Elderbunnie hat geschrieben:Und ich verstehe nicht, wie man in dieser Blackwater Geschichte Werbung erkennen kann? Ja, es wird erklärt, dass es sowas gibt. Sorry, wer das noch nicht mitbekommen hat zockt wohl tatsächlich nur und interessiert sich überhaupt nicht mehr dafür, was in unseren realen Welt so vor sich geht. Und es wird weniger geworben denn eher die Frage nach der Gefahr, die aus der Privatisierung entsteht, aufzuwerfen.
Natürlich ist das Werbung. Der Typ stellt seine Expertise zur Verfügung im Rahmen eines Interviews, das Teil der Marketingkampagne für ein kommerzielles Produkt ist. Dies wird er wohl kaum gratis getan haben, wobei das nachrangig ist, denn auch unbezahlte Werbung ist immer noch Werbung. Da existiert doch überhaupt kein Interpretationsspielraum. An Werbung an sich kann ich als ehemaliger Werber auch nichts Schlimmes finden. An Söldnertum aber sehr wohl. Genau das meinte ich mit meinem letzten Post ja: Selbst wenn man persönlich die Anwerbung des Blackwater-Gründers zu Marketingzwecken unproblematisch findet (was ich sicherlich nicht tue, im Gegenteil!), sollte man doch zuallermindest
nachvollziehen können, warum das andere Leute nicht unbedingt so sehen, denn nach denkbaren Gründen, sowas verwerflich zu finden, muss man nun wirklich nicht lange suchen.
Und der Bösewicht scheint mir jetzt schon gut geschrieben. Dadurch, dass er die ja definitiv kritikwürdige "Demokratisierung" seitens der Amerikaner als unsinnig und gescheitert erklärt stellt er sich zunächst auf die Seite der meisten Kritiker (zu denen ich mich übrigens auch zähle). Erst dann folgt der Ansatz seiner eigenen noch wesentlich gefährlicheren Pläne. Das ist der klassische charismatische Bösewicht wie ihn so eine Story braucht. Mit Kevin Spacey haben sie für die Rolle auch den richtigen erwischt. Vergesst nicht, CoD war schon immer in erster Linie Michael Bay Popcorn Entertainment.
Darin, dass der Bösewicht für CoD-Verhältnisse gut geschrieben daherkommt, stimme ich Dir zu. Aber auch wirklich nur für CoD-Verhältnisse, also auf ziemlich niedrigem Niveau. Charismatische Bösewichte sind immer gut. Spaceys böser Söldnerboss taugt aber zum Advocatus Diaboli nur sehr bedingt, dafür sind seine charismatisch vorgetragenen Standpunkte viel zu naiv: Es ist eben nicht so (wie Spaceys Figur es behauptet), dass Amerikaner seit über hundert Jahren versuchen, allen Ländern der Welt das "Licht der Demokratie" zu bringen. Tatsächlich taten und tun sie dies jeweils nur dort, wo eigene wirtschaftliche oder geostrategische Interessen vorliegen.
Besser wäre es meiner Ansicht nach gewesen, wenn besagter Bösewicht hinter seiner "US-Imperialismus"-kritischen Ideologie eben
nicht irgendeine verdeckte Machtagenda ("...that's where I come in") verstecken würde, sondern Überzeugungstäter wäre. Das würde etwaige Sympathien, welche der Spieler dieser Figur entgegenbringt, nämlich nicht direkt wieder bevormundend entwerten nach dem Motto "Nee nee, eigentlich will der üble Geselle ja doch nur die Weltherrschaft" - der Spieler würde sich somit tatsächlich in einer erzählerisch einigermaßen interessanten Zwickmühle wiederfinden, und nicht nur so pseudomäßig, wie es hier der Fall ist. Für ein Call of Duty wäre das aber vermutlich einfach zu viel Grauzone.