen einen Gebrauchthandel, aber ich kann durchaus nachvollziehen, warum die Publisher diesen nicht wollen.
Der Preis des SH-Handels wird nichts an der UVP ändern, die UVP bestimmt vielmehr, wie hoch die SH-Preise sein werden.
Da der Anbieter für die Erstellung und Verbreitung einer Kopie nichts zahlen muss (ausser Anteile an den Plattformbetreiber) und an jeder Transaktion seiner Inhalte beteilgt wird (in welcher Höhe auch immer), ist das nicht schädigend, sondern ein äusserst lukratives und langfristiges Geschäftsmodell.
Das könnte sein. Oder auch nicht. Oder das Risiko ist für diverse Publisher zu hoch, um das "einfach mal" auszuprobieren. Das ist auch nur eine Annahme von dir, die ich allerdings auch nachvollziehen kann.
Es hat schon seinen Grund, warum Spiele auf dem PC heute so wenig kosten und Publisher wie auch Indies sich mit wesentlich niedrigeren verkauften Stückzahlen dennoch eine Goldene Nase verdienen können: die Gewinnspanne ist deutlich größer, die Stückkosten deutlich geringer, der Longtail-Verkauf ist erst jetzt so richtig profitabel.
Der Preisanteil am Retail einer Retailversion ist minimal, das liegt im Centbereich. Was da eher noch mehr abzweigt, ist der der Einzelhandel. Ausserdem ist das auch kein Grund, denn nach der Logik müsste ein und das selbe Spiel in der Retail-Version teurer sein, als in der Downloadversion. Ist es aber meistens nicht.
Ausserdem ist es doch auf Konsolen exakt genauso. Es gibt Retail, es gibt Download, es gibt keinen SH-Handel für die Downloadversionen. Trotzdem sind die Konsolenversionen meist deutlich teurer.
Weil die Nicht-Verbrauchbarkeit und sekundenschnelle Kopierbarkeit und weltweite Verteilung digitaler Information in irgendeiner Form kompensiert werden sollte. Wie bereits gesagt, es muss ein Ausgleich zwischen den Interessen der Inhalteersteller und der Inhaltekäufer(nutzer) geben.
Nunja, das ist dann wieder die grundlegende Diskussion über virtuelle und reale Güter. Warum soll Ikea nicht daran mitverdienen, wenn du ein Ikea-Möbel gebraucht weiterverkaufst? Weil es sich nicht endlos weiterverkaufen lässt, weil es irgendwann kaputt geht?
Du sagst doch selbst, die Bereitstellung und Vertrieb kostet "nichts". Zum Ausgleich, weil ein Produkt also nicht altert, der Vertrieb nichts kostet, dass nicht "tansportiert" werden muss und sowieso nur zur Erstellzeit Geld gekostet hat, soll der Publisher also auch noch an jedem Weiterverkauf mitverdienen?
Ich glaube, das kennt man ziemlich genauso schon aus der Musikbranche, und die will den SH-Handel auch nicht unbedingt haben. Ein Musiker komponiert ein Musikstück auch nur einmal und hat danach keine Aufwand mehr damit. Er verdient aber trotzdem an jedem Verkauf, obwohl die Vervielfältigung quasi keinen Aufwand kostet. Dementsprechend niedrig sind da aber auch die Beteiligungen an den verkauften Stückzahlen.
Wenn ich eine Musik-CD gebraucht verkaufe, dann bestimmt sich der Preis ja auch durch die Musik auf der CD, nicht durch die CD selbst, es ist der selbe Handel, nur das hier die Bits nicht durch ein Kabel laufen, sondern auf einer CD eingestanzt sind, auch entsteht dabei weder dem Musiker, noch dem Publisher irgend ein Aufwand an meinem Gebrauchtverkauf, er verdient aber nichts dran.
Unterschiedliche Preisvorstellungen führen zu unterschiedlichen Käufergruppen. Wer nicht bereit ist Preis X für Produkt A zu bezahlen, der ist nicht Kunde des Herstellers von Produkt A. Aber er ist bereit den Preis Y zu zahlen, was Kaufkraft beim Käufer von Preis X freisetzt, der dann wieder mehr Geld hat, um ein neues Produkt für Preis X zu bezahlen. Weil ihm Preis X die Ausgabe wert ist. Somit profitieren alle Beteiligten. Klassisches Win-Win!
Volkswirtschaft 101.
Für die unterschiedlichen Preisvorstellungen gibts ja die Sales. Der Preis entsteht durch den Break Even aus Preis und Käufer.
Wenn ich 100 potentielle Käufer habe und davon 60 bereit sind 60€ zu bezahlen (=3600€ Umsatz), für nur 40€ aber die 60 + 15 Kunden kaufen würden (=3000€ Umsatz) und der Rest nur für noch weniger, dann verkaufe ich nicht für 40, sondern für 60€. Das sich dadurch 15 Leute das Spiel nicht kaufen könne/wollen, juckt mich als Händler nicht, mit nur 50 Verkäufen zum höheren Preis hab ich trotzdem mehr verdient.
Volkswirtschaft 101.
Natürlich kann das Beispiel auch andersrum ausfallen, aber sowas kalkuliert man idR eben vorher schon ein und entscheidet danach. Der Preis liegt idR nicht grundlos da, wo er eben ist (ausser man hat eine Monopolstellung und entsprechende Nachfrage, aber dann ist der Preis eher utopisch hoch, nicht niedrig). Dazu kommt gerade bei Videospielen der Preisverfall mit der Zeit. Am Anfang ist es teuer, da werden genau die "abgezockt" die "sofort haben wollen" und dafür auch gerne mehr bezahlen. Die die nicht soviel ausgeben wollen, kaufen dann evtl. noch später, wenn der Preis sowieso fällt... nicht nur sowieso, sondern genau deswegen. In einem Zeitrahmen, indem das Spiel "relevant" ist, also z.B. nicht technisch komplett veraltet. (So wie z.B. Turok, wie ich gerade aus Steam drüber gestolpert bin, für 20€, bzw jetzt im Sale 15€. Wer zahlt für so einen Uraltschinken bitte noch soviel?).
Zudem kommt, dass ohne SH-Handel der Publisher jederzeit die Kontrolle über den Preis hat, sowohl über den regulären, als auch den Salepreis... und Salezeitpunkt. Mit SH-Handel verliert er diese Kontrolle, bzw der Regelbereich schränkt sich zumindest deutlich ein. Das dürfte auch ein wesentlicher Faktor sein.
Auch der Kunde hat hier Einfluss. Würden nicht soviele Leute gleich zu Release kaufen, oder sogar vorbestellen, dann würden die Releasepreise auch fallen. (Ganz abgesehen von so manchen Release-Katastrophen in letzter Zeit).
