Doc Angelo hat geschrieben:Also ich persönlich hab mich noch nie "entmenschlicht" gefühlt, wenn ich mitgehört habe, das mich jemand als "der Freund/Mann von XYZ" bezeichnet hat. Genau das bin ich doch auch.
Nagut, das ist dann Ansichtssache. Ich denke auch da liegt der Knackpunkt. Ich persönlich fühle mich davon auch nicht beleidigt, aber ich kann mir einfach gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich nicht gerne auf ihre Ehe/Partnerschaft reduzieren lassen wollen und gerne als eigenständige Person wahrgenommen werden möchten. Ist denke mal kein allzu abwegiger Wunsch? Unabhängig erstmal davon ob ich Ruhm und Berühmtheit will oder nicht.
Ob das hingegen nun ALLEIN der einzige Punkt ist, wage ich nicht zu beurteilen, es ist aber ein Punkt, der den Eindruck verstärkt, man ist eben nicht mehr als der "dazugehörige" Teil. So nach dem Motto: Naja ist ja ein erfolgreicher Mann, da gehört natürlich auch irgendeine Frau dazu.
Und wenn wir rein geschichtlich mal überlegen: Egal ob ein Mann oder eine Frau an der Spitze einer Regierung war, die Stellung des Mannes war halt einfach immer "besonders". Man hat die Machtstellung einer regierenden Frau zwar innerhalb des Mileus anerkannt aber eben nicht (gerne) nach außen getragen. Ausnahmen gab es, aber das sind wie der Name sagt "Ausnahmen".
Ich finde es halt befremdlich, dass wir immernoch solche Berührungsängst damit haben, dass Frauen Führungspositionen übernehmen. Ich wüsste nicht wie man sonst das Gekicher der jeweiligen Journalisten interpretieren soll? Welchen (harmlosen) Grund gäbe es da denn zu kichern? Mir fällt keiner ein...
Zugegeben, ich hab den Artikel nicht gelesen oder das Interview nicht gesehen. Aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass Jessica Curry sich sowas ausdenkt. Überinterpretiert vielleicht. Aber das ist eben der Punkt mit der Empathie: Es spielt keine Rolle, ob man es allgemeingültig als beleidigent gilt, sondern ob die entsprechende Person es in der Situation beleidigend bzw. herabwürdigend empfand. Ich denke jeder kennt das, dass man z.B. in der Partnerschaft nicht immer alles kapiert, was die Freundin oder der Freund beleidigend findet, aber man passt sich halt an. Das sollte in der Businesswelt, in der es eben auch Frauen gibt, ebenso machbar sein.
Doc Angelo hat geschrieben:Ist es wirklich unmöglich, das es nicht an Sexismus lag?
Selbstverständlich nicht. Ich würde es auch nicht direkt Sexismus nennen. Es ist eben die Art wie mit ihr umgegangen wurde. Ob aus sexistischen oder anderen Gründen spielt für mich weniger eine Rolle. Ich habe hier dem Bezug zur Frauenbenachteiligung nur gezogen, weil es meine persönliche Einschätzung ist, dass auf diese Weise meistens mit Frauen verfahren wird. Ich wollte keine Sexismus-Debatte beginnen, ich fand nur generell nicht gut wie sie laut ihren Schilderungen behandelt wurde. Wie gesagt, kann alles auch auf Missverständnissen basieren, aber offensichtlich wurden diese ja nicht aufgelöst, weshalb es ihr gutes Recht ist, diese auch als störend anzusprechen.
Ein Mann der in einem bestimmten Kreis zu Ruhm gekommen ist, wird ja generell, so mein Eindruck, als eigenständige unabhängige Person gesehen. Warum mal also bei Jessica Curry den Bezug zu ihrem Ehemann herstellen muss, ist für mich nicht wirklich schlüssig. Es gibt natürlich auch Frauen, die nur zu großem Ruhm gekommen sind, weil sie eben die Frauen berühmter Männer waren/sind. Wie etwa Yoko Ono, die ohne John Lennon sicher keinesfalls so bekannt wäre. Zwar war sie vorher in bestimmten Kreisen bekannt, ihre große Bekanntheit erlangte sie aber eben durch John Lennon.
Doc Angelo hat geschrieben:Curry sagte ja, das sie nicht gerne Präsentationen hält und ihr Mann die ganze Öffentlichkeits-Sache auch viel besser mache.
Das klingt für mich aber so, als würden nur öffentlichkeitswirksame Menschen als eigenständig erfolgreiche Menschen angesehen werden. Das ist aber nicht der Fall. Viele ranghohe Banker und Manager kennt kein Mensch, sind aber dennoch weitesgehend respektierte Menschen, eben weil sie etwas erreicht haben in ihrer Firma, ihrer Branche, etc.
Zu sagen, die reine Öffentlichkeitswirksamkeit mache ihren Mann zum "erfolgreicheren" Menschen, finde ich doch etwas seltsam. Ehre wem Ehre gebührt, heißt es doch. Company Director klingt für mich nicht wie ein Hausmeisterjob. Egal wie offentlichkeitsunwirksam diese Position sein mag. Dennoch hat sie wie jeder andere Mensch das Recht als solche Respektperson anerkannt zu werden. Ob ihr der Ruhm ausreicht oder nicht das mag ich nicht beurteilen, aber es ist halt ein Unterschied zwischen "Ruhm" ala John Romero oder eben einfach nur die Anerkennung als Respektperson. Denn es geht nicht immer nur um kindische Selbstdarstellung. Es ist wichtig, als Führungsperson respektiert zu werden. Wenn man überall nicht ernstgenommen wird, leidet auch die Arbeit mit Kollegenen und Untergebenen darunter. Das ist es ja eben, was es für Frauen schwierig macht in solche Positionen. Diese latente Abwehrhaltung, einer vorgesetzten Frau nicht den nötigen Respekt entgegenzubringen.
Natürlich kann es sein, dass Jessica Curry da irgendwas falsch interpretiert hat oder den Kontext missverstanden hat, das können eh nur die beteiligten Personen sicher wissen. Aber angenommen, die Situationen welche sie geschildert hat, entsprechen so der Wahrheit, kann ich ihrer Interpretation, dass sie als Führungsperson nicht ernstgenommen wird, nur zustimmen.
MfG Ska