Igorsam hat geschrieben:die Identifizierung mit der eigenen Figur wird zum Problem
Da muss ich widersprechen, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich weiß, was du damit meinst. Das wird aber auch häufig fälschlicherweise "Identifizierung" genannt.
Die Identifikation klappt mit Helden (im Sinne einer Geschichte, nicht gemeint ist der Heldenhafte) dann meist problemlos, wenn dieser Charakter eine Vorgeschichte und Eigenschaften bestitzt, mit denen man sich identifizieren kann. Dabei zählt aber die Abstraktivität (beispielsweise identifiziert man sich mit Harry Potter, auch ohne ein Zauberer oder gar ein Kind zu sein). Der Kontext kommt auch zum Tragen. Die meisten Filme haben so eine Identifikationsfigur, meistens der Held selbst. Oft hat dieser eine schwierige Zeit zu durchleben, der Zuschauer "fiebert mit" und ist an seinem letztendlichen Triumph beteiligt und teilt diesen Sieg. Wer kann sich nicht mit Harry Potter oder Luke Skywalker identifizieren? Es gibt wenige Filme, die diese Identifikation gewollt sperrig machen (Only God Forgives, um mal ein Beispiel zu nennen).
Vorteil von stummen Helden ist nicht die Identifikation, sondern die Projektion. Man füllt den leeren Platz in seinem Kopf mit eigenen persönlichen Gedanken auf. Unbewusst kann da sogar eine grobe Vita entstehen. Da reichen nur Grundreize. Beispiel: Gordon Freeman: Physiker, Mitarbeiter eines führenden Konzerns, geachtet bei Kollegen, befördert worden, intelligent. Man beachte, dass sich 'intelligent' alleine aus den offensichtlichen aus dem Spiel zu entnehmenden Infos emergiert. Das ist der gleiche Effekt, den man bei "schlechter" rudimentärer Grafik beobachtet: Wenn man an die Klassiker denkt, die man ein Jahrzehnt nicht gespielt hat, erinnert man sich dann an ein detailarmes Spiel? Nein! Im Gegenteil. Die Pixelgesichter von Guybrush Threepwood, Wallie oder Largo LaGrande aus Monkey Island 2 (dem Original) haben Profil und man schmückt sehr viel mit der eigenen Phantasie aus. Vorgegebene Strukturen hingegen bleiben weniger hängen, denn man wird zum Zuschauer degradiert. Erinnert sich hier jemand an Details aus der Citadel-Station aus Mass Effect? Ich auch nicht.
Je profilloser der Held, desto mehr kann man hineinprojezieren, die Lücken selbst füllen. Wenn man klassische Filmhelden spielt (z.B. Mass Effect) klappt die Identifikation besser. Letztendlich Geschmackssache.